Frankreich Youtube muss nicht filtern

Ein französisches Gericht hat entschieden: Die Videoplattform Youtube muss Inhalte nicht vorab filtern, um Urheberrechtsverstöße zu verhindern. In Deutschland ringt Youtube noch mit Prüfpflichten für Uploads.

Anzeige

Die Richter wiesen eine Klage des französischen Fernsehsenders TF 1 gegen die Youtube-Muttergesellschaft Google zurück, berichtete am Dienstag die Nachrichtenagentur Reuters. Weil Programminhalte von TF 1 auf Youtube auftauchten, hatte der Sender 141 Millionen Euro Schadensersatz gefordert. TF1 überlegt nun, in Berufung zu gehen.

Die französischen Richter sehen die Verantwortung für Urheberrechtsverletzungen auf Youtube bei den Nutzern, die Videos hochladen. Youtube habe nur die Pflicht, Inhalte zu löschen, die von Rechteinhabern beanstandet werden. Das Unternehmen muss dagegen nicht verhindern, dass Videos hochgeladen werden können, die möglicherweise Urheberrechte verletzen. Youtube muss die Uploads also nicht systematisch kontrollieren.

Google ist gegen die Filterung

Ein Google-Vertreter begrüßte das Urteil. Man werde sich weiterhin allen Forderungen widersetzen, Youtube-Inhalte systematisch zu filtern und vorab zu begutachten.

In Deutschland sehen Richter die Frage der Vorabprüfung anders. Das Landgericht Hamburg entschied Ende April in erster Instanz: Youtube muss mehr tun, um künftige Urheberrechtsverstöße zu verhindern. Gegen Youtube geklagt hatte die Verwertungsgesellschaft Gema.

Die Hamburger Richter hielten eine Prüfung der Uploads für zumutbar. Wenn ein Rechteinhaber Youtube mitteilt, dass ein bestimmtes Musikwerk nicht auf der Plattform erscheinen soll, dann müsse Youtube dafür Sorge tragen. Das könne den deutschen Richtern zufolge das von Youtube selbst entwickelte Content-ID-Programm leisten. Die Filtersoftware identifiziert beispielsweise Musikstücke anhand von Referenzdaten, die Rechteinhaber zur Verfügung stellen.

Allerdings erkennt das Content-ID-Programm nicht unbedingt Liveaufnahmen und private Coverversionen von Musikstücken. Die deutschen Richter verpflichteten deshalb Youtube, neben dem Content-ID-Programm Wortfilter zu installieren. Der Wortfilter soll Videos blockieren, deren Bezeichnung sowohl den Titel als auch den Interpreten von Musikwerken enthält, die nicht mehr auf Youtube erscheinen sollen.

Probleme in Deutschland

Youtube legte wegen der vorgesehenen Prüfpflichten Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg ein. Das Urteil würde es Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten wesentlich schwerer machen, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten, hieß es in einer Erklärung. Die Entscheidung zum Einsatz von Filtern würde "Innovationen und Meinungsfreiheit im Internet" beeinträchtigen.

Umstritten bleibt, welche Folgen Wortfilter haben. Nutzer könnten den Filter umgehen, indem sie die Schreibweise des Titels oder des Interpreten leicht variieren. Wird der Filter weiter eingestellt, könnten dagegen Videos geblockt werden, die gar nicht das geschützte Werk beinhalten. Dann käme es möglicherweise zum sogenannten Overblocking.


spiderbit 30. Mai 2012

einfach die ganzen wortfilter sehr stark und weitreichend einsetzen, dann immer ein gro...

bstea 30. Mai 2012

Oder JDownloader nutzen, wer braucht da noch megavideo?

Kommentieren



Anzeige

  1. Informatiker/in
    Lechwerke AG, Augsburg
  2. Trainee (m/w) für Telematik-Anwendungen im After Sales
    Daimler AG, Stuttgart
  3. Java Entwickler (m/w)
    Siemens AG, Erfurt
  4. Business Analyst / Projekt Manager (m/w)
    Parts Europe GmbH, Wasserliesch bei Trier

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Vic Gundotra

    Chef von Google Plus verlässt das Unternehmen

  2. Quartalsbericht

    Amazon weiter mit hohem Umsatz und etwas Gewinn

  3. Quartalsbericht

    Microsofts Gewinn und Umsatz fallen

  4. Element

    Schenkers Windows-Tablet ab 350 Euro - aber ohne Tastatur

  5. Epic Games

    Unreal Engine 4.1 mit Zugriff auf Konsolen-Quellcode

  6. Heartbleed-Bug

    Techfirmen zahlen Millionen für Open-Source-Sicherheit

  7. Sofortlieferung

    Base liefert Smartphone noch am gleichen Tag

  8. Leica T

    Teure Systemkamera mit Touchscreen

  9. The Elder Scrolls Online

    Inhaltserweiterung und Goldfarmer

  10. Sensabubble

    Display aus duftenden Seifenblasen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Conversnitch: Die twitternde Abhörlampe
Conversnitch
Die twitternde Abhörlampe

Conversnitch ist eine kleine Lampe, die unauffällig Gesprächsfetzen aus ihrer Umgebung mitschneidet, online eine Spracherkennung durchführt und den Text auf Twitter postet. Die Kunstaktion soll das Bewusstsein für die alltägliche Überwachung wecken.

  1. Menschenrechte Schärfere Exportkontrollen für Spähprogramme gefordert
  2. NSA-Skandal "Europa ist doch keine Kolonie"
  3. Frankreich Geheimdienst greift auf alle Daten von Orange zu

Microsoft: Remote-Desktop-App für Windows Phone
Microsoft
Remote-Desktop-App für Windows Phone

Microsoft hat eine Remote-Desktop-App für Windows Phone veröffentlicht. Damit kann aus der Ferne von einem Smartphone auf einen anderen Windows-Rechner zugegriffen werden, ohne dass auf diesem eine spezielle Software installiert sein muss.

  1. Cortana im Test Gebt Windows Phone eine Stimme
  2. Smartphones Nokia und HTC planen Updates auf Windows Phone 8.1
  3. Ativ SE Samsungs neues Smartphone mit Windows Phone

Palcohol: Der Cocktail in Pulverform
Palcohol
Der Cocktail in Pulverform

Mit kleinem Gepäck unterwegs und trotzdem nicht auf den abendlichen Drink verzichten? Ein US-Unternehmen hat Rum und Wodka in Pulver verwandelt. Zum Trinken einfach mit Wasser aufgießen - zum Schnupfen jedoch nicht geeignet.

  1. OLED Das merkwürdige Bindungsverhalten organischer Halbleiter
  2. Max-Planck-Institut Quantencomputer werden Silizium-Chips ähnlicher
  3. Kognitionswissenschaft Computer erkennt 21 Gesichtsausdrücke

    •  / 
    Zum Artikel