Biomimetik Roboter Dash lernt akrobatisches Manöver einer Küchenschabe

Küchenschaben haben ein effizientes Manöver entwickelt, um schnell außer Sicht zu geraten: Sie schwingen sich über einen Vorsprung und hängen sich darunter. US-Wissenschaftler haben einem Roboter diesen akrobatischen Trick beigebracht.

Anzeige

Küchenschaben können sich, wenn sie über eine auskragende Kante zu fallen drohen, mit einer ihrer Krallen daran festhalten, sich dann herumschwingen und an deren Unterkante mit den Beinen nach oben landen. Wenn das Insekt das kann - warum, so haben sich US-Wissenschaftler gefragt, sollte das ein ihm nachgebildeter Roboter nicht auch können? Also haben sie Dash den eleganten Umschwung beigebracht.

Robotische Küchenschabe

Dash, eine Abkürzung für Dynamic Autonomous Sprawled Hexapod, ist ein zehn Zentimeter langer und 16 Gramm schwerer Roboter aus Karton. Der Sechsbeiner, der am Biomimetic Millisystems Lab der Universität Kaliforniens in Berkeley (UC Berkeley) entwickelt wurde, ist einer Küchenschabe nachempfunden.

Damit sich Dash ebenso wie eine Küchenschabe um die Kante einer Steinplatte schwingen kann, mussten die Forscher zu einem Trick greifen: Anders als das natürliche Vorbild hat Dash keine Krallen an seinen Beinen, mit denen er sich festhalten kann. Deshalb haben die Forscher etwas Klettband an die Füße sowie an die Kante und die Unterseite der Steinplatte geklebt, um Krallen zu simulieren. Dann aber war Dash in der Lage, sich ebenso wie die Küchenschabe um die Kante zu schwingen und danach mit den Füßen nach oben unter der Platte zu hängen.

Küchenschaben und Geckos

Die Experimente haben die Forscher des Biomimetic Millisystems Lab zusammen mit Kollegen des Polypedal Lab an der UC Berkeley um Robert Full durchgeführt. Sie hatten als erste herausgefunden, dass Küchenschaben diesen Umschwung durchführen können. Durch Zufall entdeckten sie, dass auch Geckos dazu in der Lager sind - Full vermutet, dass auch viele andere kleine Tiere dieses Manöver nutzen, da es eine effiziente Art ist, sich schnell vor Verfolgern unsichtbar zu machen. Sie wandten sich an die Wissenschaftler des Biomimetic Millisystems Lab, um herauszufinden, ob sich diese Bewegung auch auf die Robotik übertragen lässt.

  • Küchenschabe, Gecko und Dash: Akrobatik im Vergleich (Foto: Plos One) (Fotomontage): Klettband ersetzt Krallen.
  • Kopfüber über die Kante... (Foto: Jean-Michel Mongeau, Ardian Jusufi, Pauline Jennings/ UC Berkeley Polypedal Lab)
  • ... und danach in einer nicht maßstabsgerechten Fotomontage (Foto: Jean-Michel Mongeau, Ardian Jusufi, Pauline Jennings/ UC Berkeley Polypedal Lab)
Küchenschabe, Gecko und Dash: Akrobatik im Vergleich (Foto: Plos One) (Fotomontage): Klettband ersetzt Krallen.

Die Forscher um Full haben auch den Tailbot entwickelt, einen fahrenden Roboter mit einem Schwanz, der den Roboter beim Sprung über eine Schanze im Flug stabilisiert. Vorbild war auch hier die Natur. Die Forscher hatten eine Eidechse mit einer Hochgeschwindigkeitskamera gefilmt und so herausgefunden, dass diese sich durch Bewegungen ihres Schwanzes in der Luft ausbalanciert. Diesen Mechanismus bauten sie dann im Tailbot nach.

Insekt unter der Platte

Dass die Küchenschaben zu dem Umschwung fähig sind, haben die Forscher des Polypedal Lab erst kürzlich entdeckt. Eigentlich hatten sie beobachten wollen, wie diese mit Hilfe ihrer Fühler Lücken ertasten und sie überwinden. Als sie die Lücke breiter machten, sei die Küchenschabe plötzlich unter der Platte gelandet, erzählt Jean-Michel Mongeau. "Mit dem bloßen Auge war nicht zu erkennen, was passierte. Aber als wir sie mit einer Hochgeschwindigkeitskamera filmten und so das Ganze verlangsamten, sahen wir zu unserer Überraschung, wie sich das Hinterbein der Küchenschabe an der Oberfläche festkrallte und es ihr damit erlaubte, sich unter die Platte zu schwingen."

Die Lösung mit dem Klettband ist indes nur ein Behelf. Sie seien bereits dabei, Krallen nach natürlichen Vorbildern für Dash zu entwickeln, schreiben die Wissenschaftler in einem Aufsatz in der Open-Access-Fachzeitschrift Plos One. Ziel sei, kleine, sehr agile Roboter nach natürlichem Vorbild zu entwickeln, die beispielsweise nach Katastrophen als Suchroboter eingesetzt werden könnten.


Anonymer Nutzer 08. Jun 2012

lol

Kommentieren



Anzeige

  1. Java Entwickler (m/w)
    Siemens AG, Erfurt
  2. Entwicklungsingenieur/in Hands Free Akustik
    Daimler AG, Sindelfingen
  3. DB2 Senior Consultant (m/w)
    ORDIX AG, Wiesbaden, Köln oder Neu-Ulm
  4. Tagungstechniker/IT Supporter/IT Techniker (m/w)
    BB onsite GmbH, München

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Heartbleed-Bug

    Techfirmen zahlen Millionen für Open-Source-Sicherheit

  2. Sofortlieferung

    Base liefert Smartphone noch am gleichen Tag

  3. Leica T

    Teure Systemkamera mit Touchscreen

  4. The Elder Scrolls Online

    Inhaltserweiterung und Goldfarmer

  5. Sensabubble

    Display aus duftenden Seifenblasen

  6. Lulzsec

    FBI soll von Anonymous-Hacks profitiert haben

  7. Opera Coast 3.0

    Der Gesten-Browser fürs iPhone ist da

  8. Linux 3.13

    Canonical übernimmt erneut Kernel-Langzeitpflege

  9. Klötzchen

    Dänemark in Minecraft nachgebaut

  10. Netcat

    Musikalbum als Linux-Kernel-Modul veröffentlicht



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Conversnitch: Die twitternde Abhörlampe
Conversnitch
Die twitternde Abhörlampe

Conversnitch ist eine kleine Lampe, die unauffällig Gesprächsfetzen aus ihrer Umgebung mitschneidet, online eine Spracherkennung durchführt und den Text auf Twitter postet. Die Kunstaktion soll das Bewusstsein für die alltägliche Überwachung wecken.

  1. Menschenrechte Schärfere Exportkontrollen für Spähprogramme gefordert
  2. NSA-Skandal "Europa ist doch keine Kolonie"
  3. Frankreich Geheimdienst greift auf alle Daten von Orange zu

Microsoft: Remote-Desktop-App für Windows Phone
Microsoft
Remote-Desktop-App für Windows Phone

Microsoft hat eine Remote-Desktop-App für Windows Phone veröffentlicht. Damit kann aus der Ferne von einem Smartphone auf einen anderen Windows-Rechner zugegriffen werden, ohne dass auf diesem eine spezielle Software installiert sein muss.

  1. Cortana im Test Gebt Windows Phone eine Stimme
  2. Smartphones Nokia und HTC planen Updates auf Windows Phone 8.1
  3. Ativ SE Samsungs neues Smartphone mit Windows Phone

Palcohol: Der Cocktail in Pulverform
Palcohol
Der Cocktail in Pulverform

Mit kleinem Gepäck unterwegs und trotzdem nicht auf den abendlichen Drink verzichten? Ein US-Unternehmen hat Rum und Wodka in Pulver verwandelt. Zum Trinken einfach mit Wasser aufgießen - zum Schnupfen jedoch nicht geeignet.

  1. OLED Das merkwürdige Bindungsverhalten organischer Halbleiter
  2. Max-Planck-Institut Quantencomputer werden Silizium-Chips ähnlicher
  3. Kognitionswissenschaft Computer erkennt 21 Gesichtsausdrücke

    •  / 
    Zum Artikel