Abo
  • Services:
Anzeige
Twittervogel verhaftet: Die Türkei ist eines von vielen Ländern, in denen das Internet zensiert wird.
Twittervogel verhaftet: Die Türkei ist eines von vielen Ländern, in denen das Internet zensiert wird. (Bild: Ozan Kose/Getty Images)

Neuer HTTP-Fehlercode: 451 - diese Seite wird zensiert

Twittervogel verhaftet: Die Türkei ist eines von vielen Ländern, in denen das Internet zensiert wird.
Twittervogel verhaftet: Die Türkei ist eines von vielen Ländern, in denen das Internet zensiert wird. (Bild: Ozan Kose/Getty Images)

Die HTTP-Fehlermeldung "404 - Seite nicht gefunden" kennt jeder. Jetzt gibt es einen neuen Statuscode für zensierte Inhalte. Seine Zahlenfolge ist keineswegs zufällig gewählt.

Der HTTP-Statuscode 404 hat es weit gebracht. So ziemlich jeder dürfte die Fehlermeldung kennen, sie bedeutet: Ihr Browser hat zwar den gewünschten Server erreicht, aber der Server findet die von Ihnen angefragte Seite nicht. Es gibt Seiten, auf denen die kreativsten 404-Versionen, die sich Serverbetreiber ausgedacht haben, gesammelt werden. Und die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat sogar einen 404-Feiertag erfunden, den 4. April.

Anzeige

Die EFF wollte damit auf Zensur in öffentlichen Bibliotheken und Schulen hinweisen. Zu weit gehende Jugendschutzfilter in deren Netzwerken würden verhindern, dass Besucher und Schüler wichtige Informationen etwa über Gesundheitsthemen abrufen können.

Nun gibt es einen neuen Statuscode, der dafür besser geeignet wäre: 451 - "diese Seite ist aus rechtlichen Gründen nicht erreichbar".

Ein Google-Ingenieur will vor Zensur warnen

Der Vorschlag kommt von Tim Bray. Der einstige Google- und heutige Amazon-Angestellte hatte ihn fast auf den Tag genau vor drei Jahren bei der Internet Engineering Task Force (IETF) eingereicht, die unter anderem Standards im Netz entwickelt. Seit dem 17. Dezember gilt der Vorschlag als angenommen, nur die offizielle Stellungnahme der letztlich verantwortlichen Internet Engineering Steering Group fehlt noch.

451 ist damit der neueste der insgesamt mehr als 60 HTTP-Statuscodes. Mit diesen Codes gibt ein Server dem Client - also zum Beispiel dem Browser - einen maschinenlesbaren Hinweis darauf, ob und wie eine Anfrage verarbeitet wird. Die erste Ziffer weist dabei immer auf die jeweilige Statusklasse hin. Statuscodes, die mit einer 1 beginnen, besagen: Die Bearbeitung der Anfrage durch den Server dauert noch an. Eine 2 bedeutet: Die Anfrage war erfolgreich. Bei einer 3 muss der Client weitere Schritte unternehmen. All diese Codes bekommt ein normaler Nutzer nicht zu sehen. Anders ist das bei jenen, die mit einer 4 oder 5 anfangen. Sie besagen, dass es sich bei einer fehlerhaften Anfrage um ein Client- oder ein Serverproblem handelt, und werden im Browser in vielen Fällen angezeigt.

Nach der ersten Ziffer wird in der Regel fortlaufend durchnummeriert. In dieser Hinsicht ist 451 eine Ausnahme, denn es gibt nur einen Code 449, aber keine 450. Die Erklärung: Tim Bray wollte Serverbetreibern eine Möglichkeit geben, transparenter als bisher darauf hinzuweisen, "wenn Gesetze oder politische Entscheidungen ihren Betrieb beeinflussen". Sprich, wenn Zensurmaßnahmen verhindern, dass bestimmte Inhalte im Internet zugänglich gemacht werden dürfen. Die 451 ist ausdrücklich ein Verweis auf Fahrenheit 451 von Ray Bradbury.

Ein politisches Easter Egg

In dem 1953 veröffentlichten dystopischen Roman beschreibt Bradbury eine Gesellschaft, in der es verboten ist, Bücher zu lesen oder zu besitzen, weil sie aufrührerisches Denken und Handeln fördern könnten. Die Feuerwehr ist dazu da, Bücher zu verbrennen, mechanische Hunde jagen und töten ihre Besitzer.

Die 451 ist also eine Art politisches Easter Egg. Es mag untypisch für eine technische Organisation wie die IETF erscheinen, unpassend ist es angesichts der vielerorts zunehmenden Zensur im Netz sicherlich nicht. Mark Nottingham, Vorsitzender jener Arbeitsgruppe, die den Vorschlag von Bray zuerst bearbeitet hatte, schreibt in seinem Blog, der Zensurhinweis hätte auch in einer 403-Meldung (Forbidden) untergebracht werden können. Doch die 451 sei ein klarer, maschinenlesbarer und damit leichter auszuwertender Code. Verschiedene Projekte wollten "in der Lage sein, das Netz automatisiert nach 451-Meldungen abzusuchen, um Zensur zu katalogisieren". Denkbar sei zudem, dass Serverbetreiber ihren Nutzern neben dem 451-Code noch einen Hinweis auf Techniken zur Umgehung von Zensur zeigen, wie zum Beispiel den Tor-Browser.

Nottingham räumt aber auch ein, dass dies nicht immer möglich sein wird: "Manche Regierungen werden den Gebrauch von 451 untersagen, um ihre Zensurmaßnahmen zu verstecken." Dann wäre auch die Zensurwarnung zensiert, und dagegen könne auch die IETF nichts machen.


eye home zur Startseite
HerrMannelig 01. Jan 2016

http://forum.golem.de/kommentare/internet/debian-gruender-ian-murdock-mit-42-jahren...

Cassiel 23. Dez 2015

error-451.asp Ernsthaft? :D

derdiedas 23. Dez 2015

Die Türkei ist kurz vor einer Diktatur eines Spinners der Mussolini gar nicht unähnlich...

tookarf 22. Dez 2015

451° Fahrenheit ist die Temperatur, ab der Papier anfängt zu brennen.

Prinzeumel 22. Dez 2015

Fehler: 451



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Daimler AG, Kirchheim
  2. BVU Beratergruppe Verkehr + Umwelt GmbH, Freiburg
  3. Optica Abrechnungszentrum Dr. Güldener GmbH, Nittenau Raum Regensburg
  4. Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Herzogenaurach


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 49,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 134,98€
  3. 209,99€/219,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)

Folgen Sie uns
       


  1. Künstliche Intelligenz

    Softbank und Honda wollen sprechendes Auto bauen

  2. Alternatives Android

    Cyanogen soll zahlreiche Mitarbeiter entlassen

  3. Update

    Onedrive erstellt automatisierte Alben und erkennt Pokémon

  4. Die Woche im Video

    Ausgesperrt, ausprobiert, ausgetüftelt

  5. 100 MBit/s

    Zusagen der Bundesnetzagentur drücken Preis für Vectoring

  6. Insolvenz

    Unister Holding mit 39 Millionen Euro verschuldet

  7. Radeons RX 480

    Die Designs von AMDs Partnern takten höher - und konstanter

  8. Koelnmesse

    Tagestickets für Gamescom ausverkauft

  9. Kluge Uhren

    Weltweiter Smartwatch-Markt bricht um ein Drittel ein

  10. Linux

    Nvidia ist bereit für einheitliche Wayland-Unterstützung



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Schrott im Netz: Wie Social Bots das Internet gefährden
Schrott im Netz
Wie Social Bots das Internet gefährden
  1. Netzwerk Wie Ausrüster Google Fiber und Facebooks Netzwerk sehen
  2. Secret Communications Facebook-Messenger bald mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
  3. Social Media Ein Netzwerk wie ein Glücksspielautomat

Masterplan Teil 2: Selbstfahrende Teslas werden zu Leihautos
Masterplan Teil 2
Selbstfahrende Teslas werden zu Leihautos
  1. Projekt Titan Apple Car soll später kommen
  2. Nissan Serena Automatisiert fahrender Minivan soll im August erscheinen
  3. Elon Musk Tesla-Chef arbeitet an neuem Masterplan

Dirror angeschaut: Der digitale Spiegel, der ein Tablet ist
Dirror angeschaut
Der digitale Spiegel, der ein Tablet ist
  1. Bluetooth 5 Funktechnik sendet mehr Daten auch ohne Verbindungsaufbau
  2. Smarter Schalter Wenn Github mit dem Lichtschalter klingelt
  3. Tony Fadell Nest-Gründer macht keine Omeletts mehr

  1. Re: Einnahmequellen?

    Bosancero | 22:47

  2. Re: Gut so, hoffentlich bald alle arbeitslos

    Bosancero | 22:45

  3. Re: Posteo.de vs. Mailbox.org

    interpretor | 22:38

  4. Re: Geheimpakt zwischen Google und Microsoft..?

    quasides | 22:02

  5. Re: "noch im Bau"

    blubberer | 21:34


  1. 15:17

  2. 14:19

  3. 13:08

  4. 09:01

  5. 18:26

  6. 18:00

  7. 17:00

  8. 16:29


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel