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Identitätsdiebstahl: Versicherungen wittern Geschäft mit der Internetangst
(Bild: Pawel Kopczynski/Reuters)

Identitätsdiebstahl: Versicherungen wittern Geschäft mit der Internetangst

Datenmissbrauch und Internetkriminalität nehmen zu. Mehrere Versicherungen bieten inzwischen Schutz an, wenn Ärger im Netz oder Abmahnungen drohen. Doch der Nutzen der Zusatzangebote ist begrenzt.

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"Das Internet ist groß und unübersichtlich." Dieser Satz, mit dem die Versicherung DEVK für ein neues Rechtsschutzangebot wirbt, dürfte nicht nur von den Abgemahnten im Fall Redtube unterschrieben werden. Die DEVK ist nicht die erste Versicherung, die Rechtsschutz gezielt für Internetnutzer anbietet. Nach Angaben der Versicherungsbranche ist der Markt ziemlich jung und es entwickeln sich gerade erst spezielle Produkte. Verbraucherschützer halten die Zusatzpolicen jedoch nicht unbedingt für sinnvoll, weil viele Arten von rechtlichen Streitigkeiten rund ums Internet schon von einem normalen Rechtsschutz abgedeckt sind.

So auch im Falle der DEVK. Sie bietet nach eigenen Angaben die "erste Rechtsschutzversicherung mit Identitäts-Schutz im Internet" an. Vermarktet wird das Produkt unter der Überschrift "Sicherer Surfen mit dem Premium-Rechtsschutz der DEVK". Dabei sind nach Ansicht der Rechtsexpertin Rita Reichard von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die meisten Situationen, die als Beispiel aufgeführt werden, auch von einem "normalen" Privatrechtsschutz abgedeckt. So beispielsweise der Fall, dass ein Artikel bei eBay bestellt und nicht geliefert wurde. Dies gehört zum Vertrags- und Sachenrecht und ist im Basistarif mit abgesichert.

Urheberrechtsfälle meist nicht versichert

Nicht versichert sind hingegen Nutzer, die wie im Falle von Redtube Abmahnungen wegen angeblich illegalen Herunterladens von Filmen erhalten. Keinen Versicherungsschutz gebe es bei "Streitigkeiten in ursächlichem Zusammenhang mit Patent-, Urheber-, Marken-, Geschmacksmuster-/Gebrauchsmusterrechten oder sonstigen Rechten aus geistigem Eigentum", heißt es in den Versicherungsbedingungen. Fast schon irreführend ist es daher, wenn die DEVK Schutz für folgende Situation verspricht: "Ihr Kind soll im Internet unerlaubt Filme heruntergeladen oder verbreitet haben." Auf Anfrage teilte die DEVK mit, dass in solchen Fällen die Versicherten die Telefon- und Onlineberatung nutzen dürften, auch wenn die eigentlichen Streitigkeiten nicht versichert seien. Da sich dieser Zusammenhang jedoch nicht auf Anhieb erschließe, werde dieser Punkt verbessert, teilte das Unternehmen mit.

Etwas mehr Schutz bietet bei Urheberrechtsfällen der Tarif Webaktiv der Arag. Die Versicherung übernimmt die Kosten "für ein erstes anwaltliches Beratungsgespräch zu einer Abmahnung, die Sie als Privatperson wegen eines angeblichen Urheberrechtsverstoßes im Internet erhalten haben". Allerdings nur bis zu einer Gesamthöhe von 500 Euro im Jahr. Das sei für eine erste Beratung in der Regel ausreichend, sagte Michael Sittig von der Stiftung Warentest auf Anfrage, und bedeute damit einen Fortschritt gegenüber einer früher getesteten Version des Tarifs. Allerdings helfe das bei einem tatsächlichen Gerichtsverfahren, das mitunter bis zum Bundesgerichtshof führen könne, nicht viel weiter.

Kosten von bis zu 1.000 Euro im Jahr übernimmt die Advocard für Anwaltsberatungen rund ums Thema Urheberrecht. Deren 360-Grad-Tarif enthält eine "vorsorgliche anwaltliche Beratung", die auch bei Schadenersatzforderungen gegen den Versicherten in Anspruch genommen werden kann.

Digitaler "Radiergummi" im Angebot

Für viele Streitigkeiten rund ums Internet ist aber kein besonderer Tarif erforderlich, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungsbranche (GDV) bestätigt. "Wesentliche rechtliche Risiken, die sich für den Einzelnen bereits heute aus der Nutzung des Internets, sei es dem Online-Banking oder dem Onlinekauf ergeben können, sind von der herkömmlichen Rechtsschutzversicherung erfasst", sagte Sprecherin Kathrin Jarosch auf Anfrage von Golem.de. "Die neuen Produkte gehen hierüber hinaus und bieten zusätzlich Services, die man vereinfacht als 'Internet-Radiergummi' bezeichnen könnte."

Diesen "Radiergummi" bieten in der Tat verschiedene Unternehmen an. Auch bei der Arag ist er im Paket Webaktiv enthalten und nennt sich "Rufretter fürs Netz". Im Kleingedruckten heißt es, dass Schadenersatzansprüche einschließlich Unterlassungsansprüchen geltend gemacht werden könnten, wenn die "e-Reputation" zum Beispiel durch Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung im Netz beschädigt werde. Allerdings nicht, wenn der Ruf in der Onlinepresse angegriffen wird. Sollte für die Durchsetzung von Ansprüchen die Recherche nach den Verantwortlichen erforderlich sein, stehen dafür pro Fall nur 100 Euro zur Verfügung.

85 Prozent haben Angst vor Datenmissbrauch

Weiter geht der "Identitätsschutz" der DEVK. Das Partnerunternehmen Affinion überprüft dabei täglich, ob sensible Nutzerdaten wie Kontoverbindungen auf Seiten auftauchen, die Missbrauchsverdacht nahelegen. Das Unternehmen unterstütze den Versicherten auf Wunsch dabei, die Löschung der Daten zu veranlassen. Dabei behauptet die DEVK werbewirksam, der Nachweis eines Identitätsmissbrauchs sei "nervenaufreibend und zeitaufwendig" und erfordere laut Experten einen Arbeitsaufwand von 400 Stunden. Einen ähnlichen Service, ebenfalls in Kooperation mit Affinion, bietet die Schufa mit ihrem Identsafe an. Eine Nachfrage nach solchen Produkten scheint es offenbar zu geben, auch wenn die Schufa auf Anfrage keine Absatzzahlen nennen wollte. Einer Umfrage der Schufa zufolge wurde jeder fünfte Deutsche bereits Opfer von Identitätsdiebstahl oder -missbrauch. Weitere 27 Prozent könnten nicht ausschließen, dass ihre personenbezogenen Daten missbraucht wurden. Die Angst, Opfer eines solchen Missbrauchs zu werden, sei unter allen Befragten mit 85 Prozent sehr hoch. Was durchaus berechtigt ist: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnte davor, dass die Zahl der Identitätsdiebstähle zunehme. In drei Monaten seien 250.000 Fälle registriert worden.

Ob sich die Ausgaben für eine solche Versicherung lohnen, steht auf einem anderen Blatt. Der Webaktiv-Tarif der Arag kostet rund 100 Euro, der Schufa-Identsafe knapp 40 Euro pro Jahr. Das Premium-Paket der DEVK kostet für Singles rund 270 Euro jährlich. "Man muss schon genau abwägen, ob man wirklich den teuren Premium-Tarif wählt, um den Internetschutz zu haben", sagte Rita Reichard von der Verbraucherzentrale NRW. "Wenn man wirklich nur den Identitätsschutz haben will, würde ich sagen, es lohnt sich nicht." Sollte die neue EU-Datenschutzverordnung in Kraft treten, könnten die Nutzer ohnehin leichter gegen den Missbrauch ihrer Daten vorgehen. Die Verordnung sieht in Artikel 17 ein ausdrückliches "Recht auf Löschung" vor. Hilfreich könnte auch die von der neuen Regierung im Koalitionsvertrag versprochene Reform des Urheberrechts sein. Ob und wann diese kommt, ist aber völlig unklar. Nicht nur das Internet, auch die Politik ist manchmal sehr unübersichtlich.


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plutoniumsulfat 13. Jan 2014

Wer sagt denn, dass Bittorrent illegal ist?

plutoniumsulfat 13. Jan 2014

Das kommt ja auch sehr oft vor, abgesehen davon, dass ein Großteil einen...

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