Gesetztesinitiative Neue Hoffnung für die Opfer der Telefonabzocker

Wenn das Telefon klingelt, kann es teuer werden. Abzocker preisen Gewinnspiele an und entlocken den Opfern Kontodaten. Die FDP spricht von einer "Sauerei" und will schärfere Gesetze. Ein Musterfall.

Anzeige

Lieselotte Bermann (Name wurde von der Redaktion geändert) ist geschockt. Am Morgen sortiert sie ihre Post. Ihre Miene verfinstert sich, als sie einen Brief der Proinkasso GmbH aus Neu-Isenburg öffnet. In dem Schreiben wird die 76-jährige Dame ultimativ aufgefordert, einen Betrag von 224,21 Euro zu überweisen. "Unser Mandant (CSS Kontor GmbH) hat uns bevollmächtigt, die unten aufgeführte und gemahnte Forderung aus Ihrer Anmeldung zum Gewinnspieleintragungsservice 'Premium Direkt - Gewinnspieleintragungsdienst' einzuziehen", heißt es in dem Zwei-Seiten-Brief, der Handelsblatt Online vorliegt.

Bermann weiß nicht, wie ihr geschieht. Von einem Gewinnspieleintragungsservice ist ihr nichts bekannt. Dunkel erinnert sie sich an ein Telefonat, das sie vor kurzem geführt hat. Ob der Vorgang wohl damit zu tun hat?

Als Bermann sich informiert, mit Bekannten spricht, dämmert es ihr. Ja, da war dieses eine Telefonat mit einer Frau, die sehr schnell gesprochen hat, die deshalb auch nur schwer zu verstehen war. Es ging wohl um ein Spiel und um Gewinne. Und vor allem darum, mit ihr einen Datenabgleich zu machen, ihre Kontonummer gegenzuchecken. Das Telefonat dauerte nicht lange. Bermann dachte sich nichts dabei. Und vor allem dachte sie nicht ernsthaft daran, sich jetzt zu irgendwelchen Zahlungen verpflichtet zu haben. Was die alte Dame erlebt hat, ist keine Seltenheit.

Die Beschwerden bei der Bundesnetzagentur häufen sich, vor allem bei Gewinnspiel- und Gewinnspieleintragungsdiensten. Allein zwischen September 2009 und Juni 2010 meldeten sich über 80.000 Betroffene bei der Behörde. Die Masche der Telefonabzocker ist immer dieselbe. Bevor sich überhaupt ein "Geschäft" konkret anbahnt, wird der Betroffene bereits von einem Callcenter angerufen, wobei bei diesem ersten - nicht aufgezeichneten - Gespräch schon der Eindruck erweckt wird, es bestehe bereits eine Geschäftsbeziehung und man müsse die Daten vergleichen oder korrigieren. Beim zweiten - diesmal aufgezeichneten - Anruf erfolgt dann ein Datenabgleich, bei dem die vollständigen Bankdaten entlockt werden. Zu direkten Abbuchungen kommt es aber nicht. Die Leute erhalten in der Regel eine gesonderte Rechnung. So auch Lieselotte Bermann.

Dass sie jetzt mit dem Vorgang nichts mehr zu tun haben will, dass sie sich über den Tisch gezogen fühlt, davon will das Inkasso-Unternehmen nichts wissen. Das Perfide ist, dass das Gespräch zwischen Bermann und dem Gewinnspieleintragungsservice aufgezeichnet wurde und sich die Dame jetzt damit konfrontiert sieht. In dem Brief der Proinkasso GmbH wird unmissverständlich darauf hingewiesen, dass sie bei Erinnerungslücken die Möglichkeit der Prüfung habe. "Wir stellen Ihnen Ihre telefonische Anmeldung als Tondatei zur Verfügung." Hinterlegt ist das Tondokument auf einer Internetseite des Inkasso-Unternehmens.

Handelsblatt Online hat den Anruf abgehört.

 

Inhaltlich deckt sich das Gespräch mit den Angaben der Inkasso-Firma. In dem Brief wurde beispielhaft ein aufgezeichnetes Gespräch in Textform beigefügt. Das Originaltelefonat findet in schnellem Tempo statt. Der Name des Gewinnspielservices ist kaum zu verstehen. Dem verbraucherschutzpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik Schweickert, ist dieses Vorgehen wohl bekannt. "Das ist sicherlich so gewollt, damit sich der Angerufene schwertut, einen untergeschobenen Vertrag zu erkennen", sagte Schweickert Handelsblatt Online. Üblicherweise würden Betroffene auch auf Kündigungsfristen beziehungsweise Widerspruchsmöglichkeiten und -fristen nicht hingewiesen.

FDP will höhere Bußgelder für Telefonabzocker 

Ovaron 27. Nov 2012

Dürfen die nicht. Ja, es gibt ein Gesetz. Das ist der Teil den Du falsch verstanden...

Cyrano_B 27. Nov 2012

oder einfach darauf hinweisen, dass dieses Gespräch zur Qualitätsicherung aufgenommen...

AdmiralAckbar 27. Nov 2012

Den sag ich bloß Kai Uwe Meyer http://www.youtube.com/watch?v=j4CWW8CZ7FM gibt schon...

Ftee 27. Nov 2012

Dann gibts ein neues Gesetz (naja, eher nicht denk ich mal, aber nehmen wir mal an...

Flying Circus 26. Nov 2012

Sie ist damit beschäftigt, Facebook zu drohen *g*

Kommentieren



Anzeige

  1. Senior Software Entwickler C++/IT-Architekt (m/w)
    MVI PROPLANT Süd GmbH, München
  2. Software-Engineer/IT-Profess- ional (m/w)
    Allianz Managed Operations & Services SE, Stuttgart
  3. SAP - HR Key User (m/w)
    Porsche Holding Salzburg über NP Neumann & Partners, Salzburg (Österreich)
  4. Feature Owner Life Cycle Management (LCM) (m/w)
    Robert Bosch Car Multimedia GmbH, Hildesheim

 

Detailsuche


Hardware-Angebote
  1. Turtle Beach Kopfhörer reduziert
  2. VORBESTELL-AKTION: Microsoft Lumia 640 vorbestellen und 32GB-Speicherkarte gratis dazu erhalten
    (159,00€/179,00€/219,00€ 3G/LTE/XL)
  3. TIPP: Kingston HyperX Cloud Headset
    84,90€

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Phase One iXU 180

    80 Megapixel für die Drohnenfotografie

  2. Metashop

    Zalando will innerhalb von 30 Minuten liefern

  3. Mathias Döpfner

    Axel-Springer-Chef wird Vodafone-Aufsichtsrat

  4. Goodgame Studios

    Wachstum mit der umsatzstärksten App aus Deutschland

  5. Volvo Lifepaint

    Reflektorfarbe aus der Dose schützt Radfahrer

  6. Projekt-Hosting

    Tagelanger DDoS-Angriff auf Github

  7. Samsung

    Galaxy S4 bekommt Lollipop

  8. Deutsche Bahn

    WLAN im Nahverkehr in einigen Jahren

  9. Lords of the Fallen

    Partner wirft Deck 13 "mangelhafte Ausführung" vor

  10. Galaxy S6 Edge im Test

    Keine ganz runde Sache



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Raspberry Pi 2: Die Feierabend-Maschine
Raspberry Pi 2
Die Feierabend-Maschine
  1. GCHQ Bastelnde Spione bauen Raspberry-Pi-Cluster
  2. Raspberry Pi 2 Fotografieren nur ohne Blitz
  3. Internet der Dinge Windows 10 läuft kostenlos auf dem Raspberry Pi 2

Gnome 3.16 angesehen: "Tod der Nachrichtenleiste"
Gnome 3.16 angesehen
"Tod der Nachrichtenleiste"
  1. Server-Technik Gnome erstellt App-Sandboxes
  2. Display-Server Volle Wayland-Unterstützung für Gnome noch dieses Jahr
  3. Linux Gnome-Werkzeug soll für bessere Akkulaufzeiten sorgen

Openstack: Viele brauchen es, keiner versteht es - wir erklären es
Openstack
Viele brauchen es, keiner versteht es - wir erklären es
  1. Cebit 2015 Das Open Source Forum debattiert über Limux

  1. Re: Das ist nur eine Meinung

    bremse | 03:35

  2. Re: Da werden sich Einbrecher freuen

    Sharra | 03:28

  3. Re: Ernstzunehmende Konkurrenten hat die Deutsche...

    NIKB | 03:26

  4. Re: nützt doch alles nichts,...

    Moe479 | 03:23

  5. Re: Im VGN wird das schonmal nicht passieren...

    NIKB | 03:23


  1. 22:59

  2. 19:05

  3. 16:54

  4. 16:22

  5. 14:50

  6. 13:48

  7. 12:59

  8. 12:48


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel