IMHO Über die Offenheit von Hack(er)spaces

Die Hackergemeinde verschließt sich vor der Außenwelt, um sich zu schützen, schreibt Blogger Tobias Wolter. Viele hielten Hackerspaces nämlich für den Computer-ADAC. Das nerve.

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Vor kurzem kritisierten Stephan Urbach und Severin Schols eine elitäre Außenseiterfeindlichkeit von Hackspaces. Dies führte zu aufgeregten Diskussionen darüber, ob ein Hackspace mehr ist als das, was in den Hacker Space Design Patterns angegeben wird, ob sich ein Hackspace eher als integrative oder als produktive Einheit verstehen soll und so weiter. Dabei liegt das Problem weniger in einer elitären Attitüde als in einer auf Verdruss beruhenden Abstumpfung.

Natürlich verschließt sich der gemeine Hackspace ein bisschen vor der Außenwelt - um sich davor zu schützen. Stephan und Severin haben beide den Vergleich mit einem Sportverein gezogen, wo jeder Interessierte problemlos beitreten kann. Das Problem ist, dass dieser Vergleich leider hinkt: Ein Hackspace ist alles andere als ein Sportverein. Aus persönlichen Erfahrungen im C4 (welche auch die HSDP geprägt haben, da alle Verfasser zu dem Zeitpunkt aktive Mitglieder im C4 waren) lernt man, dass viele Leute leider nicht die enthusiastischen Hackeraspiranten sind, die zur Tür reinlaufen.

Kellerkinder mit moralischer Ader?

Dies mag vielleicht an einer gewissen "Abschreckung" im Vorfeld liegen, denn oft genug habe ich erlebt, wie mich "normale" Leute mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Argwohn angeschaut haben, wenn ich sagte, dass ich im C4 aktiv bin. Dabei können diese normalen Menschen auch durchaus internetaktiv sein, das ändert nichts an der Tatsache, dass die Vermengung mit dem Chaos Computer Club (CCC) dazu führt, dass man immer noch als gemeines Kellerkind gesehen wird, welches fremde Rechner aufmacht.

Inzwischen dringt immerhin etwas mehr durch, dass wir die "Guten" sind (Anonymous hin oder her), aber das führt meist dazu, dass das Bild des computerbegabten Kellerkindes mit moralischer Ader fortgepflanzt wird. Das Problem, welches wir haben, ist, was wir alles so an "Kundschaft" deswegen bekommen:

Leute mit Computerproblemen

"Wir sind nicht der Computer-ADAC" ist unser Leitmotto, welches wir leider sehr oft anbringen müssen, da wir schon trotz unserer harten Abweisungen genug nervige Anfragen der Form "Mein Rechner ist so langsam, er ist von einem Virus befallen, helft mir!" bekommen. Natürlich wissen wir grob (Windows halt, benutzt ja keiner), was zu tun ist, aber das wäre genau so, als würde jemand zu einem Sportverein kommen und sich darüber beschweren, dass seine Sportschuhe regelmäßig kaputtgehen. Da weiß man im Sportverein auch eine Lösung und könnte helfen, aber es ist weder interessant noch förderlich, Leuten ihre Wehwehchen hinterherzutragen.

Leute, die etwas gehackt haben wollen

Davon gibt es echt zu viele. "Ich glaube, meine Freundin betrügt mich, könntet ihr mir helfen, ihren Mailaccount zu hacken?" und Ähnliches. Die Standardantwort ist dann natürlich, dass man keine Straftaten unterstützt und man sich doch mal überlegen sollte, ob das der richtige Schritt ist etc.

Paranoide Verschwörungstheoretiker

Hier bräuchten wir tatsächlich mal einen Draht zu psychologischen Notdiensten. Was da alles reinkommt, ist teilweise höchst amüsant, aber auch extrem traurig. Wir hatten schon alles, inklusive "Kann ich mich bei euch verstecken" und "Ich habe euch eine CD mit Beweisen in die Post geworfen".

Leute, die Hilfe/Mithelfer/Mitarbeit für ihr Projekt/Arbeit suchen

Auch gibt es öfter mal Leute, die meinen, dass sie ein total cooles Projekt haben - was in einigen wenigen Fällen sogar stimmt - und nach Leuten suchen, die ihnen helfen oder mit ihnen arbeiten wollen. Oft kommen die Leute aber leider so an, als wären wir eine Vermittlungsagentur - als gäbe es eine definierte Schnittstelle oder einen Prozess, wo wir hingehen und sagen "da ist wer, meldet euch". Und, so kommt es rüber, dieser Prozess soll auch noch nahezu instantan sein. Wenn sich nicht sofort wer enthusiastisch meldet, schauen die meisten dieser Leute schon enttäuscht. Wenn man ihnen dann sagt, dass wir ein anarchistischer Haufen sind, und dass man am besten einfach mal rumfragt, wirken sie schon wieder demotiviert.

Das Openchaos-Publikum

Wir haben echt viele Gäste, die zum Openchaos kommen und sich regelmäßig unser Vortragsprogramm anschauen. Diese bleiben dann nach dem Openchaos auch mal eine Stunde oder zwei - und gehen dann. Hier sind leider sehr viele dabei, die einfach nur Konsumenten sind - und die sind somit leider auch nicht sonderlich kompatibel mit dem Club.

U23-Teilnehmer

Unser klassisches Jugendbildungsprogramm, das U23. Es findet meist jährlich statt und stellt eine Möglichkeit für angehende Hacker und Häcksen unter 23 Jahren dar, sich mal mit einem Fuß in das Umfeld zu trauen und zu schauen, ob es ihnen da gefällt. Wir bilden uns ein, dass die meisten Menschen als bessere Menschen weggehen, und freuen uns um die (leider nicht allzu hohe Zahl) derer, die tatsächlich bei uns bleiben.

Projektgruppen

Im C4 ist momentan nur die Freifunk-Gruppe sonderlich aktiv, aber diese integriert sich hervorragend und es herrscht ein interessierter Austausch.

Interessierte Zufallsbesucher

Oft haben wir auch Leute, die einfach mal vorbeischauen, weil sie nach einem interessanten Umfeld suchen, und mal schauen, was im Club so abläuft und ähnliche Geschichten. Vielleicht haben sie ein eigenes Projekt, vielleicht auch nicht, aber genau diese Leute sind meist kompatibel und fügen sich gut ein. Hier haben wir eine Konversion von geschätzt über 80 Prozent.

Wir sind leider auch nur Nerds 

Endwickler 08. Jun 2012

Also macht BILD guten Journalismus? Der Artikel ist ein Blogtext, der sich eigentlch an...

marsupilami72 08. Jun 2012

Tja...bis eben wusste ich von euch auch nichts - dabei liegt mein Arbeitsplatz gerade...

fratze123 08. Jun 2012

:D

-horn- 08. Jun 2012

moien, das hat bei mir eigentlich recht gut geklappt. ich hatte eine idee, habe das im...

herrbert 07. Jun 2012

Ist halt Teil der Szene, die sich dadurch auszeichnet das es solche "Meta-Beschwerden...

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