Handelsabkommen EU-Parlament stimmt gegen Acta

Mit großer Mehrheit hat das europäische Parlament dagegen gestimmt, das Handelsabkommen Acta zu europäischem Recht zu machen. Die Festschreibung des Status quo in Fragen des Urheberrechts ist damit allerdings noch nicht vom Tisch.

Anzeige

Mit den Stimmen der Sozialisten, Grünen und auch vieler konservativer Abgeordneter hat sich das Europäische Parlament in Straßburg dagegen entschieden, aus dem Handelsabkommen Acta eine EU-Richtlinie zu machen. Vorausgegangen war dem am Vortag eine teils hitzige Debatte, in der sich vor allem EU-Kommissar Karel De Gucht erneut für Acta aussprach. Er konnte die Mehrheit der Abgeordneten nicht noch im letzten Moment überzeugen. Auch die fünf betroffenen Ausschüsse des Parlaments hatten zuvor eine Ablehnung von Acta empfohlen.

Am Tag der Abstimmung stellte die konservative Fraktion (EVP/EPP) einen Antrag, die Abstimmung bis zur Prüfung von Acta durch den europäischen Gerichtshof zu verschieben. "Ich meine nicht, die Geisterfahrer auf der Internetautobahn sollten unsere Politik bestimmen", sagte Klaus-Heiner Lehne von der CDU. Der Antrag auf Verschiebung wurde unmittelbar vor dem Votum über Acta gestellt und vom Parlament abgelehnt. Direkt darauf entschied sich die EU dann gegen Acta.

Die Debatten der Abgeordneten handelten in den vergangenen Wochen nicht nur von den Protesten gegen Acta, bei denen seit Februar an mehreren Aktionstagen in ganz Europa hunderttausende Bürger demonstriert hatten. Der schottische Sozialdemokrat bemängelte unter anderem, dass es für die Weitergabe von Werken im Vertragstext keine Unterscheidung von kommerzieller und privater Nutzung gebe. "Ein vager Text ist gefährlich", sagte David Martin, und weiter: "der Teufel steckt im Mangel des Details".

Die Vermischung von Markenpiraterie und nichtgegenständlichen Rechteverletzungen sahen viele Abgeordnete neben den schwammigen Formulierungen des Abkommens als Konstruktionsfehler von Acta an. Das betonte auch die deutsche Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger am Tag der Abstimmung im ARD-Morgenmagazin.

Vom Tisch ist die Festschreibung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzung und Markenpiraterie damit auf EU-Ebene jedoch noch nicht. Vor allem für das Urheberrecht arbeitet die Union seit 2007 an der Richtlinie "Ipred 2". Die Inhalte, die bisher nur teilweise bekanntgeworden sind, zielen in ähnliche Richtungen wie Acta. Kritiker befürchten wie bei Acta eine zunehmende Kriminalisierung von Urheberrechtsverletzungen im Internet und mehr Überwachung, auch durch die Provider.

Im Unterschied zu Acta, das über Jahre hinweg geheim von mehreren Staaten verhandelt worden war, handelt es sich bei Ipred 2 aber um eine EU-Richtlinie, die spätestens bei Bearbeitung in den Ausschüssen nicht lange verborgen bleiben dürfte. Noch in der zweiten Hälfte des Jahres 2012 will die Europäische Union damit beginnen.

Nachtrag vom 4. Juli 2012, 14:40 Uhr

Wir haben den Artikel um ein ungeschnittenes Video der Abstimmung ergänzt. Es zeigt den Verlauf so, wie er vom EU-Parlamentsfernsehen übertragen wurde. Die breite Ablehnung der Verschiebung der Abstimmung, welche die EVP/EPP beantragt hatte, ist darin klar zu sehen.


FedoraUser 05. Jul 2012

Unter anderem der ESM...

ACTA-STOP 04. Jul 2012

Hi! In Polen haben die Proteste angefangen und das Feuer in ganz Europa entfachtet. Eine...

Bankai 04. Jul 2012

Wahrscheinlich nicht in 2 Wochen, aber innerhalb der nächsten 2 Jahre bestimmt...

TobiTobsenHB 04. Jul 2012

Die wirklich heiklen Themen werden immer geheim gemacht. Mich würde auch interessieren...

Local_Horst 04. Jul 2012

Ja, das Spielchen kennt man bereits. Erstmal eine EU-Richtlinie schaffen und das...

Kommentieren


Sebastian's Blog / 04. Jul 2012

ACTA: Ab in die Tonne!



Anzeige
  1. Head Technical Customer Implementation (m/w)
    Wirecard Technologies GmbH, Aschheim bei München
  2. Prüfer/-in für die IT-Revision
    Kreissparkasse Tübingen, Tübingen
  3. Softwareentwickler / Softwareentwicklerin
    BBF GmbH, München und Dresden
  4. Fachinformatiker Multimedia (m/w)
    CT Creative Technology GmbH & Co. KG, Nürtingen

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Microsoft

    Xbox One mit neuer Kinect und Blu-ray-Laufwerk

  2. Datennetz

    Bundesweite Störung beim mobilen Internet der Telekom

  3. Heavy Gear Assault

    Mech-Action auf Basis der Unreal Engine 4

  4. Superkondensator

    Neuer Energiespeicher mit kurzer Ladezeit

  5. Ruckus Wireless

    Telefonzellen werden zu Gratis-Hotspots

  6. Engine

    Unity-Basis kostenlos mit Mobile-Werkzeugen

  7. Drosselung

    Ein Drittel aller Filme wird als Video-on-Demand geliehen

  8. Wikileaks

    Wau-Holland-Stiftung kann nur noch die Server bezahlen

  9. Surface Pro im Test

    Microsofts Tablet überzeugt als Notebook

  10. Briefkastenfirmen

    Apple ist "einer der größten Steuervermeider" der USA



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Tallinn-Manual: Regierung äußert sich zu Nato-Regeln zum Töten von Hackern
Tallinn-Manual
Regierung äußert sich zu Nato-Regeln zum Töten von Hackern

Das Tallinn-Manual der Nato, das im Cyberwar das Töten von Hackern erlaubt, beschäftigt jetzt auch die Bundesregierung. "Es obliegt nicht der Bundesregierung, eine breite gesellschaftliche Debatte über die Regeln zu führen", heißt es trocken.

  1. Cyberwar Experten halten Stuxnet-Einsatz für Gewaltanwendung
  2. Cyberwar BND errichtet Abteilung zur Abwehr von Hackerangriffen
  3. Cyber Defense Nato-Papier gibt Hacker zum Abschuss frei

Cast AR: Gefeuerte Valve-Entwickler zeigen Räumliche-Objekte-Brille
Cast AR
Gefeuerte Valve-Entwickler zeigen Räumliche-Objekte-Brille

Zwei ehemalige Valve-Mitarbeiter haben auf einer Entwicklermesse eine revolutionäre AR-Brille gezeigt. Damit sollen sich computergenerierte Objekte räumlich korrekt in die Echtwelt einblenden lassen.


Blackberry Z10 im Langzeittest: Tausche Android gegen Blackberry
Blackberry Z10 im Langzeittest
Tausche Android gegen Blackberry

Mit dem Z10 versucht Blackberry ein Comeback im Smartphone-Markt. Auch Android-Anwendungen lassen sich auf dem Gerät installieren. Golem.de-Autor Tobias Költzsch hat zwei Wochen lang sein Galaxy S3 gegen das Z10 getauscht und im Langzeittest überprüft, wie schwer ein Umstieg ist.

  1. Smartphones Blackberry Q5 im Juli, Blackberry 10.1 wird verteilt
  2. Mobilfunk Fast drei Viertel der Smartphones laufen mit Android
  3. Blackberry-Chef "In fünf Jahren gibt es keine Tablets mehr"

Zum Artikel