Computerspiele werden zur zweiten Muttersprache
Verwundert es daher, dass die Generation Gaming als Resultat dieser "Allgegenwart der Videospiele" und ihrer intensiven Auseinandersetzung damit auf fundamental andere Weise denkt und Informationen verarbeitet als sämtliche ihrer Vorgängergenerationen?
Dass diese Generation die digitale Sprache von Computern, des Internets und von Videospielen wie eine Muttersprache beherrscht, hat zu veränderten Denkstrukturen geführt. Wie gut auch immer die vorangegangenen Generationen sich die Sprache des Digitalen aneignen, sie werden nie zu den Kenntnissen der Generation Gaming aufschließen und immer einen "Akzent" beibehalten.
Schon 1968 benannte der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan, der den Siegeszug des Internets gar nicht mehr miterlebte, diesen Unterschied in der "Sprache" durch den Einzug neuer Technologien. Die Neuerungen auf dem technologischen Feld verursachen zwei großen Gruppen Schwierigkeiten: jenen, die komplett der Welt der "alten Technologie" entstammen, sowie jenen, die jeweils mit einem Fuß in einer verschiedenen technologischen Welt aufgewachsen sind - nicht aber jenen, die mit der neuen Technologie groß geworden sind.
Nach McLuhan ähneln Menschen, die der Welt der "alten Technologie" entstammen, sehr stark Blinden, die ihr Augenlicht wiedererlangen. Haben sie sich zuvor mit Hilfe ihres Tast-, Gehör- und Geruchssinns gut zurechtgefunden, wird die Flut der zusätzlichen Stimulation durch Bilder nicht als Bereicherung empfunden, ganz im Gegenteil: Sie sehnen sich manches Mal nach der relativen Abgeschiedenheit ihrer früheren Welt zurück.
Die zweite Gruppe, also diejenigen, die mit der alten und neuen Technologie aufgewachsen sind, ist nicht ganz so hilflos, dennoch fühlt sie sich orientierungslos angesichts der neuen Möglichkeiten. Nicht so die dritte Gruppe: Diejenigen, die die neue Technologie von Kindesbeinen an begleitet und die keine andere Welt kennen, fühlen sich mit der Technologie ganz und gar wohl.
Dass die Einwirkung äußerer Einflüsse auf Menschen keineswegs ohne Auswirkungen - auch physiologischer Natur - bleibt, lässt sich auch wissenschaftlich belegen. Als Neuroplastizität wird das Phänomen bezeichnet, dass das Gehirn seine eigene Struktur und Organisation veränderten Grundlagen und Anforderungen anpasst.
Galt das Gehirn lange Zeit als starr festgelegtes, unveränderliches Organ, so weisen neuere wissenschaftliche Erkenntnisse exakt in die Gegenrichtung. So haben Wissenschaftler etwa herausgefunden, dass das Aufwachsen in verschiedenen Kulturen nicht ohne Auswirkung auf die Entwicklung der Gehirne bleibt.
Die Umgebung und Kultur, in der Menschen aufwachsen, bestimmt nicht nur, was sie denken, sondern auch, wie sie dies tun. Bislang herrschte die Auffassung vor, dass Logik, Gedächtnis und Wahrnehmung für das Meistern des Alltags für alle Menschen dieselbe Rolle spielen. Dem ist jedoch keineswegs so: Erhalten Menschen aus ihrer Umwelt, die durch Kultur ebenso wie Medien bestimmt wird, verschiedene Inputs, so werden sie auch verschiedenartig denken.
| Die verspielte Gesellschaft: Wie Computerspiele unser Denken verändern | Computerspiele verändern unser Denken und Handeln |






Am 25.06.2012 wird Andreas Bernhardt im Rahmen der Ringvorlesung der GameCity Hamburg...
Für uns war es in der letzten Zeit überhaupt nicht einfach, Bewerber zu finden, teilweise...
wie Recht Du doch hast!
Interaktiv im Gegensatz zum Fernseher ja, das sehe ich genauso. Aber ich muss Op hier zu...
Der sagt das schon seit Jahren und bewertet Computerspiele positiv.
Kommentieren