Troopers Ruhe bewahren im Cyberkriegsgetümmel

Die Teilnehmer der IT-Sicherheitskonferenz Troopers13 sehen sich als Kämpfer an zwei Fronten. Die Gegner: Kriminelle im Netz und diejenigen, die Angst schüren, um daraus Profit zu schlagen. Sie wollen aufklären statt aufregen.

Anzeige

Troopers - Soldaten - nennt sich die IT-Sicherheitskonferenz, auf der sich seit sechs Jahren jährlich Experten treffen, nicht zufällig: Die Teilnehmer sehen sich als Kämpfer gegen Angriffe aus dem Netz, aber auch gegen die Desinformationspolitik einiger Unternehmen, Militärangehöriger oder Politiker, die mit überzogenen Meldungen bewusst Angst schürten. Den Kampf gewinnen wollen die Gäste und Redner, die aus Europa, Brasilien, den USA und Korea zu der Konferenz vom 11. bis zum 15. März 2013 nach Heidelberg kamen, jedoch nicht mit kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern mit Aufklärung.

Mit Hilfe der Medien würden Bedrohungen aufgebauscht, argumentieren sie. Davon profitierten beispielsweise Rüstungsunternehmen, die angesichts schwindender Waffengeschäfte das Netz als neue Bedrohung und als Einnahmequelle sehen. Die Konferenz will das anhand konkreter Beispiele aufzeigen und so der allgemeinen Aufregung entgegenwirken. Fast alle Vorträge deckten nicht nur Mängel in Geräten, Software und Netzwerken auf, sondern lieferten auch gleich sinnvolle Gegenmaßnahmen. Und auch, dass die Teilnehmerzahl auf 300 Gäste begrenzt wurde, obwohl Troopers13 erstmals ausverkauft war, soll eine Überbewertung des Themas vermeiden. Das sei Troopers, sagte ein Teilnehmer: "Wir sind hier, um zu lernen und nicht Paranoia zu verbreiten."

Bedrohung aus dem Netz wird überdramatisiert

So kritisierte der Brasilianer Rodrigo Rubira Branco den aktuellen Bericht des IT-Sicherheitsunternehmens Mandiant, der abermals von einer zunehmenden Bedrohung aus dem asiatischen Raum (Asian Pacific Threat, APT) spricht. Die Bedrohung habe nicht so dramatisch zugenommen wie behauptet und mangels eindeutiger Zuordnung (Attribution) könnten die im Mandiant-Bericht aufgestellten Behauptungen kaum bewiesen werden, sagte Rubira Branco.

Die zahlreich im Netz verbreiteten Karten, die angeblich Angriffe in Echtzeit zeigen, seien ein gutes Beispiel dafür, wie Netzwerkangriffe unterschiedlich interpretiert würden, sagte Rubira Branco. Sie zeigten mitunter völlig unterschiedliche Bilder, weil sie auch harmlose Zugriffe protokollieren.

Dieser Ansicht sind auch die beiden Sprecher Felix "FX" Lindner vom Chaos Computer Club und Robert M. Lee, Computerexperte bei der US Air Force. Es müsse stärker berücksichtigt werden, dass der Ursprung der Angriffe gar nicht eindeutig festgestellt werden könne, sagten sie. Fehlalarme habe es bereits in der Vergangenheit mehrfach gegeben, die zudem leicht nachzuweisen gewesen wären. Dass Nordkorea in der Vergangenheit für breitgefächerte DDoS-Angriffe verantwortlich gemacht worden sei, sei "ein Witz", sagte FX. Schon die dafür benötigte Infrastruktur habe Nordkorea gar nicht.

Angreifer in die Defensive drängen

Schuldzuweisungen gegen Nutzer seien ebenfalls nicht angebracht, sagte der US-Amerikaner Chris Nickerson, der die zweite Keynote-Ansprache hielt. Sicherheitsexperten oder Netzwerkadministratoren müssten stattdessen selbst bessere Arbeit leisten.

Letztendlich seien nicht nur die Anwender schuld, wenn Malware in Firmen Daten ausspioniere, sondern mangelnde Sicherheitsvorkehrungen. Den perfekten aufmerksamen Mitarbeiter gebe es nicht, das habe die Vergangenheit gezeigt.

Java sei ein gutes Beispiel dafür, dass große Unternehmen der Bedrohung aus dem Netz nicht mehr genügend Priorität zumessen würden, sagt Rubira Branco. Der Name der Programmiersprache stehe inzwischen nur noch für "Just another vulnerability annoucement", witzelte er. Würden diese Unternehmen ihre Software besser patchen, wäre die Bedrohung aus dem Netz weitaus geringer.

Statt von einer zunehmenden nationalen Bedrohung zu sprechen und deshalb auf Angriff zu setzen, müssten Sicherheitsexperten ihre Techniken verbessern, um gegen Kriminelle im Netz vorzugehen - eine nach wie vor reale und zunehmend professionelle Bedrohung, so die einhellige Meinung.

Sicherheitsexperten müssten den Angreifern immer einen Schritt voraus sein, sie in die Defensive drängen, erklärte Nickerson. Sicherheit sei in den vergangenen Jahren zu sehr vernachlässigt worden. Das nutzten Kriminelle jetzt aus. So wurde die Sprache doch noch - passend zum Namen der Konferenz - kriegerisch: Es gelte "verlorenes Terrain wieder zurückzugewinnen", sagte Nickerson.


flouSH 18. Mär 2013

Die Message von Rodrigo's Keynote ging ja noch weit ueber die hier im Artikel genannten...

Kommentieren




Anzeige
  1. Head Technical Customer Implementation (m/w)
    Wirecard Technologies GmbH, Aschheim bei München
  2. ERP-Systembetreuer (m/w)
    LMC Caravan GmbH & Co. KG, Sassenberg
  3. Head of Development (m/w)
    aboutbooks GmbH, München
  4. Prüfer/-in für die IT-Revision
    Kreissparkasse Tübingen, Tübingen

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Electronic Arts

    Leitender EA-Entwickler bezeichnet Wii U als "Mist"

  2. Apple-Zulieferer

    Wieder drei Suizide bei Foxconn

  3. Cast AR

    Gefeuerte Valve-Entwickler zeigen Räumliche-Objekte-Brille

  4. Ventus

    Mit der Netzgemeinde gegen den Klimawandel

  5. Offline-Karten-App für Android

    Maps With Me Pro gratis in Amazons App-Shop

  6. Linux-Kernel

    P-States verringern Leistungsaufnahme auf Intel-CPUs

  7. Adobe

    Photoshop Express jetzt auch für Windows 8

  8. Browser

    Firefox blinkt nicht mehr

  9. Tallinn-Manual

    Regierung äußert sich zu Nato-Regeln zum Töten von Hackern

  10. Clark Asay

    Defensive Patente mit freier Software nicht vereinbar?



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Bundestags-LAN: Rösler will Spiele-Champions
Bundestags-LAN
Rösler will Spiele-Champions

Wirtschaftsminister Rösler bekennt sich bei einer Gaming-Veranstaltung im Bundestag ausdrücklich zu Großproduktionen aus Deutschland - und erzählt, welchen Heimcomputer-Klassiker er als Jugendlicher hatte.

  1. Apple-Patent Mac und iPad hören es kratzen und klopfen
  2. Verfassungsgericht Anti-Terror-Datei ist in Teilen verfassungswidrig
  3. 2. Politiker-LAN Der Bundestag spielt wieder

Larry Page: "Microsoft will uns ausnutzen"
Larry Page
"Microsoft will uns ausnutzen"

Larry Page hat sich darüber beschwert, dass Microsoft bei Chatprogrammen kleingeistig sei, und sich für Interoperabilität eingesetzt. "Das ist wirklich traurig, so ist kein Fortschritt möglich", sagte er auf der Entwicklerkonferenz Google I/O.

  1. Google-Chef Larry Page leidet an einer Stimmbandlähmung
  2. Eric Schmidt Google Glass kommt später
  3. Multiscreen-Welt Google macht 3,35 Milliarden US-Dollar Gewinn

Homosexualität in Spielen: Bug oder Feature?
Homosexualität in Spielen
Bug oder Feature?

Im Spiel Tomodachi Collection: New Life für den Nintendo 3DS ist es möglich, dass Männer einander heiraten. Nintendo bezeichnet das als Bug - und erntet dafür Empörung.

  1. Strategiespiel HTML5-Version von Freeciv veröffentlicht
  2. Shadow of the Eternals 1,5 Millionen US-Dollar für vier Stunden langen Auftakt
  3. Dokumentarfilm Frauenfeindlichkeit in der Spieleszene

Zum Artikel