Creative Commons Amazon bremst die Bücherbefreier von Unglue.it aus

Unglue.it sammelt Geld, um Bücher von Rechteinhabern freizukaufen und unter Creative-Commons-Lizenz neu zu veröffentlichen. Amazon wickelte die Zahlungen ab - bis jetzt.

Anzeige

Die Crowdfunding-Plattform Unglue.it ist erst wenige Monate alt und hat schon jetzt ein großes Problem. Unglue.it sammelt Geld, mit dem es bereits veröffentlichte Bücher von Rechteinhabern freikauft. Anschließend werden die Werke unter einer Creative-Commons-Lizenz neu publiziert - ohne Kopierschutz und für jedermann kostenlos verfügbar. Nutzer von Unglue.it spendeten bislang über Amazons Payment-System das Geld dafür - doch der Konzern hat plötzlich beschlossen, den Bücherbefreiern kein Geld mehr weiterzuleiten. So schreiben es die Macher der jungen Crowdfunding-Plattform in einem Blogeintrag.

Seit Mai 2012 gibt es die Website Unglue.it. Sie richtet sich an Rechteinhaber und an Leser. Wer die Verwertungsrechte an einem Buch besitzt, kann es auf Unglue.it zur erneuten Veröffentlichung unter einer Creative-Commons-Lizenz ausschreiben. Dazu bestimmen die Rechteinhaber selbst einen Preis von zum Beispiel 10.000 US-Dollar. Finden sich genug zahlungswillige Leser, die das Geld zusammenbringen, wird das Buch gewissermaßen befreit und vom Rechteinhaber erneut als E-Book veröffentlicht. Leser können auf der Seite bestehende Buchbefreiungskampagnen unterstützen oder neue Bücher vorschlagen, die "unglued" ("losgeeist") werden sollen.

Bisher hatte erst eine Kampagne Erfolg: Für das Sachbuch Oral Literature in Africa von Ruth H. Finnegan, erstmals 1970 erschienen, spendeten 281 Unglue-Mitglieder zusammen mehr als die geforderten 7.500 Dollar. Nun wird es erneut publiziert. Weitere Kampagnen aber gibt es derzeit nicht, da Amazon Payment sich nun weigert, Geld an Unglue.it weiterzuvermitteln.

Amazons Gründe für den Boykott sind unklar. Unglue.it-Gründer Eric Hellmann schreibt in einer E-Mail an Zeit Online: "Der Manager von Amazon Payment, mit dem ich gesprochen habe, sagte mir, dass Crowdfunding-Geschäfte regulatorische und vertragsrechtliche Hürden beinhalten würden, die Amazon derzeit nicht effizient managen könne." Was dies genau bedeuten soll, blieb unbeantwortet.

Hellmann betont, es helfe nicht, nun sauer auf Amazon zu sein. Er schreibt, es sei unwahrscheinlich, dass Amazon es auf Unglue.it abgesehen habe, nur weil das junge Unternehmen mit Büchern zu tun habe.

Unglue.it arbeitet nun daran, ein anderes Bezahlsystem einzuführen. Verhandlungen mit Paypal laufen schon länger, wenn auch bisher ohne Erfolg. Paypal nimmt Crowdfunding-Projekte offenbar genau unter die Lupe, bevor es seine Unterstützung zusagt. Eric Hellmann geht deshalb eher davon aus, dass Unglue.it bald mit einem dritten System den Neustart versucht.

Amazon geriet schon einmal in die Kritik, als es seine Unterstützung für eine Onlineplattform plötzlich einstellte: Im Jahr 2010 nutzte Wikileaks die Rechner- und Speicherkapazitäten des Amazon Web Service, bis Amazon den Enthüllern überraschend kündigte. Offiziell hieß es, Wikileaks habe die Geschäftsbedingungen missachtet, denen zufolge Kunden die Rechte an dem bei Amazon gespeicherten Material besitzen müssen. Das aber sei bei den Botschaftsdepeschen, die Wikileaks damals veröffentlicht hatte, nicht der Fall gewesen. Den Eindruck, dass Amazon diese Entscheidung aufgrund von politischem Druck fällte, konnte das Unternehmen nie ganz ausräumen.

Auf Anfrage von Zeit Online hat Amazons Presseabteilung versprochen, sich so schnell wie möglich zum Fall Unglue.it zu äußern.


Atalanttore 18. Aug 2012

Wäre Unglue.it nicht Unglue.it sondern IBM, würde es sich Amazon drei- bis viermal...

Trockenobst 11. Aug 2012

Die meisten wissen gar nicht wie juristisch kompliziert Crowd Funding ist. Das wird man...

samy 11. Aug 2012

Macht im Deutschen trotzdem keinen Sinn.. Deshalb entweder auf ganz Deutsch oder ganz...

Sheep_Dirty 11. Aug 2012

Ich frage mich warum man nicht einfach eine seriöse Bezahlmethode verwendet. Klar dauert...

tangonuevo 11. Aug 2012

Da sie das Buch dann unter einer CC-Lizenz verbreiten und falls das eine ist, die...

Kommentieren



Anzeige

  1. IT-Spezialist (m/w) für Anwendungsentwicklung
    Versicherungskammer Bayern, München
  2. Mitarbeiter/in im Bereich Informationstechnologie/IT Service
    Toho Tenax Europe GmbH, Heinsberg-Oberbruch und Wuppertal
  3. Softwareentwickler (m/w)
    SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG, Bruchsal
  4. Trainee IT (m/w) Schwerpunkt: SAP Applikation
    Unternehmensgruppe Theo Müller, Aretsried

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Spähaffäre

    Snowden erklärt seine Frage an Putin

  2. CSA-Verträge

    Microsoft senkt Preise für Support von Windows XP

  3. Test Wyse Cloud Connect

    Dells mobiles Büro

  4. Globalfoundries-Kooperation mit Samsung

    AMDs Konsolengeschäft kompensiert schwache CPU-Sparte

  5. Verband

    "Uber-Verbot ruiniert Ruf der Startup-Stadt Berlin"

  6. Kabel Deutschland

    2.000 Haushalte zwei Tage von Kabelschaden betroffen

  7. Cridex-Trojaner

    Hamburger Senat bestätigt großen Schaden durch Malware

  8. Ubuntu 14.04 LTS im Test

    Canonical in der Konvergenz-Falle

  9. Überwachung

    Snowden befragt Putin in Fernsehinterview

  10. Bleichenbacher-Angriff

    TLS-Probleme in Java



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Display Scanout Engine: Xbox, streck das Bild!
Display Scanout Engine
Xbox, streck das Bild!

Die Xbox One berechnet viele Spiele nicht nativ in 1080p. Stattdessen vergrößern ein Hardware-Scaler oder einige Softwareschritte niedrigere Auflösungen. Beide Lösungen bieten Vor- und Nachteile, welche die Bildqualität oder Bildrate beeinflussen.

  1. Xbox One Upgedated und preisgesenkt
  2. Xbox One Microsoft denkt über Xbox-360-Emulation nach
  3. Xbox One Inoffizielle PC-Treiber für Controller erhältlich

Facebook und Oculus Rift: Vier Prognosen zu Faceboculus
Facebook und Oculus Rift
Vier Prognosen zu Faceboculus

Der erste Shitstorm hat sich gelegt. Und Oculus gehört immer noch Facebook. Was ändert das jetzt? Und was bedeutet das für die Zukunft? Wer sich mit Entwicklern und Experten unterhält, der kann einige erste Schlüsse ziehen.

  1. Oculus Rift 25.000 Exemplare der neuen Dev-Kit-Version verkauft
  2. Developer Center Sicherheitslücke bei Oculus VR
  3. Oculus VR "Wir haben nicht so viele Morddrohungen erwartet"

Windows XP ade: Linux ist nicht nur ein Lückenfüller
Windows XP ade
Linux ist nicht nur ein Lückenfüller

Wenn der Support für Windows XP ausläuft, wird es dringend Zeit, nach einer sicheren und vor allem kostenlosen Alternative zu suchen. Linux ist dafür bestens geeignet. Bleibt nur noch die Qual der Wahl.

  1. Open Source Linux 3.15 startet in die Testphase
  2. Linux-Kernel LTO-Patch entfacht Diskussion
  3. Linux-Distribution Opensuse baut um und verschiebt Version 13.2

    •  / 
    Zum Artikel