Google Chromebooks für Linux-Bastler

Linuxtag 2013 Kritiker behaupten, nur technisch versierte Nutzer könnten Chromebooks verwenden, wie sie wollen. Befürworter sagen, es sei einfacher als gedacht, eigene Software zu nutzen. Golem.de hat darüber mit Kernel-Programmierer Matthew Garrett und Coreboot-Entwicklern gesprochen.

Anzeige

Auf Googles Chromebooks wird neben der GPL-lizenzierten Firmware Coreboot noch viel weitere freie Software verwendet: der Linux-Kernel, der X.org-X-Server und natürlich Eigenentwicklungen aus dem Chromium-Projekt. Das ist für die einen ein Segen, für andere ein Fluch. Auf dem Linuxtag haben wir mit dem Linux-Entwickler Matthew Garrett und Beteiligten des Coreboot-Projekts über Vor- und Nachteile der Chromebooks aus Sicht der Programmierer gesprochen.

Freiheit statt Sicherheit?

Obwohl auf den Chromebooks Coreboot statt UEFI als Firmware verwendet wird, führen die Laptops zunächst nur Code aus, der von Google signiert ist. Das ist für Garrett durchaus vergleichbar mit der UEFI-Funktion Secure Boot, an deren Linux-Unterstützung er gearbeitet hat.

Die Geräte seien wohl darauf ausgelegt, vermutet Garrett, etwa unter Mitarbeitern austauschbar zu sein und alle Daten in Googles Cloud zu speichern. Könnte ein Nutzer schnell und einfach selbst signierte Software starten, wäre dies ein Sicherheitsrisiko in dem intendierten Nutzungsszenario.

Um dennoch jede beliebige Software auf den Chromebooks ausführen zu können, lassen sich diese in den sogenannten Developer-Modus versetzten. Das erzwingt Garrett zufolge von Nutzern aber eine schwierige Entscheidung, denn Google erlaube "entweder Freiheit oder Sicherheit, nicht beides."

Völlig zutreffend ist diese Beschreibung nicht, das weiß auch Garrett. Eigene Schlüssel lassen sich zwar in der Chromebook-Firmware hinterlegen, das ist jedoch alles andere als einfach und benutzerfreundlich. Denn zuvor sei es notwendig, die Laptops auseinander zu schrauben und die Position eines Jumpers auf dem Mainboard zu verändern, um Schreibzugriff auf einen Teil der Firmware zu bekommen, sagte Garrett im Interview.

Einfache Frickelei

Im Fokus der Kritik Garretts steht also der zu hohe Schwierigkeitsgrad für Nutzer, wenn sie jene Software auf den Chromebooks ausführen, die sie wollen, und gleichzeitig Funktionalität wie die Sicherheit durch signierte Software nicht verlieren wollen.

Einer der Coreboot-Entwickler, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte zu Golem.de, dass er das Argument schwer nachvollziehbar finde. Wolle ein Nutzer eigene Software ausführen, müsse er das Gerät lediglich in den Developer-Modus versetzen, um zum Beispiel Root-Zugriff zu erlangen.

Auf dem ARM-Chromebook von Samsung lassen sich so etwa Distributionen wie Ubuntu oder Opensuse als Dual-Boot einrichten. Auf x86-basierten Chromebooks wie dem Pixel ist mit Seabios sogar eine Bios-Emulation enthalten, wodurch sich nahezu jede Distribution starten lassen sollte. Noch einfacher sei, die Chroot-Umgebung Crouton zu benutzen. Das so auf dem Chromebook genutzte Ubuntu verwendet dann etwa Kernel- und X-Server-Treiber des Chromebooks, was zum Beispiel die Nutzung des Pixel Touchscreens einfach ermöglicht.

Die Coreboot-Entwickler wissen selbstverständlich auch um die Sicherheitsrisiken, die der Developer-Modus birgt. Diesen zu entgehen, sei aber einfach, dazu müsse das Gerät lediglich wieder in den Normzustand zurückversetzt werden. Er kenne sogar einige Entwickler, die dies exakt so handhaben, etwa wenn sie in ein anderes Land verreisten, sagte uns der Coreboot-Entwickler.

Die gegenseitigen Argumente zeugen von verschiedenen Sichtweisen der Computernutzer. Garrett vertritt eher die ethischen Grundideen der freien Software, Nutzern möglichst einfach Hoheit über ihre Geräte zu ermöglichen. Den Coreboot-Beteiligten scheint das nicht so wichtig, solange die Software frei zur Verfügung steht. Wollen Interessierte an den Chromebooks herumbasteln, haben sie die Möglichkeit dazu, wie Coreboot oder andere Projekte beweisen. Erklärungen dazu bietet zudem Google selbst auf den Seiten von Chromium-OS.


PG 05. Jun 2013

Der Jumper ermöglicht das vollständige Überschreiben der Firmware mit beliebigem eigenen...

PG 05. Jun 2013

Nein. Der Developer Mode ist je nach Modell über einen von außen zugänglichen Schalter...

spiderbit 01. Jun 2013

Wenn ich lesen würde, Linux-entwickler findet Microsoft Windows extrem toll, wäre mir es...

Tzven 01. Jun 2013

Welches Chromebook kommt denn ohne x86? Is das nicht nur das von Samsung?Und Alternative...

Freedome 31. Mai 2013

Ich finde die Möglichkeit jederzeit zwischen Sicherheit und Freiheit hin und her zu...

Kommentieren



Anzeige

  1. IT-Quality Consultant (m/w)
    gempex GmbH, Mannheim
  2. SAP Basis Administrator (m/w)
    WSW Software GmbH, Krailling (bei München)
  3. SOC Security Analyst (m/w) in IT Security Services
    Allianz Managed Operations & Services SE, München
  4. Remote Services & Servicetoolmanager (m/w)
    über ANJA KISSLING PERSONALBERATUNG, Region Zollernalb

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Maynard

    Wayland-Shell für den Raspberry Pi

  2. BGH-Urteil

    Typenbezeichnung gehört in eine Werbeanzeige

  3. Startup Uber

    Privater Taxidienst Uberpop verboten

  4. Project Atomic

    Red Hat erarbeitet Host-System für Docker-Container

  5. Getac T800

    Robustes 8-Zoll-Tablet mit Windows

  6. MS-Flugsimulator X

    Flughafen Berlin-Brandenburg eröffnet

  7. Vorratsdatenspeicherung

    Totgesagte speichern länger

  8. Intel

    Broxton LTE erst 2016, Skylake-Produktion noch 2015

  9. Bitcoin-Börse

    Mtgox soll verkauft oder aufgelöst werden

  10. Samsung

    Topsmartphone mit Tizen kommt im Sommer



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Test Fifa Fußball-WM Brasilien 2014: Unkomplizierter Kick ins WM-Finale
Test Fifa Fußball-WM Brasilien 2014
Unkomplizierter Kick ins WM-Finale

Am 8. Juni 2014 bezieht die deutsche Nationalmannschaft ihr Trainingslager "Campo Bahia" in Brasilien, um einen Anlauf auf den Gewinn des WM-Pokals zu nehmen. Wer sichergehen will, dass es diesmal mit dem Titel klappt, kann zu Fifa Fußball-WM Brasilien 2014 greifen.

  1. Fifa WM 2014 Brasilien angespielt Mit Schweini & Co. nach Südamerika
  2. EA Sports Fifa kickt in Brasilien 2014

Test LG L40: Android 4.4.2 macht müde Smartphones munter
Test LG L40
Android 4.4.2 macht müde Smartphones munter

Mit dem L40 präsentiert LG eines der ersten Smartphones mit der aktuellen Android-Version 4.4.2, das unter 100 Euro kostet. Dank der Optimierungen von Kitkat überrascht die Leistung des kleinen Gerätes - und es dürfte nicht nur für Einsteiger interessant sein.

  1. LG G3 5,5-Zoll-Smartphone mit 1440p-Display und Kitkat
  2. LG L35 Smartphone mit Android 4.4 für 80 Euro
  3. Programmierbare LED-Lampe LG kündigt Alternative zur Philips Hue an

OpenSSL: Wichtige Fragen und Antworten zu Heartbleed
OpenSSL
Wichtige Fragen und Antworten zu Heartbleed

Der Heartbleed-Bug in OpenSSL dürfte wohl als eine der gravierendsten Sicherheitslücken aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst.

  1. OpenSSL OpenBSD mistet Code aus
  2. OpenSSL-Lücke Programmierer bezeichnet Heartbleed als Versehen
  3. OpenSSL-Bug Spuren von Heartbleed schon im November 2013

    •  / 
    Zum Artikel