Das Bundesamt für Verfassungsschutz arbeitet mit der NSA zusammen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz arbeitet mit der NSA zusammen. (Bild: Ina Fassbender/Reuters)

Geheimpapier Verfassungsschutz lieferte NSA Daten gegen Spionagesoftware

Laut einem Geheimpapier lieferte der Verfassungsschutz allein im vergangenen Jahr 864 Datensätze an die NSA. Zur Belohnung gab es Spionagesoftware.

Anzeige

Der Geheimdienst Verfassungsschutz soll regelmäßig Daten an die NSA und andere US-Geheimdienste geliefert und dafür Spionagesoftware aus den USA erhalten haben. Das geht aus einem Geheimpapier der Bundesregierung hervor, auf das sich der NDR und die Süddeutsche Zeitung berufen. Es liege nahe, so der Norddeutsche Rundfunk, dass der Verfassungsschutz Informationen von abgehörten und überwachten Menschen in Deutschland an US-amerikanische und britische Dienste weitergibt.

Um welche überwachten Personengruppen es sich handelt, wird in dem Papier nicht beschrieben. Der Verfassungsschutz erklärt in einer Antwort an den NDR, dass der Geheimdienst keine Auftragsarbeiten für ausländische Dienste ausführe, sondern Daten nur im Rahmen des gesetzlichen Auftrags erhebe.

Wie weiter aus den Unterlagen hervorgeht, soll es regelmäßige Treffen zwischen Vertretern der NSA und dem Verfassungsschutz geben. So trifft sich ein NSA-Mitarbeiter wöchentlich mit deutschen Geheimdienstlern in der "BfV-Liegenschaft Treptow", um aktuelle Informationen aus der Islamismus-Abteilung des Verfassungsschutzes auszutauschen. Die Gespräche und Treffen seien dem Parlamentarischen Kontrollgremium bekannt, teilte der Geheimdienst Verfassungsschutz auf Anfrage mit. Aus dem gleichen Grund trafen sich auch Analysten beider Spionageorganisationen in der NSA-Kaserne Dagger-Complex in Darmstadt. Darüber hinaus fänden Dienstreisen von Verfassungsschutz-Mitarbeitern in die USA statt, um sich dort mit NSA-Kollegen zu treffen. In den vergangenen vier Jahren sei daraus eine Partnerschaft mit gegenseitigem Nutzen erwachsen.

Laut dem Dokument aus dem Bundesinnenministerium hat der Verfassungsschutz im vergangenen Jahr 864 Datensätze an Nachrichtendienste in den USA geliefert. Darüber hinaus übermittelte der Verfassungsschutz "regelmäßig bewertete Sachverhaltsdarstellungen" an seine US-amerikanischen Partner. An britische Geheimdienste wurden 657 "Datenübermittlungen" im Jahr 2012 gezählt.

Zuvor wurde berichtet, dass CIA, Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz Informationen über mutmaßliche islamische Terroristen in einer geheimen Datenbank gesammelt haben. Die Kooperation habe mehrere Jahre gedauert. Laut Spiegel geriet auch der NDR-Journalist Stefan Buchen durch die Ermittlungen ins Visier der Behörden.

Nachtrag vom 14. September 2013, 11:12 Uhr

"Die neuen Erkenntnisse zeigen: Die deutschen Sicherheitsbehörden sind in die Praktiken des internationalen Ringtauschs der völkerrechts- und verfassungswidrig erhobenen Daten weit stärker verwickelt, als das Bundeskanzleramt uns glauben machen will", sagte der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, dem Handelsblatt Online. "Die Verweigerung jeglicher Aufklärung durch die schwarz-gelbe Bundesregierung stellt die parlamentarische Kontrolle und Verfassungstreue der Dienste immer stärker infrage." Die NSA sei zu US-Parlamentariern offener und aussagewilliger als die Sicherheitsbehörden in Deutschland gegenüber Parlamentariern und der Öffentlichkeit, sagte von Notz weiter.


FrankyFire 16. Sep 2013

Ich möchte jetzt nicht den Teufel an die Wand malen, und behaupten, dass die Medien so...

spYro 15. Sep 2013

Also ist es nicht schlimm, weil es nur 800 datensätze waren? Ob 800 Datensätze, 50...

throgh 15. Sep 2013

Das Bildnis des "deutschen Michels" ist heutzutage tatsächlich leider so, dass zumeist...

JP 14. Sep 2013

Kein Wunder, dass die auf dem rechten Auge blind waren, für rechte Personen hat sich die...

AllDayPiano 14. Sep 2013

Merkel hat gesagt, dass alles aufgeklärt ist. Das kann also gar nicht stimmen.

Kommentieren



Anzeige

  1. Python Developer (m/w)
    Mackevision Medien Design GmbH, Stuttgart
  2. Teamleiter Systementwicklung Hilfesysteme (m/w)
    ADAC e.V., München
  3. IT-Projektkoordinator/in
    Landeshauptstadt München, München
  4. Linux Firewall Supporter (m/w)
    OctoGate IT Security Systems GmbH, Paderborn

 

Detailsuche


Hardware-Angebote
  1. GeForce GTX 960
    ab 199,90€ bei Alternate lieferbar
  2. NEU: Raidmax Blackstorm Green
    64,99€
  3. Medion Erazer X7835 PCGH-Notebook mit Geforce GTX 980M und Core i7-4710MQ
    1999,00€

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Music Key

    Alles oder nichts für Indie-Musiker bei Youtube

  2. Privatsphäre im Netz

    Open-Source-Projekte sollen 1984 verhindern

  3. The Witcher 3 angespielt

    Geralt und die "Mission Bratpfanne"

  4. Onlinehandel

    Welche Versand-Flatrates sich nicht lohnen

  5. Jessie

    Erster Release Candidate für neuen Debian-Installer

  6. Biicode

    Abhängigkeitsverwaltung für C/C++ soll Open Source werden

  7. Mobilfunk

    O2 schaltet LTE-Nutzung für alle Blue-Tarife frei

  8. Broadwell-Mini-PC

    Gigabytes Brix ist noch kompakter als Intels NUC

  9. Cyanogen Inc.

    "Wir versuchen, Google Android wegzunehmen"

  10. Dobrindt

    A9 soll Teststrecke für selbstfahrende Autos werden



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Erpressung und Geldwäsche: Polizei kommt bei Cybercrime nicht hinterher
Erpressung und Geldwäsche
Polizei kommt bei Cybercrime nicht hinterher
  1. Malware BSI will Zwangstrennung infizierter Rechner vom Internet
  2. Cybercrime Trotz 300 Cyber-Ermittlern bleibt Aufklärungsquote gleich
  3. Cybercrime HP eröffnet Cyber-Abwehrzentrum in Böblingen

Heimkino-Raumklang von oben: Dolby Atmos klingt gut, Auro 3D klingt besser
Heimkino-Raumklang von oben
Dolby Atmos klingt gut, Auro 3D klingt besser
  1. DTS:X Probe gehört Dolby-Atmos-Konkurrent arbeitet mit Deckenlautsprechern
  2. Surround-Sound Holpriger Start für Blu-ray-Discs mit Dolby Atmos
  3. Interstellar in 70 mm Berliner Zoo Palast schiebt die Digitalprojektoren beiseite

Neues Betriebssystem: Microsoft nennt viele neue Details zu Windows 10
Neues Betriebssystem
Microsoft nennt viele neue Details zu Windows 10
  1. Microsoft Nicht alle Windows-Phone-Smartphones erhalten Windows 10
  2. Surface Hub Microsoft zeigt Konferenzsystem mit Digitizer und Windows 10
  3. Hololens mit Windows Holodeck-Zeitalter mit einer autarken Datenbrille

    •  / 
    Zum Artikel