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Glenn Greenwald
Glenn Greenwald (Bild: Ueslei Marcelino/Reuters)

Snowden hatte keinerlei Angst

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Zeit Online: Wie kam er dennoch an Sie heran?

Greenwald: Er hat mich immer wieder kontaktiert, um mich dazu zu bringen, das Verschlüsselungsprogramm zu installieren. Nach einem Monat gab er auf und wandte sich an Laura Poitras ...

Zeit Online: ... eine Filmemacherin, die eine Dokumentation über Überwachung drehte und selbst immer wieder schikaniert und eingeschüchtert wurde. Sie wurde sogar in Wien festgehalten.

Greenwald: Er bat nun sie, sich an mich zu wenden und er sandte ihr verschlüsselte Mails mit den ersten Dokumenten. Sie kontaktierte mich im März und bat mich um ein persönliches Treffen. Sie zeigte mir E-Mails, die sie von der anonymen Person erhielt. Es waren viel längere und detailliertere Mails, als jene, die ich von der anonymen Person erhalten hatte. Laura und ich spürten sofort, dass uns eine sehr beeindruckende und überlegte Persönlichkeit gegenüberstand. Aber wir wussten immer noch nicht, wer es wirklich war. Wir wollten den Mann treffen. Er teilte uns mit, dass er noch sechs bis acht Wochen brauchen würde. Acht Wochen später meldete er sich tatsächlich und bat uns nach Hongkong, wo er uns Dokumente übergeben würde.

Zeit Online: Sie trafen sich in einem Hotel. Wie konnten Sie sicher sein, dass Edward Snowden wirklich Wissen über die NSA und ihr Überwachungsprogramm besaß und kein Betrüger oder gar ein Spitzel war?

Greenwald: Ich sagte ihm, dass er uns ein paar Dokumente schicken sollte, ehe ich um die halbe Welt fliege. Er mailte mir etwa 2.000 Dokumente der NSA zu, die als streng geheim klassifiziert waren. Die Akten waren unglaublich. Es war aufregend, aber auch schockierend, sie in den Händen zu halten. Ich wusste natürlich noch immer nicht, ob die Dokumente echt waren. Aber sie wirkten sehr authentisch. Ich sprach mit ihm etwa zehn Tage lang mehrere Stunden. Er wirkte ehrlich, die Dokumente wirkten echt. Und so flog ich nach Hongkong, mein Bauchgefühl und meine Erfahrung verrieten mir, dass wir einen gigantischen Fall vor uns hatten.

Zeit Online: Wann haben Sie damit begonnen, die Dokumente zu studieren?

Greenwald: Ich habe die ersten Dokumente im Flugzeug gelesen. Wir hatten einen 16-Stunden-Flug zu bewältigen, Laura wollte schlafen. Ich begann zu lesen und sah, dass diese Dokumente unfassbar wichtig waren und dass es in der Geschichte der USA noch nie so ein gigantisches "Leak" gab. Ich wusste, dass der Fall eine enorme Explosion in der ganzen Welt auslösen würde. Ich spürte die Macht dieser Geschichte. In Hongkong trafen wir dann auf Snowden und waren überrascht.

Zeit Online: Wieso?

Greenwald: Ich hatte einen älteren 65-jährigen Mann erwartet. Und dann stand da dieser unfassbar junge Mann, der noch viel jünger wirkt als im Fernsehen. Wir verbrachten sechs Tage in einem kleinen Hotelzimmer ganz nahe, so wie hier. Ich stellte ihm jede mögliche Frage, die mir einfiel. Ich wollte einfach klären, ob er wirklich der Mann ist, für den er sich ausgab. Er machte mir klar, dass seine Aktion wohlüberlegt und lange geplant war und kein Symptom einer momentanen psychischen Schwäche. Ich war beeindruckt, wie gefestigt und überlegt Snowden war. Es war ihm völlig klar, dass er für den Rest seines Lebens in einem Gefängnis verschwinden könnte. Doch er hatte keinerlei Angst. Er wusste, dass es richtig ist, was er tat.

Zeit Online: Wieso drängten Sie ihn nicht dazu, anonym zu bleiben? Normalerweise schützt man seine Quellen.

Greenwald: Für ihn stand von Anfang an fest, nicht im Geheimen zu operieren. Er spürte die Verantwortung, sein Gesicht zu zeigen, sich nicht zu verstecken. Er wollte der Welt zeigen, was vor sich geht und warum er es enthüllt.

Zeit Online: Snowden blieb in Russland stecken. Nur Putin gewährte ihm Asyl. Wie kann man sich das Leben dort vorstellen? Kann er sich frei bewegen?

Greenwald: Er lebt sicherlich freier, als er in den USA wäre. Dort wäre er in einem Supermax-Gefängnis verschwunden. Wie frei bist du, wenn du tust, was er getan hat, wenn du so viele Dokumente besitzt wie er? Wenn du dir die mächtigsten Staaten zum Feind machst? Die Antwort lautet: Du bist nicht frei.

Zeit Online: Lebt er ein Leben wie Salman Rushdie unter konstanter Bewachung vor Entführungen oder Anschlägen?

Greenwald: Er versteckt sich nicht. Er ist eine "Computer-Person", er verbringt sehr viel Zeit online. Er ist glücklich, wenn er durch das Internet mit Leuten kommunizieren kann. Kürzlich hat er übrigens einen Preis gewonnen und ging zur Preisverleihung. Whistleblower und ehemalige Geheimdienstler aus den USA waren anwesend, um ihn zu ehren.

Zeit Online: Der NSA-Skandal, so behaupten Sie, sei nicht nur eine Attacke auf das Privatleben der Bürger, sondern auch auf die Pressefreiheit. Warum das?

Greenwald: Eine der Hauptaufgaben der Presse besteht meiner Meinung nach darin, jenen Menschen Öffentlichkeit zu bieten, die vertraulich auf Fehler in ihren Organisationen hinweisen wollen - seien es Regierungsbehörden, Unternehmen, Polizeidienststellen, was auch immer. Diese Leute müssen mit Journalisten frei sprechen können, ohne überwacht zu werden. In einem Überwachungsstaat, wo alle Metadaten und jeder Content gesammelt werden kann, fühlen sich Informanten nicht mehr imstande, mit der Presse zu sprechen. Das macht es Journalisten unmöglich zu arbeiten. Die neue Plattform, für die ich nach meinem Abgang beim Guardian nun arbeiten werde, wird technische Tools schaffen, die es Informanten ermöglichen, sich anvertrauen zu können.

Zeit Online: Ihr ehemaliger Kollege beim Guardian, David Leigh, meinte sogar, man müsse als Journalist "vom Baum der Hochtechnologie" heruntersteigen und sich wie früher wieder persönlich treffen, um möglichst keine Datenspuren zu hinterlassen.

Greenwald: Ja, es ist erstaunlich. Als ich an meinen Geschichten arbeitete, flogen Kollegen vom Guardian nach Rio de Janeiro, um mich persönlich zu treffen - und zwar nicht bei mir zu Hause, sondern irgendwo draußen. Wir konnten uns nicht mehr auf die Vertraulichkeit der Kommunikation am Telefon verlassen.

Zeit Online: Herr Greenwald, was lernen wir aus Ihren Enthüllungen?

Greenwald: Das Internet gab uns das große Versprechen der Befreiung und der Demokratisierung. Die Menschheit sollte mit Hilfe offener und freier Kommunikation die Macht haben, gemeinsam Machtmissbrauch zu bekämpfen. Die Bürger sollten sich ungehindert vernetzen können, um Ideen auszutauschen und die Grenzen der menschlichen Freiheit zu erweitern. Der Überwachungsstaat ergreift nun die Macht im Netz. Er will dieses Werkzeug der Freiheit in sein Gegenteil verkehren, in ein Werkzeug der Überwachung und Kontrolle. Wir stehen an einem Scheideweg.

 Glenn Greenwald: "Der Überwachungsstaat ergreift nun die Macht im Netz"Alle Journalisten sind Aktivisten 

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Zazu42 05. Nov 2013

Ich bin mir sicher dass es in einer totalen überwachen sehr friedlich zugeht ... wenn...

Sharkuu 01. Nov 2013

was hat der leak vor einigen tagen, das er mit dem ebay gründer ein neues medium macht...

Moriati 31. Okt 2013

Ich muss sagen, auch ich habe selten ein Interview gelesen wo ich dem Interviewpartner...

baem 31. Okt 2013

Ja Recht hast du.... ich war vom Gedankengang falsch. Tor an sich ist ja schon anonym.

schattenklinge 31. Okt 2013

... ich wäre dafür mal ein paar Mailbomben Würmer zu proggen, die einen PC befallen, alle...



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