Abo
  • Services:
Anzeige
Elektronische Wegfahrsperren lassen sich leicht überwinden.
Elektronische Wegfahrsperren lassen sich leicht überwinden. (Bild: Karsten Nohl)

Elektronische Wegfahrsperre Kaum Updates trotz Unsicherheiten

Die elektronischen Wegfahrsperren seien unzureichend abgesichert und würden trotzdem kaum aktualisiert. Dazu komme, dass die Computersysteme in Fahrzeugen ebenfalls unsicher seien. Deshalb gebe es wieder einen Zuwachs bei Autodiebstählen, sagte Sicherheitsexperte Karsten Nohl.

Anzeige

Der Kryptografie- und Sicherheitsexperte Karsten Nohl hat auf der Sigint 2013 in Köln vor einem Zuwachs der Autodiebstähle gewarnt. Fahrzeuge würden mit immer mehr Funktionen ausgestattet, deren Sicherheit entspreche aber kaum modernen Standards. Elektronische Wegfahrsperren würden nicht sicher genug von den Autoherstellern umgesetzt. Noch schlimmer sehe es bei den Bordcomputern in Fahrzeugen aus. Diebe hätten dort bereits mehrere Schwachstellen entdeckt und nutzten sie bereits aktiv aus.

Seit der Einführung der elektronischen Wegfahrsperren ging laut Statistiken des FBI die Zahl der Autodiebstähle in den USA zurück - bis 2009 um fast 50 Prozent auf 800.000. Danach wurden Zahlen jedoch nicht mehr veröffentlicht, sie steigen laut Nohl wieder an. Denn inzwischen hätten sich Diebe mit der Technik vertraut gemacht. Und die sei nicht immer aktuell.

Mangelnde Verschlüsselung

Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Schlüssel sei in erster Linie durch proprietäre Protokolle abgesichert, sagte Nohl, nicht aber durch eine ausreichende Verschlüsselung. Die meisten Hersteller nutzten bei der Kommunikation zwischen Fahrzeug und RFID-Chip im Autoschlüssel noch Schlüssel mit einer Länge von weniger als 128 Bit. Üblich seien oft noch 40 oder 48 Bit. Auch die Verschlüsselungsverfahren selbst seien meist nur unzureichend umgesetzt.

Nohl hat mehrere elektronische Wegfahrsperren untersucht. Am weitesten verbreitet ist Hitag2, das Phillips 1997 zusammen mit NXP entwickelt hat. Seine Kryptoanalyse ergab, dass Hitag2 beispielsweise ein linear rückgekoppeltes Schieberegister (LSFR) verwendet und eben lineare Pseudozufallszahlenfolgen erzeugt, immerhin mit vielen Bittakten. Allerdings wurde selbst der betagte Hitag2-Schlüssel noch nicht geknackt, vor allem wegen der zusätzlichen Filterfunktion in Hitag2. Modernere, aber noch nicht weit verbreitete Wegfahrsperren nutzen immerhin Schlüssel mit 96 Bit, einige sogar AES.

Elektronische Freigabe

Wegfahrsperren unterbrechen seit 1994 nicht mehr die Zündung, die Treibstoffzufuhr und den Anlasser durch Relais. Die konnten von Dieben einfach überbrückt werden. Seit 1994 wird die Wegfahrsperre elektronisch über den CAN-Bus gesteuert, der eine entsprechende Freigabe erteilt.

Das hindert Diebe jedoch nicht daran, sich physischen Zugang zu einem Fahrzeug zu verschaffen. Inzwischen gibt es Dupliziermaschinen für elektronische Autoschlüssel, die in den USA legal zumindest von unabhängigen Autowerkstätten und Schlüsseldiensten verwendet werden dürfen.

Exploits im CAN-Bus

Findige Autodiebe nutzen dann Schwachstellen im CAN-Bus aus, um das System zurückzusetzen und ihre eigenen Schlüssel zu registrieren. Dafür brauchen sie meist weniger als fünf Minuten, wie einschlägige Videos im Internet zeigen.

Die Schwachstellen im Bordcomputer bezeichnet Nohl als größtes Problem. Die meisten Recheneinheiten in Fahrzeugen sind in etwa vergleichbar mit denen in Nintendos Gameboys und nutzen proprietäre Systeme, die noch nicht einmal ein Betriebssystem haben. Sie haben weder Sicherheitsfunktionen wie Secure Boot noch die Möglichkeit, Schlüssel in der Hardware unterzubringen, ganz zu Schweigen von Adressverwürfelung oder Sandboxing. Jedes Smartphone sei heute sicherer als die Bordcomputer im Auto, sagte Nohl.

Dennoch würden die Bordsysteme immer komplexer. Fahrzeuge würden in Zukunft aus der Ferne gewartet, hätten WLAN oder ausgefeilte Entertainmentsysteme, die auch Angriffe von außen ermöglichen würden. Selbst modernere Wegfahrsperren dürften über kurz oder lang von Dieben überwunden werden können, sofern Hersteller nicht mehr in die Verschlüsselung und allgemeine Sicherheit der Fahrzeuge investierten, sagte Nohl. Die Alternative wäre, die bestehende Technik wieder zu vereinfachen und die Angriffsvektoren möglichst gering zu halten. Aber das sei ja eher im Interesse der Autoversicherungen als der Autohersteller, fügte er augenzwinkernd hinzu.


eye home zur Startseite
chrulri 09. Jul 2013

Genau. Multimedia hat im Normalfall noch einen eigenen Bus. Das stellt sicher, dass auf...

c0t0d0s0 09. Jul 2013

Fordert Herr Nohl allen Ernstes, dass ich die Software in meinem Auto nicht mehr...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Bizerba SE & Co. KG, Balingen
  2. Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Herzogenaurach
  3. Digital Performance GmbH, Berlin
  4. powercloud GmbH, Achern, Karlsruhe, Köln, Ludwigshafen, Frankfurt


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. Die Goonies, John Mick, Auf der Flucht, Last Man Standing)
  2. (u. a. Die Unfassbaren, Ghostbusters I & II, Jurassic World, Fast & Furious 7 Extended Version)
  3. (u. a. Django, Elysium, The Equalizer, White House Down, Ghostbusters 2)

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Mit digitalen Workflows Geschäftsprozesse agiler machen
  2. Sicherheitsrisiken bei der Dateifreigabe & -Synchronisation
  3. Kritische Bereiche der IT-Sicherheit in Unternehmen


  1. Delid Die Mate 2

    Prozessoren köpfen leichter gemacht

  2. Rückzieher

    Assange will nun doch nicht in die USA

  3. Oracle

    Critical-Patch-Update schließt 270 Sicherheitslücken

  4. Android 7.0

    Samsung verteilt Nougat-Update für S7-Modelle

  5. Forcepoint

    Carbanak nutzt Google-Dienste für Malware-Hosting

  6. Fabric

    Google kauft Twitters App-Werkzeuge mit Milliarden Nutzern

  7. D-Link

    Büro-Switch mit PoE-Passthrough - aber wenig Anschlüssen

  8. Flash und Reader

    Adobe liefert XSS-Lücke als Sicherheitsupdate

  9. GW4 und Mont-Blanc-Projekt

    In Europa entstehen zwei ARM-Supercomputer

  10. Kabelnetz

    Vodafone stellt Bayern auf 1 GBit/s um



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Glasfaser: Nun hängt die Kabel doch endlich auf!
Glasfaser
Nun hängt die Kabel doch endlich auf!
  1. Fake News Für Facebook wird es hässlich
  2. Nach Angriff auf Telekom Mit dem Strafrecht Router ins Terrorcamp schicken oder so
  3. Soziales Netzwerk Facebook wird auch Instagram kaputt machen

Western Digital Pidrive im Test: Festplatte am Raspberry Pi leicht gemacht
Western Digital Pidrive im Test
Festplatte am Raspberry Pi leicht gemacht
  1. Sopine A64 Weiterer Bastelrechner im Speicherriegel-Format erscheint
  2. Bootcode Freie Firmware für Raspberry Pi startet Linux-Kernel
  3. Raspberry Pi Compute Module 3 ist verfügbar

Autonomes Fahren: Wenn die Strecke dem Zug ein Telegramm schickt
Autonomes Fahren
Wenn die Strecke dem Zug ein Telegramm schickt
  1. Fahrgastverband "WLAN im Zug funktioniert ordentlich"
  2. Deutsche Bahn WLAN im ICE wird kostenlos
  3. Mobilfunk Telekom baut LTE an Regionalbahnstrecken aus

  1. Re: Ein vom Provider gemanagter Router hat mehr...

    Schattenwerk | 00:21

  2. Re: Eine andere Zielgruppe bleibt wohl kaum noch...

    Schattenwerk | 00:15

  3. Fertig kaufen

    Crass Spektakel | 00:15

  4. Re: Wie peinlich.

    Schattenwerk | 00:13

  5. Re: Dumm ist er nicht.

    maze_1980 | 00:05


  1. 18:28

  2. 18:07

  3. 17:51

  4. 16:55

  5. 16:19

  6. 15:57

  7. 15:31

  8. 15:21


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel