Anzeige
Autorin Julia Schramm im April 2012
Autorin Julia Schramm im April 2012 (Bild: Carsten Rehder/AFP/Getty Images)

"Klick mich": Geplapper einer Internet-Exhibitionistin

Autorin Julia Schramm im April 2012
Autorin Julia Schramm im April 2012 (Bild: Carsten Rehder/AFP/Getty Images)

"Privilegienmuschi" nennt sich Julia Schramm, Vorstandsmitglied der Piratenpartei, selbst. Ihr erstes Buch "Klick mich" trägt den ebenso gewollt provokanten Untertitel: "Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin." Darin erzählt sie angeblich von sich und der digitalen Welt - eigentlich aber nur von sich.

Julia Schramm ist nicht irgendwer. Als Politikerin gestaltet sie seit Jahren das Programm der Partei mit, die sich netzpolitischen Themen verschrieben hat, der Piratenpartei. Jetzt hat die 26-Jährige ein Buch veröffentlicht - in dem es um Internetthemen geht. Um die Aussagen von "Klick mich - Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin" zusammenzufassen, hätte aber ein Tweet mit 140 Zeichen gereicht.

Anzeige

Wo ist die Provokateurin Schramm?

Schramm machte in letzter Zeit mit provokanten Äußerungen wie "Keine Macht den Datenschützern" oder "Ob wir es nun gut finden oder nicht: Privatsphäre ist sowas von Eighties" auf sich aufmerksam. Hätte sie diese Aussagen doch nur für ihr Buch aufgespart! Darin lassen sich solche Äußerungen nicht einmal mehr erahnen. Viel zu seicht plätschert die Geschichte vor sich hin, für die sie laut FAZ 100.000 Euro Vorschuss erhalten hat.

Worum geht es in Klick mich? Aus der Sicht verschiedener Identitäten, die Schramm zugeordnet werden können, plappert sie aus der Welt des Internets. "Ich möchte von einem Kampf berichten, der vom Traum einer virtuellen Polis motiviert ist, in der es jedoch keine Unterdrückten gibt, keine Ausgebeuteten, sondern nur freie Menschen", schreibt sie. Nichts sagend. Ohne Kampfesgeist.

Plattformen, die Menschen vernetzen

Den Kampf überlässt sie auf den folgenden knapp 150 Seiten sowieso dem Leser. Denn der muss sich durch ihre dahingeseierten Phrasen quälen. Schramm interessiert das nicht. Immer weiter plaudert sie. Zum Beispiel, warum im "weltweiten Informationsnetz [...] Plattformen, die Menschen vernetzen" so beliebt sind. Damit das Kranksein ausbrechen könne, lautet die Antwort aus dem küchentherapeutischen Erfahrungsschatz der Autorin.

Ein mangelndes Themenspektrum kann man Schramm nicht vorwerfen. Kaum eines der Themen, mit denen sich die "Digital Natives" beschäftigen, wie sich die Netzkinder selbst bezeichnen, lässt sie aus: Hacking, Sexismus, Netzpolitik, Datenschutz. Aber nur selten bezieht sie dazu Stellung, wie es zum Beispiel Alexander Fuchs in "Netzkinder vs. Offliner" im Überfluss getan hat.

Statt Antworten hagelt es belanglose Beispiele. Aus einem Chat in einem Kapitel, in dem es um Cybersex geht, zitiert sie: "Schließlich trägt er mich, immer noch in mir, meine Beine um ihn geschlungen, ins Wasser." Die Erkenntnis Schramms: "Wenn ich eines gelernt habe auf den austauschbaren Plattformen digitalen Seins, dann, dass es alles gibt. [...] Der Phantasie und der Pornografie sind keine Grenzen gesetzt."

Ich produziere keine Spermien, also bin ich weiblich

Ein Thema liegt der 26-Jährigen offenbar sehr am Herzen, denn in dem Teil des Buches, in dem es um Sexismus geht, dreht sie inhaltlich auf - endlich. Aber nur, um sich wenige Zeilen später wieder in breitgetretenen fundamentalistischen Äußerungen wie "Ich produziere keine Spermien, also bin ich weiblich" zu verlieren. Neue Sichtweisen? Fehlanzeige.

Und so sind die einzigen aussagekräftigen Textstellen aus dem Buch die Zitate anderer Personen. Zum Beispiel Don Marquis: "Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie." Hass dürfte Julia Schramm in nächster Zeit nicht entgegenschlagen.

Julia Schramm: "Klick mich - Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin". Knaus-Verlag, 208 Seiten, 16,99 Euro


eye home zur Startseite
txxx666 19. Sep 2012

Dumm gelaufen, wie da jetzt die Scheiße stürmt trotzdem glaube ich weiterhin an...

spiderbit 18. Sep 2012

Würde ich so nicht sehen, Bürgerrechte sind nicht nur Datenschutz und sowas in der Art...

Anonymer Nutzer 18. Sep 2012

Genau, sie sind gerade mal Weltmacht Nummer 1 und führend in der technischen...

Tiberius... 18. Sep 2012

wenn unter den 30% Personen sind, die an der Landtagswahl für einen Wahlkreis antreten...

daria-anna 18. Sep 2012

frauenquote hin oder her: frau merkel ist eine von wenigen politikern, die uneitel an die...

Kommentieren


News & Magazin : naanoo.com / 19. Sep 2012



Anzeige

  1. Projektleiter/in - Frontend, Backend
    Bosch Engineering GmbH, Abstatt
  2. Medizininformatiker / Fachinformatiker (m/w) für Medizinische Informationssysteme
    Landeskrankenhaus (AöR), Andernach
  3. Junior Softwareentwickler C# / Java (m/w)
    Mönkemöller IT GmbH, Stuttgart
  4. Sachbearbeiterin / Sachbearbeiter Energiedatenmanagement
    Stadtwerke Solingen GmbH, Solingen

Detailsuche



Anzeige

Folgen Sie uns
       

  1. Battlefield 1 angespielt

    Zeppeline, Sperrfeuer und die Wiedergeburts-Spritze

  2. Förderung

    Telekom räumt ein, dass Fiber-To-The-Home billiger sein kann

  3. Procter & Gamble

    Windel meldet dem Smartphone, wenn sie voll ist

  4. AVM

    Routerfreiheit bringt Kabel-TV per WLAN auf mobile Geräte

  5. Oculus App

    Vive-Besitzer können wieder Rift-exklusive Titel spielen

  6. Elektroauto

    Supersportwagen BMW i8 soll 400 km rein elektrisch fahren

  7. Keine externen Monitore mehr

    Apple schafft Thunderbolt-Display ersatzlos ab

  8. Browser

    Safari 10 soll auch auf älteren OS-X-Versionen laufen

  9. Dota

    Athleten müssen im E-Sport mehr als nur gut spielen

  10. Die Woche im Video

    Superschnelle Rechner, smarte Zähler und sicherer Spam



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Mikko Hypponen: "Microsoft ist nicht mehr scheiße"
Mikko Hypponen
"Microsoft ist nicht mehr scheiße"

Zelda Breath of the Wild angespielt: Das Versprechen von 1986 wird eingelöst
Zelda Breath of the Wild angespielt
Das Versprechen von 1986 wird eingelöst

Schulunterricht: "Wir zocken die ganze Zeit Minecraft"
Schulunterricht
"Wir zocken die ganze Zeit Minecraft"
  1. MCreator für Arduino Mit Klötzchen LEDs steuern
  2. Lifeboat-Community Minecraft-Spieler müssen sich neues Passwort craften
  3. Minecraft Befehlsblöcke und Mods für die Pocket Edition

  1. Re: Automatische Waffen beim WW1?

    ndakota79 | 17:05

  2. Re: Amazing, Tesla Roadster Äquivalent 8 Jahre zu...

    DF | 17:05

  3. Re: Das läuft dann wie bei Druckern...

    Rulf | 17:04

  4. Re: Bei den heutigen Eltern wundert mich...

    Rulf | 17:02

  5. Re: Endlich...

    Berner Rösti | 16:59


  1. 15:00

  2. 10:36

  3. 09:50

  4. 09:15

  5. 09:01

  6. 14:45

  7. 13:59

  8. 13:32


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel