Abo
  • Services:
Anzeige
Das Creature Ensemble macht anstrengende Klänge.
Das Creature Ensemble macht anstrengende Klänge. (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)

Creature Ensemble: Geschöpfe machen schrille Töne

Das Creature Ensemble macht anstrengende Klänge.
Das Creature Ensemble macht anstrengende Klänge. (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)

Mit ihrer Installation will Katerina Undo die Grenzen der erträglichen Klänge erreichen. Dabei helfen ihr kleine elektronische Wesen. Gesteuert wird mit Licht, nicht per Software.

Der Raum im Berliner Haus der Kulturen der Welt ist fast vollkommen dunkel. Die Klangkünstlerin Katerina Undo sitzt an einem spärlich beleuchteten Mischpult. Auf einem Tisch neben ihr ist - kaum zu erkennen - ein wirres Kabelgeflecht mit Krokodilklammern, die über weitere Kabel mit XLR-Stecker mit einem Mischpult verbunden sind. Ein sogenanntes Geschöpf wird beleuchtet, gibt einen Takt vor, eine Art Klicken. Undo dreht mehr Lämpchen auf, die nächsten Töne sind schrill. Ein weiteres Geschöpf brüllt in unregelmäßigen Abständen. Es klingt wie in einem elektronischen Dschungel. Die ersten Zuschauer verlassen den Raum.

Anzeige

"Leiden schafft Kunst", lautet eine gängige These, wer Kunst erfahren will, muss leiden, denken wir. Schließlich geht es der Künstlerin darum, unsere akustischen Grenzen auszuloten. Wir harren aus. Nach einer Weile kommt noch ein ganz hoher Ton hinzu. Der Saal leert sich weiter. Dennoch, nach einiger Zeit setzt bei uns meditatives Zuhören ein. Wir konzentrieren uns, die einzelnen Töne des 19-köpfigen Ensembles zu erfassen. Wir schauen nicht mehr so häufig auf die Wanduhr.

Jedes Geschöpf ist einzigartig

Das Motto der Transmediale lautet Afterglow. Sie will das Post-Digitale beschreiben, die Welt nach der digitalen Revolution. Undos Performance will zeigen, dass es auch noch eine Welt ohne Computer gibt, die Elektronik aber durchaus präsent ist. Undos Geschöpfe werden nicht durch Software gesteuert, aber sie interagieren miteinander, gehen aufeinander ein, eben wie in einem Nervensystem, sagt Undo. Das passiere über die Energieversorgung. Ein Geschöpf nehme eine Zeit lang mehr Leistung auf oder blockiere ein anderes ganz und gebe es dann wieder frei. Dadurch sei auch jede Vorstellung einzigartig.

Die 19 kleinen Wesen machen Töne, sobald ihre Lichtzellen angestrahlt werden. Sie heißen Flibi oder Tiko und zusammen bilden sie das Creature Ensemble. Tiko und Flibi brauchen kein Wasser oder gar Nahrung. Ihre Energie bekommen sie allein über photovoltaische Zellen. Töne werden über kleine Lautsprecher ausgegeben.

Licht zu Ton

Die Körper bestehen aus Widerständen oder Kondensatoren. Undo nennt sie Geschöpfe. Jedes wird mit einem eigenen Lämpchen beleuchtet. Die Stärke des Lichts beeinflusst auch Bewegung und Töne. Einige Wesen schwingen kleine Taktstöcke aus Kunststoff. An der Wand dahinter bewegen sich ihre Schatten.

Auf der Transmediale 2014 sollen die negativen Seiten der Computerindustrie künstlerisch aufgearbeitet werden: Rechnerschrott wird in einer Installation gezeigt, der Künstler Jelili Atiku aus Nigeria heftet sich so viel Elektroschrott an seinen Körper, bis er kaum zu erkennen ist. Damit will er auf die Probleme in seinem Land hinweisen, in dem es mehr Computerschrott als funktionierende Computer gibt.

Nebenbei wird die Renaissance der Schallplatte diskutiert - für die Teilnehmer der Transmediale eine Bestätigung dafür, dass die Fassade der IT-Industrie bröckelt. Eine Fassade, die aus Marketingfloskeln wie Cloud-Computing besteht. Die Künstler wollen helfen, diese Fassade einzureißen. Technikfeindlich will die Transmediale aber nicht sein.

Elektrik bekommt Namen

Nach etwa einer Viertelstunde ist Undos Vorstellung vorbei. Die Hälfte der Zuschauer ist geblieben. In der Raumbeleuchtung klicken und surren die Geschöpfe noch leise. Jedes ihrer Geschöpfe sei individuell sowohl im Klang als auch in der Bewegung und im Aufbau, sagt Undo. Deshalb habe sie ihnen auch Namen gegeben, männlich sowie weibliche.

Langfristig will Undo ihre Geschöpfe noch autonomer agieren lassen und selbst immer weiter in den Hintergrund treten. Dann sollen die Geschöpfe nur einmal angestupst werden müssen. "Bei Tageslicht tun sie jetzt schon, was sie wollen", sagte Undo.


eye home zur Startseite
gehtDichNichtsAn 03. Feb 2014

ja ne ist klar. da ist mir die "kunst" der selbsternannten eliten doch lieber. wieviel...

Anonymer Nutzer 31. Jan 2014

*SCNR*



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Eichstätt
  2. über Ratbacher GmbH, Kirchheim unter Teck
  3. Stadt Ellwangen, Ellwangen
  4. über Ratbacher GmbH, Hamburg


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. X-Men Apocalypse, The Huntsman & The Ice Queen, Asterix erobert Rom, The Purge, Shutter...
  2. 99,00€
  3. (u. a. Better Call Saul 1. Staffel Blu-ray 12,97€, Breaking Bad letzte Staffel Blu-ray 9,97€)

Folgen Sie uns
       


  1. Netzwerk

    EWE reduziert FTTH auf 40 MBit/s im Upload

  2. Rahmenvertrag

    VG Wort will mit Unis neue Zwischenlösung für 2017 finden

  3. Industriespionage

    Wie Thyssenkrupp seine Angreifer fand

  4. Kein Internet

    Nach Windows-Update weltweit Computer offline

  5. Display Core

    Kernel-Community lehnt AMDs Linux-Treiber weiter ab

  6. Test

    Mobiles Internet hat viele Funklöcher in Deutschland

  7. Kicking the Dancing Queen

    Amazon bringt Songtexte-Funktion nach Deutschland

  8. Nachruf

    Astronaut John Glenn im Alter von 95 Jahren gestorben

  9. Künstliche Intelligenz

    Go Weltmeisterschaft mit Menschen und KI

  10. Redox OS

    Wer nicht rustet, rostet



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Kosmobits im Test: Tausch den Spielecontroller gegen einen Mikrocontroller!
Kosmobits im Test
Tausch den Spielecontroller gegen einen Mikrocontroller!
  1. HiFive 1 Entwicklerboard mit freiem RISC-Prozessor verfügbar
  2. Simatic IoT2020 Siemens stellt linuxfähigen Arduino-Klon vor
  3. Calliope Mini Mikrocontroller-Board für deutsche Schüler angekündigt

Gigaset Mobile Dock im Test: Das Smartphone wird DECT-fähig
Gigaset Mobile Dock im Test
Das Smartphone wird DECT-fähig

Civilization: Das Spiel mit der Geschichte
Civilization
Das Spiel mit der Geschichte
  1. Civilization 6 Globale Strategie mit DirectX 12
  2. Take 2 GTA 5 saust über die 70-Millionen-Marke
  3. Civilization 6 im Test Nachhilfestunde(n) beim Städtebau

  1. Re: Die Darstellung ist etwas einseitig

    gaciju | 18:13

  2. Re: Hat Microsoft eigentlich noch eine...

    Moe479 | 18:11

  3. Re: Teilzeit Mitbeteiligter hier, AMA!

    Schnarchnase | 18:08

  4. Re: schade ...

    FunnyGuy | 18:03

  5. Re: DECT tötet es bevor es Eier legt.

    Laptel | 18:03


  1. 17:30

  2. 17:13

  3. 16:03

  4. 15:54

  5. 15:42

  6. 14:19

  7. 13:48

  8. 13:37


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel