Gemini: Intel kauft Supercomputer-Technik von Cray
Deutschlands schnellster Supercomputer Hermit mit Cray-Technik (Bild: Boris Lehner für HLRS)

Gemini Intel kauft Supercomputer-Technik von Cray

Viele der schnellsten Rechner der Welt arbeiten mit der von Cray erfundenen Vernetzung von Prozessoren namens Gemini. Intel will nun die Technik samt dem Entwicklungsteam von Cray übernehmen, um künftig eigene Chipsätze für Supercomputer anbieten zu können.

Anzeige

Das von Cray erfundene Gemini ist ein sogenanntes Interconnect-Fabric. Es verbindet die Prozessoren und andere Teile eines Supercomputers. Dabei kommt ein Message Passing Interface (MPI) zum Einsatz, das nach Angaben von Cray mehrere Dutzend Befehle pro Sekunde übertragen kann.

Eine Besonderheit von Gemini ist, dass es auch mit den mehr oder weniger proprietären Schnittstellen von Prozessorherstellern zusammenarbeiten kann. Das fiel in den vergangenen Jahren vor allem bei Opteron-Systemen auf, bei denen das maßgeblich von AMD entwickelte Hypertransport an Gemini angedockt wurde. Auch mit Intels Xeons arbeitet Gemini schon zusammen.

Intel hat nun angekündigt, dass das Unternehmen Gemini von Cray inklusive des Entwicklungsteams vollständig übernehmen will. Die Transaktion soll, sofern die Kartellwächter zustimmen, noch im zweiten Quartal des Jahres 2012 abgeschlossen werden. Als Kaufpreis haben die Unternehmen 140 Millionen US-Dollar vereinbart. Bis zu 74 Mitarbeiter von Cray sollen zu Intel wechseln.

Wenn der Deal so zustande kommt, kann Cray laut einer Mitteilung des Unternehmens Gemini und dessen Nachfolger Aries selbst weiterentwickeln. Diese Technologien will das Unternehmen auch weiter in eigenen Produkten vermarkten, was für Cray als Hersteller von Komplettsystemen - die Intel nicht selbst vertreibt - lebenswichtig ist. Mit Gemini-Supercomputern auf Basis von AMD-CPUs ist also auch weiterhin zu rechnen.

Derzeit arbeitet Cray an einem neuen Design, das die aktuelle Gerätelinie XE6 ersetzen soll. Der Codename für diese neuen Supercomputer lautet Cascades, sie sollen bereits mit dem Nachfolger von Gemini namens Aries arbeiten.

Fast fertige Supercomputer mit Intel Inside

Für Intel ergibt sich durch die Übernahme die Möglichkeit, zusammen mit seinen Xeon-CPUs auch komplette Chipsätze für Supercomputer anzubieten. Das bezieht sich nicht nur auf die Verbindung von mehreren Prozessorsockeln auf einem Mainboards, sondern auch in einem Rack oder darüber hinaus. Dabei docken die Gemini-Chips dann an die Intel-Busse an, der Umweg über PCI-Express ist nicht mehr nötig. Damit kann Intel, ähnlich wie bei den früheren Centrino-Paketen für Notebookhersteller, die wichtigsten Bausteine eines Systems aus einer Hand anbieten.

In der Vergangenheit sorgten diese Intel-Bundles bei den Geräteherstellern aber nicht immer für Zufriedenheit, weil sie im Vergleich zu frei zusammengestellten Paketen nur dann billiger waren, wenn die Unternehmen die Bausteine exklusiv von Intel kauften. Eine wichtige Rolle spielten dabei Intels Werbekostenzuschüsse wie das Programm Intel Inside. Ob sich diese Situation bei den Supercomputern wiederholt, ist noch nicht abzusehen.


h.j.fellner 26. Apr 2012

...Dabei kommt ein Message Passing Interface (MPI) zum Einsatz, das nach Angaben von Cray...

Kommentieren



Anzeige

  1. Senior Auditor IT (m/w)
    Bertelsmann SE & Co. KGaA, Gütersloh
  2. Data Miner / Data Analyst (m/w)
    über HRM CONSULTING GmbH, Wiesbaden
  3. Leiter(in) Stabsstelle Architekturmanagement
    Toll Collect GmbH, Berlin
  4. Service- und Systembetreuer (m/w)
    ZF Friedrichshafen AG, Schweinfurt

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Wissenschaft

    Wenn der Quantencomputer spazieren geht

  2. Cloud

    Erstmals betriebsbedingte Kündigungen bei SAP

  3. Microsoft

    Windows 10 Technical Preview ist da

  4. Omnicloud

    Fraunhofer-Institut verschlüsselt Daten für die Cloud

  5. Anonymisierung

    Tor könnte bald in jedem Firefox-Browser stecken

  6. Gutscheincodes

    Taxi-Unternehmer halten auch Ubertaxi für illegal

  7. Chris Roberts

    "Star Citizen ist heute besser als ich es mir erträumte"

  8. Leistungsschutzrecht

    Google keilt gegen Springer und Burda

  9. Onlinehändler

    Zalando geht an die Börse

  10. Panoramafreiheit

    Wikimedia erreicht Copyright-Änderungen in Russland



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Deutsche Telekom: 300.000 von Umstellung auf VoIP oder Kündigung betroffen
Deutsche Telekom
300.000 von Umstellung auf VoIP oder Kündigung betroffen
  1. Deutsche Telekom Umstellung auf VoIP oder Kündigung
  2. Entlassungen Telekom verkleinert Online-Innovationsabteilung stark
  3. Mobile Encryption App angeschaut Telekom verschlüsselt Telefonie

Nicholas Carr: Automatisierung macht uns das Leben schwer
Nicholas Carr
Automatisierung macht uns das Leben schwer
  1. HP Proliant m400 Moonshot-Microserver mit 64-Bit-ARM-Prozessoren
  2. Entwicklung vorerst eingestellt Notebooks mit Touch-Displays sind nicht gefragt
  3. Computerchip IBM stellt künstliches Gehirn vor

Trainingscamp NSA: Ex-Spione gründen High-Tech-Startups
Trainingscamp NSA
Ex-Spione gründen High-Tech-Startups
  1. Vorratsdatenspeicherung NSA darf weiter Telefondaten von US-Bürgern sammeln
  2. Prism-Programm US-Regierung drohte Yahoo mit täglich 250.000 Dollar Strafe
  3. NSA-Ausschuss Grüne "frustriert und deprimiert" über Schwärzung von Akten

    •  / 
    Zum Artikel