Anzeige
Herzschrittmacher mit unsicheren Schnittstellen können für Patienten tödlich sein.
Herzschrittmacher mit unsicheren Schnittstellen können für Patienten tödlich sein. (Bild: Thomas Zimmermann)

Medizinische Geräte Der hackbare Patient

Experten wie Florian Grunow zeigen sich besorgt über die mangelnde Sicherheit in medizinischen Geräten. Mit immer mehr Konnektivität steigen auch die Angriffsflächen. Die Sicherheit spielt bei Herstellern und Kunden kaum eine Rolle.

Anzeige

Das Szenario klingt nach einem Agentenfilm: Ein Vitaldatenmonitor wird so gehackt, dass er keinen Alarm mehr auslöst, wenn die Vitalfunktionen eines Patienten außerhalb der normalen Parameter erfasst werden. Über eine Man-in-the-Middle-Attacke werden dann falsche Daten an die Überwachungszentrale geschickt. Der Patient kann so getötet werden, ohne dass es jemand im Krankenhaus bemerkt. Reine Fiktion ist das aber nicht.

Solche Szenarien würden im Gegenteil immer wahrscheinlicher, sagte Sicherheitsexperte Florian Grunow von der Sicherheitsfirma ERNW auf der Sicherheitskonferenz Deepsec 2013 in Wien. Der Hacker Barnaby Jack manipulierte beispielsweise eine Insulinpumpe so, dass sie die gesamte Dosis auf einmal abgab. Für einen Patienten wäre das tödlich. Jack nutzte dafür die Funkschnittstelle des Geräts - aus bis zu 300 Meter Entfernung ist das möglich. Der Sicherheitsexperte Kevin Fu experimentierte mit einem Defibrilator, dessen abgehörte Funksignale genutzt werden können, um ihn ein- und auszuschalten. Auch das kann für einen Patienten tödlich sein. Mit zunehmender Konnektivität der diversen medizinischen Geräte erweitere sich auch die Angriffsfläche, sagte Grunow Golem.de. Gleichzeitig werde die Gefahr von den Herstellern aber immer weiter unterschätzt.

Unsichere Systeme können tödlich sein

Zwar stehe die gesundheitliche Sicherheit der Patienten bei Herstellern von medizinischen Geräten weiter an erster Stelle, die Sicherheit ihrer Geräte gerate aber immer mehr ins Abseits, sagte Grunow. Der ehemalige US-Verteidigungsminister Dick Cheney ließ daher aus Angst vor solchen Anschlägen die Kommunikationsschnittstelle seines Herzschrittmachers deaktivieren. Grunow hält das für berechtigt, wenn auch etwas übertrieben. Zwar müsse ein Angreifer bei vielen Herzschrittmachern fast direkt vor seinem Opfer stehen, um erfolgreich zu sein, denn die Schnittstelle werde durch Induktion aktiviert, um Akkulaufzeit zu sparen. Einmal erfolgreich manipuliert könnte ein fehlkonfigurierter Herzschrittmacher aber tödlich sein.

Auch die IT in Krankenhäusern veraltet laut Grunow immer mehr - eine Gefahr für die sicheren Netzwerke, in denen medizinische Geräte hängen sollten. Hinzu kommen immer mehr Geräte, die von ambulanten Patienten Daten sammeln und sie über das Netzwerk an Ärzte und Krankenhäuser versenden.

Gefährdete Patientendaten

Seit längerem werden Vitalparameter aus Krankenwagen über GSM an das Krankenhaus übertragen, damit sich die Ärzte vorab ein Bild über den Zustand eines Patienten machen und sich notfalls über Funk beraten können. Die Daten aus den Vitaldatenmonitoren werden aber über das GSM-Netzwerk versendet, das meist unverschlüsselt ist. Dabei ist das direkte gesundheitliche Sicherheitsrisiko bei Überwachungsgeräten noch relativ gering. Mit ihnen lassen sich aber persönliche Daten eines Patienten abgreifen. Dem Patienten selbst können sie physisch kaum schaden - außer in dem Agentenszenario.

Gefährlicher sind da schon die Diagnosegeräte. Immerhin kann ein über das Netzwerk gesteuertes Blutdruckmessgerät so manipuliert werden, dass die Manschette über einen längeren Zeitraum aufgepumpt bleibt und dem Patienten Schmerzen bereiten kann.

Veraltete Software und gefährliche Funktionen 

eye home zur Startseite
enteKross 18. Dez 2013

Das Problem ist ja nicht die Netzwerkfähigkeit sondern zum einen dass sie über WLAN am...

Anonymer Nutzer 17. Dez 2013

An "Pech" glaube ich genausowenig wie an "Schicksal". Warum wurde die Angabe der...

janitor 17. Dez 2013

Einfach deswegen, weil man in den Krankenhäusern auch handelsübliche PCs/Laptops...

TTX 17. Dez 2013

Das ist eben oft das Hautproblem, viele Firmen stellen irgendwelche Quereinsteiger ein...

Kommentieren



Anzeige

  1. Informatiker, Wirtschaftsinformatiker (m/w)
    DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Bonn
  2. Systemberater/in EAI Plattformen
    Robert Bosch GmbH, Stuttgart
  3. Ingenieur Verfahrenstechnik / Wirtschaftsingenieur / Mathematiker (m/w)
    Raffinerie Heide GmbH, Hemmingstedt
  4. IT Domain Architect (m/w) für Business Architecture und Design
    Allianz Managed Operations & Services SE, München

Detailsuche



Anzeige

Folgen Sie uns
       


  1. Le Eco

    Faraday Future plant autonomes Elektroauto

  2. Petition gegen Apple

    300.000 wehren sich gegen Ende der iPhone-Kopfhörerbuchse

  3. Battlefield 1 angespielt

    Zeppeline, Sperrfeuer und die Wiedergeburts-Spritze

  4. Förderung

    Telekom räumt ein, dass Fiber-To-The-Home billiger sein kann

  5. Procter & Gamble

    Windel meldet dem Smartphone, wenn sie voll ist

  6. AVM

    Routerfreiheit bringt Kabel-TV per WLAN auf mobile Geräte

  7. Oculus App

    Vive-Besitzer können wieder Rift-exklusive Titel spielen

  8. Elektroauto

    Supersportwagen BMW i8 soll 400 km rein elektrisch fahren

  9. Keine externen Monitore mehr

    Apple schafft Thunderbolt-Display ersatzlos ab

  10. Browser

    Safari 10 soll auch auf älteren OS-X-Versionen laufen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Oneplus Three im Test: Ein Alptraum für die Android-Konkurrenz
Oneplus Three im Test
Ein Alptraum für die Android-Konkurrenz
  1. Android-Smartphone Diskussionen um Speichermanagement beim Oneplus Three
  2. Smartphones Oneplus soll keine günstigeren Modellreihen mehr planen
  3. Ohne Einladung Oneplus Three kommt mit 6 GByte RAM für 400 Euro

Smart City: Der Bürger gestaltet mit
Smart City
Der Bürger gestaltet mit
  1. Vernetztes Fahren Bosch will (fast) alle Parkplatzprobleme lösen

Vorratsdatenspeicherung: Vorgaben übertreffen laut Eco "schlimmste Befürchtungen"
Vorratsdatenspeicherung
Vorgaben übertreffen laut Eco "schlimmste Befürchtungen"
  1. Vorratsdatenspeicherung Alarm im VDS-Tresor
  2. Neue Snowden-Dokumente NSA lobte Deutschlands "wesentliche" Hilfe im Irak-Krieg
  3. Klage Verwaltungsgericht soll Vorratsdatenspeicherung stoppen

  1. Klinke Buchse alt? Nein!

    HûntStârJonny | 07:28

  2. Automatisches Licht - wirklich neu?

    NukeOperator | 07:27

  3. Re: nur mit origin...

    foobar_germany | 07:23

  4. Re: Und wie ist das mit der Routerfreiheit verbunden?

    Leseratte10 | 07:14

  5. Re: Automatische Waffen beim WW1?

    Sybok | 07:06


  1. 07:30

  2. 07:14

  3. 15:00

  4. 10:36

  5. 09:50

  6. 09:15

  7. 09:01

  8. 14:45


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel