Abo
  • Services:
Anzeige
Mit einer Protestaktion vor dem Bundeskanzleramt fordert die Piratenpartei personelle Konsequenzen aus der NSA-Affäre.
Mit einer Protestaktion vor dem Bundeskanzleramt fordert die Piratenpartei personelle Konsequenzen aus der NSA-Affäre. (Bild: Adam Berry/AFP/Getty Images)

Dr. T. vom BND: Der Mann, der die brisanten NSA-Selektoren fand

Mit einer Protestaktion vor dem Bundeskanzleramt fordert die Piratenpartei personelle Konsequenzen aus der NSA-Affäre.
Mit einer Protestaktion vor dem Bundeskanzleramt fordert die Piratenpartei personelle Konsequenzen aus der NSA-Affäre. (Bild: Adam Berry/AFP/Getty Images)

Nach einem turbulenten Sitzungstag im NSA-Ausschuss lichten sich langsam die Nebel um die ominösen Selektorenlisten der NSA. Im Mittelpunkt stehen ein verunsicherter Oberst und ein aufmerksamer Mathematiker.

Anzeige

Es war am späten Donnerstagabend, als der BND-Mitarbeiter Dr. T. vor den NSA-Ausschuss des Bundestags trat. Nach einer verkürzten Fragerunde von einer halben Stunde stand fest: Der 44 Jahre alte Mathematiker ist der Mann, der innerhalb des BND auf die problematischen Selektoren des US-Geheimdienstes NSA gestoßen ist und deren politische Brisanz erkannt hat. Den Auftrag dafür hatte er von seinem Vorgesetzten D. B. erhalten, der zuvor als Zeuge vernommen worden war. Doch der Oberst scheint derzeit ein Problem zu haben: Weil er damals den Fund der kritischen Selektoren nicht an die BND-Spitze gemeldet hatte, machte er mehrfach von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch. Ein Novum im NSA-Ausschuss.

Zufällig sensible Suchbegriffe entdeckt

Die beiden Geheimdienstler sind gewissermaßen die Kronzeugen in der aktuellen BND-Affäre. Denn von B., Unterabteilungsleiter im Bereich Technische Aufklärung, erging Anfang August 2013 der Auftrag an den Mathematiker, sich die Selektorenliste der NSA einmal näher anzuschauen. Es sollte dabei die von der NSA erfassten Kommunikationsdienste und Interessenschwerpunkte analysieren. T. besorgte sich dazu die entsprechende Datenbank des BND aus der Außenstelle im bayerischen Bad Aibling. Um die Datenmengen bearbeiten zu können, musste sich T. sogar einen besonderen Rechner aufstellen lassen. Was später noch wichtig werden wird.

Dem Zeugen fielen seinen Angaben zufolge bei der Überprüfung der Selektoren bestimmte Begriffe auf, die ihm politisch heikel vorkamen. Daraufhin ließ er offenbar einzelne Suchbegriffe wie die Toplevel-Domain .gov oder Adressbestandteile wie diplo durch die gesamte Datenbank laufen. Durch die zahlreichen Fundstellen alarmiert, informierte er seinen direkten Vorgesetzten, den Referatsleiter H. K., der Meldung an den Unterabteilungsleiter B. erstattete. Dieser rief daraufhin in Bad Aibling an und erteilte etwa Mitte August 2013 dem dortigen Dienststellenleiter R. U. den Auftrag, solch kritische Selektoren aus der Datenbank löschen zu lassen. Was U., der am Donnerstag als erster Zeuge gehört worden war, nach eigenen Angaben auch veranlasst haben soll. Dies betrifft die bekannt gewordene Liste mit etwa 12.000 Selektoren oder 2.000 Spähzielen, im BND-Deutsch als "Telekommunikationsmerkmale" bezeichnet.

Automatische Kontrolle der Selektoren

Die Prüfung der Datenbank durch T. war damit aber längst noch nicht abgeschlossen. Rund vier Wochen analysierte er systematisch die Selektoren. Etwas unklar blieb am Donnerstag, ob es anschließend eine weitere Löschrunde gab. Dem Vernehmen nach wurden im Herbst 2013 weitere 15.000 Selektoren entfernt. Da die sogenannte Ablehnungsdatei nun etwa 38.000 Selektoren enthalten soll, dürften in den Jahren bis zum August 2013 etwa 13.000 NSA-Selektoren vom BND abgewiesen worden sein. Eine detaillierte öffentliche Erläuterung der Vorgänge blockierte wie gewohnt der Vertreter des Bundeskanzleramtes. "Die Preisgabe von Informationen über eine nachrichtendienstliche Kooperation hat erhebliche Nachteile für die Bundesrepublik", sagte Regierungsdirektor Wolff und verwies auf die nicht-öffentliche Sitzung des Ausschusses. Selbst zu Fakten, die längst in den Medien berichtet worden waren, durften die Zeugen keine Stellung nehmen.

Vom Jahr 2008 bis zum Zeitpunkt der Snowden-Enthüllungen wurden die Selektoren nach Angaben von D. B. einem weitgehend automatisierten, dreistufigen Prüfverfahren unterzogen. Dabei wurden in einem ersten Schritt Länderkennungen wie +49 für deutsche Telefonnummern oder .de für deutsche E-Mail-Adressen aussortiert. In einem nächsten Schritt wurde eine sogenannte G10-Positivliste ausgewertet, die beispielsweise ausländische Telefonnummern deutscher Staatsbürger wie Dschihadisten, Auslandskorrespondenten oder Firmenmitarbeitern enthält. Die dritte Stufe umfasste Begriffe, die "deutsche Interessen" berührten. Am Ende wurden die aussortierten Selektoren noch einmal "händisch" auf falsche Treffer hin überprüft. So gebe es Gerätecodes (IMEI) für Mobilfunkgeräte, die ebenfalls mit 49 beginnen könnten.

Schindler erteilt Weisung zu europäischen Selektoren

Der Zeuge räumte ein, dass europäische Selektoren grundsätzlich nicht aussortiert worden seien. Daher ist es im Nachhinein nicht verwunderlich, dass der BND bis zum Sommer 2013 die Suchbegriffe zu französischen Politikern oder der europäischen Institutionen nicht verworfen haben soll. Aus diesem Grund wird dem deutschen Geheimdienst vorgeworfen, im Auftrag der NSA europäische Partner ausspioniert zu haben.

Erst im November 2013 habe Präsident Gerhard Schindler eine Weisung erteilt, dass zumindest die BND-internen Selektoren keine europäischen Ziele mehr enthalten dürften. Dies ist nach Ansicht der Opposition ein Indiz dafür, dass die Behördenspitze doch über die problematischen NSA-Selektoren informiert worden sein könnte. Allerdings hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Oktober 2013 angesichts ihres überwachten Handys den Satz geprägt: "Ausspähen unter Freunden geht gar nicht." Zudem hatte die Bundesregierung schon im Sommer 2013 eine Initiative gestartet, die die gegenseitige Spionage unter europäischen Staaten eindämmen sollte. Offenbar hatte der BND zuvor kein Problem damit, europäische Partner auszuspionieren.

Zeuge verweigert Aussage zu Motiven 

eye home zur Startseite
TheBigLou13 18. Mai 2015

Normalerweise gibt es doch endlos redundante Logs und ein Revisionssystem was jedes...

TheBigLou13 18. Mai 2015

Ich benutz noch die Veteranenadresse @hotmail.de ^~^

InternetGuy 11. Mai 2015

http://de.tinypic.com/view.php?pic=30n94eq&s=8

Trockenobst 08. Mai 2015

Erstmal würde jeder auch Drohnefeuer vom Himmel schmeißen, weil das eben der Zwang wäre...

Trockenobst 08. Mai 2015

Das sind alles Themen die sollen bewusst wolkig gehalten werden. Da geht es nicht um...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. PROJECT Immobilien GmbH, Nürnberg
  2. operational services GmbH & Co. KG, Frankfurt, Berlin
  3. Robert Bosch GmbH, Crailsheim
  4. Continental AG, Markdorf


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  2. und bis zu 150€ zurück erhalten
  3. beim Kauf eines 6- oder 8-Core FX Prozessors

Folgen Sie uns
       


  1. Observatory

    Mozilla bietet Sicherheitscheck für Websites

  2. Teilzeitarbeit

    Amazon probiert 30-Stunden-Woche aus

  3. Archos

    Neues Smartphone mit Fingerabdrucksensor für 150 Euro

  4. Sicherheit

    Operas Server wurden angegriffen

  5. Maru

    Quellcode von Desktop-Android als Open Source verfügbar

  6. Linux

    Kernel-Sicherheitsinitiative wächst "langsam aber stetig"

  7. VR-Handschuh

    Dexta Robotics' Exoskelett für Motion Capturing

  8. Dragonfly 44

    Eine Galaxie fast ganz aus dunkler Materie

  9. Gigabit-Breitband

    Google Fiber soll Alphabet zu teuer sein

  10. Google-Steuer

    EU-Kommission plädiert für europäisches Leistungsschutzrecht



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
­Cybersyn: Chiles Traum von der computergesteuerten Planwirtschaft
­Cybersyn
Chiles Traum von der computergesteuerten Planwirtschaft
  1. Power9 IBMs 24-Kern-Chip kann 8 TByte RAM pro Sockel nutzen
  2. Princeton Piton Open-Source-Chip soll System mit 200.000 Kernen ermöglichen
  3. Adecco IBM will Helpdesk-Geschäft in Erfurt und Leipzig loswerden

Thinkpad X1 Carbon 2013 vs 2016: Drei Jahre, zwei Ultrabooks, eine Erkenntnis
Thinkpad X1 Carbon 2013 vs 2016
Drei Jahre, zwei Ultrabooks, eine Erkenntnis
  1. Huawei Matebook im Test Guter Laptop-Ersatz mit zu starker Konkurrenz
  2. iPad Pro Case Razer zeigt flache mechanische Switches
  3. Thinkpwn Lenovo warnt vor mysteriöser Bios-Schwachstelle

Asus PG248Q im Test: 180 Hertz erkannt, 180 Hertz gebannt
Asus PG248Q im Test
180 Hertz erkannt, 180 Hertz gebannt
  1. Raspberry Pi 3 Booten über USB oder per Ethernet
  2. Autonomes Fahren Mercedes stoppt Werbespot wegen überzogener Versprechen
  3. Radeon RX 480 Dank DX12 und Vulkan reicht auch eine Mittelklasse-CPU

  1. Re: "Könnte [...] ernüchternd sein[...]"

    sic | 12:18

  2. Re: 30 Stunden auf Abruf ?!?

    derKlaus | 12:12

  3. Re: Passwort geändert und Konto gelöscht

    eXXogene | 12:09

  4. Re: 350 Mio User

    eXXogene | 12:01

  5. Re: Handzeichen ist trotzdem Pflicht

    daniel_m | 12:00


  1. 11:34

  2. 15:59

  3. 15:18

  4. 13:51

  5. 12:59

  6. 15:33

  7. 15:17

  8. 14:29


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel