Abo
  • Services:
Anzeige
FCC-Präsident Tom Wheeler will eine Überholspur im Netz erlauben.
FCC-Präsident Tom Wheeler will eine Überholspur im Netz erlauben. (Bild: Gary Cameron/Reuters)

Netzneutralität: USA wollen Überholspur im Internet erlauben

Die US-Regulierungsbehörde FCC will den Providern und Inhalteanbietern weit entgegenkommen. Die geplanten Regelungen schaffen die Basis für ein Zwei-Klassen-Internet. Die Bundesregierung will das auf EU-Ebene verhindern.

Anzeige

Was in der EU zuletzt am Widerstand des Parlaments gescheitert ist, soll in den USA bald Realität werden: Telekommunikationsfirmen sollen die Möglichkeit erhalten, mit Inhalteanbietern eine bevorzugte Übertragung auf der "letzten Meile" zu vereinbaren. Die Regulierungsbehörde FCC bestätigte am Mittwoch auf Anfrage von Ars Technica entsprechende Medienberichte. Netzbetreiber wie Verizon, Comcast und AT&T müssen demnach ihren Kunden einen Basisdienst mit einem bestimmten Service anbieten, dürfen allerdings mit Diensten wie beispielsweise dem Videostreamportal Netflix oder Googles Youtube individuelle Verträge abschließen. Kritiker befürchten ein Ende der Netzneutralität und Nachteile für Nutzer sowie weniger zahlungskräftige Anbieter.

Die Neuregelung war notwendig geworden, weil ein Gericht im Januar die bisherigen FCC-Bestimmungen zur Netzneutralität teilweise für unzulässig erklärt hatte. In einer Stellungnahme zu einer Onlinepetition hatte sich das Weiße Haus noch für den Erhalt der Netzneutralität starkgemacht und geschrieben: "Ohne Netznetzneutralität kann das Internet zu einer kostspieligen privaten Mautstrecke werden, die für die nächste Generation von Visionären unerreichbar sein wird."

Kabelnetzbetreiber "sehr erfreut"

Die geplanten Regelungen sollen am Donnerstag von der FCC präsentiert und am 15. Mai beschlossen werden. Generell solle es den Providern verboten werden, bestimmte Inhalte zu blocken oder zu drosseln, berichtete das Wall Street Journal. Die FCC will die Vereinbarungen zwischen Providern und Inhalteanbietern von Fall zu Fall überprüfen und darauf achten, dass sie "wirtschaftlich vernünftig" sind. Damit soll offenbar verhindert werden, dass die Konkurrenz durch überhöhte Preise von der Überholspur ausgeschlossen wird. Die Anforderungen für den Basisdienst sowie die Kriterien für "wirtschaftlich vernünftige" Deals sollen nun diskutiert werden.

Profitieren dürften von der Regelung vor allem die Provider. Sie können nun sowohl von den Endkunden als auch von Diensteanbietern Gebühren für die Netznutzung verlangen. Unberührt von den neuen Regelungen bleiben zudem Deals für ein bezahltes Peering, wie ihn Netflix und Comcast vor einigen Wochen abgeschlossen hatten. Die Forderung von Netflix-Chef Reed Hastings, solche Vereinbarungen mit einer "starken Netzneutralität" zu verbieten, hatte FCC-Chef Tom Wheeler zurückgewiesen. Kein Wunder, dass sich der Manager eines Kabelnetzbetreibers laut Wall Street Journal "sehr erfreut" über die Berichte zeigte. Große Internetfirmen wie Microsoft, Google, Facebook, Yahoo, eBay und Netflix lehnten dem Blatt zufolge eine Stellungnahme ab.

"Verbraucher werden den Preis bezahlen"

Die American Civil Liberties Union (ACLU) kritisierte die Pläne: "Wenn die FCC sich diesen Meinungsumschwung in Sachen Netzneutralität zu eigen macht, steigen die Hürden für Innovation und der Marktplatz für Ideen im Internet wird leiden. Verbraucher werden letzten Endes den Preis dafür zahlen." Bittorrent-Chef Eric Klinker sagte: "Eine Überholspur für diejenigen, die es sich leisten können, ist per definitionem eine Diskriminierung." FCC-Chef Wheeler wies jedoch den Vorwurf zurück, dass es eine Kehrtwende seiner Behörde in Sachen Netzneutralität gebe. Dieselben Regeln sollten für alle Internetinhalte gelten.

Im vergangenen Jahr hatte auch die Deutsche Telekom eigene Pläne für sogenannte Managed Services oder Spezialdienste präsentiert. Auch die EU-Kommission wollte in der neuen Telekommunikationsmarkt-Verordnung solche Dienste erlauben. Das EU-Parlament schwächte die Vorschläge zuletzt jedoch stark ab und will sie nur in wenigen Ausnahmefällen zulassen.

Nachtrag vom 24. April 2014, 16:35 Uhr

Die Berichte riefen auch in Deutschland sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. Der Branchenverband Bitkom begrüßte die Pläne: "Gesicherte Qualitätsklassen sind notwendig, um die Güte neuer Internet-Dienste zu garantieren und innovative Services und Geschäftsmodelle zu ermöglichen", sagte Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder laut Pressemitteilung. Die EU sollte sich bei ihren Plänen zur Netzneutralität daran orientieren. Das Best-Effort-Prinzip sollte erhalten und ausgebaut werden. "Dies wird regelmäßig über bloße Mindeststandards hinausgehen, kann aber gerade nicht garantiert werden", sagte Rohleder.

Kritik kam von der Digitalen Gesellschaft. "Die Netzneutralität wird da ihr Ende finden", sagt Geschäftsführer Alexander Sander Spiegel Online. Er befürchtet drastische Auswirkungen für Firmen und deren Kunden: "Innovation wird gebührenpflichtig." Angebote kleiner Unternehmen, die sich die digitale Überholspur nicht leisten könnten, würden für die Anwender weniger attraktiv, die Firmen dadurch vom Markt verdrängt.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Brigitte Zypries (SPD), teilte mit: "Wir setzen uns in den laufenden Verhandlungen auf EU-Ebene zur Netzneutralität weiter nachdrücklich für ein offenes Internet ein, so wie wir es heute kennen." Die Regierung werde sich dafür stark machen, dass der Transport von Datenpaketen ohne Bevorzugung einzelner inhaltlicher Angebote erfolge. "Klar ist aber auch, dass das Internet entwicklungsoffen und dynamisch angelegt werden muss", sagte Zypries.


eye home zur Startseite
eikira 28. Apr 2014

Ach und Lobbyisten arbeiten kostenlos? 1. Muss man den Lobbyisten bezahlen. Der wiederum...

DrWatson 26. Apr 2014

Du hast doch Internet! Wer redet denn hier von verzichten? Du kannst aber nicht überall...

Kakiss 26. Apr 2014

Bei einem Freund tritt genau das Gleiche ein, entweder das Video startet gar nicht oder...

pica 25. Apr 2014

sind die 2 Klassen erst einmal durchgesetzt. Dann kommt in die 1. Klasse nur erwünschte...

DrWatson 24. Apr 2014

Das ist doch keine Problematik sondern ganz normal: Es gibt auch keine flächendeckenden...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Home Shopping Europe GmbH, Ismaning Raum München
  2. Accenture, Frankfurt am Main, Berlin
  3. über Kilmona PersonalManagement GmbH, Ludwigsburg
  4. Hessischer Rundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts, Frankfurt


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 5,49€
  2. 21,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  3. (u. a. Homefront 7,97€, The Wave 6,97€, Lone Survivor 6,97€)

Folgen Sie uns
       


  1. SWEET32

    Kurze Verschlüsselungsblöcke sorgen für Kollisionen

  2. Mobilfunk

    Telekom bietet Apple Music wohl als Streamingoption an

  3. Android 7.0

    Erste Nougat-Portierungen für Nexus 5 und Nexus 7 verfügbar

  4. DSLR

    Canon EOS 5D Mark IV mit 30,4 Megapixeln und 4K-Video

  5. Touchscreen-Ausfälle

    iPhone 6 und 6 Plus womöglich mit Konstruktionsfehler

  6. Honor 8

    Dual-Kamera-Smartphone kostet ab 400 Euro in Deutschland

  7. Eigengebote

    BGH verurteilt Preistreiber zu hohem Schadenersatz

  8. IDE

    Kdevelop 5.0 nutzt Clang für Sprachunterstützung

  9. Hybridluftschiff

    Airlander 10 landet auf der Nase

  10. Verschlüsselung

    Regierung will nun doch keine Backdoors



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Xfel: Riesenkamera nimmt Filme von Atomen auf
Xfel
Riesenkamera nimmt Filme von Atomen auf
  1. US Air Force Modifikation der Ionosphäre soll Funk verbessern
  2. Teilchenbeschleuniger Mögliches neues Boson weist auf fünfte Fundamentalkraft hin
  3. Materialforschung Glas wechselt zwischen durchsichtig und schwarz

Next Gen Memory: So soll der Speicher der nahen Zukunft aussehen
Next Gen Memory
So soll der Speicher der nahen Zukunft aussehen
  1. Arbeitsspeicher DDR5 nähert sich langsam der Marktreife
  2. SK Hynix HBM2-Stacks mit 4 GByte ab dem dritten Quartal verfügbar
  3. Arbeitsspeicher Crucial liefert erste NVDIMMs mit DDR4 aus

Wiper Blitz 2.0 im Test: Kein spießiges Rasenmähen mehr am Samstag (Teil 2)
Wiper Blitz 2.0 im Test
Kein spießiges Rasenmähen mehr am Samstag (Teil 2)
  1. Warenzustellung Schweizer Post testet autonome Lieferroboter
  2. Lockheed Martin Roboter Spider repariert Luftschiffe
  3. Kinderroboter Myon Einauge lernt, Einauge hat Körper

  1. Re: Da stellt sich eine Frage an Google

    DetlevCM | 09:38

  2. Re: Canon <> Ferrari - eher Passat Alltrack

    cadderly | 09:37

  3. Re: Irgendwas machen die Leute falsch

    Dagobert | 09:36

  4. Re: Gamepad / Controller

    Mithrandir | 09:36

  5. Ich bin sehr gespannt!

    d1m1 | 09:36


  1. 09:31

  2. 09:15

  3. 08:51

  4. 07:55

  5. 07:27

  6. 19:21

  7. 17:12

  8. 16:44


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel