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Diablo 3 (Artwork)
Diablo 3 (Artwork) (Bild: Blizzard)

IMHO: Warum ich nicht Diablo 3 spiele

Diablo 3 (Artwork)
Diablo 3 (Artwork) (Bild: Blizzard)

Diablo 3 ist toll, sagen viele Spieler - Diablo 3 ist eine Stimulus-Response-Maschine, sagt Rainer Sigl. Der Blogger und leidenschaftliche Gamer erklärt, warum er sich Blizzards jüngstem Werk verweigert.

Zwölf Jahre Wartezeit, eine seit Monaten auf Hochtouren laufende PR-Maschine, eintrudelnde Fan-Lobeshymnen, alle Medien voll mit Berichten und Werbung: An Diablo 3 kommt man heuer nicht vorbei als Computerspieler. Zweimal war ich beim Onlinekauf schon nur Sekunden davor, mir per Preorder den Zugang zu Blizzards neuen Dungeons zu sichern, heute Vormittag bin ich mit zusammengebissenen Zähnen am Elektroriesen vorbeigefahren, der das Objekt der kollektiven Hysterie sogar um nur 49 Euro anbietet. Ich habe standgehalten.

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Ich verweigere. Und zwar aus guten, wohlüberlegten Gründen.

Ja, ich habe Diablo 1 und 2 gespielt, den ersten Teil mit ungebrochener Begeisterung bis ans Ende, Teil 2 bis irgendwohin ins letzte Drittel. Und schon beim zweiten Teil, trotz all seiner Detailverbesserungen zum Vorgänger, machte sich bei mir leises Unbehagen breit. Unbehagen, hier Opfer einer perfekt optimierten Stimulus-Response-Maschine zu sein, die in exakt berechneten Abständen Belohnungen und Endorphine produziert, um mich bei der Stange zu halten. Unbehagen gegenüber einem Spielkonzept, das seine so verlockend oberflächlich angebotenen Optimierungsstrategien - das Sammeln von Sets, Unique Items, der Horadric Cube - freimütig nur durch repetitives Grinding verfügbar machte. Unbehagen, dass so viele meiner Freunde dieses Grinding ungefragt und mit starrem Glanz in den Augen als selbstverständlich ansahen und in tage- und wochenlangen Runs dem Fluch von Diablo verfielen.

Man bedenke: Das war noch Jahre, bevor mit World of Warcraft das fast verboten perfekte Potpourri aus Kampf, Leveln und Inventory-Management die Lebenszeit ungezählter Spieler in Beschlag nahm, und dennoch war es ein Vorbote. Man muss es als höchste Leistung von Blizzard ansehen, diese Wechselwirkung von Herausforderung und Belohnung, von Routine und Endorphinstoß, von Grinding und kleinem Glücksgefühl perfekt wie wenige andere zuvor verwirklicht zu haben.

Und nun: Diablo 3. Zweifellos keine Neuerfindung des Spielprinzips. Zweifellos grafisch keine Offenbarung. Sicherlich nicht ein Spiel, das das Medium voranbringt, das die Grenzen erweitert oder neue Gruppen zum Spielen bringt. Stattdessen ein wahnsinnig komplexer einarmiger Bandit, in dem man auf Monster klickt, Prozentbalken beim Steigen beobachtet und per Zufallsgenerator benannte Gegenstände hortet.

Das klingt zu negativ? Okay: außerdem eine einzigartige Faszination, ein perfekt wie aus einem Guss gemachtes Spielerlebnis, das auf unserem Belohnungszentrum im Gehirn wagnerianische Symphonien spielt, uns die Nachtruhe raubt und unsere Tage mit dem nagenden Gefühl erfüllt, lieber wieder in den Dungeons sein zu wollen.

Ich verweigere mich diesem Sog wie ein trockener Alkoholiker dem Rückfall, auch wenn meine Abhängigkeit bei weitem nicht so stark war wie bei vielen anderen. Ich verweigere mich, weil ich mit demselben Spielprinzip schon Hunderte, im Verlauf der Sucht immer zwanghafter und freudloser werdende Stunden mit Diablo 1 und 2 verbracht habe und weil für mich "Spielspaß" und eine zugegeben meisterlich herbeigeführte Zwang- und Suchtspirale zwei verschiedene Dinge sind.

Ich verweigere mich, weil meine Zeit kostbar ist, weil ich sie nur in Ausnahmefällen in rauen Mengen in einzelne Spielerfahrungen investiere, statt in viele kleinere, die mir nach zehn Stunden ein gnädiges "The End" gönnen statt der nagenden Ungewissheit, ob nicht beim vierzehnten Run doch noch "Gorls Goldener Armschutz des Lichts +5" zur Komplettierung meines Rüstungssets abfallen könnte. Ich verweigere mich dem Sog der freiwilligen Zwanghaftigkeit, der ein Ergebnis der widerhakenbewehrten Psychologie des Nur-noch-bis-zum-nächsten-Levelaufstiegs ist.

Kurz: Ich verweigere mich aus Angst. Diablo 3, das traue ich mir auch aus der Ferne zu beurteilen, ist wie ein meisterhaft ausgetüftelter Mechanismus, in dem das Gehirn des Spielers in einem minutiös perfektionierten Wechselbad von gekonnt abgestimmten Emotionen manipuliert wird: Neugier, Meisterung, Routine - Belohnung. Repeat. Repeat. Repeat. Repeat.

Dieses Mal: ohne mich, Diablo 3. Leider. Das Leben ist zu kurz.

Rainer Sigl bloggt auf Videogame Tourism - das Games Feuilleton. Dort erschien auch zuerst sein Text Warum ich nicht Diablo 3 spiele.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).


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AnTiK 25. Jun 2012

der nette blogger wollte euch sagen aus langjähriger erfahrung - das dia 3 ähnlich dia2...

michi5579 30. Mai 2012

Hier geht es ja um die Frage WIE man seine Zeit verbraucht. Und da hat der Autor des...

Accolade 29. Mai 2012

Du bist doch nur zu schwach um das gespielte Einzuteilen. Einfach mal Spielen kannst du...

derwen 29. Mai 2012

na wenigstens bleibt dir trotz der lebenszeitverschwendung noch genug tagesfreizeit, hier...

qaysen 29. Mai 2012

Oder ich bin suchtgefährdtet gewesen. Man kann auch nicht unbedingt den menschen schuld...



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