Anzeige
Facebook-Nutzer US-Marinekorporal Jonathan Odriscoll (auf einer Militärbasis in der Provinz Helmand/Afghanistan)
Facebook-Nutzer US-Marinekorporal Jonathan Odriscoll (auf einer Militärbasis in der Provinz Helmand/Afghanistan) (Bild: Bay Ismoyo/AFP/Getty Images)

Internet und Krieg Wenn Social Networks zum Schützengraben werden

Wer heute Soldat ist, ist mit dem Netz aufgewachsen und füllt es mit eigenem Erleben. Armeen ist das nicht recht, dabei nutzen sie das Netz für sich.

Anzeige

Sascha Stoltenow ist ausgebildeter Fallschirmspringer. Als Offizier war er in Kroatien im Einsatz, in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo. Zwölf Jahre diente er in der Bundeswehr. Heute ist er Special Staff Sergeant der IDF, der Israel Defense Forces.

Der Exsoldat Stoltenow macht mit bei IDF Ranks, einer Art Online-Game der israelischen Armee. Das belohnt Aktivitäten auf den Websites und Plattformen der Armee mit Punkten: Mit jedem gelesenen Eintrag, jedem Like oder Kommentar kommt man dem nächsthöheren Dienstgrad näher - bis zum Chief of Staff.

Das israelische Militär ist längst nicht das einzige, das die sozialen Netzwerke für sich entdeckt hat. Alle großen Armeen oder Waffenschmieden der Welt präsentieren sich auf Facebook und Youtube. Stoltenow schreibt als Bendler-Blogger über die Armeen der Welt und hat mit Thomas Wiegold von Augen Geradeaus! auf der Re:publica einen Vortrag zu dem Thema gehalten.

Überschrieben war er mit "Die Digital Natives ziehen in den Krieg". Denn auch Soldaten füllen ihre Accounts bei Instagram, Flickr oder Tumblr mit dem, was sie im Einsatz erleben und sehen. Sie sind mit dem Netz aufgewachsen, ihr soziales Umfeld ist bei Facebook, ihr Kulturraum ist Youtube. Sie posten, weil sie mit Freunden reden wollen, aber auch, weil sie nach Anerkennung für ihre Arbeit suchen, wie Stoltenow sagt. Entsprechend groß ist die Bilderfülle im Web - an Banalem, aber auch an Gräueln.

Und entsprechend groß sind die Risiken, die aus den im Netz verfügbaren Informationen erwachsen.

Umfassendstes Social-Media-Handbuch der Welt

So verlor die US-Army 2007 im Irak vier AH-64-Apache-Hubschrauber, weil Soldaten Fotos von deren Landung in ihren Accounts gepostet hatten. Die Bilder enthielten die Geodaten der Orte, an denen sie aufgenommen worden waren. Die Gegner der Soldaten konnten diese Informationen aus den Bildern herauslesen. So erfuhren sie die Position der Maschinen auf dem Stützpunkt und feuerten Mörsergranaten zielgenau dorthin.

Nicht ganz so folgenreich war ein Trick mutmaßlich chinesischer Hacker: Sie lockten mehrere Nato-Offizielle auf eine gefälschte Facebook-Site, die sie unter dem Namen eines US-Admirals angelegt hatten und sicherten sich persönliche Daten.

Inzwischen hat die US-Armee das umfassendste Social-Media-Handbuch der Welt. Es beginnt mit Tipps und Tricks zur Computersicherheit und endet mit Hunderten von Dokumenten zu Sicherheit und Privatsphäre. Inbegriffen sind Richtlinien, wer was in welcher Funktion in sozialen Netzwerken posten darf.

Von Followern und Facebook-Freunden könne Gefahr ausgehen, heißt es dort; nur öffentlich freigegebene Dokumente dürften gepostet werden; Bilder seien daraufhin zu prüfen, ob sie - etwa im Hintergrund oder auf spiegelnden Oberflächen - schutzbedürftige Details zeigten.

Auch in der Bundeswehr wächst die Zahl der Soldaten mit Facebook-Account. Daher gibt es inzwischen eine wenn auch eher allgemein gehaltene Handreichung: Wer in Netzwerken postet, solle das verantwortungsbewusst tun, Gesetze einhalten, die Privatsphäre respektieren und Anstand wahren, heißt es darin. In dienstlichen Angelegenheiten sei "Verschwiegenheit zu wahren", insbesondere im Einsatz - um die Einsatzbereitschaft nicht zu gefährden.

Doch nicht nur ums Senden geht es den Armeen bei der Internetnutzung, sondern auch ums Empfangen. Militärs und Kriegsparteien nutzen das geschickt: Sie verleihen ihren Inhalten die Haptik von Games - wie die israelische Armee - um spieleaffines Publikum zu interessieren. PR-Abteilungen ästhetisieren die Kriegsrealität geschickt durch Bildschnitt und -bearbeitung, bis der Einsatz im Feld optisch als spannendes Abenteuer rüberkommt.

Wie aus einem Ego-Shooter, nur eben real 

eye home zur Startseite
zilti 21. Mai 2013

Das war aber kein Rücktritt, sondern Politik. Und stellenweise Revolution.

zilti 21. Mai 2013

Wozu entfernen? Ja, zeigen wir der Öffentlichkeit doch lieber diese Fassade von heiler...

Kommentieren



Anzeige

  1. IT Systemadministrator (m/w)
    Aspera GmbH, Aachen
  2. Softwareentwickler Automotive (m/w)
    Bertrandt Services GmbH, Karlsruhe
  3. Entwicklungsingenieur (m/w) FPGA
    FERCHAU Engineering GmbH, Bremen
  4. Senior Consultant ICT Communications (m/w)
    operational services GmbH & Co. KG, Wolfsburg, Berlin

Detailsuche



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. BESTPREIS: Xbox One inkl. Quantum Break + Alan Wake + Star Wars: Das Erwachen der Macht (Blu-ray)
    269,00€ inkl. Versand
  2. TIPP: Fallout 4 Uncut [PC] UK 18
    nur 24,99€ + 5,00€ Versand (Bestpreis!)
  3. 5 EURO GÜNSTIGER: DOOM 100% Uncut Day One Edition inkl. Steelbook
    nur 54,99€ - Release 13.05.

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Konkurrenz für Bandtechnik

    EMC will Festplatten abschalten

  2. Mobilfunk

    Telekom will bei eSIM keinen Netzwechsel zulassen

  3. Gründung von Algorithm Watch

    Achtgeben auf Algorithmen

  4. Mobilfunk

    Störung zwischen E-Plus-Netz und Telekom

  5. Bug-Bounty-Programm

    Facebooks jüngster Hacker

  6. Taxidienst

    Mytaxi-Bestellungen jetzt per Whatsapp möglich

  7. Koalitionsstreit über WLAN

    Merkel drängt auf rasche Einigung zu Störerhaftung

  8. Weltraumteleskop Hitomi

    Softwarefehler zerstört japanisches Röntgenteleskop im Orbit

  9. Sailfish OS

    Jolla sichert sich Finanzierung über 12 Millionen US-Dollar

  10. Lede Project

    OpenWRT-Kernentwickler starten eigenen Fork



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Cloudready im Test: Ein altes Gerät günstig zum Chromebook machen
Cloudready im Test
Ein altes Gerät günstig zum Chromebook machen
  1. Acer-Portfolio 2016 Vom 200-Hz-Curved-Display bis zum 15-Watt-passiv-Detachable

Das Flüstern der Alten Götter im Test: Düstere Evolution
Das Flüstern der Alten Götter im Test
Düstere Evolution
  1. E-Sports ESL schließt Team Youporn aus
  2. Blizzard Hearthstone-Cheat-Tools verteilen Malware

PGP im Parlament: Warum mein Abgeordneter keine PGP-Mail öffnen kann
PGP im Parlament
Warum mein Abgeordneter keine PGP-Mail öffnen kann

  1. Re: Von Apple lernen heisst Siegen lernen!

    Subotai | 06:19

  2. Re: Joa, wow

    Test_The_Rest | 06:08

  3. Re: warum kann O2 so günstig sein und T-Com nicht ?

    Rulf | 04:32

  4. Täglich ein Update

    Lebenszeitverme... | 03:37

  5. Re: Hartz-IV - Ein menschlicher Entscheider...

    Gokux | 03:33


  1. 19:01

  2. 16:52

  3. 16:07

  4. 15:26

  5. 15:23

  6. 15:06

  7. 15:06

  8. 14:17


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel