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Die neue E-Klasse verfügt über zahlreiche Assistenzsysteme, ist aber noch längst kein autonomes Auto.
Die neue E-Klasse verfügt über zahlreiche Assistenzsysteme, ist aber noch längst kein autonomes Auto. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Mercedes E-Klasse im Test: Der Lenkpilot, der nicht lenken darf

Die neue E-Klasse verfügt über zahlreiche Assistenzsysteme, ist aber noch längst kein autonomes Auto.
Die neue E-Klasse verfügt über zahlreiche Assistenzsysteme, ist aber noch längst kein autonomes Auto. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Die neue Mercedes E-Klasse ist gespickt mit elektronischen Assistenzsystemen. Sie sind teilweise sehr nützlich, haben aber auch ihre Tücken. Zum Beispiel, wenn sich der Lenkpilot in einer engen Kurve unbemerkt abschaltet ...

Es ist ein kleines grünes Lenkrad, das in der neuen E-Klasse von Mercedes einen weiteren Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren signalisiert. In Kombination mit einem Abstandsregeltempomaten hält der Wagen automatisch die Spur, kurvt selbst über Autobahnen, Landstraßen und sogar durch die Stadt. Doch die neue Funktion hat ihre Tücken: Verlieren die Sensoren die Fahrbahnmarkierung oder werden die Kurven zu eng, schaltet sich der Spurhalteassistent ohne jede Warnung ab. Aus rechtlichen Gründen sind der Software Grenzen gesetzt, die die Hardware längst überschreiten könnte.

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Die Funktion zeigt das Dilemma, in dem die traditionellen Autobauer stecken. Sie wollen sich dem autonomen Auto auf evolutionärem Weg nähern. Nach und nach sollen immer mehr Systeme den Fahrer unterstützen und ihm bestimmte Aufgaben abnehmen. Am Ende könnte das fahrerlose Auto stehen, wie Google es mit seinem eher revolutionären Ansatz intensiv testet. Doch sind Weiterentwicklungen innerhalb der bestehenden Regelungen kaum noch sinnvoll zu erreichen.

Die intelligenteste Business-Limousine

Nach Ansicht der Daimler-Ingenieure hat die neue E-Klasse auf diesem evolutionären Weg dennoch einen großen Schritt gemacht. Die laut Eigenwerbung "intelligenteste Limousine der Business-Klasse" ist gegen Aufpreis gespickt mit einer ganzen Palette an Sensoren wie Fern- und Mittelbereichsradar (Multi Mode), einer Stereokamera sowie Ultraschallsensoren. Eine Einparkhilfe ermöglicht das Einparken mit Hilfe des Smartphones, ohne dass ein Fahrer im Auto sitzen muss.

  • Das kleine Symbol links unten zeigt an, ob der Lenkpilot aktiviert ist. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Steuergerät für den Drive Pilot stammt vom schwedischen Zulieferer Autoliv und befindet sich normalerweise hinter dem linken Kotflügel. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Fernbereichsradar sitzt vorne hinter dem Mercedes-Stern und reicht bis zu 250 Meter weit. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Multi-Mode-Radar im Heck reicht je nach Öffnungswinkel bis zu 80 Meter. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Golem.de testete die neue E-Klasse an zwei Tagen in Lissabon und Umgebung. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das neue Command-System verfügt über sieben Menüpunkte. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Damit ist auch ein System-Backup möglich. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Je nach Verkehrssituation wird der Fahrer zunächst optisch aufgefordert, wieder die Hand ans Lenkrad zu legen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Stereo-Kamera hat eine Reichweite von 500 Metern, davon 90 Meter 3D-fähig. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Zwei hochauflösende Bildschirme mit je 31,2 cm Diagonale sind auf Wunsch erhältlich. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Daimler wirbt für die E-Klasse, als wäre sie schon hochautomatisiert. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die E-Klasse verfügt je nach Ausstattung über bis zu fünf Radare, sechs Ultraschallsensoren und eine Stereo-Kamera. (Bild: Daimler AG)
  • Bei der Vielzahl der Assistenzsystem kann man fast den Überblick verlieren. (Bild: Daimler AG)
  • Ein weiterer Assistent warnt den Fahrer vor Übermüdung. (Bild: Daimler AG)
  • Ein Park-Pilot ermöglicht das Einparken von außerhalb mit Hilfe einer App. (Bild: Daimler AG)
Das kleine Symbol links unten zeigt an, ob der Lenkpilot aktiviert ist. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Ein Notbremssystem stoppt den Wagen automatisch, wenn er auf ein Stauende zufährt und der Fahrer nicht selbst auf die Bremse tritt. Bei einem unerwartet querenden Auto berechnet die E-Klasse fast schon auf den Zentimeter genau, ob eine Notbremsung erforderlich ist oder ob der Wagen ohne Kollision passiert werden kann. So weit, so beeindruckend und sinnvoll.

Aber das Auto kann noch mehr. Auf großen Plakaten wirbt der Stuttgarter Autokonzern mit dem Spruch: "Den Piloten haben wir direkt mit eingebaut." Daher waren wir bei Golem.de besonders neugierig auf den optional erhältlichen Drive Pilot: ein aktiver Abstandsregeltempomat (Distronic) mit Lenkpilot, der auch über einen Spurwechselassistenten verfügt. Diese Funktionen kommen einem Autobahnpiloten, wie wir ihn im vergangenen Jahr bei Audi und BMW getestet haben, schon recht nahe. Aber die feinen Unterschiede haben einen großen Einfluss auf die praktische Nutzung. Der evolutionäre Schritt von teil- zu hochautomatisiert ist doch erheblich.

Freihanderkennung prüft Lenkung durch Fahrer

Dabei ist entscheidend, dass bei der neuen E-Klasse der Fahrer jederzeit die Kontrolle über den Wagen haben muss. Die derzeit gültige UN/ECE-Regelung Nr. 79 ist da eindeutig. Eine Fahrerassistenz-Lenkanlage ist demnach eine "Anlage, die zusätzlich zur Hauptlenkanlage vorhanden ist und den Fahrzeugführer beim Lenken des Fahrzeugs unterstützt, bei der er aber immer die Hauptverantwortung für das Führen des Fahrzeugs behält". Während beim Autobahnpiloten von Audi das Lenkrad einfährt und der Mensch damit eindeutig die Kontrolle abgibt, entlässt Mercedes die Fahrer nicht aus der Verantwortung.

Eine sogenannte Freihanderkennung erinnert den Fahrer nach einer bestimmten Zeit zunächst optisch und später akustisch daran, die Hände wieder ans Lenkrad zu legen. Wenn das nicht passiert, leitet der Wagen spätestens nach einer Minute eine Zwangsbremsung ein und hält dann mitunter mitten auf der Autobahn. Den vollständigen Bremsvorgang haben wir auf der portugiesischen A 15 bei Lissabon aber lieber nicht testen wollen. Ebenfalls wollten wir nicht ausprobieren, ob sich die Freihanderkennung mit einer Cola-Dose am Lenkrad austricksen lässt, wie es offenbar bei der S-Klasse funktioniert.

Lenkpilot schaltet sich unvermutet ab

Dafür haben wir uns umso intensiver dem Lenkpiloten gewidmet. Das kleine Lenkrad-Symbol links unten im Armaturendisplay zeigt bei der Aktivierung von Drive Control an, ob der Wagen eine Fahrbahn erkannt hat und die Spur halten kann. Das ist zunächst in fast allen Verkehrssituationen der Fall, nicht nur auf der dreispurigen Autobahn. Wenn der Assistent aktiv ist, folgt der Wagen automatisch der Fahrbahn oder dem Vordermann.

Die zusätzliche Erkennung der Verkehrszeichen (Geschwindigkeitslimit-Pilot), die zuverlässig funktioniert, erlaubt sogar die automatische Anpassung an die zulässige Geschwindigkeit. Laut Daimler funktioniert die Distronic nun bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h. Bis 130 km/h könne die neue E-Klasse auch bei unklarer Spurmarkierung, beispielsweise in Baustellen, mit dem umgebenden Autoschwarm "mitschwimmen".

Müsste man nicht gelegentlich das Lenkrad berühren oder bewegen, würde der Wagen wie von selbst über die Straße gleiten. Wenn man länger als zwei Sekunden den Blinker betätigt, wechselt die neue E-Klasse im Geschwindigkeitsbereich zwischen 80 und 180 km/h von selbst die Fahrbahn. Der Fahrer könnte daher dazu verleitet werden, sich zu sehr auf den Wagen zu verlassen und sich nicht mehr auf den Verkehr zu konzentrieren. Was aber nicht ungefährlich ist. Anders als der Tempomat stößt der Lenkpilot häufig an seine Grenzen und schaltet sich ab. Einfach so. Das kann beispielsweise passieren, wenn die Fahrbahnmarkierung nicht richtig erkannt wird und keine anderen Autos um einen herumfahren. Oder aber, was tückischer ist, wenn der Assistent eine zu große Lenkkraft aufwenden müsste.

Kein Warnung an den Fahrer

Dies ist wiederum abhängig vom Kurvenradius und der Geschwindigkeit. Es kann daher durchaus passieren, dass sich der Lenkpilot genau beim Hineinfahren in eine Kurve abschaltet und der Fahrer davon gar nichts merkt. Denn der einzige Hinweis, den das System dazu gibt, besteht darin, die Farbe des Lenkradsymbols von Grün auf Gelb zu wechseln. Es gibt weder einen akustischen Hinweis noch ein Vibrieren im Lenkrad. Wobei Letzteres ohnehin nicht bemerkt würde, wenn der Fahrer in diesem Moment nicht die Hände am Steuer hätte.

Hinzu kommt, dass das Verhalten des Spurhalteassistenten durchaus als erratisch bezeichnet werden kann. So kann es passieren, dass auf einer Landstraße in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn gelenkt wird, während gleichzeitig der Fahrer durch eine Vibration im Lenkrad eine Warnung vom Spurhalteassistenten erhält, dass die Fahrbahnmarkierung überschritten wurde. Das heißt, das System erkennt zwar das Verlassen der Fahrbahn, aber der Lenkpilot kann oder darf nicht ausreichend gegenlenken. Erst bei Kollisionsgefahr würde der aktive Spurhalteassistent mit Bremseingriffen zurück in die Spur führen. Zudem lässt sich im Voraus nur schwer abschätzen, ob der Assistent in der nächsten Kurve die Spur halten wird oder nicht.

Yoga-Übung im Stop-and-go-Verkehr 

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Verlusti 05. Apr 2016

eindeutig zu viel Fernsehen. Die Realität sieht aber zumindest momentan doch deutlich...

Proctrap 01. Apr 2016

Es gab schon Ansätze und Experimente mit Biologischen PC's. Ich denke auf dauer wird das...

Quantium40 30. Mär 2016

Wie reagiert die Kennzeichenerkennung eigentlich auf die in einigen Regionen recht...

Mnyut 23. Mär 2016

Genau das. Das einzige was man da als ungeübter (sind wir das nicht nahezu alle?) machen...

ckris 18. Mär 2016

Die Infos zum Model S von Tesla sind nicht korrekt. Sehr wohl fordert der Wagen...



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