Hacking: Wahlbetrug leicht gemacht
Briefwahl-Unterlagen zur Bundestagswahl 2005 (Bild: Christian Horvat/GFDL)

Hacking Wahlbetrug leicht gemacht

Die Briefwahl ist nicht sicherer als so manch eine Wahlmaschine. Seit 1989 wurde die Wahl über den Postweg vereinfacht, zulasten der Sicherheit. Zu dem Schluss kommt die OSZE. Armin Rupp zeigt, warum.

Anzeige

1989 beschloss die Bundesregierung, die Briefwahl nicht nur zu vereinfachen, sondern auch hier und dort dabei einzusparen. Das hat der Alternative zum Besuch im Wahllokal zwar tatsächlich einige Hürden genommen, aber die Möglichkeit zur Wahlfälschung deutlich erhöht. Das hat der Sicherheitsexperte Armin Rupp auf der Sicherheitskonferenz Sigint 2013 in Köln ausführlich gezeigt. Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bemängelt inzwischen die Briefwahl in Deutschland.

Wer Wahlbetrug begehen will, muss sich zunächst die entsprechenden Vorlagen beschaffen. Eigentlich ganz einfach: Man nehme den eigenen Wahlschein und vervielfache ihn. Dazu ist laut Rupp ein handelsüblicher Scanner bestens geeignet. Damit lasse sich der Wahlschein einscannen, in Gimp nachbearbeiten, in der Serienbrieffunktion in Libreoffice ausfüllen und später ausdrucken. Denn Wahlscheine haben seit 1989 keinen Siegel mehr, sondern nur einen aufgedruckten Stempel.

Erfundene Personen gehen zur Wahl

Fehlen noch die Angaben zu den fiktiven Personen, die an dem Wahlbetrug teilnehmen sollen. Dafür reichen zufällig gewählte Vor- und Zunamen, die allerdings nicht allzu fantasievoll sein sollten. Anschriften sollten aus einer zufälligen Auswahl von Gebäuden mit vielen Mietparteien bestehen. Etwas komplizierter wird es bei den zufällig gewählten Wahlschein- und Wählerverzeichnisnummern. Die müssen in jedem Fall größer als 100 aber kleiner als mindestens 75 Prozent der Gesamtanzahl der Wähler bei der letzten Wahl sein. Und Schnapszahlen sollten in jedem Fall vermieden werden. Bei der Auswahl der Geburtstage und vor allem des Ausstellungsdatums sollten Sonn- und Feiertage oder etwa der 30. Februar vermieden werden. Unterschriften gibt es zuhauf bei der Google-Bildersuche - natürlich unter dem Stichwort "Unterschrift".

Die Beschaffung des Papiers schien zunächst eine große Hürde, bis Rupp einfach im Internet danach suchte. Die Druckerei schnitt das Papier auf Wunsch auch gleich richtig zu. Und einige im Handel erhältliche Drucker sind in der Länge nicht auf A4 beschränkt.

Einfach bestellen bei der Druckerei

Da müssten doch die Umschläge deutlich schwieriger zu fälschen sein, denn auch diese haben eine bestimmte Farbe und einen bestimmten Schnitt, dachte Rupp. Weit gefehlt: Auf den Umschlägen befindet sich eine Seriennummer, unter der sie bei der entsprechenden Druckerei einfach bestellt werden können.

Auffallen tut das bei der Wahl dann auch nicht unbedingt, wenn die gefälschten Wahlzettel ausgepackt werden, sagt Rupp. Um 15 Uhr am Wahltag erhalten die Auszähler eine Urne mit den eingegangenen Briefwahlumschlägen. Die Wahlscheine werden dann aus den roten Umschlägen entnommen und kurz gesichtet. Anschließend werden die Wahlscheinnummern mit einer Liste der für ungültig erklärten abgeglichen und dann wieder in blaue Umschläge gesteckt, die dann in den Wahllokalen gezählt werden. Sollte dem Briefwahlvorstand Unregelmäßigkeiten auffallen, muss er den Wahlleiter anrufen. Das Wahlverzeichnis liegt ihm nicht vor.

Das Risiko muss wieder größer werden 

arnim 26. Jul 2013

https://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg13-048.html https://www...

Sinnfrei 09. Jul 2013

Warum sollten die sich dafür interessieren wer was gewählt hat? Die fangen eher die...

malvar 09. Jul 2013

Das läuft dann bestimmt so wie mit den Überhangmandaten: Das BVG gibt der Beschwerde...

kinderschreck 08. Jul 2013

Ganz so einfach ist es nicht. Dieser "irgendwer" sollte zumindest ein ähnliches...

kinderschreck 08. Jul 2013

Jupp. Würde so jemand wählen dürfen wäre das ein Grund zur Anfechtung.

Kommentieren



Anzeige

  1. Senior Manager CRM (m/w)
    Kontron AG, Augsburg
  2. Inhouse Spezialist SAP (m/w)
    ROTA YOKOGAWA GmbH & Co. KG, Wehr am Rhein
  3. Business Analyst SAP (m/w)
    CSL Behring GmbH, Marburg
  4. Abteilungsleiter/in
    Robert Bosch GmbH, Renningen

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. G3 Screen

    LGs erstes Smartphone mit eigenem Nuclun-Prozessor

  2. Apple Watch

    Apples Saphirglas-Hersteller stellt Produktion ein

  3. LG G Watch R

    Runde Smartwatch von LG kommt nach Deutschland

  4. Systemanforderungen

    Ohne 200-Euro-Grafikkarte läuft Assassin's Creed Unity nicht

  5. App Rooms

    Facebook macht die Foren mobil

  6. Leistungsschutzrecht

    Streit zwischen Verlagen und Google geht weiter

  7. Smartwatches

    Android Wear emanzipiert sich ein wenig von Smartphones

  8. Quartalsbericht

    Microsofts Gewinn sinkt wegen Massenentlassungen

  9. Quartalsbericht

    Amazon macht höchsten Verlust in Firmengeschichte

  10. Europäischer Gerichtshof

    Framende Links sind keine Urheberrechtsverletzung



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Legale Streaming-Anbieter im Test: Netflix allein macht auch nicht glücklich
Legale Streaming-Anbieter im Test
Netflix allein macht auch nicht glücklich
  1. Netflix-Statistik Die Schweiz streamt am schnellsten
  2. Deutsche Telekom Entertain ab dem 14. Oktober mit Netflix
  3. HTML5-Videostreaming Netflix bietet volle Linux-Unterstützung

Windows 10 Technical Preview ausprobiert: Die Sonne scheint aufs Startmenü
Windows 10 Technical Preview ausprobiert
Die Sonne scheint aufs Startmenü
  1. Build 9860 Windows 10 jetzt mit Info-Center für Benachrichtigungen
  2. Microsoft Neue Fensteranimationen für Windows 10
  3. Windows 10 Microsoft will nicht an das unbeliebte Windows 8 erinnern

Sony Alpha 7S im Test: Vollformater sieht auch bei Dunkelheit nicht schwarz
Sony Alpha 7S im Test
Vollformater sieht auch bei Dunkelheit nicht schwarz
  1. FPS 1000 Kamera soll 18.500 Frames pro Sekunde aufnehmen
  2. Bericht Sony will 4K-Superzoom-Kamera entwickeln
  3. Minikamera Ai-Ball Die WLAN-Kamera aus dem Überraschungsei

    •  / 
    Zum Artikel