Glossar zur NSA-Affäre: Marina, Prism, Noforn, Scissors, Pinwale, Sigad US-984XN
Undatierte Aufnahme des NSA-Hauptsitzes in Fort Meade, Maryland (Bild: NSA)

Glossar zur NSA-Affäre Marina, Prism, Noforn, Scissors, Pinwale, Sigad US-984XN

Die Enthüllungen von Edward Snowden zur NSA und anderen Geheimdiensten bringen eine Fülle von Abkürzungen und Namen von Einrichtungen und Personen mit sich. Golem.de hat die wichtigsten Erklärungen kompakt zusammengefasst.

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Fisa, Noforn, FAA 702 - drei Abkürzungen, mit denen sich bis Anfang Juni 2013 nur wenige Personen wirklich auskennen mussten. Inzwischen ist aber klar, dass die lückenlose Überwachung von Telekommunikation, die hinter den Enthüllungen des US-Whistleblowers Edward Snowden steckt, jeden betrifft. Daher ist es nötig, auch die Abkürzungen, Namen von Diensten und Programmen sowie die Personen dahinter zu kennen.

Dabei möchte das Glossar von Golem.de helfen, indem es in kompakter Form einen untereinander verlinkten Überblick zu den Begriffen liefert. Dabei soll an einer Stelle ein Nachschlagewerk entstehen, das laufend ergänzt wird. Die einzelnen Einträge des Glossars sind durch Anker-Links miteinander verknüpft.

Wir stützen uns dabei nur auf öffentlich zugängliche Quellen, vor allem die Erstveröffentlichungen von Unterlagen der NSA bei Guardian und Washington Post. Das Glossar erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird laufend aktualisiert. Zusätzlich haben wir auch noch eine Chronologie der Ereignisse erstellt.

Binney, William
Der frühere NSA-Mitarbeiter William Binney versucht seit dem Verlassen des Geheimdienstes im Jahr 2001 immer wieder, auf Verschwendung und illegale Praktiken bei der NSA aufmerksam zu machen. So gehörte er zu den frühen Kritikern des Programms Trailblazer. Im Jahr 2007 wurde er verdächtigt, das ungenehmigte Abhören von Telefongesprächen durch die NSA an die New York Times weitergeleitet zu haben.

BND
Abkürzung für den deutschen Bundesnachrichtendienst. Der BND ist der Auslandsgeheimdienst Deutschlands und wird vom Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) kontrolliert. Zuständig für den BND auf Regierungsebene ist das Bundeskanzleramt. Ebenso wie US-Dienste überwacht der BND die Telekommunikation, er tauscht sich dazu auch mit befreundeten Diensten wie der NSA aus. Seinen geheimdienstlichen Schwerpunkt hat er im Nahen und Mittleren Osten, darunter auch Afghanistan.

Boundless Informant
Ein Data-Mining-Tool der NSA, das nachrichtendienstliche Informationen in Form von Grafiken darstellen kann. Eine bekannte Datenquelle für Boundless Informant ist Prism. Einer Übersichtskarte vom März 2013 zufolge fasst das Programm weltweit 504 elektronische Nachrichtenquellen (Sigads) zusammen. Dazu gehören auch die Sigads 987LA und 987LB, die Abhöranlage des BND in Bad Aibling und die Fernmeldeaufklärung der Bundeswehr in Afghanistan. Allein im März 2013 wurden rund 97 Milliarden Datensätze aus der Computerüberwachung (DNI) und 125 Milliarden Telefon-Verbindungsdaten (DNR) gesammelt..

CIA
Central Intelligence Agency. Ziviler Auslandsgeheimdienst der USA. Die CIA ist im Gegensatz zur NSA nicht primär mit technischer Kommunikationsaufklärung betraut, sondern bedient sich menschlicher Quellen. Zusätzlich führt die CIA auch verdeckte Operationen durch.

Conveyance
Teil von Prism und dessen Subsystem Printaura. Mit Conveyance werden Suchergebnisse aus der Datenbank Nucleon darauf überprüft, ob die Daten von US-Amerikanern stammen.

DGSE
Direction Générale de la Sécurité Extérieure (dt.: Generaldirektion für äußere Sicherheit) französischer Auslandsgeheimdienst, der neben der Nutzung menschlicher Quellen auch technische Kommunikationsaufklärung durchführt. Laut Berichten der Tageszeitung Le Monde betreibt der DGSE ein ähnliches Überwachungsprogramm wie das durch die NSA genutzte Prism.

DHS
Department of Homeland Security. Heimatschutzministerium der USA. Das nach den Anschlägen des 11. September 2001 geschaffene DHS ist die drittgrößte Behörde der USA und verfügt über einen eigenen Nachrichtendienst, der als Teil der Intelligence Community mit anderen Diensten wie der NSA zusammenarbeitet.

DITU
Data Interception Technology Unit. Verfahren des FBI, mit dem bei Onlineunternehmen im Rahmen strafrechtlicher Ermittlungen Daten gesammelt werden können. Ditu besitzt eine Schnittstelle zu Prism und ist damit eine weitere Datenquelle der NSA.

DNI
Digital Network Intelligence. Bezeichnung der NSA für geheimdienstliche Erkenntnisse auf der Basis von Internetüberwachung.

DNR
Dial Number Recognition. Bezeichnung der NSA für geheimdienstliche Erkenntnisse auf der Basis von telefonischen Verbindungsdaten.

DOJ
Department of Justice. Justizministerium der USA und Aufsichtsbehörde des FBI, das als Teil der Intelligence Community mit der NSA zusammenarbeitet.

Drake, Thomas
Der ehemalige Mitarbeiter der NSA hat interne Dokumente des Geheimdienstes zur illegalen Überwachung von US-Bürgern öffentlich gemacht. Dabei handelte es sich um Pläne für das Programm Trailblazer, das Kommunikationsdaten analysieren sollte und dabei die Privatsphäre der Nutzer verletzte. Drake wurde des Geheimnisverrats angeklagt, jedoch im Mai 2011 nur zu einem Jahr Bewährungsstrafe wegen Missbrauchs eines Computersystems verurteilt.

Echelon
Abhörsystem für Satellitenkommunikation, das mindestens seit den 1970er Jahren von der Geheimdienstkooperation der Ukusa betrieben wird. Echelon gilt als eines der wichtigsten Systeme, das die NSA im Kalten Krieg zur Kommunikationsaufklärung einsetzte. Bis 2004 gab es auch eine von NSA betriebene große Echelon-Anlage im bayerischen Bad Aibling, sie wurde nach der Nutzung durch die NSA offiziell an den BND übergeben.

FAA 702
Fisa Amendment Act. Erweiterung des US-Gesetzes Fisa aus dem Jahr 2008, die das Abhören von Personen ohne individuelle richterliche Genehmigung erlaubt, wenn sich dadurch Gefahren für die Cybersicherheit, durch Terrorismus oder die Verbreitung von Atomwaffen abwenden lassen können. Laut den NSA-Folien ist FAA 702 die rechtliche Grundlage für Programme wie Prism.

Fallout
Teil von Prism und dessen Subsystem Printaura. Mit Fallout werden Suchergebnisse aus den Datenbanken Marina und Mainway darauf überprüft, ob die Daten von US-Amerikanern stammen.

FISA
Foreign Intelligence Surveillance Act (dt.: Gesetz zum Abhören in der Auslandsaufklärung). Das 1978 verabschiedete Gesetz ist dazu gedacht, die Befugnisse der Geheimdienste unter anderem bei der Telefonüberwachung besser zu kontrollieren. Zu diesem Zweck wurde der Foreign Intelligence Surveillance Court (Fisc) eingerichtet, der Abhöraktionen gegen US-Amerikaner sowie in den USA lebende ausländische Spionageverdächtige genehmigen muss. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erlaubte US-Präsident George W. Bush jedoch das Abhören von US-Auslandstelefonaten ohne Gerichtsbeschluss. Diese Praxis wurde 2008 durch das Fisa-Ergänzungsgesetz FAA 702 legalisiert. Das Fisa-Gericht muss die Abhörprogramme der NSA demnach nur pauschal genehmigen. Ein entsprechendes Programm zum Sammeln von Telefonverbindungsdaten beispielsweise wurde unlängst verlängert.

Five Eyes
siehe UKUSA.

GCHQ
Government Communications Headquarters. Ähnlich wie die NSA ist dieser britische Geheimdienst auch mit Kommunikationsüberwachung und dem Knacken von Verschlüsselung befasst. Dazu soll der GCHQ mit einem Tempora genannten System auch transatlantische Glasfaserkabel direkt anzapfen können, und zwar an deren Anlandestellen auf den britischen Inseln. GCHQ und NSA kooperieren im Rahmen des Verbundes Ukusa.

Glasfaser
Optische Verbindung, die vor allem für Netzwerkkabel eingesetzt wird. Glasfasern werden auch bei transatlantischen Kabeln verwendet, die von der NSA und GCHQ direkt abgehört werden können. Das kann unter anderem durch Auftrennen der Glasfasern oder Biegekoppler geschehen, wodurch die Verbindung nicht unterbrochen wird. Daher gelten Glasfasern inzwischen nicht mehr als abhörsicher. Das U-Boot USS Jimmy Carter soll über entsprechende Technik verfügen.

Greenwald, Glenn
US-amerikanischer Journalist, Rechtsanwalt und Blogger, der die Enthüllungen des NSA-Whistleblowers Edward Snowden in der britischen Tageszeitung Guardian öffentlich gemacht hat. Der 1967 in New York geborene Greenwald arbeitete vor seiner publizistischen Karriere als Anwalt. Über rechtspolitische Fragen bloggte er von 2005 an, ab 2007 schrieb er auch für salon.com. Seit August 2012 schreibt er für den Guardian. Greenwald lebt seit Jahren in Rio de Janeiro, weil es seinem homosexuellen brasilianischen Lebenspartner David Miranda bis vor kurzem nicht möglich war, eine Aufenthaltserlaubnis in den USA zu erhalten. Miranda wurde bei einem Zwischenstopp Mitte August in London stundenlang auf dem Flughafen festgehalten. Im Oktober 2013 wurde bekannt, dass Greenwald die Zusammenarbeit mit dem Guardian beendet und ein neues Projekt mit eBay-Gründer Pierre Omidyar startet.

Intelligence Community
Oberbegriff, unter dem die 17 bekannten Geheimdienste der USA zusammengefasst werden, die eng zusammenarbeiten. Zur IC gehören militärische Nachrichtendienste wie die NSA und der Marinegeheimdienst, aber auch zivile Behörden wie die Bundespolizei FBI und das Heimatschutzministerium DHS.

MAD
Militärischer Abschirmdienst. Geheimdienst der Bundeswehr, und dadurch kontrolliert durch das Bundesverteidigungsministerium sowie das PKGr. Hauptaufgabe des MAD ist die nachrichtendienstliche Sicherung deutscher Soldaten, was beispielsweise auch beim Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr geschieht. Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld ist die Spionageabwehr.

Marina
Überwachungsprogramm der NSA, um Metadaten von Internetkommunikation zu sammeln. Die Washington Post berichtete erstmals am 16. Juni 2013 über die Existenz des Programms. Zusammen mit Mainway, Nucleon und Pinwale ist Marina eine der vier Datenbanken der NSA, wie aus den Folien von Snowden hervorgeht.

Mainway
Überwachungsprogramm der NSA, um Telefonverbindungsdaten zu sammeln. Hauptquelle der Mainway-Datenbank sind die Daten des Telefonunternehmens Verizon. Mit der Veröffentlichung des entsprechenden Gerichtsbeschlusses, der Verizon zur Zusammenarbeit mit der NSA zwang, startete der Guardian die Enthüllungsserie von Edward Snowden am 6. Juni 2013. Zusammen mit Marina, Nucleon und Pinwale ist Mainway eine der vier Datenbanken der NSA, wie aus den Folien von Snowden hervorgeht.

Metadaten
Rückübersetzung eines englischen Begriffs, genauer ist der deutsche Ausdruck "Verbindungsdaten".

Nato-Truppenstatut
Die westlichen Alliierten erhielten in der Bundesrepublik Deutschland Sonderrechte, um die Sicherheit ihrer Truppen mit geheimdienstlichen Mitteln zu schützen. Dies regelt beispielsweise das Zusatzabkommen zum Nato-Truppenstatut (Art. 3, Abs. 2) von 1961. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten die Amerikaner ein umfangreiches Überwachungssystem auf. Mit der Einführung des G-10-Gesetzes, das die Verletzung des Brief- und Telefongeheimnisses regelt, vereinbarte Deutschland 1968, dass BND und Verfassungsschutz als eine Art Dienstleister für die Geheimdienste der drei Westmächte auftreten. Eine Verbalnote sicherte den USA zudem weitere Rechte zu. Die Bundesregierung hat die Verwaltungsvereinbarung Anfang August 2013 aufheben lassen. Die Verbalnote liefert nach Ansicht der Bundesregierung "keine Rechtsgrundlage für etwaige kontinuierliche Datenerhebungen im deutschen Hoheitsgebiet". Es gebe auch keinen Anwendungsfall.

NOFORN
Abkürzung für "No Foreigners", (dt.: keine Ausländer). Noforn ist ein Einstufung von Dokumenten der US-Geheimdienste, die vorschreibt, dass diese Unterlagen Angehörigen anderer Staaten als der USA selbst dann nicht zugänglich gemacht werden dürfen, wenn diese über vergleichbare Sicherheitseinstufungen verfügen, wie diese das Dokument vorschreibt. Ein Mitarbeiter des BND darf beispielsweise ein als Top Secret eingestuftes Dokument, das mit Noforn versehen ist, nicht sehen, wenn er die deutsche Sicherheitsfreigabe für "Streng geheim" besitzt. Die bisher veröffentlichten NSA-Slides zu Prism sind sämtlich mit Noforn gekennzeichnet.

NSA
National Security Agency, technisch orientierter militärischer Geheimdienst der USA. Die NSA ist vor allem mit der Fernmeldeaufklärung und dem Knacken von Verschlüsselung betraut, aber auch der Sicherung eigener Systeme. Sie untersteht dem US-Verteidigungsministerium und arbeitet als Teil der Intelligence Community (IC) mit den 16 anderen Geheimdiensten der USA sowie Behörden befreundeter Staaten zusammen, insbesondere im Verbund Ukusa. Obwohl schon 1952 gegründet, wurde die Existenz der NSA lange so geheim gehalten, dass die Abkürzung auch als "No such agency" oder "Never say anything" übersetzt wurde.

Nucleon
Überwachungsprogramm der NSA, um Telefongespräche mitzuschneiden und auszuwerten. Die Washington Post berichtete erstmals am 16. Juni 2013 über die Existenz des Programms. Zusammen mit Marina, Mainway und Pinwale ist Nucleon eine der vier Datenbanken der NSA, wie aus den Folien von Snowden hervorgeht.

ORCON
(Abk. für Originator controls). Der Urheber eines Dokuments kontrolliert dessen Verbreitung und Freigabe. Empfänger dürfen das als geheim eingestufte Dokument daher nicht nach eigenem Ermessen weiterleiten oder freigeben. Die von Edward Snowden geleakten Dokumente waren als Orcon eingestuft.

PKGr
Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags soll die Arbeit der deutschen Nachrichtendienste BND, MAD und Verfassungsschutz überwachen. Die Bundesregierung ist dem geheim tagenden Gremium zur Unterrichtung verpflichtet. Einen guten Ruf, was die tatsächlichen Erkenntnismöglichkeiten betrifft, besitzt das PKGr nicht. In Sicherheitskreisen werden die Treffen als "Märchenstunde" bezeichnet, mehrere Parlamentarier haben das Gremium deswegen schon verlassen.

Pinwale
Codename für eine Datenbank der NSA, die ausländische und inländische E-Mails erfasst. Die Existenz dieses Abhörprogramms ist seit 2009 bekannt, die Datenbank existiert demnach mindestens seit 2005. Im Zusammenhang mit dem Prism-Programm dient sie auch als Datenbank für Videodokumente. Zusammen mit Marina, Mainway und Nucleon ist Pinwale eine der vier Datenbanken der NSA, wie aus den Folien von Snowden hervorgeht.

Printaura
Werkzeug im Prism-Programm der NSA, um Suchanfragen der Analysten automatisch zu sortieren und auszuwerten. Einer von Edward Snowden geleakten Folie zufolge leitet Printaura die Abfragen an das Instrument Scissors sowie an Trafficthief, möglicherweise ein Backupinstrument, weiter.

PRISM
Überwachungsprogramm der NSA, das die Onlinekommunikation weltweit umfassend analysieren und auswerten kann. Dazu greift das Programm auf die Dienste und Daten der neun Computerkonzerne Google, Microsoft, Apple, Yahoo, Youtube, Facebook, AOL, Skype und Paltalk zurück. Dabei nutzt Prism Ausleitungsschnittstellen wie Ditu vom FBI, greift aber auch auf weitere NSA-Datenbanken wie Marina, Mainway, Nucleon und Pinwale zu. Die Eingabe von Suchbegriffen erfolgt über das Unified Targeting Tool, die Suchergebnisse werden vom Analysesystem Printaura ausgewertet. Die Existenz von Prism wurde am 7. Juni 2013 durch Edward Snowden öffentlich gemacht. Die Internetkonzerne streiten bislang ab, dass die NSA direkten Zugriff auf deren Server hat. Von den 41 Folien, die Snowden von Prism gesichert hat, wurden bislang erst neun veröffentlicht. Prism ist der Codename des Sigad US-984XN. Das US-Militär nutzt ein gleichnamiges Programm, das Planning Tool for Resource Integration, Synchronisation and Management System. Dieses soll jedoch ebenfalls Zugriff auf Datenbanken wie Marina und Mainway ermöglichen.

Quantumtheory
Mit dem Programm Quantumtheory und seinen diversen Komponenten ist es der NSA möglich, mit einem sogenannten Man-on-the-side-Angriff Internetanfragen von Zielpersonen abzufangen, die Anfrage auf eine manipulierte Seite umzuleiten und über diese dann Spähsoftware auf den Zielrechner einzuschleusen. Dabei wurden unter anderem Sicherheitslücken im Firefox-Browser ausgenutzt, um die Nutzer auf den bezeichnenderweise Foxacid genannten Server der NSA umzuleiten. Der Foxacid-Server wird von der Spezialtruppe Tailored Access Operations (TAO) betrieben. Als Türöffner für die NSA fungierte längere Zeit eine Software mit dem Namen Validator, die später durch Commondeer ersetzt werden sollte. Über Validator ließen sich speziellere Spähprogramme wie Olympus oder Unitdrake nachladen. Das Programm Olympusfire erlaube "kompletten Zugriff zu dem Ziel-PC", schreibt die NSA. Mit Quantumtheory können Abfragen auf Seiten wie Yahoo, Facebook, Twitter, Youtube, LinkedIn und Gmail manipuliert werden. Der britische Geheimdienst GCHQ soll damit den belgischen Provider Belgacom attackiert haben.

Scissors, TI32
(dt.: Schere) Komponente des Prism-Programms, die auf einzelnen der veröffentlichten Folien zum NSA-Überwachungssystem genannt werden. Sie dienen laut Washington Post dazu, Suchanfragen je nach Datentyp (Telefon, Video, E-Mail, Internet) für die Abfrage in den verschiedenen Datenbanken vorzusortieren.

Sigad US-984XN
Offizieller Identifikationscode von Prism. Die Abkürzung Sigad steht für Signals Intelligence Activity Designator und bezeichnet eine Quelle für die geheimdienstliche Gewinnung von Informationen aus Signalen (Signals Intelligence).

Sigad US-987LA
Offizieller Identifikationscode für eine NSA-Datenquelle in Deutschland, die für die BND-Abhöranlage im bayerischen Bad Aibling steht. Die Abkürzung Sigad steht für Signals Intelligence Activity Designator und bezeichnet eine Quelle für die geheimdienstliche Gewinnung von Informationen aus Signalen (Signals Intelligence). Den Dokumenten von US-Whistleblower Edward Snowden zufolge werden täglich Millionen Verbindungsdaten von dieser Quelle an die NSA übermittelt. Laut BND stammen die Daten aus der Auslandsaufklärung (Satellitenerfassung) und werden vor der Übermittlung von Daten deutscher Bürger bereinigt.

Sigad US-987LB
Offizieller Identifikationscode für eine NSA-Datenquelle in Deutschland, die für die BND-Fernmeldeaufklärung in Afghanistan steht. Die Abkürzung Sigad steht für Signals Intelligence Activity Designator und bezeichnet eine Quelle für die geheimdienstliche Gewinnung von Informationen aus Signalen (Signals Intelligence).

Snowden, Edward
Der 30 Jahre alte US-Informatiker ist die Schlüsselfigur in der NSA-Affäre. Der frühere CIA-Mitarbeiter hat den Medien umfangreiches Material über die Spähprogramme der US-amerikanischen und britischen Geheimdienste übergeben. Dieses Material besorgte er sich als Mitarbeiter des Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton auf Hawaii. Am 20. Mai 2013 floh er nach Hongkong, von dort am 23. Juni 2013 nach Moskau, wo er Asyl in 21 Ländern beantragte. Am 12. Juli 2013 erklärte er, vorübergehendes Asyl in Russland zu beantragen, um später in ein anderes Asylland auszureisen. Am 24. Juli 2013 sagte sein Anwalt hingegen, Snowden wolle dauerhaft in Russland bleiben. Am 1. August 2013 verließ er den Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo. Seine Papiere erlauben ihm einen einjährigen Aufenthalt in Russland. Snowden hat mehrfach seine Bereitschaft erklärt, bei der Aufklärung der NSA-Programme zu helfen, wenn er einen gesicherten Aufenthaltsort hätte.

Snowden-Dokumente
Nach seiner Flucht aus den USA nach Hongkong hat Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden mehreren Journalisten, darunter Glenn Greenwald und Laura Poitras, eine umfangreiche Sammlung von geheimen und streng geheimen Dokumenten der NSA überreicht. Seit dem 5. Juni 2013 berichteten etliche Medien, darunter der Guardian, die Washington Post, die New York Times und der Spiegel, aus dem Material und veröffentlichten es auszugsweise. Der genaue Umfang des Materials ist unklar. Nach Angaben der US-Regierung könnten es bis zu 1,7 Millionen sein. Davon soll er 200.000 an Journalisten weitergegeben haben und noch 1,5 Millionen selbst besitzen. Snowden versicherte aber, auf seiner Flucht nach Russland keine eigenen Dokumente mitgenommen zu haben.

SSO
Special Source Operation. Unterabteilung der NSA zur Sammlung von Verbindungsdaten.

Stellar Wind
Codename für ein Bündel von Überwachungsprogrammen der NSA, das unter der Regierung von US-Präsident George W. Bush gestartet und später aufgegeben worden sein soll. Laut Washington Post kann Stellar Wind als Vorläufer für vier Datensammlungen betrachtet werden, die weiterhin bestehen und auch mit dem Prism-Programm verbunden sind. Dazu gehören Marina, Mainway, Nucleon und Pinwale.

Tailored Access Operations
Spezialeinheit der NSA, die sich vorwiegend mit der maßgeschneiderten Überwachung einzelner Zielpersonen beschäftigt. Nach Berichten der Washington Post und des Spiegel führt die Einheit lediglich einige hundert Spähattacken in rund 90 Staaten jährlich aus. TAO wurde 1997 gegründet und vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 deutlich ausgebaut. Die Truppe solle deutlich jünger als der Rest der NSA-Einheiten sein und gezielt Hacker rekrutieren. Zu ihren Werkzeugen gehört das Programm Quantumtheory, das gezielt Rechner manipulieren kann.

Tempora
Codename für ein Überwachungsprogramm des britischen Geheimdienstes GCHQ, mit dem der globale Internetverkehr angezapft und zwischengespeichert wird. Das 2011 in Betrieb genommene Programm speichert einem Bericht des Guardian zufolge die Inhaltsdaten drei Tage (full take) und die sogenannten Metadaten für 30 Tage. Die Daten würden mit dem US-amerikanischen Geheimdienst NSA geteilt. Mehrere hundert Mitarbeiter des GCHG und der NSA würden die Daten auswerten.

Thin Thread
Von der NSA abgelehntes Überwachungsprojekt, das durch das Programm Trailblazer ersetzt werden sollte. Die Entwicklungen für das Abhör- und Analyseprogramm begannen bereits in den 1990er Jahren. Bereits vor den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde das Projekt gestoppt. Whistleblower wie William Binney und Thomas Drake wiesen darauf hin, dass Thin Thread besser als Trailblazer geeignet sei, die Privatsphäre von US-Bürgern zu schützen. Dies wurde von der damaligen NSA-Führung um Michael Hayden aber nicht als wichtig erachtet.

Top Secret
Höchste bekannte Geheimhaltungsstufe von US-amerikanischen Regierungsdokumenten.

Tracfin
In der Datenbank werden Informationen zu Finanztransaktionen weltweit gespeichert. Die dafür zuständige Abteilung "Follow the money" soll bis 2011 dort 180 Millionen Datensätze gesammelt haben. Davon sollen 84 Prozent von dem Kreditkartenunternehmen Visa stammen. Weitere Datensätze hat die NSA von der europäischen Swift geholt, über die Banken ihren Zahlungsverkehr abwickeln. Ziel der NSA waren Kunden in Europa, dem Mittleren Osten und Asien.

Trafficthief
Datenbank aus den Überwachungsprogrammen der NSA. Die genaue Funktion von Trafficthief wird auf den NSA-Slides nicht erläutert. Auf einer Folie zum Programm XKeyscore steht Trafficthief an der Spitze einer Datenbankpyramide und enthält demzufolge ausgewählte Verbindungsdaten aus Suchabfragen.

Trailblazer
Gescheitertes Überwachungsprogramm der NSA, um Kommunikationsdaten aus dem Internet und von Mobiltelefonen zu analysieren. Die Arbeiten für das Programm begannen 2002. Wegen hoher Kosten und mangelhafter Resultate wurde Trailblazer 2006 gestoppt. NSA-interne Kritiker, wie der Whistleblower Thomas Drake, informierten schon frühzeitig den Kongress über Fehlentwicklungen bei dem Programm. Drake bemängelte unter anderem, das Trailblazer die Privatsphäre von US-Bürgern verletze.

UKUSA
Bezeichnet die geheimdienstliche Zusammenarbeit zwischen Großbritannien (UK) und den USA. Die Kooperation wurde 1947 zwischen der NSA und dem GCHQ vereinbart. Später schlossen sich Australien, Kanada und Neuseeland an, woraufhin der Verbund auch als Five Eyes bezeichnet wurde.

Upstream
Überwachungsprogramm der NSA, um die Kommunikation über transatlantische Glasfaserleitungen abzuhören. Zu Upstream gehört auch die Überwachung von Kommunikationsdaten, die von verschiedenen Providern erhoben werden. Diese Datensammlungen tragen nach NSA-Angaben die Codenamen Fairview, Stormbrew, Blarney und Oakstar. Die NSA-Agenten sind einer von der Washington Post veröffentlichten Folie zufolge angehalten, zu Suchanfragen sowohl Upstream als auch Prism zu benutzen.

USS Jimmy Carter
Das US-amerikanische Atom-U-Boot "Jimmy Carter" soll dafür ausgerüstet sein, den internationalen Datenverkehr über Glasfaserseekabel abzuhorchen, wie dies für das Programm Upstream geschieht. Das U-Boot wurde im Februar 2005 in Dienst gestellt und soll 3,2 Milliarden Dollar gekostet haben. Unklar ist, wie abgefangene Datenmengen zur Auswertung an die NSA-Zentrale gelangen.

Unified Targeting Tool (UTT)
Das UTT wird auf verschiedenen Folien des Prism-Programms erwähnt und steht zu Beginn eines Rechercheprozesses. In die Software muss der NSA-Mitarbeiter die Suchbegriffe (Selectors) eingeben. Nachdem das FBI die Rechtmäßigkeit der Abfrage geprüft und bestätigt hat, leitet UTT sie an Tool Printaura weiter, das den Workflow der Abfrage steuert.

Verbindungsdaten
Daten, die beschreiben, wer auf welchem Weg mit wem kommuniziert hat. Ein Beispiel für Verbindungsdaten findet sich auf dem Einzelverbindungsnachweis von Telefonrechnungen: Nummer X hat mit Nummer Y zu dieser Uhrzeit für Z Minuten telefoniert. Die Verbindungsdaten sind auch die Informationen, die durch eine EU-Richtlinie als Vorratsdatenspeicherung mehrere Monate gespeichert werden sollen. Obwohl Verbindungsdaten nicht den Inhalt der Kommunikation enthalten, sind sie dennoch sensible Informationen. Da beispielsweise E-Mails bei Providern oft jahrelang gespeichert werden, können die Inhalte anhand der Verbindungsdaten gezielt abgefragt werden. Zudem lässt sich über Verbindungsdaten leicht ein Profil von Personen erstellen.

Verfassungsschutz
Das Bundesamt für Verfassungsschutz ist der Inlandsgeheimdienst der Bundesrepublik Deutschland. Zu seinen Aufgaben laut Bundesverfassungsschutzgesetz gehört auch die Spionageabwehr. Dem Parlamentarischen Kontrollgremium gegenüber ist er zur Auskunft verpflichtet. Zuständig für den Verfassungsschutz ist das Bundesinnenministerium.

XKeyscore
Umfangreiches Spähprogramm der NSA. Unterlagen zufolge, die der Guardian veröffentlichte, erlaubt das Programm den Zugriff auf "fast alles, was ein typischer Nutzer im Internet so macht". Dabei greifen die NSA-Analysten auf Milliarden Daten zu, die wegen der schieren Menge teilweise nur 30 Tage gespeichert werden können. Ebenso wie Prism greift auch XKeyscore auf die Datenbanken Marina, Mainway, Nucleon und Pinwale zu. Der BND nutzt das Programm seit 2007 in Bad Aibling und testet es in zwei weiteren Stellen seit Februar 2013, der Verfassungsschutz räumte ein, das Programm zu testen.

Stand: 6. Februar 2014.


HEBAK 06. Nov 2013

Wenn man sich heute Sorgen machtn, wird man immer noch als durchgeknalllt betrachtet

jnsmy 29. Jul 2013

Trafficthief - Untersee Boot Daten?

Jonny Dee 26. Jul 2013

Eine sehr gute Zusammenfassung inkl. Quellenangaben der Positionen etablierter Parteien...

Lala Satalin... 25. Jul 2013

Ich meine wirklich physikalisch.... RANDALE!

nie (Golem.de) 25. Jul 2013

Danke, ändere ich gleich

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