Netzaktivismus Anonymous braucht ethische Grundlagen

Ob der Aktivismus von Anonymous sinnvoll oder gar ethisch ist, darüber ist auf der Re:publica 2012 diskutiert worden. Die Meinungen waren so unterschiedlich wie die des Kollektivs.

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Sind Aktionen wie DDoS-Angriffe von Anonymous gerechtfertigt und basieren sie auf einer gemeinsamen Grundlage? Diese Frage haben Jakob Applebaum, Frank Rieger und Carolin Weidemann auf der Re:publica 2012 diskutiert. Für Applebaum sind DDoS-Angriffe und Server-Hacks auf legitime Ziele vertretbar. Rieger hingegen vertritt die unbedingte freie Kommunikation im Netz. Mit ihren Aktionen gefährdeten sich die Aktivisten von Anonymous unnötig, sagt er. Weidemann vergleicht Anonymous mit der Occupy-Bewegung: Anonymous agiert trotz der losen Struktur oftmals schneller und effektiver.

Aktivisten von Anonymous wollen anonym bleiben. Das gelinge aber nicht, weil sie kein Vertrauensnetzwerk hätten, kein Web of Trust, sagte Frank Rieger, Sprecher des CCC. Der größte Fehler, den Anonymous bislang begangen habe, sei, sich infiltrieren zu lassen. Außerdem fehle Anonymous eine klare ethische Grundlage, mit der Aktivisten des Kollektivs letztendlich klare Entscheidungen treffen können, ob Aktionen gut oder schlecht sind. Ohne diese Grundlage sei Anonymous als Gruppe zum Scheitern verurteilt. Rieger warnte nochmals, einzelne Aktivisten blieben nicht anonym, nur weil die Gruppe es vielleicht sei.

Gefährlicher Idealismus

Durch ihre Aktionen habe die Gruppe nicht nur eine mediale Wirksamkeit erreicht, sondern längst auch Sicherheitsbehörden auf den Plan gerufen, die die lose und teils unkontrollierte Gruppe leicht unterwandern könnten. Junge Aktivisten, die aus Idealismus handelten, seien sich nicht bewusst, welche Konsequenzen ihr Tun nach sich ziehe, sagte Rieger.

Das bestätigte eine junge ehemalige Anonymous-Aktivistin in einem Gespräch, wie die Journalistin Carolin Weidemann berichtete. Die Aktivistin war wegen der Beteiligung an der Operation Payback festgenommen worden. Weidemann hob auch hervor, dass bei der anonymen Struktur der Netzaktivisten Geschlecht und Herkunft keine Rolle spielt. Laut Weidemann hat Anonymous zwar bereits ein gemeinsames Ziel, nämlich den freien Zugang zum Netz, sie plädiert allerdings ebenfalls für eine klare ethische Grundlage, damit dessen Anonymous-Aktivisten einfacher entscheiden können, welche Aktionen sie unterstützen wollen.

DDoS-Angriffe sind willkürlich 

divStar 04. Mai 2012

Engagement innerhalb des existierenden Systems ist mühsam und schwer, weil zum einen...

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