Abo
  • Services:
Anzeige
Elektroautos stehen praktisch zwangsläufig vor dem Durchbruch.
Elektroautos stehen praktisch zwangsläufig vor dem Durchbruch. (Bild: Stan Honda/AFP/Getty Images)

Die Million? Machbar!

Bei meinen ersten Besuchen in Norwegen vor zehn Jahren fielen mir elektrische Heizungen und viele elektrische Autos in den Innenstädten auf. Auf kurzes Staunen folgte die Recherche: Norwegen ist ein kleines Land mit vier Millionen Einwohnern, dessen Wohlstand sich fast ausschließlich auf Nordseeöl und -gas gründet. Die direkten Einnahmen daraus landen immerhin in einem Staatsfonds, der zufällig viertgrößter Eigner von VW ist und primär der Rentensicherung dient. Der Strommix Norwegens basiert auf wenigstens 98 Prozent erneuerbarer Energie, größtenteils Wasserkraft, was elektrisches Heizen mit gutem Gewissen möglich macht. Und der hohe Anteil an Think-Elektrofahrzeugen in den Innenstädten war vor allem durch die Mautersparnis bedingt.

Anzeige

Von Norwegen lernen

Heute ruft Norwegen das Ende des Verbrenners ab 2025 aus. In fünf Jahren sollen keine Pkw mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden dürfen. In einem derart weiten Land klingt das zunächst sehr mutig. Doch die vielen Fjorde erfordern für lange Strecken viel Geduld, Umwege und gelegentliche Fährbenutzungen.

  • Ein Lkw der Firma Smith Electric, der für den urbanen Zubringerdienst gedacht ist. (Bild: Honza Chodec/CC Attribution-Share Alike)
  • Elektroautos werden auf öffentlichen Parkplätzen im Zentrum von Oslo geladen. (Pierre-Henry Deshayes/AFP/Getty Images)
  • Lidl testet seit Herbst 2014 in Berlin die Filialbelieferung mit elektrisch betriebenen Lkw des Schweizer Herstellers E-Force One. (Wikipedia-Nutzer Spielvogel/CC0)
  • Der E-Bus Batterfly bedient seit Mai 2016 die Linie 89 im Leipziger Süden, die recht kleine Akkukapazität von 86 kWh wird durch Nachladen alle 22 km kompensiert - gut zu sehen das Nachladen per Pantograf. (Bild: SAENA)
  • Zwei Streetscooter von Deutsche Post/DHL beim Nachladen - der Streetscooter ist schon jetzt wirtschaftlicher als im Stop-and-Go-Verteilerverkehr geschundene VW-Caddys. (Bild: Mattias Schlenker)
Elektroautos werden auf öffentlichen Parkplätzen im Zentrum von Oslo geladen. (Pierre-Henry Deshayes/AFP/Getty Images)

Die Regionen um die großen Städte werden damit praktisch zu Inseln: Wer von Bergen nach Stavanger reisen muss, nimmt die Fähre, nach Oslo die Bahn oder das Flugzeug. Das natürliche Territorium des Autos liegt demnach im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern um die Städte. Auf den wenigen Autobahnen beträgt das Tempolimit 100 Stundenkilometer, auf Landstraßen meist 50 bis 80 Stundenkilometer: ideal für Elektroautos.

Hinzu kommt in Norwegen noch eine Einmalsteuer bei Erstzulassung, die sich bei konventionellen Fahrzeugen aus Masse, Schadstoffausstoß und Motorleistung berechnet und die bei einem großen Diesel oder Benziner 85 Prozent Aufpreis auf den Listenpreis bedeuten kann. Elektroautos sind davon ausgenommen. Die Folge ist, dass ein gut motorisierter Dreier-BMW in der Anschaffung teurer als ein Tesla Model S ist. Bei typischen Nutzungsdauern von 15 Jahren und einer aktuellen E-Auto-Zulassungsrate von etwa 25 Prozent dürfte es demnach bis 2035 dauern, bis über 90 Prozent des norwegischen Pkw-Bestandes ausgetauscht sind.

Die Million? Machbar!

Die angestrebte Million Elektroautos in Deutschland bis zum Jahr 2020 ist machbar, die Technologie ist in vielen Einsatzszenarien auch ohne Förderung bereits an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit. Aber die Art der Förderung ist grundfalsch. Ginge es tatsächlich um die drei Aspekte Klimagase, lokale Luftqualität und Verkehrsfläche, müsste sie anders strukturiert werden: Private Fahrzeuge machen zwar einen großen Teil des Fahrzeugbestandes aus, viele davon werden aber in Ballungsräumen kaum mehr als 25 Kilometer pro Tag bewegt, was etwa zwei Litern Kraftstoffverbrauch entspricht.

Förderung muss folglich auch auf gewerbliche Vielfahrer und den öffentlichen Nahverkehr abzielen. Ein probates Mittel wäre die Möglichkeit von Sonderabschreibungen. Fatal ist dagegen der Austausch relativ neuer (jünger als zehn Jahre), wenig gefahrener Pkw durch Elektroautos, denn auch bei der Produktion eines Pkw fällt Kohlendioxid an.

Radfahrer müssen gefördert werden

Reine Kaufprämien für E-Autos erfassen auch nicht die im Stillen bereits stattgefundene E-Mobilitäts-Revolution: Derzeit sind gut zwei Millionen E-Bikes vor allem in Städten und Ballungsräumen unterwegs. Und es gibt weiteres Potenzial für eine Entlastung insbesondere der Städte.

Gerade für die Feinstaubproblematik hätte eine Förderung der Fahrradnutzung (egal ob mit oder ohne E) viel weiter reichende Effekte als der Austausch konventioneller Pkw durch elektrische. Was wäre also daran auszusetzen, wenn sich der PKW-Bestand in den nächsten fünf Jahren um 500.000 reduzierte, durch Rad, Pedelec und den öffentlichen Nahverkehr ersetzt würde und nur 500.000 Elektroautos in der Zulassungsstatistik stünden?

Was die Regierung tun muss

Wenn es der Bundesregierung ernst ist mit den Klimazielen, gleicht sie die Steuer auf Dieselkraftstoffe auf das Niveau von Ottokraftstoffen (im Verhältnis auf freigesetztes Kohlendioxid) an und erhöht die Mineralölsteuer anschließend so, dass Kraftstoffpreise auf norwegischem Niveau liegen. In Städten drohen sowieso bald verkehrsbeschränkende Maßnahmen, wenn weiter Grenzwerte überschritten werden - ob dies mit Fahrverboten oder einer Maut geschieht, bleibt den Städten überlassen. Eine Maut wäre die bessere Steuerungsfunktion, zumal sie gerade Wenigfahrern keinen sofortigen Wechsel des Fahrzeuges aufzwingt.

Dennoch dürfte die Kaufprämie der Bundesregierung einen Vorteil haben: Steigt die Zahl an Elektrofahrzeugen, dürften mehr Menschen sie aus Neugierde ausprobieren oder auch nur mitfahren - was viele Autofahrer angesichts des hohen Komforts in ihrer Haltung umstimmen sollte. Wenn das zur Folge hätte, dass mehr Autokäufer beim Fahrzeugwechsel den Systemwechsel in Betracht ziehen, hätte die Prämie ihren Zweck erfüllt.

In einem Pilotprojekt mit Narando vertonen wir in den kommenden Wochen zwei bis drei Golem.de-Artikel pro Woche. Die Texte werden nicht von Robotern, sondern von professionellen Sprechern vorgelesen. Über Feedback unserer Zuhörer freuen wir uns - im Forum oder an redaktion@golem.de.

 Die nächsten Entwicklungsschritte

eye home zur Startseite
EQuatschBob 10. Jun 2016

Wo bist Du denn in diesen Monaten? In Murmansk? Hier in Berlin sieht man das ganze Jahr...

Karlson Keuper 10. Jun 2016

Zunächst einmal danke für die Antworten, die waren sehr hilfreich. Ein Bekannter von...

oxybenzol 09. Jun 2016

Ich würde den Golf eher mit der B-Klasse vergleichen, da die A-Klasse 20 cm kürzer ist...

gadthrawn 07. Jun 2016

https://philatelie.deutschepost.de/out/pictures/wysiwigpro/philatelie/004603.pdf...

MattiasSch 07. Jun 2016

Toyota gibt derzeit selbst 3000¤ Nachlass auf alle Hybride. Das HSD überzeugt vor allem...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Robert Bosch GmbH, Leonberg
  2. Signavio GmbH, Berlin
  3. ING-DiBa AG, Nürnberg
  4. Alfred Kärcher GmbH & Co. KG, Winnenden bei Stuttgart


Anzeige
Top-Angebote
  1. (alle Angebote versandkostenfrei, u. a. Xbox One Elite Controller für 99,00€ u. LG OLED 65-Zoll...
  2. (alle Angebote versandkostenfrei, u. a. Creative Sound BlasterX H7 USB 7.1 für 99,00€)
  3. (heute u. a. LG 4K-Fernseher u. Serien-Box-Sets reduziert u. Nintendo 2DS inkl. YO-KAI WATCH für...

Folgen Sie uns
       


  1. Apple

    Aktivierungssperre des iPads lässt sich umgehen

  2. Amazon

    Downloader-App aus dem Fire-TV-Store entfernt

  3. Autonomes Fahren

    Apple zeigt Interesse an selbstfahrenden Autos

  4. Sicherheit

    Geheimdienst warnt vor Cyberattacke auf russische Banken

  5. Super Mario Bros. (1985)

    Fahrt ab auf den Bruder!

  6. Canon EOS 5D Mark IV im Test

    Grundsolides Arbeitstier mit einer Portion Extravaganz

  7. PSX 2016

    Sony hat The Last of Us 2 angekündigt

  8. Raspberry Pi

    Schutz gegen Übernahme durch Hacker und Botnetze verbessert

  9. UHD-Blu-ray

    PowerDVD spielt 4K-Discs

  10. Raumfahrt

    Europa bleibt im All



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Nach Angriff auf Telekom: Mit dem Strafrecht Router ins Terrorcamp schicken oder so
Nach Angriff auf Telekom
Mit dem Strafrecht Router ins Terrorcamp schicken oder so
  1. 0-Day Tor und Firefox patchen ausgenutzten Javascript-Exploit
  2. Pornoseite Xhamster spricht von Fake-Leak
  3. Mitfahrgelegenheit.de 640.000 Ibans von Mitfahrzentrale-Nutzern kopiert

Digitalcharta: Operation am offenen Herzen der europäischen Demokratie
Digitalcharta
Operation am offenen Herzen der europäischen Demokratie
  1. EU-Kommission Mehrwertsteuer für digitale Medien soll sinken
  2. Vernetzte Geräte Verbraucherminister fordern Datenschutz im Haushalt
  3. Neue Richtlinie EU plant Netzsperren und Staatstrojaner

Garamantis: Vorsicht Vitrine, anfassen erwünscht!
Garamantis
Vorsicht Vitrine, anfassen erwünscht!
  1. Gentechnik Mediziner setzen einem Menschen Crispr-veränderte Zellen ein
  2. Zarm Zehn Sekunden schwerelos
  3. Mikroelektronik Wie eine Vakuumröhre - nur klein, stromsparend und schnell

  1. Re: Memristor fehlt noch

    Ach | 04:40

  2. Re: Noch umständlicherer Kopierschutz

    regiedie1. | 04:20

  3. Re: Wurde hier eigentlich schon darüber...

    MSW112 | 03:31

  4. Re: Genau sowas steht in den...

    LinuxMcBook | 03:04

  5. Re: Pervers... .

    Tunkali | 02:51


  1. 12:54

  2. 11:56

  3. 10:54

  4. 10:07

  5. 08:59

  6. 08:00

  7. 00:03

  8. 15:33


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel