Abo
  • Services:
Anzeige
Google-Ranking: Herabstufung ist "Zensur light"
(Bild: Nicholas Kamm/AFP/Getty Images)

Google-Ranking: Herabstufung ist "Zensur light"

Google-Ranking: Herabstufung ist "Zensur light"
(Bild: Nicholas Kamm/AFP/Getty Images)

Google stuft seit kurzem Webangebote in den Suchergebnissen herunter, die wegen Urheberrechtsverletzungen auffallen. "Google verändert damit seinen Charakter", beobachtet der Internettheoretiker Felix Stalder. Der Konzern stecke in einem Zwiespalt.

Der Internettheoretiker Felix Stalder von der Zürcher Hochschule der Künste hat Googles neue Praxis kritisiert, wegen Urheberrechtsverletzungen auffällig gewordene Internetangebote in den Suchergebnissen herunterzustufen (Downranking). "Da die meisten Nutzer nur die vorderen Suchergebnisse berücksichtigen, ist das nichts anderes als Zensur light", sagte Stalder am Donnerstag iRights.info. "Entweder ein Angebot ist legal, und dann soll es wie jedes andere behandelt werden, oder es ist von einem Gericht als illegal befunden worden, dann muss man darüber sprechen, ob es ganz aus dem Index verschwinden soll."

Anzeige

Google hat im August seinen Suchalgorithmus verändert. Werden gegen ein Webangebot besonders häufig Löschanträge wegen Urheberrechtsverletzungen durchgesetzt, wird seine Domain in den Suchergebnissen herabgestuft, wie Google-Manager Amit Singhal im Unternehmensblog erklärte.

Allerdings teilte Google auf Nachfrage des Bloggers Danny Sullivan mit, neben der Häufigkeit bestimmten weitere Faktoren das Downranking. Welche das sind, ließ das Unternehmen offen. Konzerntöchter wie Youtube, gegen deren Unterseiten ebenfalls Löschanträge eingehen, sind wohl vom Downranking ausgenommen.

Google bietet keinen Zugang zur Welt mehr

Google kommt offenbar der Unterhaltungsindustrie entgegen, die das Downranking gefordert hatte, wie Netzpolitik.org berichtet. Stalder hält diese Entwicklung für sehr problematisch. "Google verändert damit seinen Charakter. Es macht nicht mehr die Welt zugänglich, wie sie - mit all ihren Konflikten - ist, sondern eine Welt, die einflussreiche Kräfte gerne möchten." Angesichts der Monopolstellung des US-Konzerns müssten die Auswirkungen des Google-Suchalgorithmus auf die Meinungsbildung und auf die Weltsicht der Nutzer viel breiter diskutiert werden.

Zuletzt kreiste die Debatte um Suchalgorithmen vor allem darum, dass Googles Suchergebnisse nicht für alle Nutzer gleich, sondern zunehmend personalisiert ausfallen. Darüber hinaus steht Google in letzter Zeit auf dem Standpunkt, dass Ergebnisseiten unter die freie Meinungsäußerung des Unternehmens fallen.

Zwiespalt: Google zwischen Nutzern und Partnern

Google zufolge soll die neue Reihenfolge in den Suchergebnissen den Nutzern helfen, legale und qualitativ hochwertige Angebote zu finden, beispielsweise Musik-Streaming-Dienste wie Spotify. Derweil steigt Google zunehmend selbst in den Vertrieb von Medieninhalten ein, wozu der Konzern Verträge mit Rechteinhabern schließt. Jüngst startete etwa der Filmverleih Google Play in Deutschland.

Für Stalder bewegt sich Google in einen Zwiespalt. Der Medienkonzern Google brauche die Partnerschaft mit bestimmten Rechteinhabern und gebe entsprechend dem Druck der Unterhaltungsindustrie nach. Auf der anderen Seite lebe die Suchmaschine Google vom Vertrauen der Nutzer in die Relevanz der Ergebnisse. "Diese beiden Anforderungen decken sich nicht immer."

Maßnahmen gegen monopolistische Strukturen

Weil die Suchfunktionen den digitalen Alltag maßgeblich lenken, fordert Stalder Maßnahmen gegen monopolistische Strukturen. "Wünschenswert wären aus meiner Sicht offene Schnittstellen, mehr Konkurrenz auf dem Suchmaschinenmarkt und alternative, eventuell auch nicht kommerzielle Suchalgorithmen." Im Internet hat der neue Google-Algorithmus eine Debatte ausgelöst. Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation warnt, Angebote könnten zu Unrecht herabgestuft werden, und fordert Transparenz über die Kriterien.

Google löscht Millionen Einträge im Monat

Basis des Downrankings von Webangeboten sind laut Google Beschwerden durch Rechteinhaber. Monatlich löscht Google Millionen von Einträgen aus den Suchergebnissen. Grundlage ist das sogenannte Notice-and-Takedown-Verfahren nach dem US-Gesetz Digital Millennium Copyright Act (DMCA). Betroffen sind beispielsweise Unterseiten (URLs) von Portalen wie filestube.com oder torrentz.eu, auf denen Filme, Musik und Spiele illegal zugänglich gemacht werden.

Die Webseitenbetreiber können Einspruch gegen die Löschung einlegen. Trotzdem steht die private Rechtsdurchsetzung über das DMCA regelmäßig in der Kritik. Die EFF dokumentiert mit einer Takedown - Hall of Shame, dass es immer wieder zu ungerechtfertigten Löschungen kommt. Einen Überblick über die Löschanfragen bietet der sogenannte Google-Transparency-Report.


eye home zur Startseite
YoungManKlaus 24. Aug 2012

wo kann man sich da anmelden und was verdient man dabei?

misterunknown 24. Aug 2012

Lohnt sich nicht zu testen. Beispiel: http://search.yacy.net/yacysearch.html?query...

LucifersChild 23. Aug 2012

Gut möglich, aber ich denke so weit werden sie die Ergebnisse nicht verändern (wenn sie...

M.Kessel 23. Aug 2012

Der einzige der Google schaden kann ist Google. Und das haben sie durch die Einschränkung...

AntonZietz 23. Aug 2012

Ist tasächlich so. Einfach mal einen Test machen: Den Titel eines aktuellen Releases...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. T-Systems International GmbH, München
  2. Infokom GmbH, Karlsruhe und Bad Nauheim
  3. TÜV SÜD Gruppe, Filderstadt bei Stuttgart
  4. IFS Deutschland GmbH & Co. KG, Erlangen


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  2. (u. a. Asus GTX 1070 Strix, MSI GTX 1070 Gaming X 8G, Inno3D GTX 1070 iChill)

Folgen Sie uns
       


  1. Innovation Train

    Deutsche Bahn kooperiert mit Hyperloop

  2. International E-Sport Federation

    Alibaba steckt 150 Millionen US-Dollar in E-Sport

  3. Kartendienst

    Daimler-Entwickler Herrtwich übernimmt Auto-Bereich von Here

  4. Killerspiel-Debatte

    ProSieben Maxx stoppt Übertragungen von Counter-Strike

  5. Mehr Breitband für mich (MBfm)

    Telekom-FTTH kostet über 250.000 Euro

  6. Zuckerbergs Plan geht auf

    Facebook strotzt vor Kraft und Geld

  7. Headlander im Kurztest

    Galaktisches Abenteuer mit Köpfchen

  8. Industrie- und Handelskammern

    1&1 Versatel bekommt Großauftrag für Glasfaser

  9. Chakracore

    Javascript-Engine von Edge-Browser läuft auf OS X und Linux

  10. Kinderroboter Myon

    Einauge lernt, Einauge hat Körper



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Dirror angeschaut: Der digitale Spiegel, der ein Tablet ist
Dirror angeschaut
Der digitale Spiegel, der ein Tablet ist
  1. Bluetooth 5 Funktechnik sendet mehr Daten auch ohne Verbindungsaufbau
  2. Smarter Schalter Wenn Github mit dem Lichtschalter klingelt
  3. Tony Fadell Nest-Gründer macht keine Omeletts mehr

Pokémon Go im Test: Hype in der Großstadt, Flaute auf dem Land
Pokémon Go im Test
Hype in der Großstadt, Flaute auf dem Land
  1. Pokémon Go Pikachu versus Bundeswehr
  2. Nintendo Gewinn steigt durch Pokémon Go kaum an
  3. Pokémon Go Monsterjagd im Heimatland

Nuki Smart Lock im Test: Ausgesperrt statt aufgesperrt
Nuki Smart Lock im Test
Ausgesperrt statt aufgesperrt

  1. Re: Der Attentäter aß leidenschaftlich Brot

    Schläfer | 20:22

  2. Re: Faszinierend

    EdwardBlake | 20:22

  3. Re: Hat der Artikel irgendeinen Sinn?

    zu Gast | 20:20

  4. Es wird so vieles fehlen!

    xxsblack | 20:19

  5. Re: Damit unsere Freunde schneller an die Daten...

    schachbrett | 20:18


  1. 18:45

  2. 17:23

  3. 15:58

  4. 15:42

  5. 15:31

  6. 14:42

  7. 14:00

  8. 12:37


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel