Joseph Weizenbaum Ohne Informatiker ist ein Krieg unmöglich

Die meisten computergesteuerten Systeme seien undurchschaubar, sagte der Informatiker Joseph Weizenbaum. Um Chaos zu vermeiden, müsse jeder - auch der einzelne Informatiker - die Verantwortung für sein Handeln übernehmen - und im Kriegsfall auch den Befehl verweigern.

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Die meisten computergesteuerten Systeme seien undurchschaubar, das bedeute, "dass niemand sie versteht", sagte der 2008 verstorbene Informatiker Joseph Weizenbaum in einem Interview mit Silvia Holzinger und Peter Haas von Il Mare Film bei Dreharbeiten zu dem preisgekrönten Dokumentarfilm "Rebel at work". Dass zumindest die Autoren der Systeme diese verstehen müssten, glaubte Weizenbaum nicht.

Viel zu viele hätten daran mitgearbeitet. "Man kann sie nicht identifizieren." Wenn die computergesteuerten Systeme der Welt Flickenteppiche seien, die eine Autorenschaft gar nicht mehr erkennen ließen, dann werde es schwierig, den Verantwortlichen ausfindig zu machen. Je undurchschaubarer die Systeme würden, je weniger Verantwortung einzelne Autoren dieser Systeme trügen, desto chaotischer und wenig kontrollierbar werde die Zukunft.

Ohne dass der Einzelne - auch der einzelne Informatiker - Verantwortung für sein Handeln übernehme, gehe es nicht, jeder müsse den wenigen Einfluss, den er habe, geltend machen. Drohe Krieg, könne Verantwortung übernehmen auch heißen, den Befehl zu verweigern.

Der 1923 geborene Weizenbaum war während des Zweiten Weltkriegs Meteorologe bei der US-Luftwaffe. Die Auseinandersetzung mit der Kriegserfahrung zieht sich wie ein roter Faden durch seine Vorträge und Äußerungen.

In seinem Vortrag "Nicht ohne uns" spitzt er seine Aussagen über den Krieg zu: Informatiker hätten, sagt Weizenbaum, kein Recht, die Politiker anzuklagen, dass sie Länder in den Krieg führten. Ohne die Hilfe der Informatiker sei es nämlich gar nicht möglich, einen Krieg zu führen. Weizenbaums großes Thema, die Verantwortung des Einzelnen, meint eben auch die ausdrückliche Verweigerung von unsinnigen Befehlen und das Nein zum Krieg. Dafür führt er den Fall des Bundeswehrmajors Florian Pfaff an, der im April 2003 den Befehl verweigerte, weil er nicht mehr an der Entwicklung einer militärischen Software arbeiten wollte. Pfaff begründete seine Entscheidung damit, dass er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne, Befehle zu befolgen, die den Krieg im Irak unterstützen würden.

Pfaff wurde wegen Befehlsverweigerung angeklagt, gewann aber den Prozess. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gab ihm 2005 recht. Seine Entscheidung sei durch sein Gewissen begründet gewesen und deshalb keine Gehorsamsverweigerung. "Die Streitkräfte sind als Teil der vollziehenden Gewalt ausnahmslos an 'Recht und Gesetz' gebunden", befanden die Richter.

Weizenbaums Denkanstöße 

flasher395 12. Mär 2012

Begebe dich mal in psychatrische Betreuung, ernsthaft.

omo 06. Mär 2012

Das ist zu globalisieren, ebenso, wie die global player globalisiert sind, z.B. die...

omo 06. Mär 2012

Was heißt "die Elite"? Der indivduelle mentale %Rang ist in diesen Eink.-%Rang...

omo 06. Mär 2012

Ökonomischer leverage effect aus Vernetzungseffizienz, Synergie und Innovationstransfer...

omo 06. Mär 2012

Super Begriff statt "aktive Arbeitsmarktpolitik", hahaha ;-)

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