Gründe für Otellinis Rücktritt Intel hat den mobilen Trend verschlafen

Der weltgrößte Chiphersteller hat mehr Probleme, als es die aktuelle Bilanz ausweist: Im immer wichtigeren Mobilgeschäft spielt Intel bis heute keine Rolle - hier dominiert US-Rivale Qualcomm.

Anzeige

Es erschütterte das Unternehmen, als der weltgrößte Chiphersteller Intel am Montagnachmittag verkündete, der langjährige Vorstandschef Paul Otellini werde auf der nächsten Hauptversammlung im Mai zurücktreten. Immerhin ist Otellini, der seit Ende 2005 als CEO amtiert, erst der fünfte Chef in der 45-jährigen Geschichte des US-Unternehmens.

  • Während Intel im Jahr 2000 noch rund 80 Prozent aller weltweit verkauften Prozessoren produziert hat, fiel jener Anteil bis Ende 2011 auf gut 30 Prozent. (Bildquelle: MIT Technology Review)
  • Ende 2011 entfiel der Großteil der Umsätze bei Smartphone-Prozessoren auf den US-Wettbewerber Qualcomm. (Bildquelle: MIT Technology Review/IDC)
  • Intel war 2011 mit rund 54 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn von fast 13 Milliarden Dollar gut zweieinhalb Mal so groß. Trotzdem bewertet die Börse das künftige Potenzial von Qualcomm höher. (Bildquelle: ycharts.com)
Während Intel im Jahr 2000 noch rund 80 Prozent aller weltweit verkauften Prozessoren produziert hat, fiel jener Anteil bis Ende 2011 auf gut 30 Prozent. (Bildquelle: MIT Technology Review)

Einen Nachfolger hat Intel ebenso wenig parat wie eine Begründung für den überraschenden Schritt. Letzteres ist jedoch gar nicht so schwer auszumachen: Bereits im Mai schrieb ich eine Analyse mit dem zugegebenermaßen provokanten Titel: "Intel - bereits ein Tech-Dinosaurier?".

Otellinis Versäumnis

Denn trotz vordergründig positiver Quartalszahlen hatte Weltmarktführer im Prozessorbereich bis zu jenem Zeitpunkt keine Antwort auf die tektonischen Verschiebungen innerhalb der PC-Industrie weg von PCs hin in Richtung Mobile gefunden - ein Versäumnis auch und gerade von Chef Otellini.

Genau das erachten Marktbeobachter auch heute als größte Schwäche von Intel: Erst Anfang November, also wenige Tage vor dem Otellini-Rücktritt, hat das US-Magazin MIT Technologie Review eine Story mit dem Titel "Der Druck auf Intel steigt" veröffentlicht. Während Intel im Jahr 2000 noch rund 80 Prozent aller weltweit verkauften Prozessoren produziert hat, fiel jener Anteil bis Ende 2011 auf gut 30 Prozent.

Hauptgrund dafür ist der Übergang in die sogenannte Nach-PC-Ära: Zwar konnte Intel seinen Anteil an PC-Prozessoren stabil bei über 80 Prozent halten. Durch den Siegeszug von Mobilgeräten wie Tablets und Smartphones sank der Anteil von PC-Chips am gesamten Prozessormarkt aber gleichzeitig von 96 auf zuletzt gut 38 Prozent.

Genau im Segment von Smartphones und Tablets - von denen laut einer Prognose des Marktforschungshauses IDC im Jahr 2016 bereits dreimal so viele Geräte weltweit verkauft wurden wie herkömmliche Computer - spielt Intel jedoch bisher keine Rolle: Ende 2011 entfiel der Großteil der Umsätze bei Smartphoneprozessoren auf den US-Wettbewerber Qualcomm.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Intel-Aktie in der vergangenen Dekade weitgehend seitwärts marschiert ist: Anfang 2003 notierte der Kurs bei rund 20 Dollar - was ziemlich genau dem Schlusskurs von Dienstagabend, nämlich 20,25 Dollar, entspricht.

Qualcomm überholt Intel

Damit aber nicht genug: Erst Anfang November hat Qualcomm den Erzrivalen Intel erstmals beim Börsenwert überholt - der Mobilchip-Primus hatte zuvor positive Zahlen fürs Geschäftsjahr 2012 vorgelegt. Qualcomm hat im Ende September abgelaufenen Fiskaljahr gut 19 Milliarden Dollar Umsatz und rund 6 Milliarden Dollar Nettogewinn erzielt (PDF).

Das dürfte für den langjährigen Weltmarktführer nicht weniger als einer Demütigung gleichkommen: Schließlich war Intel 2011 mit rund 54 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn von fast 13 Milliarden Dollar gut zweieinhalbmal so groß. Trotzdem bewertet die Börse das künftige Potenzial von Qualcomm höher.


irata 23. Nov 2012

Klingt cool, solange man es nicht übersetzt ;-)

Christo 22. Nov 2012

Von Servern alleine kann Intel nicht überleben. Die meisten Architekturen die es (am...

barforbarfoo 21. Nov 2012

Haben wir sicherlich mehr davon, als von einem Quasi Monopol.

matok 21. Nov 2012

Intel weist damit erstaunliche Parallelen zu Microsoft auf.

Kommentieren



Anzeige

  1. SPS-Programmierer (m/w)
    Ampack GmbH, Königsbrunn
  2. Software Entwickler (TTS) (m/w)
    Continental AG, Villingen-Schwenningen
  3. Entwickler (m/w) für VBA-Entwicklung, MS Office, Reporting, Inhouse-Schnittstellen
    PSI AG, Berlin
  4. IT-Trainee (m/w)
    Allianz Deutschland AG, München

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Darknet

    Grams - eine Suchmaschine für Drogen

  2. Kitkat-Smartphone

    Samsungs Galaxy Ace Style kommt früher

  3. Netmundial-Konferenz

    Netzaktivisten frustriert über "Farce" der Internetkontrolle

  4. Zalando

    Onlinekleiderhändler schließt einen Standort

  5. Apple vs. Samsung

    Google versprach Samsung Hilfe im Patentstreit mit Apple

  6. Deadcore

    Indiegames-Turmbesteigung für PC, Mac und Linux

  7. Reprap

    "Waschmaschinen werden auch nur 5% der Lebenszeit verwendet"

  8. Spam

    AOL bekämpft Spam mit Verschärfung der DMARC-Einstellung

  9. Mac OS X

    Sicherheitsupdate und Beta-Versionen für alle

  10. Onlinemodus

    Civ 3 und 4 sowie Borderlands ziehen um



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
25 Jahre Gameboy: Nintendos kultisch verehrte Daddelkiste
25 Jahre Gameboy
Nintendos kultisch verehrte Daddelkiste

Der Gameboy ist gut gealtert - heute wird mit der Konsole Musik gemacht, und selbst Spieleprogrammierer werden beim Anblick des grauen 8-Bit-Klotzes nostalgisch.

  1. Satoru Iwata Nintendo will Handhelds und stationäre Konsolen vereinen
  2. Nintendo Yamauchi-Clan will Anteile abstoßen
  3. Mario Nintendo macht Apps und gesund

Digitalkamera: Panono macht Panoramen im Flug
Digitalkamera
Panono macht Panoramen im Flug

Wenn Jonas Pfeil ein Panorama aufnimmt, stellt er nicht Kamera, Stativ und Panoramakopf auf, sondern wirft einen Ball in die Höhe. Um das Panorama anschließend zu betrachten, hantiert er mit einem Tablet. Der Berliner hat Golem.de seine Entwicklung erklärt.

  1. Nachfolger von Google Glass Google patentiert Kontaktlinsen mit Kameras
  2. Pentax 645Z Mittelformatkamera mit 51 Megapixeln und ISO 204.800
  3. Coolpix S810C Spielen und Surfen mit der Nikon-Kamera

Windows 8.1 Update 1 im Test: Ein lohnenswertes Miniupdate
Windows 8.1 Update 1 im Test
Ein lohnenswertes Miniupdate

Microsoft geht wieder einen Schritt zurück in die Zukunft. Mit dem Update 1 baut der Konzern erneut Funktionen ein, die vor allem für Mausschubser gedacht sind. Wir haben uns das Miniupdate für Windows 8.1 pünktlich zur Veröffentlichung angesehen.

  1. Microsoft Installationsprobleme beim Windows 8.1 Update 1
  2. Windows 8.1 Update 1 Wieder mehr minimieren und schließen
  3. Microsoft Windows 8.1 Update 1 vorab verfügbar

    •  / 
    Zum Artikel