Das OVG Münster bot veraltete Java-Version an

Anzeige

Das OVG NRW bietet Java nämlich bislang selbst zum Download an. Nachdem der Nutzer das Binary Code License Agreement der Firma Sun Microsystems abgenickt hat, wird die Software über einen Direktlink vom EGVP-Server heruntergeladen. Das OVG ist also selbst verantwortlich dafür, eine aktuelle Java-Version bereitzustellen, tut es aber zu langsam.

Unserer Beobachtung zufolge brauchte der Betreiber von egvp.de mehrere Tage, um die Java-Version zu aktualisieren. Java 6 Update 39 wurde von Oracle am 1. Februar 2013 veröffentlicht, wir konnten erst am 6. Februar die aktuelle Version sehen. Noch am 5. Februar wurde Java 6 Update 38 mit mehr als zwei Dutzend Sicherheitslücken verteilt. Dank des Browser-Plugins waren also die EGVP-Anwender unnötig lange einem Risiko ausgesetzt. Besser wäre es, auf den Download bei Oracle zu verweisen, der zeitnah aktualisiert wird.

Weder in den aktuellen Meldungen noch anderswo auf der Webseite konnten wir Hinweise auf die Probleme, die eine Java-Installation mit sich bringen kann, entdecken. Ein Hinweis, dass das für EGVP nicht notwendige Browser-Plugin abgeschaltet werden sollte, fehlt und auch vor den gefährlichen Sicherheitslücken werden Anwälte und Richter nicht gewarnt. Damit verhält sich das OVG Münster deutlich anders als andere Anbieter. Beispielsweise haben der deutsche Zoll und das Landesamt für Steuern im vergangenen Jahr aktiv vor Problemen im Umgang mit Java auf ihren Webseiten gewarnt.

Eine Anfrage von Golem.de, die wir noch am 2. Februar 2013 abschickten, hat uns das OVG Münster bis heute nicht beantwortet. Wir wollten unter anderem wissen, warum die Nutzer nicht gewarnt werden und ob es Alternativen für Anwälte gibt, die auf die Warnungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik gehört und Java deinstalliert haben. Auch eine Stellungnahme zu den Sicherheitsproblemen und der Frage, ob bereits Anwälte aufgrund einer veralteten Java-Installation angegriffen worden sind, blieb aus. Eine vorläufige Antwort kam erst am 6. Februar 2013. Da die "Anfrage nicht nur rein redaktionelle Fragestellungen betrifft", so das OVG Münster, sei sie an den Vorsitz des Lenkungskreises EGVP weitergeleitet worden.

Geantwortet hat uns auf die Nachfrage dafür das Bundesministerium der Justiz (BMJ). Es konnte aber keinen Kommentar abgeben, da das OVG Münster nicht verpflichtet ist, dem BMJ Auskunft zu erteilen. Das Bundesministerium verwies aber auf die neue EGVP-Version mit gekapseltem Java und den Umstand, dass das OVG mittlerweile die Java-Version 1.6u39 anbietet.

Wer will, kann EGVP 2.8 schon als Betaversion herunterladen und testen. Unterstützt werden sowohl Windows als auch Linux. Ab März 2013 soll EGVP 2.8 dann die aktuelle Version, die noch Java Webstart nutzt, ablösen. Damit dürfte sich die Anzahl der Anwälte und Notare, die berufsbedingt global Java samt Browser-Plugin installieren, deutlich reduzieren. Die gekapselte Version ist zudem nicht durch andere Anwendungen verwendbar, wie der Anbieter in der Dokumentation versichert. Das Installationspaket ist etwa 43 MByte groß und lädt beim ersten Start noch einmal etwa 35 MByte aus dem Netz.

Nachtrag vom 13. Februar 2013, 23:35 Uhr

Mittlerweile erreichte uns auch eine Stellungnahme im Auftrag des Arbeitskreises IT-Standards in der Justiz und des Vorsitzes des Lenkungskreis EGVP. Das im Auftrag handelnde Projektbüro EGVP versicherte uns, "dass für die Nutzer der EGVP-Software zu keinem Zeitpunkt ein Sicherheitsrisiko bestand". Zudem ist der Arbeitskreis der Meinung, dass EGVP 2.7 "jederzeit unter einer als sicher bekannten Java-Version - z. B. Java 1.6_38 eingesetzt" wurde. Die Entwickler bedauern, dass wegen Sicherheitsproblemen regelmäßig neue Java-Versionen bereitgestellt werden mussten. "Wir haben deshalb entschieden, das EGVP ab Version 2.8 als sog. Installer-Variante bereitzustellen", so das Projektbüro. Ab März wird dann Java 7u13 verwendet. Angriffe auf EGVP über das Internet sollen dann "technisch praktisch ausgeschlossen" sein.

 EGVP 2.8: Gekapseltes Java für Anwälte und Gerichte

raga 19. Feb 2013

Klar. Ich glaube aber, dass das Prob mit dem ausgegrauten Updater nicht an EGVP lag...

elgooG 14. Feb 2013

Das ist nur ein nervtötende Workaround um eine Fehlentwicklung einer Sprache zu...

Lord Gamma 14. Feb 2013

Alle möglichen Bibliotheken sind von außerhalb der Programme, die sie nutzen...

Kommentieren



Anzeige

  1. Senior System Architect (m/w)
    PAYBACK GmbH, Munich
  2. Ingenieur (m/w) Materialflusssimulation / Intralogistiksysteme
    BEUMER Maschinenfabrik GmbH & Co. KG, Beckum (Raum Münster, Dortmund, Bielefeld)
  3. Trainee IT (m/w) Schwerpunkt: SAP Applikation
    Unternehmensgruppe Theo Müller, Aretsried
  4. Senior Softwareentwickler (m/w) Java EE
    Faktor Zehn AG, München und Köln

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. AMD-Vize Lisa Su

    Geringe Chancen für 20-Nanometer-GPUs von AMD für 2014

  2. Bärbel Höhn

    Smartphone-Hersteller zu Diebstahl-Sperre zwingen

  3. Taxi-App

    Uber will trotz Verbot in weitere deutsche Städte

  4. First-Person-Walker

    Wie viel Gameplay braucht ein Spiel?

  5. Finanzierungsrunde

    Startup Airbnb ist zehn Milliarden US-Dollar wert

  6. Spähaffäre

    Snowden erklärt seine Frage an Putin

  7. CSA-Verträge

    Microsoft senkt Preise für Support von Windows XP

  8. Test Wyse Cloud Connect

    Dells mobiles Büro

  9. Globalfoundries-Kooperation mit Samsung

    AMDs Konsolengeschäft kompensiert schwache CPU-Sparte

  10. Verband

    "Uber-Verbot ruiniert Ruf der Startup-Stadt Berlin"



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Cortana im Test: Gebt Windows Phone eine Stimme
Cortana im Test
Gebt Windows Phone eine Stimme

Mit Windows Phone 8.1 bringt Microsoft nicht nur lange vermisste Funktionen wie die zentrale Benachrichtigungsübersicht auf das Smartphone, sondern auch die Sprachassistentin Cortana. Diese kann den Alltag tatsächlich erleichtern - und singen.

  1. Smartphones Nokia und HTC planen Updates auf Windows Phone 8.1
  2. Ativ SE Samsungs neues Smartphone mit Windows Phone
  3. Microsoft Internet Explorer 11 für Windows Phone

Wolfenstein The New Order: "Als Ein-Mann-Armee gegen eine Übermacht"
Wolfenstein The New Order
"Als Ein-Mann-Armee gegen eine Übermacht"

B. J. Blazkowicz muss demnächst wieder die Welt retten - in einem Wolfenstein aus Schweden. Im Interview hat Golem.de mit Andreas Öjerfors, dem Senior Gameplay Designer, über verbotene Inhalte, die KI und Filmvorbilder von The New Order gesprochen.

  1. The New Order Wolfenstein erscheint ohne inhaltliche Schnitte
  2. Wolfenstein angespielt Agent Blazkowicz in historischer Mission
  3. Bethesda Zugang zur Doom-Beta führt über Wolfenstein

Vorratsdatenspeicherung: Totgesagte speichern länger
Vorratsdatenspeicherung
Totgesagte speichern länger

Die Interpretationen des EuGH-Urteils zur Vorratsdatenspeicherung gehen weit auseinander. Für einen endgültigen Abgesang auf die anlasslose Speicherung von Kommunikationsdaten ist es aber noch zu früh.

  1. Bundesregierung Vorerst kein neues Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung
  2. Innenministertreffen Keine schnelle Neuregelung zur Vorratsdatenspeicherung
  3. Urteil zu Vorratsdatenspeicherung Regierung uneins über neues Gesetz

    •  / 
    Zum Artikel