Anzeige
"Sei keine Marionette!", rät das FBI Jugendlichen.
"Sei keine Marionette!", rät das FBI Jugendlichen. (Bild: FBI-Screenshot)

Computerspiel: Wie das FBI mit einem schlechten Spiel gegen das Böse kämpft

"Sei keine Marionette!", rät das FBI Jugendlichen.
"Sei keine Marionette!", rät das FBI Jugendlichen. (Bild: FBI-Screenshot)

Ein Computerspiel soll Jugendliche davor bewahren, zu Islamisten oder Rassisten zu werden. Der Kurztest zeigt: Mit so einem Spiel wird das schwierig - trotz Anti-Terror-Ziege.

Eine Ziege soll junge Menschen in den USA davon abhalten, zu gewaltbereiten Extremisten zu werden. Sie ist im Auftrag der US-Bundespolizei FBI unterwegs und die Hauptfigur in Slippery Slope, einem pädagogischen Computerspiel, das die Behörde verbreitet. In einer Rangliste der schlechtesten Spiele aller Zeiten dürfte Slippery Slope es problemlos in die Top 10 schaffen.

Anzeige

Das Spiel ist Teil der Kampagne "Sei keine Marionette!". Mit ihr erklärt die Behörde Jugendlichen, wie sich Menschen in fünf Schritten radikalisieren, bevor sie sich extremistischen Gruppen anschließen. Die Webseite der Kampagne zeigt einen dunklen Keller. Ein roter Benzinkanister steht in der Ecke, auf mehreren Tischen liegen Dokumente, wild verteilt. Hier lernen Spieler die Staatsfeinde kennen - extremistische Umweltschützer, Islamisten, Rassisten - und ihre Gedankenwelt.

Dazu müssen sie auf verschiedene Felder mit Namen wie "Schuldzuweisung", "Propaganda" und "Gruppendenken" klicken. Die Logik des FBI: Wer den Feind kennt, kann sich besser schützen. Gruppendenken bedeutet demnach übrigens, dass "die Mitglieder der Gruppe damit aufhören, ihre Meinungen zu äußern aus Angst davor, dass Konflikte entstehen".

Die Grafik erinnert an Minecraft

Unter dem Menüpunkt "Schuldzuweisung" befindet sich das eigentliche Spiel. Ein Gameboy liegt auf dem Tisch. Wer ihn antippt, sieht die simple Spielanleitung - und die Ziege. Die Steuerung besteht aus drei Tasten. Pfeile nach links und rechts, Leertaste. Ausweichen und Neustarten. Ein Klick auf Start lässt die Ziege losrennen.

Die Grafik erinnert an Minecraft, jene virtuelle Klötzchenwelt, die Abermillionen Kinder und Jugendliche weltweit begeistert. Der Spieler blickt aus der Vogelperspektive auf die Ziege, die über eine Wiese läuft. Ziel ist, Steinen und Bäumen auszuweichen und ins Ziel zu rennen. Berührt die Ziege ein Hindernis, zerfällt sie zum Pixelhaufen. Schafft sie es ins Ziel, bekommt sie als Belohnung eines der Prinzipien von Extremisten erklärt, zum Beispiel: "Level 1 bestanden. Verquerer Grundsatz: 'Unsere Gruppe wird angegriffen'." Wer alle sechs Level besteht, hat alle angeblichen Denkmuster von Extremisten kennengelernt. Wenn es nach dem FBI geht, ist er nun ein bisschen besser geimpft gegen politische Abwege.

Das Spiel ist herrlich schlecht, und zwar in jeder Hinsicht. Es beginnt damit, dass der Gameboy, im Spiel prominent platziert, 1990 auf den Markt kam und für den Großteil heutiger Jugendlicher - dem erklärten Wunschpublikum - eine Antiquität sein dürfte.

Die Steuerung des Spiels ist katastrophal, die Ziege beinahe unkontrollierbar - soll sie bockig sein? Weil das Tier von Level zu Level schneller wird und sich zunehmend mehr Hindernissen ausgesetzt sieht, wird es fast unmöglich, das Spiel zu meistern. Als Metapher, dass für viele Jugendliche eher "Game over" angesagt ist statt eine durchgespielte Radikalisierung, ist das sicher nett. Für ein Spiel, in dem Jugendliche sich eigentlich alle Tipps selbst erarbeiten sollen, ist es ein dämlicher Ansatz.

Das Spiel war für die FBI-Experten selbst wohl so schwer, dass sie nach dem endgültigen Aus des Spielers zur Sicherheit alle Merkmale nennen. Damit ist Durchspielen dann endgültig unnötig.


eye home zur Startseite
Dwalinn 16. Feb 2016

Ich musste zuerst an die CIA und Waterboarding denken....

HanMarried 15. Feb 2016

Das ganze Ding soll doch ein wenig retro angehaucht sein. Und in der Top 10 der...

Quantium40 15. Feb 2016

Vielleicht ist die genaue Zahl der Jungfrauen auch nicht ganz präzise. Und wie lange...

Kommentieren



Anzeige

  1. Software Testingenieur (m/w) Fahrerassistenzsysteme
    Continental AG, Lindau
  2. IT Application Consultant (m/w) SAP FI/CO
    Viega GmbH & Co. KG, Attendorn
  3. Datenbank- und Business-Intelligence-Admini- stratoren (m/w)
    ARI Fleet Germany GmbH, Koblenz, Stuttgart oder Eschborn bei Frankfurt am Main
  4. First Level Support / User Help Desk (m/w)
    BAM Deutschland AG, Stuttgart

Detailsuche



Anzeige
Top-Angebote
  1. JETZT VERFÜGBAR: Overwatch - Origins Edition - [PC]
    59,00€
  2. JETZT VERFÜGBAR: Total War: WARHAMMER
    54,99€
  3. TIPP: Zotac Geforce GTX970
    259,00€ (Vergleichspreis: 290,04€)

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Hyperloop

    HTT will seine Rohrpostzüge aus Marvel-Material bauen

  2. Smartwatches

    Pebble 2 und Pebble Time 2 mit Pulsmesser

  3. Kickstarter

    Pebble Core als GPS-Anhänger für Hacker und Sportler

  4. Virtual Reality

    Facebook kauft Two Big Ears für 360-Grad-Sound

  5. Wirtschaftsminister Olaf Lies

    Beirat der Bundesnetzagentur gegen exklusives Vectoring

  6. Smartphone-Betriebssystem

    Microsoft verliert stark gegenüber Google und Apple

  7. Onlinehandel

    Amazon startet eigenen Paketdienst in Berlin

  8. Pastejacking im Browser

    Codeausführung per Copy and Paste

  9. Manuela Schwesig

    Familienministerin will den Jugendschutz im Netz neu regeln

  10. Intels Compute Stick im Test

    Der mit dem Lüfter streamt (2)



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Cloudready im Test: Ein altes Gerät günstig zum Chromebook machen
Cloudready im Test
Ein altes Gerät günstig zum Chromebook machen
  1. Chrome OS Android-Apps kommen auf Chromebooks
  2. Acer-Portfolio 2016 Vom 200-Hz-Curved-Display bis zum 15-Watt-passiv-Detachable

Doom im Technik-Test: Im Nightmare-Mode erzittert die Grafikkarte
Doom im Technik-Test
Im Nightmare-Mode erzittert die Grafikkarte
  1. Blackroom John Romero und das Shooter-Holodeck
  2. Doom Hölle für alle
  3. Doom Bericht aus der Bunnyhopping-Hölle

Oxford Nanopore: Das Internet der lebenden Dinge
Oxford Nanopore
Das Internet der lebenden Dinge
  1. Wie Glas Forscher machen Holz transparent
  2. Smartwatch Skintrack macht den Arm zum Touchpad
  3. Niederschläge Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen einen Berg

  1. Re: So müßte Open Pandora aussehen ...

    Lightkey | 03:10

  2. Re: Microsoft hat zwei Fehler gemacht

    berritorre | 03:09

  3. Re: Preisfrage

    kvoram | 03:00

  4. Re: Ich warte lieber auf die Pyra aus Ingolstadt

    Lightkey | 02:50

  5. Re: Wer von euch nutzt Actioncams?

    berritorre | 02:46


  1. 19:01

  2. 18:03

  3. 17:17

  4. 17:03

  5. 16:58

  6. 14:57

  7. 14:31

  8. 13:45


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel