Abo
  • Services:
Anzeige
Die Camera Restricta fotografiert nur, was noch nicht allzu oft fotografiert wurde.
Die Camera Restricta fotografiert nur, was noch nicht allzu oft fotografiert wurde. (Bild: Philipp Schmitt)

Camera Restricta: Noch ein Eiffelturm-Foto? Diese Kamera weigert sich

Die Camera Restricta fotografiert nur, was noch nicht allzu oft fotografiert wurde.
Die Camera Restricta fotografiert nur, was noch nicht allzu oft fotografiert wurde. (Bild: Philipp Schmitt)

Die Camera Restricta ist bockig. Wo schon tausendfach geknipst wurde, löst sie nicht aus. Gebrauchen kann das niemand. Aber es zeigt, wie Technik eine Zensur ermöglicht.

Anzeige

Philipp Schmitt hat die wahrscheinlich nervigste Kamera der Welt erfunden. Wo andere ihre Urlaubsfotos machen, schaltet sie sich meistens ab.

Schmitt studiert Interaktionsgestaltung in Schwäbisch-Gmünd, er wohnt dort ganz in der Nähe des Heilig-Kreuz-Münsters. Jeden Tag sieht Schmitt Touristen, die den Brunnen vor dem Münster von allen Seiten fotografieren. Irgendwann begann er sich zu fragen, wie viele Fotos es davon mittlerweile geben mag und ob es nicht schon viel zu viele sind. Aus diesen Fragen entstand die Camera Restricta - eine Kamera, die es verbietet, Bilder von Orten zu machen, die schon oft fotografiert worden sind.

Funktionieren soll sie auf der Basis von Geotagging. Im Kameragehäuse aus dem 3D-Drucker steckt ein Smartphone mit aktiviertem GPS. Eine von Schmitt entwickelte Web-App durchsucht ständig die Fotoplattformen Flickr und Panoramio nach Bildern, die laut ihrer Geodaten im unmittelbaren Umkreis (35 mal 35 Meter) aufgenommen wurden. Je mehr es sind, desto lauter tickt und knistert die Camera Restricta. Es soll wie ein Geigerzähler wirken. Ist eine bestimmte Anzahl bereits veröffentlichter Fotos überschritten, fährt die Kamera den Auslöser ein, so dass er nicht mehr betätigt werden kann. Auf dem Display erscheint unter Allow Photos ein dickes Nein. Andererseits zeigt die Kamera auch, ob es von einem bestimmten Ort überhaupt schon ein Foto (auf Flickr oder Panoramio) gibt. Wenn nicht, darf man sich einbilden, das erste Bild von diesem Ort zu machen.

Technische und konzeptionelle Schwächen hat die Camera Restricta viele. "Wenn man es genau nimmt, ist das Konzept natürlich Quatsch", sagt Schmitt. Es ist aber auch ein Kunstprojekt, kein frei verkäufliches Produkt. "Ein ungehorsames Werkzeug, um einzigartige Fotos zu machen", nennt Schmitt es. Der 22-Jährige aus der Nähe von Würzburg möchte erreichen, dass sich Menschen fragen, warum sie etwas fotografieren, und dass sie sich mit Zensur auseinandersetzen, die mit Hilfe heutiger Technik ohne weiteres eingeführt werden könnte.

"Die Instrumente sind ja da: Jedes Smartphone hat eine Kamera und GPS", sagt Schmitt. Es wäre demnach möglich, per gesetzlich vorgeschriebener Software No-Photo-Zonen zu bestimmen, um zum Beispiel Einschränkungen der Panoramafreiheit durchzusetzen, wie sie auf EU-Ebene zumindest diskutiert wurden und wie sie in einigen Ländern längst gelten.

Natürlich würde das nur funktionieren, wenn das GPS-Modul des Smartphones oder der Kamera die ganze Zeit aktiv ist. Vielleicht wäre eine automatische Motiverkennung durch die Kamera wirkungsvoller, um weitere Bilder vom Eiffelturm oder dem Brandenburger Tor zu verhindern. Aber Schmitt geht es ohnehin um das Prinzip, nicht um die Details. Deshalb ist sein Prototyp auch nicht voll funktionsfähig. Seine Camera Restricta kann keine Bilder machen, so wie es im Video dargestellt ist. Der Geotagging-Abgleich immerhin ist echt.

Musik, die man nur im Wald hören kann

Schmitt ist nicht der erste, der Standortdaten als Mittel zur Restriktion nutzt. Im Frühjahr hatte zum Beispiel die schwedische Folk-Band John Moose ihr erstes Album vorab als kostenlose App veröffentlicht. Hören konnte man es aber nur, wenn man sich mit dem Smartphone in ein Gebiet begab, das auf Google Maps als Wald gekennzeichnet ist.

Denn auf dem Konzeptalbum geht es um Eskapismus, Natur und Zivilisation. Die Band wollte erreichen, "dass die Menschen über die Natur nachdenken - was sie ausmacht und wie wir uns ihr gegenüber verhalten sollten. Der beste Weg, um das zu erreichen, war es unserer Meinung nach, sie in den Wald zu zwingen."

Andersrum hilft auch diese Idee dabei, sich vorzustellen, was Smartphones ihren Nutzern alles verbieten könnten, wenn die Hersteller gezwungen würden, solche Türsteherfunktionen einzubauen.


eye home zur Startseite
der_wahre_hannes 28. Sep 2015

Es ging mir nicht so sehr, um die herumlaufenden Leute (die kann man auch mit Software...

der_wahre_hannes 28. Sep 2015

Wow, muss ja ein ganz schön armseliges Leben sein, wenn der "Hass" anderer Leute dein...

Prypjat 22. Sep 2015

Wayne interessierts? Sorry, der musste sein. :D

GaliMali 21. Sep 2015

In Deutschland wäre die Camera oft stumm ;-) - Offene WLAN Netzwerke sucht man hier...

Galde 20. Sep 2015

... das ich mir vorstellen könnte: Bei Unfällen verbieten Fotos zu machen und dadurch die...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. IABG Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH, Ottobrunn bei München
  2. GKC Dr. Öttl & Partner - Dairy and Food Consulting AG, Landshut bei München
  3. über Hanseatisches Personalkontor Köln, Wissen im Westerwald
  4. McFIT GLOBAL GROUP GmbH, Berlin


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 299,00€
  2. 54,85€

Folgen Sie uns
       


  1. Altiscale

    SAP kauft US-Startup für 125 Millionen US-Dollar

  2. Stiftung Warentest

    Mailbox und Posteo gewinnen Mailprovidertest

  3. Ausrüster

    Kein 5G-Supermobilfunk ohne Glasfasernetz

  4. SpaceX

    Warum Elon Musks Marsplan keine Science-Fiction ist

  5. Blau

    Prepaid-Kunden bekommen deutlich mehr Datenvolumen

  6. Mobilfunk

    Blackberry entwickelt keine Smartphones mehr

  7. Nvidia und Tomtom

    Besseres Cloud-Kartenmaterial für autonome Fahrzeuge

  8. Xavier

    Nvidias nächster Tegra soll extrem effizient sein

  9. 5G

    Ausrüster schweigen zu Dobrindts Supernetz-Ankündigung

  10. Techbold

    Gaming-PC nach Spiel, Auflösung und Framerate auswählen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Mi Notebook Air im Test: Xiaomis geglückte Notebook-Premiere
Mi Notebook Air im Test
Xiaomis geglückte Notebook-Premiere
  1. Mi Notebook Air Xiaomi steigt mit Kampfpreisen ins Notebook-Geschäft ein
  2. Xiaomi Mi Band 2 im Hands on Fitness-Preisbrecher mit Hack-App
  3. Xiaomi Hugo Barra verkündet Premium-Smartphone

Rocketlab: Neuseeland genehmigt Start für erste elektrische Rakete
Rocketlab
Neuseeland genehmigt Start für erste elektrische Rakete
  1. Osiris Rex Asteroid Bennu, wir kommen!
  2. Raumfahrt Erster Apollo-Bordcomputer aus dem Schrott gerettet
  3. Startups Wie Billig-Raketen die Raumfahrt revolutionieren

Recruiting: Uni-Abschluss ist nicht mehr das Wichtigste
Recruiting
Uni-Abschluss ist nicht mehr das Wichtigste
  1. Friends Conrad vermittelt Studenten für Serviceleistungen
  2. IT-Jobs Bayerische Firmen finden nicht genügend Programmierer
  3. Fest angestellt Wie viele Informatiker es in Deutschland gibt

  1. weiter hardware von blackberry

    ubuntu_user | 20:34

  2. Re: Posteingangsverschlüsseln? Lol?

    Sinnfrei | 20:31

  3. Re: outlook.de hat jetzt erweiterungen

    Nikolaus117 | 20:31

  4. Re: "und Latenzzeiten unter einer Millisekunde...

    Oktavian | 20:31

  5. Re: Seit dem Test von Ritter Sport Nuss ...

    Anonymouse | 20:29


  1. 19:10

  2. 18:10

  3. 16:36

  4. 15:04

  5. 14:38

  6. 14:31

  7. 14:14

  8. 13:38


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel