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Website des Motorradclubs Bandidos aus dem Jahr 2006
Website des Motorradclubs Bandidos aus dem Jahr 2006 (Bild: DSK/AFP/Getty Images)

Hells Angels, Bandidos und andere Rockerclubs

OK-Gruppen nutzen digitale Technik aber nicht nur zu operativen Zwecken. Auch Propaganda spielt inzwischen eine große Rolle, denn die Möglichkeiten der Verbreitung eigener Ideen und Ansichten sind vielfältig. Auch darf bezweifelt werden, dass die Polizei als ernstzunehmender Gegenspieler gesehen wird - dafür sind Facebook-Repräsentanzen und Twitter-Aktivitäten der Behörden wohl zu wenig sexy. Nicht nur medial prominente Aktionen wie die berüchtigten HoGeSa-Demonstrationen (Hooligans gegen Salafisten) sorgen im Netz für Furore. Inzwischen wird jedes achte OK-Ermittlungsverfahren in Deutschland mit Rockergruppen in Verbindung gebracht. Diese wehren sich nicht nur mit Hilfe von Rechtsanwälten oder eigenen Interviews gegen den Ermittlungsdruck der Polizei, sondern zunehmend auch online.

Hells Angels, Bandidos und andere Rockerclubs sollen zwar als harte Jungs, jedoch nicht als Verbrecher wahrgenommen werden. Auch wenn das BKA betont, dass beinahe jeder zweite Rocker einen kriminellen Hintergrund habe und beispielsweise in Berlin gerade fast alle wichtigen Hells Angels samt ihrem Anführer Kadir Padir in einem umfangreichen Mordverfahren vor Gericht stünden, so machen sich die One Percenter doch gern das Internet zunutze, um an der Geschichte vom harten, aber fairen Rocker zu arbeiten - zum Beispiel auf der Facebook-Seite United Motorcycle Clubs.

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Kriminelle nutzen das Netz für Propaganda

Die dortige Presseschau bietet den unerfreulichen Seiten des Rockerdaseins - Ermittlungsverfahren, Fahndungsdruck, Verurteilungen - keinen Raum oder bestreitet diese sogar. Der mehrfach verurteilte Berliner Hells Angel André Sommer wird als Ritter bezeichnet, Polizeikontrollen als Schikane, und die internettypischen Nazi- oder Diktaturvergleiche fehlen auch nicht. Von Kritik also keine Spur, stattdessen Werbung fürs wilde Rockerleben - inklusive Klamotten-Merchandising.

Wer hinter der Seite steckt, ist nicht erkennbar, doch Verbindungen zu den Hells Angels liegen nicht nur aufgrund der Design- und Layoutähnlichkeiten zwischen der Facebook-Seite und Hells-Angels-Propaganda nahe. Mehr als 14.000 Menschen gefällt diese Website - ein nicht unbedeutender Erfolg für die Rocker, denn gelungene Propaganda unterminiert letztlich auch die Ermittlungsbemühungen der Polizei und stärkt den gruppeninternen Zusammenhalt.

Das Darknet ist das Ziel der Ermittlungen

Jörg Zierckes Hauptsorge in Sachen OK galt jedoch nicht der VDS oder der Propaganda der Outlaws, sondern dem Deep Web oder Darknet. Dort wird die Vermischung der digitalen und nicht digitalen Bereiche des organisierten Verbrechens am deutlichsten: Zunehmend technisch versierte Gruppierungen nutzen die Möglichkeiten des Internets, ohne dabei Cybercrime im engeren Sinne zu betreiben. Genutzt werden nicht nur das Tor-Netzwerk, sondern auch konsequente Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von E-Mails und Instant Messengern, MMORPG-Chats zur sicheren Kommunikation sowie professionelle Webshops für den effizienten Handel mit Drogen, Waffen, Ausweisen, Geld und Menschen.

Die internationale Operation Onymous hat beispielhaft gezeigt, welch Aufwand betrieben werden muss, um erfolgreich zu sein: In 17 Ländern kam es zu Hausdurchsuchungen und etlichen Festnahmen. Auch deutsche Polizisten und Zöllner waren an der Operation beteiligt.

Alles in allem keine kleine Nummer, wobei der zeitliche und polizeiliche Aufwand enorm war, und der Durchbruch anscheinend wenig mit Technikkompetenz zu tun hatte, sondern eher klassische Ermittlungsarbeit gegen bestimmte Personen gewesen zu sein schien. Doch diese Vorgehensweise dürfte zunehmend schwieriger werden. So zeigte sich binnen weniger Stunden, dass die bei dieser Aktion vom Netz genommene Handelsplattform Silk Road 2.0 schnell als Version 3.0 wieder online war. Andere Websites waren erst gar nicht betroffen, was ebenfalls deutlich macht, wie schwierig illegaler Handel im Netz zu bekämpfen ist.

Die Politik muss schneller reagieren als bisher

Die Polizei steht letztlich nicht nur in Sachen Technik vor neuen Herausforderungen. Auch die behördlichen Rahmenbedingungen sind nicht zeitgemäß und sorgen unter anderem dafür, dass dringend benötigte Spezialisten massenhaft in die Wirtschaft abwandern.

Wenn, wie de Maizière auf der BKA-Herbsttagung sagte, das Internet der "Brandbeschleuniger der organisierten Kriminalität" sein soll, dann muss nun auch umgehend eine entsprechend beschleunigte Reaktion von Politik und Polizei auf die neuen Herausforderungen folgen. Sonst wird der Kampf gegen OK online immer mehr zu einem Kampf gegen die Hydra.

 Kriminalität im Netz: Wie das organisierte Verbrechen das Internet nutzt

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Ach 09. Dez 2014

Wichtiger als die Disziplin ist doch die Unabhängigkeit, und die muss man eh bei jedem...

Yes!Yes!Yes! 08. Dez 2014

Was genau hätte denn anders laufen sollen und warum hast du dein umfassendes Wissen nicht...

Dadie 07. Dez 2014

Die Meta-Daten sind also nach ein paar Stunden/Tagen weg und die zu wenig Ermittler sind...

ChinaRot 07. Dez 2014

Oh, ich sehe gerade Deutschland hat endlich unterschrieben (Ratifikation am 12. November...

Der Held vom... 07. Dez 2014

Und was ist mit der Sicht der (viel zahlreicheren) Opfer von Banken und Konzernen? Für...



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