Datenkappe iBrain: Fenster ins menschliche Gehirn
Datenkappe iBrain: Fenster ins menschliche Gehirn (Bild: Neurovigil)

iBrain Stephen Hawking ins Gehirn geschaut

Der US-Wissenschaftler Philip Low hat eine einfach einsetzbare Gehirn-Computer-Schnittstelle entwickelt. Zusammen mit dem Physiker Stephen Hawking arbeitet er an der Möglichkeit, das System zum Gedankenlesen einzusetzen.

Anzeige

Was denkt Stephen Hawking? Das will Philip Low, Wissenschaftler an der Stanford-Universität und Chef des Unternehmens Neurovigil, wissen. Um das herauszufinden, hat er iBrain entwickelt, ein Gerät, das Hirnströme auffängt und sie an einen Computer weiterleitet.

Bei iBrain handelt es sich um ein Ein-Kanal-Elektroenzephalografie-Aufzeichnungsgerät (EEG). Es besteht aus einem helmartigen Gebilde aus schwarzen Bändern: einem Stirnband mit Elektroden und zwei Bändern, die sich oben auf dem Kopf kreuzen, um das Gerät in Position zu halten. Am Kreuzungspunkt der Bänder sitzt ein kleines Kästchen, in dem die nötige Elektronik untergebracht ist sowie der Akku, der das System mit Energie versorgt. Über einen USB-Anschluss werden die Daten ausgelesen.

Schlaf- und Wachphasen

Hinzu kommt ein System zur Auswertung, der Sleep Parametric EEG Automated Recognition System Algorithmus (Spears). Dieser erstellt eine Karte der Gehirnaktivitäten, aus denen sich die Unterschiede zwischen Wach- und Schlafphasen ablesen lassen.

"Das iBrain kann Daten in Echtzeit im eigenen Bett eines Probanden sammeln, wenn er fernsieht oder irgendetwas anderes tut", beschreibt Low seine Entwicklung in der New York Times. Ursprünglich ist das Gerät zur Schlafanalyse entwickelt worden, beispielsweise als Alternative zu teuren Schlaflaboren.

Gedankenmuster erzeugen

Im vergangenen Sommer besuchte Low Hawking und setzte ihm iBrain auf. "Die Idee war, herauszufinden, ob Stephen seine Gedanken nutzen kann, um ein konsistentes und wiederholbares Muster zu erzeugen, das der Computer etwa in ein Wort, in Buchstaben oder ein Kommando für den Computer verwandeln kann", erzählt Low.

Er wies den Physiker an, sich vorzustellen, seine rechte Hand zusammenzuballen. Der an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankte Hawking kann zwar seine Hand nicht bewegen, aber der Motorkortex, das Bewegungszentrum in seinem Gehirn, kann dennoch Signale erzeugen. Diese konnte der Spears-Algorithmus erkennen und sie als eine Reihe von Spitzen in einem Raster darstellen.

Hirnmuster auslesen

Hawking erlernte, verschiedene Muster zu erzeugen, indem er sich vorstellte, seine Hände oder Gliedmaßen zu bewegen. Mit Fortschreiten der Technik soll das System in der Lage sein, auch komplexere Hirnaktivitäten auszulesen und sie in Worte zu wandeln. Das System soll sich daneben für eine Reihe weiterer medizinischer Anwendungen nutzen lassen, etwa zur Diagnose von Depressionen oder Autismus: Ärzte sollen es nutzen können, um anhand von Hirnwellen Medikamente richtig dosieren zu können.

"Das ist sehr spannend, denn es eröffnet uns ein Fenster in das menschliche Gehirn. Wir entwickeln eine Technik, die der Menschheit zum ersten Mal den Zugang zum menschlichen Gehirn ermöglicht", sagte Low der britischen Tageszeitung Daily Telegraph.

Hilfe für ALS-Kranke

Er habe sich an dem Projekt beteiligt, weil er hoffe, dass ALS-Patienten künftig von diesen Ergebnissen profitieren könnten, sagte Hawking der New York Times. Durch das Fortschreiten der Nervenkrankheit kann er inzwischen nur noch über seine Wangen kommunizieren: Infrarotsensoren an seiner Brille erfassen die Bewegungen der Wangen. Ein Computer erzeugt daraus Worte. Eine Nachricht kann unter Umständen mehrere Minuten dauern.

Low und Hawking wollen ihre Ergebnisse auf der Francis Crick Memorial Conference, die am 7. Juli 2012 in Cambridge stattfindet, vorstellen.


Nimda.E 26. Jun 2012

Wenn die das bei mir einsetzen sollten, werde ich nur noch an die Tetris Melodie denken...

attitudinized 25. Jun 2012

EEGs werden schon seit langer Zeit verwendet um bei der Diagnose von Depressionen zu...

Kommentieren



Anzeige

  1. Development Tools Software Ingenieur (BSL) (m/w)
    TEXAS INSTRUMENTS Deutschland GmbH, Freising bei München
  2. Linux Senior Entwickler/in
    Robert Bosch Car Multimedia GmbH, Hildesheim
  3. System- und Software-Entwicklungsingenie- ur/-in für Fahrerassistenzsysteme
    Robert Bosch GmbH, Leonberg
  4. IT-Business-Analyst (m/w)
    Zurich Service GmbH, Frankfurt am Main

 

Detailsuche


Spiele-Angebote
  1. The Elder Scrolls Online: Tamriel Unlimited (PS4)
    63,99€ (Release 9. Juni, ohne Abo spielbar!)
  2. Metal Gear Solid V: Ground Zeroes - [PlayStation 4]
    15,07€ USK 18
  3. Dead Island 2 [AT PEGI] - [PC]
    49,99€ USK 18

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Gewinnrückgang

    "Microsoft ist weiterhin im Wandel"

  2. Music Key

    Alles oder nichts für Indie-Musiker bei Youtube

  3. Privatsphäre im Netz

    Open-Source-Projekte sollen 1984 verhindern

  4. The Witcher 3 angespielt

    Geralt und die "Mission Bratpfanne"

  5. Onlinehandel

    Welche Versand-Flatrates sich nicht lohnen

  6. Jessie

    Erster Release Candidate für neuen Debian-Installer

  7. Biicode

    Abhängigkeitsverwaltung für C/C++ soll Open Source werden

  8. Mobilfunk

    O2 schaltet LTE-Nutzung für alle Blue-Tarife frei

  9. Broadwell-Mini-PC

    Gigabytes Brix ist noch kompakter als Intels NUC

  10. Cyanogen Inc.

    "Wir versuchen, Google Android wegzunehmen"



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



IMHO: Sichert Firmware endlich nachprüfbar ab!
IMHO
Sichert Firmware endlich nachprüfbar ab!
  1. Zu viele Krisen Unions-Obmann im NSA-Ausschuss hört auf
  2. Snowden-Unterlagen NSA entwickelt Bios-Trojaner und Netzwerk-Killswitch
  3. Exdatenschützer Schaar Telekom könnte sich strafbar gemacht haben

Asus Eeebook X205TA im Test: Die gelungene Rückkehr des Netbooks
Asus Eeebook X205TA im Test
Die gelungene Rückkehr des Netbooks

IMHO: Juhu, DirectX 12 gibt's auch für Windows-7-Besitzer
IMHO
Juhu, DirectX 12 gibt's auch für Windows-7-Besitzer
  1. Benchmark-Beta DirectX 12 und Mantle gleich schnell in 3DMark
  2. Grafikschnittstelle AMD zieht Aussage zu DirectX 12 zurück
  3. Grafikschnittstelle Kein DirectX 12 für Windows 7

    •  / 
    Zum Artikel