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Glenn Greenwald
Glenn Greenwald (Bild: Ueslei Marcelino/Reuters)

Alle Journalisten sind Aktivisten

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Zeit Online: Die von Ihnen kritisierten Regierungen würden jetzt wohl widersprechen und sagen: Wir wollen doch nur die Terroristen bekämpfen und so die Freiheit der Bürger garantieren.

Greenwald: Erstens: Es ist völlig falsch, dass die NSA nur Metadaten sammelt. Sie lesen E-Mails, Online-Chats sowie die Browser-History und hören Telefonate mit. Außerdem sind Metadaten extrem verfänglich. Sie können damit dokumentieren, welche Frau eine Abtreibungsklinik anruft, welcher Mann einen HIV-Spezialisten kontaktiert, mit welchen Informanten ein Menschenrechtsaktivist kommuniziert oder ob ein verheirateter Mann eine Liebesaffäre hat. Metadaten erlauben einen starken Eingriff in Ihr Alltagsleben.

Zeit Online: Herr Greenwald, Sie sind eigentlich kein klassischer gelernter Journalist. Sie waren Anwalt, schreiben Bücher und bloggen. Sie wurden als Kolumnist beim Guardian engagiert, also als Meinungsmacher. Nun stellen Sie globale Scoops auf. Was sagt Ihre Karriere über den Journalismus der Zukunft aus?

Greenwald: Einer der Gründe, warum so viele Medien scheitern und das Vertrauen ihrer Leser und Zuseher verlieren, ist die mangelnde Distanz der Journalisten zu den Mächtigen. Die Medien kommen den Regierenden zu nahe, werden Teil der Macht. Internationale Konzerne haben die besten Medienunternehmen gekauft und sie wollen die Macht nicht mehr hinterfragen oder kritisieren, sondern sie wollen die Mächtigen stützen. Die Leute, die in großen Konzernen an der Macht sitzen, haben gelernt, sich zu arrangieren. Es hat sich die Natur, die Seele des Journalismus radikal geändert. Journalisten sind nicht mehr eine "Outsider-Insurgent-Force", also eine aufständische Macht der Außenstehenden.

Zeit Online: Sondern?

Greenwald: Sie dienen als "Propagandatool". Die Leute erkennen, dass so ein Journalismus keinen großen Wert mehr besetzt, dass er für die Bürger sogar gefährlich wird. Nun erleben wir eine Gegenbewegung. Die Leser entdecken den Outsider-Ethos wieder. Sie spüren, dass man gegenüber den Mächtigen aggressiver auftreten muss.

Zeit Online: Sind Sie noch Journalist oder ein Aktivist?

Greenwald: Solche Begriffe bedeuten nichts. Ich fange damit nichts an.

Zeit Online: Wir Journalisten haben gelernt, Distanz zu halten. Uns mit keiner Sache gemein zu machen.

Greenwald: Das geht nicht. Menschen sind nicht distanziert. Alle Journalisten sind Aktivisten. Sie vertreten doch alle Interessen und Einschätzungen. Für mich besteht die entscheidende Frage nicht darin, ob ein Journalist eine Meinung vertritt oder nicht, sondern ob er diese Meinung seinen Lesern ehrlich mitteilt oder vor ihnen versteckt. Entscheidend ist, ob die Fakten, die ein Journalist vermittelt, wahr sind.

Zeit Online: Edward Snowden sitzt nun in Russland fest, Ihr Partner wurde kurz in London verhaftet, Sie sitzen in Rio. Haben Sie eigentlich Fehler gemacht?

Greenwald: Natürlich habe ich Fehler gemacht. Aber ich habe meinen Informanten Snowden gut betreut. Vielleicht war ich aber in Interviews zu offen. Aber ich bin mit den Ergebnissen, die wir bis jetzt erreicht haben, sehr zufrieden.

Zeit Online: Nun wurde bekannt, dass Sie den Guardian verlassen. Gab es Verstimmungen?

Greenwald: Nein.

Zeit Online: Sie waren ja ein freier Mitarbeiter des Blattes. Hatten Sie alle Freiheit?

Greenwald: Ja, ich habe komplette redaktionelle Freiheit. Was ich schreibe, wurde sofort gepostet. Niemand darf in meine Texte eingreifen. Nur wenn ich dem Guardian rechtliche Probleme machen könnte, wende ich mich an die Anwälte der Zeitung.

Zeit Online: Mister Greenwald, wie wird der Fall Snowden enden?

Greenwald: Ich weiß es nicht. Es gibt einige Regierungen, die seinen Kampf schätzen. Die Frage ist, ob sie ihn und seine Grundrechte vor der Verfolgung der USA schützen. Ich hoffe es sehr.

Florian Klenk ist stellvertretender Chefredakteur und Politikchef der Wiener Wochenzeitung Falter. Er traf den Guardian-Enthüller in dessen Wahlheimat Rio de Janeiro, wo zu diesem Zeitpunkt eine Konferenz über die Zukunft des investigativen Journalismus stattfand. Zu dem Interviewtermin kam Greenwald zu spät: Irgendwer habe "geleakt", dass er den Guardian verlasse und gemeinsam mit dem Gründer von eBay ein neues Medium gründe.

 Snowden hatte keinerlei Angst

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Zazu42 05. Nov 2013

Ich bin mir sicher dass es in einer totalen überwachen sehr friedlich zugeht ... wenn...

Sharkuu 01. Nov 2013

was hat der leak vor einigen tagen, das er mit dem ebay gründer ein neues medium macht...

Moriati 31. Okt 2013

Ich muss sagen, auch ich habe selten ein Interview gelesen wo ich dem Interviewpartner...

baem 31. Okt 2013

Ja Recht hast du.... ich war vom Gedankengang falsch. Tor an sich ist ja schon anonym.

schattenklinge 31. Okt 2013

... ich wäre dafür mal ein paar Mailbomben Würmer zu proggen, die einen PC befallen, alle...



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