Abo
  • Services:
Anzeige
Die EFF kann ihre Kampagne für einen Goldenen Schlüssel aus dem Jahr 1996 wieder reaktivieren.
Die EFF kann ihre Kampagne für einen Goldenen Schlüssel aus dem Jahr 1996 wieder reaktivieren. (Bild: EFF)

Crypto Wars II: Der neue Tanz um den Goldenen Schlüssel

Die EFF kann ihre Kampagne für einen Goldenen Schlüssel aus dem Jahr 1996 wieder reaktivieren.
Die EFF kann ihre Kampagne für einen Goldenen Schlüssel aus dem Jahr 1996 wieder reaktivieren. (Bild: EFF)

Der Geheimdienstausschuss des US-Senats plant offenbar eine gesetzliche Pflicht für Hintertüren in Verschlüsselungsprogrammen. Aktivisten sind aber der Ansicht, auch die nächsten Crypto Wars gewinnnen zu können.

Trotz permanenter Attacken von Regierungsseite sehen Aktivisten weiterhin eine Zukunft für die starke Verschlüsselung von Kommunikation. Das Verbot von Verschlüsselungsprogrammen werde schon aus praktischen Gründen nicht funktionieren, sagte Kurt Opsahl von der Electronic Frontier Foundation (EFF) auf dem Hackerkongress 32C3 am Mittwoch in Hamburg. Es gebe genug freie Software, die sich nicht vollständig unterdrücken lasse. Kryptografie sei für die Sicherheit unverzichtbar, eine kompromittierte Verschlüsselung werde für alle Nutzer von Nachteil sein, sagte Opsahl.

Anzeige

Seit den Terroranschlägen von Paris im vergangenen November ist die Debatte über Hintertüren in Verschlüsselungsprogrammen auch in den USA wieder neu entbrannt. Zwar hatte sich US-Präsident Barack Obama zuvor gegen eine solche Verpflichtung für US-Firmen ausgesprochen. Doch nun plant der Geheimdienstausschuss des US-Senats offenbar eine eigene Gesetzesinitiative.

Der Ausschussvorsitzende Richard Burr schrieb vor Weihnachten in einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal: "Kriminelle in den USA nutzen diese Technik seit Jahren, um ihre Spuren zu verwischen. Für den Kongress und die IT-Firmen ist der Zeitpunkt gekommen, darüber zu diskutieren, wie Verschlüsselung (...) Mördern, Pädokriminellen, Drogenhändlern und zunehmend Terroristen behilflich ist." Es könne nicht sein, dass Telefongesellschaften dazu verpflichtet werden könnten, Gespräche mitzuschneiden, während dies bei elektronischer Kommunikation zunehmend unmöglich sei. Die Technik habe das derzeit gültige Gesetz von 1994 überholt.

Treuhänder soll Schlüssel verwalten

Burr verwies in diesem Zusammenhang auf Apple. Der IT-Konzern werbe sogar damit, dass seine Geräte von den Ermittlungsbehörden nicht geknackt werden könnten. Eine richterliche Anordnung zur Entschlüsselung eines iPhones habe Apple zurückgewiesen und gesagt: "Das muss der Kongress entscheiden." Diesen Vorschlag wolle er gerne aufgreifen, sagte Burr.

Für Opsahl ist das keine gute Idee. Die Argumente gegen tatsächliche Backdoors dürften auch dem US-Kongress bekannt sein. Nun suchen die Sicherheitsbehörden inzwischen aber nach anderen Wegen, um an die verschlüsselten Daten von verdächtigen Smartphone-Besitzern zu kommen. Nach einer Art "Goldenem Schlüssel", wie er bereits vor 20 Jahren spöttisch genannt wurde. Opsahl ging am Mittwoch ausführlicher auf das Konzept der sogenannten Key Escrow ein. Dabei sollen die Schlüssel der Nutzer zur Entschlüsselung einer Nachricht bei einem Treuhänder vorgehalten werden.

Goldenes Zeitalter der Überwachung

Die EFF sieht darin jedoch mehrere Gefahren. Zum einen sei unklar, welche Stelle als Treuhänder fungieren solle, zum anderen stelle eine solche Institution ein sehr lohnendes Angriffsziel dar. Ebenfalls könnten Insider die gespeicherten Schlüssel nutzen und missbrauchen. Argumente, die der Sicherheitsexperte Bruce Schneier schon in den 1990er-Jahren gegen solche Konzepte vorgebracht hatte.

Im Gegensatz zu damals lebten die Ermittler inzwischen ohnehin in einem Goldenen Zeitalter der Überwachung, sagte Opsahl. Auch ohne direkten Zugriff auf die Inhalte könnten sie mit Hilfe von Metadaten und Standortdaten von Handys die Verdächtigen sehr gut überwachen. Die Behauptung der Behörden, wonach Terroristen sich mit Kryptografie stumm schalten könnten (Going Dark), treffe nicht zu. Verschlüsselung verhindere dagegen eine Massenüberwachung. Wobei die EFF nicht gegen eine "notwendige und angemessene" Form der Überwachung einzuwenden habe, wie auf der gleichnamigen Website dargelegt werde.

Hacker sollen Verschlüsselung verteidigen

Während die Bundesregierung Deutschland weiterhin zum Verschlüsselungsweltmeister machen will, könnten die USA durchaus einen anderen Weg einschlagen. Derzeit ist aber nicht unbedingt davon auszugehen, dass Geheimdienste und Polizei den Kampf gegen Bürgerrechtler und IT-Konzerne gewinnen. Opsahl appellierte am Ende seines Vortrags an die Hacker in Hamburg: "Verschlüsselt soviel wie möglich, haltet die Verschlüsselung stark und sicher und sorgt dafür, dass wir die Crypto Wars Teil 2 gewinnen."


eye home zur Startseite
david_rieger 31. Dez 2015

Nein, es ist eine einfache Feststellung. Diese "Hintertüren" müssen eben nicht immer in...

DrWatson 31. Dez 2015

Wenn man die demokratische Grundrechte abschafft um den Terrorismus zu bekämpfen, dann...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. KNV Logistik GmbH, Erfurt
  2. Plansee Group Service GmbH, Reutte (Österreich)
  3. BUYIN GmbH, Bonn
  4. Daimler AG, Germersheim


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 139,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. (u. a. 3 3D-Blu-rays für 30 EUR, Box-Sets u. Serien)
  3. 24,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Mehr dazu im aktuellen Whitepaper von Freudenberg IT
  2. Mehr dazu im aktuellen Whitepaper von Bitdefender
  3. Globale SAP-Anwendungsunterstützung durch Outsourcing


  1. Alternatives Android

    Cyanogen soll zahlreiche Mitarbeiter entlassen

  2. Update

    Onedrive erstellt automatisierte Alben und erkennt Pokémon

  3. Die Woche im Video

    Ausgesperrt, ausprobiert, ausgetüftelt

  4. 100 MBit/s

    Zusagen der Bundesnetzagentur drücken Preis für Vectoring

  5. Insolvenz

    Unister Holding mit 39 Millionen Euro verschuldet

  6. Radeons RX 480

    Die Designs von AMDs Partnern takten höher - und konstanter

  7. Koelnmesse

    Tagestickets für Gamescom ausverkauft

  8. Kluge Uhren

    Weltweiter Smartwatch-Markt bricht um ein Drittel ein

  9. Linux

    Nvidia ist bereit für einheitliche Wayland-Unterstützung

  10. Copyright

    Klage gegen US-Marine wegen 558.466-mal Softwarepiraterie



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Digitalisierung: Darf ich am Sabbat mit meinem Lautsprecher reden?
Digitalisierung
Darf ich am Sabbat mit meinem Lautsprecher reden?
  1. Smart City Der Bürger gestaltet mit
  2. Internetwirtschaft Das ist so was von 2006
  3. Das Internet der Menschen "Industrie 4.0 verbannt Menschen nicht aus Werkhallen"

Edward Snowden: Spezialhülle fürs iPhone warnt vor ungewollter Funkaktivität
Edward Snowden
Spezialhülle fürs iPhone warnt vor ungewollter Funkaktivität
  1. Qualcomm-Chips Android-Geräteverschlüsselung ist angreifbar
  2. Apple Nächstes iPhone soll keine Klinkenbuchse haben
  3. Smarte Hülle Android unter dem iPhone

Nuki Smart Lock im Test: Ausgesperrt statt aufgesperrt
Nuki Smart Lock im Test
Ausgesperrt statt aufgesperrt

  1. "Cyanogen OS anstelle eines Google-Androids"

    LoopBack | 15:05

  2. Re: Maxdome

    nmSteven | 14:54

  3. Re: Einnahmequellen?

    Ebola | 14:53

  4. Re: Das ist schlicht falsch

    Moe479 | 14:52

  5. Ab der kommerziellen Firma..

    SchmuseTigger | 14:51


  1. 14:19

  2. 13:08

  3. 09:01

  4. 18:26

  5. 18:00

  6. 17:00

  7. 16:29

  8. 16:02


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel