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Neue elektronische Zähler in einem Wohnhaus
Neue elektronische Zähler in einem Wohnhaus (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Intelligente Stromzähler: Regierung erspart Normalverbrauchern teure Geräte

Neue elektronische Zähler in einem Wohnhaus
Neue elektronische Zähler in einem Wohnhaus (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Die Bundesregierung hat sich viel Zeit mit ihrer Verordnung für die intelligenten Stromnetze gelassen. Die geplante Regelung wird Klein- und Durchschnittsverbraucher freuen. Die Verbraucherschützer sprechen dennoch von einer "Zwangsbeglückung" der Kunden.

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Die Bundesregierung hat ihre seit langem erwarteten Pläne für intelligente Stromnetze vorgestellt. Wie das Wirtschaftsministerium am Montag mitteilte, wird dabei auf einen generellen Rollout der sogenannten intelligenten Messsysteme verzichtet. Den Eckpunkten für das Verordnungspaket Intelligente Netze zufolge müssen Verbraucher erst ab einem Jahresverbrauch von 6.000 Kilowattstunden (kWh) ein intelligentes Strommesssystem einbauen. Verbrauchsunabhängige Einbauverpflichtungen bei Neubauten und Renovierungen, wie sie das Energiewirtschaftsgesetz derzeit noch vorschreibt, sollen daher entfallen.

Seit der Reform des Energiewirtschaftsgesetzes im Sommer 2011 müssen bei Neubauten, umfangreichen Renovierungen, größeren Verbrauchern (ab 6.000 kWh Jahresverbrauch) sowie Stromerzeugern (ab sieben Kilowatt Leistung) moderne Messsysteme eingebaut werden. Derzeit beschränken sich die Netzbetreiber meist darauf, statt der konventionellen Ferrariszähler neue elektronische Zähler einzubauen, die später mit Kommunikationsmodulen und anderen Geräten erweitert werden können. Einer Erhebung der Energieagentur Nordrhein-Westfalen zufolge verbraucht ein vierköpfiger Haushalt im Durchschnitt 4.500 kWh pro Jahr, mit elektrischer Warmwasserbereitung etwa 6.200 kWh.

Das Ministerium begründete die Entscheidung mit den Ergebnissen der Kosten-Nutzen-Analyse vom Sommer 2013. Diese habe gezeigt, dass es "gesamtwirtschaftlich nicht angezeigt wäre, einen verpflichtenden Rollout für 80 oder sogar 100 Prozent aller Haushalte vorzusehen. Ein so umfangreicher Rollout würde bei Klein- und Durchschnittsverbrauchern zu unzumutbaren Kostenbelastungen führen". Solche Verbraucher werden lediglich verpflichtet, elektronische Stromzähler einzubauen. Die Umrüstung soll bis 2032 abgeschlossen sein. Die Geräte sollen "für bis zu 20 Euro jährlich eingebaut und betrieben werden". Ein externes Zweitdisplay zur Darstellung des Energieverbrauchs soll ebenfalls nicht verpflichtend werden. "Die Art und Weise der Nutzung der Visualisierungsoption obliegt dem Verbraucher", heißt es.

Rollout von 2017 bis 2028

Verpflichtend werden die intelligenten Messsysteme für Verbraucher mit mehr als 6.000 kWh Jahresverbrauch sowie für Erzeuger mit einer installierten Leistung von mehr als sieben Kilowatt. Laut Ministerium sollen die Messsysteme für unter 100 Euro pro Jahr eingebaut und betrieben werden können. Das Verordnungspaket werde zudem Festlegungen für alle Preis- und Kostenobergrenzen enthalten. Die Verbraucher können mit diesen Geräten theoretisch variable Tarife nutzen und auf diese Weise die Kosten wieder einsparen. Die Netzbetreiber können wiederum die Last je nach Stromangebot zuschalten oder bei Überangebot die Erzeuger herunterregeln. Allerdings gibt es bislang noch keine Möglichkeit, sogenannte Smart-Grid-Geräte mit einem intelligenten Strommesssystem zu verbinden.

Der Rollout bei den Messsystemen soll stufenweise erfolgen und bei den Erzeugern sowie Verbrauchern ab 20.000 kWh Jahresverbrauch im Jahr 2017 beginnen. Ab 2019 folgen die Stromverbraucher im Bereich 10.000 bis 20.000 kWh/Jahr. Ab 2021 sind Stromverbraucher im Bereich 6.000 bis 10.000 kWh/Jahr an der Reihe. Bis 2028 wäre die Umstellung auf intelligente Messsysteme dann komplett abgeschlossen. Allerdings lassen sich die elektronischen Stromzähler mit sogenannten Smart Meter Gateways zu intelligenten Messsystemen nachrüsten.

Kabinettsbeschluss noch vor dem Sommer geplant

Auf Basis der Eckpunkte will das Bundeswirtschaftsministerium in einem nächsten Schritt die Verordnungsentwürfe vorlegen. Das Kabinett soll sich noch vor der Sommerpause 2015 damit befassen. Einen ausreichenden Datenschutz sollen die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in den vergangenen Jahren erarbeiteten Schutzprofile und Technischen Richtlinien gewährleisten.

Die Entscheidung des Ministeriums hatte sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet. Die umfangreiche Kosten-Nutzen-Analyse hatte im Sommer 2013 deutlich gemacht, dass die komplette Ausstattung aller deutschen Haushalte mit den sogenannten intelligenten Messsystemen (iMSys) mit sehr hohen Ausgaben verbunden wäre, ohne dass die meisten Verbraucher davon profitieren könnten. Aus einer Studie der Deutschen Energieagentur (Dena) vom Juli 2014 ging hervor, dass mit Hilfe der Informationstechnik ein stabiler Netzbetrieb erreicht werden könnte, ohne sämtliche Haushalte mit den teuren Messsystemen auszustatten. Eine Mannheimer Pilotstudie hatte zudem gezeigt, dass sich der geringe Mehrverbrauch durch die Steuerungssysteme mit geringfügigen Einsparungen durch das intelligente Stromnetz "etwa die Waage gehalten" hat.

Nachtrag vom 10. Februar 2015, 13:30 Uhr

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält die Pläne der Bundesregierung für "übertrieben". Auf die Einbauverpflichtung von intelligenten Messsystemen für größere Verbraucher hätte verzichtet werden können, da sie bislang keinen Zusatznutzen in Form von Effizienzgewinnen oder variablen Tarifen böten, sagte Verbandsvorstand Klaus Müller in einer Mitteilung und fügte hinzu: "Ansonsten hätte das Wirtschaftsministerium auf einen marktgetriebenen Einbau gesetzt und müsste dies nicht verpflichtend vorschreiben."

Zudem sei die Frage der Finanzierung nicht vollständig geklärt. Es dürfe nicht passieren, dass Netzbetreiber sich die Kosten, die über die gedeckelten Obergrenzen hinausgingen, über die Netzentgelte zurückholten. "Dann würden Verbraucher doppelt zur Kasse gebeten", sagte Müller. Der vzbv begrüßte hingegen, dass ein verpflichtender Einbau eines intelligenten Messsystems für Neubau und Sanierung nicht vorgesehen ist.


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pk_erchner 14. Feb 2015

interessant sind auch Konzepte, wo nicht der Stromzähler ersetzt wird, sondern eigene...

plutoniumsulfat 13. Feb 2015

...auf den viele leider nicht verzichten können.

robinx999 11. Feb 2015

Naja wenn der Verbrauch sehr sehr hoch ist dann könnte es sich evtl. lohnen. Aber ich...

plutoniumsulfat 11. Feb 2015

Mehrere Rechner und TVs sind heutzutage normal. Die Technik zur Vernetzung wird zentral...

Ach 11. Feb 2015

Warum den nicht einmal nach vorne denken? Das Starten der Waschmaschine übernimmt der...



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