Nick D'Aloisio im Januar 2012 im München
Nick D'Aloisio im Januar 2012 im München (Bild: Nadine Rupp/Getty Images)

Junge Programmierer Die Ungeduldigen

Viele gute Programmierer sind noch sehr jung. Wie kommt das? Und was bedeutet das für den Schulunterricht? Eine Geschichte über Neugier und Fragesteller.

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Mit fünfzehn hat Nick D'Aloisio für eine Geschichtsarbeit im Internet recherchiert und sich geärgert. Nicht weil er keine Lust auf das Thema hatte, sondern weil er die Suche mit Google schrecklich mühsam fand. Er klickte einen Link an, sah, dass auf der Seite dahinter nichts Interessantes stand, ging zurück zu den Suchergebnissen, klickte den nächsten Link an. "Dafür hat doch keiner die Zeit", sagt der Londoner Schüler gern in Interviews. "Ich will sofort wissen, ob ich mir eine Website anschauen muss."

Während die meisten sich damit abfinden, dass das Suchen im Netz oft umständlich ist, hat Nick einen Weg gefunden, wie es doch anders geht. Heute ist er siebzehn und hat aus seinem Problem ein Geschäft gemacht. Ein Geschäft, in das Investoren wie Yoko Ono und Ashton Kutcher mehr als eine Million US-Dollar gesteckt haben.

Dazu muss man wissen, dass Nick programmiert, seit er zwölf war. Mit neun bekam er seinen ersten Mac. Mit zwölf hat er sich mit Youtube-Videos und in Chats mit App-Entwicklern das Programmieren selbst beigebracht und schon mehrere Projekte entwickelt: Soundstumble zum Beispiel, eine App, mit der man sieht, welche Musik die Freunde in der Gegend gerade hören. Und Facemood, eine App, die Facebook-Timelines analysiert und anzeigt, wie es den Freunden geht.

Mit der App Summly löste Nick sein Problem beim Recherchieren im Internet. Seine App nutzt einen Algorithmus, der anders als Google nicht nach Schlagwörtern, sondern nach Inhalten sucht. Sie liefert eine Zusammenfassung in Stichworten von maximal 400 Zeichen. So weiß der Suchende gleich, ob sich ein Klick lohnt oder nicht. Die Testversion hat Nick innerhalb von drei Monaten programmiert, seit Ende 2012 steht eine verbesserte Version der iPhone-App im App Store. Im Dezember zählte sie bereits eine halbe Million Downloads. Seine Firma leitet Nick neben der Schule. Er spricht auf Konferenzen wie der DLD (Digital Life Design) in München und wird mit Steve Jobs und dem Google-Gründer Sergey Brin verglichen.

Eltern haben zu wenig Ahnung

Nick kommt aus einer Generation, in der die meisten mit Computern, Tablet-PCs und Smartphones aufgewachsen sind. Die Studie Jugend 2.0 des Branchenverbands Bitkom aus dem Jahr 2011 hat gezeigt, dass 98 Prozent der Zehn- bis Achtzehnjährigen das Internet zumindest gelegentlich nutzen, bei den Zehn- bis Zwölfjährigen sind es 96 Prozent. (Fünf Jahre früher hatten laut dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest erst 90 Prozent der Zwölf- bis Dreizehnjährigen Onlineerfahrung.) Programmieren kann laut Bitkom schon knapp jeder fünfte Dreizehn- bis Fünfzehnjährige und gut jeder vierte Sechzehn- bis Achtzehnjährige.

Wenn man früher mit dem Computer umgehen kann, fängt man auch früher an, Fragen zu stellen: Wie geht das? Warum funktioniert das so? Warum nicht anders? Die meisten Eltern haben auf solche Fragen keine Antworten. Sie können vielleicht zeigen, wie man ein Fahrrad zerlegt und wieder zusammenbaut. Aber einen Computer? Auch der achtzehnjährige Lukas Martini aus Mannheim, der seit einem Jahr als Systemadministrator beim Webdienst Soup.io arbeitet, war als Kind nicht zufrieden mit den Antworten, die er von seinen Eltern bekam. Mit sechs hat er am Computer seines Opas mit Paint Bilder gemalt, mit zehn hat er seinen ersten Computer bekommen und mit elf angefangen zu programmieren. "In meinem Kopf existiert kein Zeitpunkt, zu dem ich keine Ahnung von Technik hatte. Mein Großvater erzählt immer, dass ich ihm schon in der ersten Klasse gesagt habe, welche neuen Computer auf den Markt kommen", sagt Lukas.

Er hat damals angefangen, sich den Quelltext von Webseiten, die er gut fand, anzuschauen, er las Computerzeitschriften und lernte im Internet, wie man Webseiten mit HTML baut. "Ich dachte immer: Okay, da wird eine Seite angezeigt, aber warum? Das wollte ich verstehen", sagt er. Später hat er sich so die Sprachen PHP und Python beigebracht - ebenso wie alles andere, das er lernen wollte. Mit sechzehn brach er schließlich die Schule ab.

Niemand braucht einen Kurs, um Programmieren zu lernen

Heute muss niemand einen Kurs besuchen, um programmieren zu lernen. Es gibt Foren und Tutorials, mit denen man programmieren lernen und sich abschauen kann, wie andere Probleme lösen. Ohne diese Möglichkeit gäbe es nicht so viele junge Programmierer, sagt Christian Borowski, Sprecher der niedersächsischen und Bremer Informatiklehrer in der Gesellschaft für Informatik und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Oldenburg im Bereich Didaktik der Informatik. "Außerdem ist das Erlernen von Programmiersprachen inzwischen leichter geworden", sagt Borowski. "Programme zu schreiben wird immer einfacher. Mit der Programmiersprache Scratch lernen bereits Grundschüler programmieren. Das ist kein Zauberwerk."

Mit Lukas kann man gut über den Zauber des Programmierens sprechen. Er hat ein großes Bedürfnis, Hintergründe zu verstehen, und er will unbedingt etwas Eigenes schaffen. "Wenn ich die Technik verstehe", sagt er, "begreife ich auch die Welt ein bisschen besser. Und wenn ich eine Idee habe, weiß ich, wie ich sie umsetzen kann." Gerade arbeitet Lukas - neben seinem Job bei Soup.io und seinem Engagement im Vorstand der Jungen Piraten - an Shortdiary.me, einer Tagebuchplattform. "Die Idee ist, dass man jeden Tag einen Eintrag schreibt, der nach sieben Tagen verschwindet und nicht mehr angezeigt wird. Nach einem Jahr kriegt man ihn wieder per Mail geschickt und liest, was man vor einem Jahr geschrieben und gedacht hat", erklärt er. Spätestens im Frühjahr soll die Seite online gehen.

"Irgendwas mit Informatik"

Malte Götz aus Düsseldorf ist schon einen Schritt weiter. Der Siebzehnjährige hat das Browser-Add-on Proxtube entwickelt. Malte wusste, wie man Youtube-Videos ansehen kann, die in Deutschland - meist mit einem Verweis auf die Gema - nicht gezeigt werden dürfen. "Das funktioniert, und zwar legal, indem man über einen Server in den USA geht. Das ist ganz einfach, aber das jedem Kumpel extra zu erklären ist schon ein bisschen nervig", sagt Malte. Innerhalb weniger Tage entwickelte er ein Firefox-Addon und stellte es zum Download online. Inzwischen hat Malte auch eine Chrome-Erweiterung programmiert. Zusammen wurden die beiden Addons mehr als fünf Millionen Mal heruntergeladen.

Malte besucht die zwölfte Klasse eines Gymnasiums und ist im Informatikleistungskurs. Seinen ersten Computer hat er mit zehn bekommen und sich darauf das Programmieren beigebracht; zuerst die Programmiersprache Visual Basic, im Informatikunterricht kam Java hinzu, außerdem hat er gelernt, wie man Webseiten baut, später noch die Sprachen PHP und C#. Obwohl er sich aufs Abitur vorbereiten muss, arbeitet er nebenbei an Projekten für Jugend forscht und den Studentenwettbewerb Microsofts Imagine Cup. Nach dem Abi will er studieren. "Irgendwas mit Informatik", sagt er, aber genau weiß er es noch nicht.

Wenn man die Geschichten von Nick, Lukas und Malte hört, kommt einem das Wort "Wunderkind" in den Sinn. Ist es das richtige Wort, wenn man die Programmierleistung von Teenagern beschreiben will?

Wunderkinder? 

SaschaThattil 27. Aug 2013

Ja, Softwareentwicklung in Indien (oder China) kann sich lohnen, jedoch sollte man sich...

Elvenpath 19. Mär 2013

mit 12 habe ich mit Programmieren begonnen, später auch als Programmierer gearbeitet, bis...

non_sense 19. Mär 2013

Keine Ahnung, ob Sie das noch lesen werden, aber hier mal eine Meinung vom einem...

GodsBoss 17. Mär 2013

Es mag dir womöglich unvorstellbar vorkommen, aber de facto mache ich zum Teil in meiner...

GodsBoss 17. Mär 2013

Die Realität sieht leider derbe anders aus. Tatsächlich hapert es auch heutzutage noch...

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