Abo
  • Services:
Anzeige
Die Macher der DAO könnten aus der Rechtsgeschichte lernen.
Die Macher der DAO könnten aus der Rechtsgeschichte lernen. (Bild: Damien Meyer/Getty Images)

Lehren aus dem DAO-Hack: Wieso Smart Contracts die Erwartungen enttäuschen müssen

Die Macher der DAO könnten aus der Rechtsgeschichte lernen.
Die Macher der DAO könnten aus der Rechtsgeschichte lernen. (Bild: Damien Meyer/Getty Images)

Was Juristen seit Jahrhunderten nicht geschafft haben, wollten Blockchain-Enthusiasten per Code regeln. Doch so leicht ist das nicht, wie der DAO-Hack zeigt. Dabei hätte man aus der Rechtsgeschichte lernen können. An einer Schnittstelle zur formalisierten Streitschlichtung geht kein Weg mehr vorbei.

Schon lange träumen Juristen davon, ein Gesetz zu formulieren, dem es gelingt, alle Problemfälle dieser Welt zu erfassen. Egal, was auch passieren mag: Das Recht gibt eindeutig vor, wie die passende Lösung auszusehen hat. Diesen Traum teilt die Smart-Contract-Community. Ein automatisierter Vertrag soll her, der keiner menschlichen Interpretation bedarf. Alle möglichen Abzweigungen sind der Blockchain schon einprogrammiert. Ein hehres Ziel - doch in der Geschichte des Vertragsrechts stets gescheitert. Auch Smart Contracts sind vor diesem Schicksal nicht gefeit.

Anzeige

Lektionen der Rechtsgeschichte: König Friedrich II und das Bürgerliche Gesetzbuch

Die Rechtsgeschichte lehrt eine wichtige Lektion: Ein System, das davon ausgeht, alle möglichen Szenarien voraussehen zu können, ist zum Scheitern verurteilt. Schon im 18. Jahrhundert wollte König Friedrich II. ein Gesetzbuch schaffen, das alles eindeutig regelt. Den Juristen sollte es dadurch nicht mehr möglich sein, das Recht nach ihren persönlichen Vorstellungen auszulegen - ihre Macht sollte beschränkt werden. Jeden denkbaren Fall wollte man durch klare Vorschriften lösen. Dieser Ansatz des Preußischen Allgemeinen Landrechts (ALR) von 1794 scheiterte jedoch an der komplexen Realität. Zuletzt hatte das Gesetz über 19.000 Vorschriften, die zum Teil veraltet waren und sich oftmals widersprachen.

Das zum 01. Januar 1900 in Kraft getretene Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) schlug deshalb einen neuen Weg ein: Prägnanz wird durch sprachliche Abstraktion erreicht, nicht dadurch, "jeden Einzelfall regeln" zu wollen. Die Schöpfer des BGB hatten sich vorgenommen, so exakte Vorgaben zu formulieren, dass die Gerichte sie einfach nur anwenden müssen. Richter sollten nur dazu da sein, den Leuten im Streitfall verbindlich zu erklären, was im Gesetz steht. In der Logik eines Smart Contracts tut dies das Frontend.

Am BGB wurde über zwei Jahrzehnte lang penibel gefeilt. Man könnte von einem umfangreichen De-Bugging durch Abgleich mit vorherigen Gesetzen und der rechtsgeschichtlichen Erfahrung sprechen. 1896 kam man schließlich zu dem Entschluss, dass das Regelwerk mit seinen 2.385 Paragrafen an alles gedacht hatte. Doch (auch) beim BGB scheiterte das, was der Juraprofessor Franz Jürgen Säckel die "auf Lückenlosigkeit gerichtete Antrittsintention des Gesetzgebers" nannte, schon nach kurzer Praxisphase.

Streitigkeiten kamen vor Gericht, die der Gesetzgeber nicht vorhergesehen oder einfach glatt übersehen hatte. Menschen beriefen sich auf bestimmte Regeln des BGB oder einzelner Verträge - und konnten dadurch Ergebnisse erzielen, die zu ungerechten Ergebnissen führten.

Der DAO-Hack und die Illusion von der Unveränderbarkeit von Smart Contracts

Ungeachtet dieser Erkenntnisse träumen auch die Smart-Contract-Jünger davon, den Faktor Mensch durch einen lückenlosen, technikbasierten Lösungsmechanismus zu ersetzen. Es soll eine unveränderbare Blockchain enstehen - "without any possibility of downtime, censorship, fraud or third party interference". Doch dann kam der DAO-Hack ...

Letzte Ausfahrt: Hard Fork 

eye home zur Startseite
blockchainman 08. Sep 2016

Es ist eine Analogie. Physische Güter sind jetzt nicht wirklich der use case, sondern...

hg (Golem.de) 08. Sep 2016

Danke für den Hinweis, habe ich korrigiert. Wir freuen uns über das rege Interesse an dem...

Kleba 07. Sep 2016

Ich schließe mich dem natürlich auch ein. Exzellent geschrieben, super beide Teile...

Kommentieren



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Automotive Safety Technologies GmbH, Wolfsburg
  2. über Hays AG, Oberhausen
  3. Klinikum Stuttgart über Dr. Heimeier & Partner, Management- und Personalberatung GmbH, Stuttgart
  4. Allianz Deutschland AG, Unterföhring


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 22,99€
  2. 299,00€
  3. 6,49€

Folgen Sie uns
       


  1. Iana-Transition

    US-Staaten wollen neue Internetaufsicht stoppen

  2. Tintenpatronensperre

    HP hält dem Druck nicht stand

  3. Generation EQ

    Mercedes stellt Elektro-SUV mit 500 km Reichweite vor

  4. Waipu TV im Hands on

    Das richtig flexible Internetfernsehen

  5. Twitch

    Amazon macht Streamer in Breakaway zu Matchmakern

  6. Autonomes Fahren

    Die Ethik der Vollbremsung

  7. Renault

    Elektroauto Zoe mit 41-kWh-Akku und 400 km Reichweite

  8. Leistungsschutzrecht

    Oettingers bizarre Nachhilfestunde

  9. Dating-Portal

    Ermittlungen gegen Lovoo werden eingestellt

  10. Huawei

    Mobilfunkbetreiber sollen bei GBit nicht die Preise erhöhen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Soziale Netzwerke: Wie ich einen Betrüger aufspürte und seine Mama kontaktierte
Soziale Netzwerke
Wie ich einen Betrüger aufspürte und seine Mama kontaktierte
  1. iOS 10 und WatchOS 3.0 Apple bringt geschwätzige Tastatur-App zum Schweigen
  2. Rio 2016 Fancybear veröffentlicht medizinische Daten von US-Sportlern
  3. Datenbanksoftware Kritische, ungepatchte Zeroday-Lücke in MySQL-Server

Canon vs. Nikon: Superzoomer für unter 250 Euro
Canon vs. Nikon
Superzoomer für unter 250 Euro
  1. Snap Spectacles Snapchat stellt Sonnenbrille mit Kamera vor
  2. MacOS 10.12 Fujitsu warnt vor der Nutzung von Scansnap unter Sierra
  3. Bildbearbeitungs-App Prisma offiziell für Android erhältlich

Swift Playgrounds im Test: Apple infiziert Kinder mit Programmiertalent
Swift Playgrounds im Test
Apple infiziert Kinder mit Programmiertalent
  1. Asus PG248Q im Test 180 Hertz erkannt, 180 Hertz gebannt

  1. Zu teuer, mit Fritzbox gibt es SD für Lau

    Asser | 10:18

  2. Re: "Macht fast alles anders"

    DxC | 10:17

  3. Re: Was soll ich auf dem Mars?

    Rudi Mental | 10:17

  4. Re: DAS kommt dabei heraus

    ibsi | 10:17

  5. Re: Nette Sache - HD ÖR in eigenregie auch Kostenlos?

    most | 10:16


  1. 09:55

  2. 09:36

  3. 09:27

  4. 09:00

  5. 08:43

  6. 07:57

  7. 07:39

  8. 18:17


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel