Elektroschrott
Elektroschrott (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Computervirus Prophylaktische Zerstörungsorgie

Wegen zwei virenbefallener Computer schaltet eine US-Behörde die NSA ein und zerstört Geräte im Wert von 170.000 Dollar. Die Geschichte einer Überreaktion.

Anzeige

Es gibt im Englischen einen Begriff, der sich nur schwer ins Deutsche übersetzen lässt: Clusterfuck. Gemeint ist eine Situation, die aufgrund des Unvermögens der Beteiligten und unglücklicher Umstände eskaliert. Ein nun publik gewordener Vorfall in der Economic Development Administration (EDA), einer Abteilung des US-Handelsministeriums, dürfte als Paradebeispiel in die Geschichte der Clusterfucks eingehen.

Es begann am 6. Dezember 2011. Damals informierten Computersicherheitsspezialisten der Heimatschutzbehörde DHS ihre Kollegen im Handelsministerium über einen möglichen Virenbefall in ihrem Netzwerk. Die wiederum konnten die Infektion genauer bestimmen, sie trat in einem Gebäude auf, in dem die Wetter- und Ozeanographiebehörde der USA (NOAA) sowie Economic Development Administration (EDA) untergebracht sind.

Die IT-Abteilung der NOOA analysierte den Bericht, identifizierte ihre befallenen Rechner, befreite sie vom Virus und nahm sie nach dreieinhalb Wochen wieder in Betrieb.

Bei der EDA aber gerieten die Dinge auf geradezu spektakuläre Weise außer Kontrolle. Wie das passieren konnte, beschreibt der vor wenigen Tagen veröffentlichte Abschlussbericht der Behörde. Demnach schaltete die EDA aus Angst vor einer raffinierten Onlineattacke gleich mehrere IT-Sicherheitsteams verschiedener Behörden ein, außerdem ein privates Cyber-Security-Unternehmen. Und die NSA.

Obwohl im Laufe der vielen Untersuchungen herauskam, dass nur zwei Rechner im Netzwerk der EDA von dem Virus betroffen waren, entschied sich die Behördenleitung, sicherheitshalber Computer, Drucker, Kameras, Computermäuse sowie Tastaturen zu zerstören. Und Fernseher. Gesamtwert der verschrotteten Geräte: 170.000 US-Dollar. Gesamtkosten für den Einsatz der verschiedenen Sicherheitsspezialisten und die zwischenzeitlich eingesetzten Ersatzgeräte: 2.747.000 Dollar.

Der Grund für diese Zerstörung: Missverständnisse und Versäumnisse. Die begannen schon bei der ursprünglichen Verdachtsmeldung aus der Heimatschutzbehörde. Die IT-Experten des Handelsministeriums wollten Details zu der Warnung haben, forderten aber versehentlich ganz andere Informationen an. Die bekamen sie dann auch - und interpretierten sie als massiven Angriff auf die Rechner der EDA.

Eigene Defizite erkannt

Deshalb wurde die Technik zunächst einmal vollständig vom Internet getrennt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Im Abschlussbericht heißt es: "Die ernsthaften, schon lange bestehenden Defizite im IT-Sicherheitsprogramm der EDA ließen es glaubwürdig erscheinen, dass es sich um eine breite Malware-Infektion handelte."

Um ganz sicherzugehen, diese Attacke abwehren zu können, holte sich das Computersicherheitsteam des Handelsministeriums Hilfe bei den Kollegen des Energieministeriums, des National Institute of Standards and Technology, der Heimatschutzbehörde und dem Geheimdienst NSA. Zu diesem Zeitpunkt war das Team überzeugt, die EDA sei Opfer einer gezielten Attacke geworden und die Schadprogramme seien nur unter größten Anstrengungen zu beseitigen.

Ähnlicher Vorfall in Mecklenburg-Vorpommern

Als jemand den Fehler bemerkte, schrieben die IT-Fachleute der Behörde erneut eine Mitteilung. Weil sie sich dabei aber ganz einfach missverständlich ausdrückten, fühlte sich die EDA nur in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Tage- und wochenlang redeten IT-Team und EDA aneinander vorbei. Der Abschlussbericht des Vorfalls listet ein Missverständnis nach dem anderen auf.

Eigentlich waren nur zwei Rechner des EDA von einem harmlosen Virus befallen und hätten problemlos davon befreit werden können. Der IT-Leiter der EDA jedoch kam letzten Endes zu dem Schluss, das Risiko einer extrem hartnäckigen und weit verbreiteten Infektion des EDA-Netzwerks sei zu groß.

Bis das Geld ausging

Und so ordnete das Management die prophylaktische Zerstörung der Hardware an. Warum man auch Computermäuse, Tastaturen und sogar Fernseher verschrotten ließ, geht aus dem Bericht nicht hervor. Wohl aber die Tatsache, dass der Wahnsinn erst beendet wurde, als der Behörde das Geld ausging.

Wer nun glaubt, so etwas könne nur in den USA passieren, sollte einen Blick in den Bericht des Landesrechnungshofs Mecklenburg-Vorpommern werfen. Darin heißt es, im Jahr 2010 habe das Bildungsministerium 170 Computer auf den Müll geworfen, weil sie vom damals längst bekannten Conficker-Wurm befallen waren.

Gesucht wird nun ein deutsches Wort für Clusterfuck.


steffenbpunkt 15. Jul 2013

Heissa - was ein Spass. Wobei das in Schwerin noch zu beweisen wäre. Der eigentliche...

anima 15. Jul 2013

grenzdebiler größenwahn?

ploedman 12. Jul 2013

Bin der selben Meinung

tundracomp 12. Jul 2013

http://www.explainxkcd.com/wiki/index.php?title=644:_Surgery

Wakarimasen 12. Jul 2013

Seh ich auch so, es ist immer dumm Wertvolle dinge die man retten könnte wegzuwerfen...

Kommentieren



Anzeige

  1. Scientific Programmer (m/w)
    CeMM Research Center for Molecular Medicine of the Austrian Academy of Sciences, Vienna (Austria)
  2. IT-Projektmitarbeiter (m/w)
    Fachhochschule Südwestfalen, Hagen
  3. Mitarbeiter (m/w) IT Service Desk First / Second Level
    Heide-Park Soltau GmbH, Soltau
  4. Anwendungsberater/in für Lösungen im Produktbereich Bürgerservice
    Zweckverband Kommunale Informationsverarbeitung Baden-Franken, Heilbronn

 

Detailsuche


Blu-ray-Angebote
  1. Jurassic Park 2 - Vergessene Welt - Steelbook [Blu-ray] [Limited Edition]
    14,99€
  2. 2 TV-Serien auf Blu-ray für 30 EUR
    (u. a. Arrow, Person of Interest, Boardwalk Empire, Falling Skies, Shameless)
  3. Wacken - Der Film (inkl. 2D-Version) [Blu-ray]
    8,97€

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       

  1. Xbox One

    Firmware-Update bringt Sprachnachrichten auf die Konsole

  2. Elektromobilitätsgesetz

    Bundesrat gibt Elektroautos mehr Freiheiten

  3. 2160p60

    Youtube startet fordernde 60-fps-Videos in scharfem 4K

  4. Nuclide

    Facebook stellt quelloffene IDE vor

  5. Test Borderlands Handsome Collection

    Pandora und Mond etwas schöner

  6. Net-a-Porter

    Amazon soll vor 2-Milliarden-Dollar-Übernahme stehen

  7. Fire TV mit neuer Firmware im Test

    Streaming-Box wird vielfältiger

  8. Knights Landing

    Die Xeon Phi beherbergt Intels bisher größten Chip

  9. Volker Kauder

    Mehr deutsche Teststrecken für selbstfahrende Autos gefordert

  10. Wearable

    Smartwatch Olio soll vor Benachrichtigungsflut schützen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Episode Duscae angespielt: Final Fantasy ist endlich wieder zeitgemäß
Episode Duscae angespielt
Final Fantasy ist endlich wieder zeitgemäß
  1. Test Final Fantasy Type-0 HD Chaos und Kampf

Galaxy S6 im Test: Lebe wohl, Kunststoff!
Galaxy S6 im Test
Lebe wohl, Kunststoff!
  1. Galaxy S6 Active Samsungs wasserdichtes Topsmartphone
  2. Galaxy S6 und S6 Edge Samsung meldet 20 Millionen Vorbestellungen
  3. Galaxy S6 und S6 Edge im Hands on Rund, schnell, teuer

Banana Pi M2 angesehen: Noch kein Raspberry-Pi-Killer
Banana Pi M2 angesehen
Noch kein Raspberry-Pi-Killer
  1. MIPS Creator CI20 angetestet Die Platine zum Pausemachen
  2. Raspberry Pi 2 ausprobiert Schnell rechnen, langsam speichern

  1. Re: Alter hut

    Onkel Ho | 04:52

  2. Re: Kopfhörerhersteller Beats Electronics für 3...

    Sharra | 04:43

  3. Re: Wie wäre es zum Anfang

    Sharra | 04:42

  4. Re: Zurückgeben, wäre das richtige Wort.

    Sharra | 04:39

  5. Re: Das alte Trackpad

    Tzven | 04:24


  1. 17:09

  2. 15:52

  3. 15:22

  4. 14:24

  5. 14:00

  6. 13:45

  7. 13:44

  8. 13:05


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel