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Jens Ihlenfeld
Jens Ihlenfeld (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)

In eigener Sache Danke, Jens!

Mit einer alptraumhaften Telefonrechnung und aus heutiger Sicht vorsintflutlichen PCs hat alles begonnen. Knapp 17 Jahre später verlässt mit Jens Ihlenfeld nun auch der zweite Gründer Golem.de. Ein Rückblick.

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In Kreuzberg fing schon vieles an: Parteien wurden gegründet. Computer gebaut. Revolutionen ausgerufen und wieder abgesagt. Kreatives wurde entworfen, Häuser wurden besetzt. Und hier begann 1997 auch die Geschichte von Golem.de - damals noch als Golem-Magazin bekannt. Eine typische Wohnzimmergründung, mit der zwei Namen untrennbar verbunden sind: die der Gründer Christian Klaß und Jens Ihlenfeld, damals ein 26-jähriger Student und ein 19-jähriger Abiturient, die ihre Leidenschaft für Technik und das Schreiben verband. Als Geschäftsmann im Jugendzimmer fabrizierte Jens eine immense Telefonrechnung. Da erst entdeckten die Eltern: Jens war dabei, eine Firma zu gründen. Ein Umzug wurde nötig.

Anfänglich war Golem in einem kleinen Raum eines Kreuzberger Fabrikhauses beheimatet, der noch in Eigenregie ausgebaut wurde. Eine unzähmbare Heizung sorgte im Winter für sommerliche Temperaturen. Christian war von vornherein der Chefredakteur, während Jens nicht nur großes journalistisches Gespür bewies, sondern auch den Unternehmensaufbau leitete.

Gestalten, mitmachen

Das Golem-Magazin wurde zu GNN, das tägliche Nachrichten brachte. Ein Lektorat wurde eingestellt, das das Ergebnis der unendlichen Schaffenskraft von Rechtschreibfehlern befreite. Nach einem Disput mit einem großen Nachrichtensender wurde die Seite in Golem.de umbenannt. Schon bald saßen an den großen Ikea-Büromöbeltischen weitere fest angestellte Mitarbeiter. Abwechselnd fuhren die Gründer zur Uni - sie waren schließlich Studenten. Mittagessen wurde am Schlesischen Tor vom Imbiss geholt.

Eine positive Zukunftseinstellung - das war schon damals eine herausragende Charaktereigenschaft von Jens, der nicht nur sich selbst, sondern auch andere von einer Idee begeistern kann. Gestalten, mitmachen. Wenn nötig, mit dem erforderlichen Durchsetzungsvermögen. Er hatte eine präzise Vorstellung, was werden soll. Unbeirrbar, aber lernfähig.

Golem half das: Leserzahlen und Seitenabrufe stiegen, das Angebot wuchs. Schon bald wurde der Raum zu klein, Golem.de expandierte und zog schließlich nach Mitte, in eine recht schicke Altbauetage mit knarrenden Dielen, hohen Wänden und mehreren hellen Räumen. Und einer vernünftigen Heizung! Dafür fuhr die S-Bahn praktisch durchs Büro. Beim Umzug halfen die Gründerfamilien kräftig mit. Unvergessen: der Einbruch, bei dem nichts mitgenommen wurde. Jens sagte: "Die haben wohl gedacht, sie waren hier schon", weil es so unordentlich war.

Wechselnde Eigentümer, bleibende Ziele

Die Zahl der Mitarbeiter stieg weiter, aber es gab auch den ersten Weggang. Das Unternehmen war also erwachsen geworden. Was folgte? Der Unternehmensverkauf! Doch Jens und Christian blieben, was in solchen Fällen nicht selbstverständlich ist. Der eine als Chefredakteur, der andere als kaufmännischer Geschäftsführer, der nebenbei jedoch nicht nur Golem.de mit zahllosen Nachrichten vollschrieb, sondern auch bei der inhaltlichen wie technischen Weiterentwicklung mitmischte. Wenn man heute darüber nachdenkt, kommt das der Bezeichnung "Dream Team" ziemlich nahe. Nach vergleichsweise kurzer Zeit gab es einen Eigentümerwechsel, später einen weiteren. Die klare Zielrichtung blieb: Wir schreiben IT-News für Profis.

Golem.de expandierte weiter, die Räume wurden abermals zu klein. Und die Firma besann sich auf ihre geografischen Wurzeln und zog zurück nach Kreuzberg. Schöne Räume, viel Glas, eine richtige Küche, Konferenz- und Serverräume und ein Blick über die Stadt - da lässt es sich kreativ arbeiten. Auf dem Dach gegenüber steht in großen Lettern auf den Schindeln "Dach". Geistige Höhenflüge verhindert das nicht, aber es erdet.

Unliebsame Überraschungen

Wieder kamen in den folgenden Jahren neue Mitarbeiter dazu, die professionelle Videos drehen und schneiden, sich in komplexen Themen hervorragend auskennen und ihr Wissen auch zu spannenden Texten verarbeiten können. Die Pläne von Jens, Golem.de sicher und zukunftsfähig aufzustellen, überdauerten auch einen erneuten Eigentümerwechsel. Und die Kontinuität blieb gewahrt: Jens und Christian blieben weiter dabei.

Ehen wurden geschlossen, Kinder geboren und der persönliche Fokus des Einzelnen änderte sich. Doch wer nun glaubt, dass die Geschichte immer so weitergeht und es keine unliebsamen Überraschungen gibt, der irrt. Im August 2013 verließ Chefredakteur Christian Klaß das Unternehmen, um sich mehr seiner Familie widmen zu können. Übergangsweise übernahm Jens Ihlenfeld zusätzlich die redaktionelle Leitung. Ab Mitte Januar 2014 wird Benjamin Sterbenz der neue Chefredakteur von Golem.de.

Was fehlen wird, was bleibt

Doch kurz danach, Ende Februar 2014, verlässt uns Jens Ihlenfeld, um sich als Geschäftsführer von Syseleven nach rund 17 Jahren Golem.de neuen Herausforderungen zuzuwenden. Sein Gespür für interessante Themen, sein Talent, als Geschäftsführer die Geschicke des Unternehmens zu lenken und personell kluge Entscheidungen zu treffen, seine sympathische und kompetente Art, Golem.de und seine Grundsätze nach außen hin zu vertreten - das wird uns fehlen. Unsere Prinzipien verteidigte er stets mit dem Spruch: "Das ist nicht Golem, das war nie Golem und das wird nie Golem sein!" Wir werden versuchen, uns daran zu halten.

Und wir? Ist das das Ende von Golem.de? Liest man das oben Geschriebene, dann könnte man meinen, Golem.de werde nun etwas Überlebensnotwendiges fehlen. Fakt ist aber: Es wird einen verantwortungsvollen, geordneten Übergang geben. Unser größtes Pfund ist die Redaktion, die seit vielen Jahren praktisch ohne Fluktuation ausgekommen ist, sich gut versteht und weiß, dass man in schwierigen Zeiten zusammenhalten muss. Wir werden auch weiterhin spannende, aktuelle und gut recherchierte News bieten. Aber wir sind traurig.

Jens, wir wünschen dir alles Gute, beruflich und privat!


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nieblomov 30. Dez 2013

Besseres vermag ich als Leser seit bald 10 Jahren nicht zu sagen.

Dr.InSide 25. Dez 2013

Ich lese Golem (Damals noch GNN) mindestens seit 1998 und fand es immer besser...

baltasaronmeth 25. Dez 2013

Ich lese beides. Ich werde aber nie bei heise kommentieren. Die Qualität der...

nf1n1ty 20. Dez 2013

Sieht bei mir genauso aus. :) Danke Golem und auch großen Dank an Herrn Ihlenfeld und...

am (golem.de) 19. Dez 2013

Auf Archive.org gibt es auch ältere Beiträge, nur muss man dazu wissen, dass Golem...



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