GSTool: BSI bedroht Sicherheitsforscher
GSTOOL soll Unternehmen bei Sicherheitsfragen unterstützen. (Bild: Screenshot: Golem)

GSTool: BSI bedroht Sicherheitsforscher

Verschiedene Personen berichten dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) von einer gravierenden Sicherheitslücke in der Verschlüsselung des von der Behörde bereitgestellten Programms GSTool. Statt Dank erhalten sie juristische Drohungen.

Anzeige

GSTool ist ein vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bereitgestelltes Programm, das Unternehmen bei der Erstellung von Sicherheitskonzepten nach dem sogenannten IT-Grundschutz helfen soll. Dabei bietet GSTool auch die Möglichkeit, Daten zu verschlüsseln. Doch offenbar ist diese Verschlüsselung komplett unsicher.

Jan Schejbal, Mitglied der Piratenpartei, berichtet in seinem Blog, dass er bereits vor zwei Jahren auf die Sicherheitsprobleme gestoßen sei. Demnach verwendet GSTool zur Verschlüsselung einen zu einfachen Zufallszahlengenerator. Die Zahl der möglichen Schlüssel sinkt damit auf 2 hoch 31. Damit lässt sich die Verschlüsselung durch simples Durchprobieren der möglichen Schlüssel (Brute Force) in kurzer Zeit vollständig brechen.

"Und um diese Lücke zu finden, braucht es keine NSA-Experten", kommentiert Jan Schejbal den Vorfall in seinem Blog. "Das hat der chinesische Geheimdienst und jeder andere Wirtschaftsspion sicher auch hinbekommen. Kein schöner Gedanke für deutsche Unternehmen, die sich auf die Sicherheit dieser von einer für die IT-Sicherheit zuständigen Behörde herausgegebenen Software verlassen haben."

Als die Entdecker der Sicherheitslücke das BSI informierten, wurde ihnen mitgeteilt, dass man davon ausgehe, dass das Reverse Engineering von GSTool eine Urheberrechtsverletzung darstelle und dass derartige Vorfälle "sehr strikt verfolgt" würden. Die Autoren wurden gebeten, die Sicherheitslücken nicht zu veröffentlichen.

Das BSI benötigte dann etwa eineinhalb Jahre, um eine korrigierte Version von GSTool bereitzustellen. Die "Korrektur" bestand allerdings darin, die Verschlüsselungsfunktion aus dem Programm komplett zu entfernen. Auch wurden Nutzer von GSTool nicht über die Sicherheitslücke informiert.

Die schlechten Zufallszahlen sind nicht das einzige Problem von GSTool. Das Programm nutzt den Verschlüsselungsmodus ECB (Electronic Code Book), der von allen Verschlüsselungsmodi als unsicherste Wahl überhaupt gilt. Außerdem nutzt GSTool einen vom BSI selbst entwickelten, geheimen Verschlüsselungsalgorithmus namens Chiasmus. Die Verwendung von Geheimalgorithmen gilt unter Kryptographen als "Security by obscurity" und wird von der Fachwelt als absolut inakzeptabel angesehen. Algorithmen müssen nach dem sogenannten Kerckhoffs'schen Prinzip öffentlich dokumentiert und von einer großen Zahl von Fachleuten überprüft worden sein, um als sicher zu gelten.

Offenbar war Jan Schejbal nicht der Einzige, der auf die Probleme in GSTool stieß. Bereits 2009 hatte Felix Schuster von der Ruhr-Universität Bochum das BSI ebenfalls auf mögliche Probleme hingewiesen. Das BSI lehnte aber eine Analyse durch Schuster ab, somit wurden die entsprechenden Informationen nie an die Behörde weitergegeben. Jan Schejbal bittet weitere Personen, die im Zusammenhang mit GSTool Sicherheitslücken entdeckt haben und daher Kontakt mit dem BSI hatten, sich bei ihm zu melden.

Die aktuelle Version von GSTool besitzt nun keine Verschlüsselungsfunktion mehr. Der Chiasmus-Algorithmus wird weiterhin von einem Tool namens Chiasmus für Windows genutzt. Allerdings ist dieses Tool nicht öffentlich zugänglich. Da es sich bei den gefundenen Schwachstellen um Probleme der Implementierung in GSTool handelt, ist Chiasmus für Windows vermutlich nicht betroffen. Eine Analyse des verwendeten Algorithmus durch Kryptographen steht aber weiterhin aus, da Chiasmus immer noch geheim ist.

Jan Schejbal hat bereits vor drei Jahren gravierende Sicherheitsprobleme in der Updatefunktion der sogenannten Ausweis-App entdeckt. Die Ausweis-App wurde anschließend vom BSI zurückgezogen.

Aufgrund der Probleme und der langsamen Reaktionszeit des BSI will Schejbal künftig darauf verzichten, staatliche Behörden im Vorfeld über Sicherheitslücken zu informieren und stattdessen direkt an die Öffentlichkeit gehen. "Alles andere sorgt nur für unnötigen Stress, Verzögerungen und unter-den-Teppich-kehren", so Schejbal.

Wir haben beim BSI um eine Stellungnahme gebeten, diese aber bisher nicht erhalten.


meine_meinung 12. Sep 2013

das mag sein... so oder so, das BSI ist zur Zeit nicht in der Lage die Rolle zu spielen...

a user 12. Sep 2013

wie wär's, wenn du mal erläuterst inwiefern er die kurche im dorf lassen soll? irgendwie...

a user 12. Sep 2013

manipulation großer internetunternehmen urangeschosse in der buneswehr (ist zwar länger...

janspambox 12. Sep 2013

Genau für die Verschlüsselung von Exports ist die Funktion gedacht.

Fanti4ever 12. Sep 2013

Dem BSI sollte bewusst sein, dass das Dekompilieren von Software in Deutschland (auf...

Kommentieren



Anzeige

  1. Inbetriebnehmer / Programmierer (m/w)
    Luft- und Thermotechnik Bayreuth GmbH, Goldkronach
  2. IT Infrastructure Architect (m/w)
    Elementis Services GmbH, Cologne
  3. Entwicklungsingenieur Elektronik / Elektrotechnik / Mechatronik (m/w)
    SVZ System Validierungs Zentrum GmbH, Gaimersheim
  4. Projektmanager (m/w)
    ckc ag, Region Braunschweig/Wolfsburg

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Entlassungen

    Telekom verkleinert Online-Innovationsabteilung stark

  2. Buchpreisbindung

    Buchhandel erzwingt höheren Preis bei Amazon

  3. PC-Spiele mit 4K, 6K, 8K

    So klappt's mit Downsampling

  4. Piratenpartei

    Berliner Landeschef Lauer verlässt die Partei

  5. Paketverwaltung

    Apt mit Lücken bei der Validierung

  6. Amazon-Tablet

    Neues Fire HD mit 6 Zoll für 100 Euro

  7. Chipsätze

    Ericsson stellt Modem-Entwicklung für Smartphones ein

  8. Epic Games

    Techdemo Zen Garden verfügbar

  9. Digitale Agenda

    Koalition wertet Internetausschuss ein bisschen auf

  10. World of Tanks

    Schnelle Wettrennen mit schweren Panzern



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Physik: Zeitreisen ohne Paradoxon
Physik
Zeitreisen ohne Paradoxon
  1. Gehirnforschung Licht programmiert Gedächtnis um
  2. Neues Instrument Holometer Ist unser Universum zweidimensional?
  3. Sofia Der fliegende Blick durch den Staub

Doppelmayr-Seilbahn: Boliviens U-Bahn der Lüfte
Doppelmayr-Seilbahn
Boliviens U-Bahn der Lüfte

Intel Core i7-5960X im Test: Die PC-Revolution beginnt mit Octacore und DDR4
Intel Core i7-5960X im Test
Die PC-Revolution beginnt mit Octacore und DDR4
  1. Rory Read AMDs neue x86-Architektur Zen kommt 2015
  2. Intels Desktop-Chefin im Interview "Wir hatten unsere loyalsten Kunden frustriert"
  3. Intel Core i7-5960X X99-Mainboards angebrannt

    •  / 
    Zum Artikel