Automatisches Chipdesign Computer, die Computer bauen

Statt Jahren für das Design eines modernen Prozessors sollen künftig nur noch wenige Monate vergehen. Das schlagen US-Forscher in einer wissenschaftlichen Arbeit vor, die unter anderem von IBM und Intel finanziert wurde.

Anzeige

"Only the paranoid survive" - so lautet der Titel eines Buches von Intel-Mitbegründer Andy Grove. Getreu diesem Motto lässt sich die Chipbranche vor allem bei künftigen Produkten nur ungern in die Karten schauen. Wie lange die Entwicklung eines Prozessors wirklich dauert, verrät niemand so genau - ein bis zwei Jahre gelten aber als Mindestzeitraum. Das ist auch an Intels Tick-Tock-Strategie abzulesen, bei der eine vollständig neue Architektur nur alle zwei Jahre erscheint. Ähnlich lang sind auch die Entwicklungszeiträume von GPUs, AMDs Grafikabteilung arbeitet beispielsweise parallel an vier GPU-Designs.

In den vergangenen Jahren sind die Herausforderungen für die Ingenieure aber vielfältiger geworden als es viele Jahrzehnte lang üblich war. Die Produktzyklen der Endgeräte werden immer kürzer, zudem gilt es, recht unterschiedliche Bestandteile auf einem Chip zu vereinen. Bei PC-Prozessoren sind es CPU und GPU, die auf einem Die sitzen, bei Bausteinen für Handhelds kommen noch Funktechniken (mixed signal processing), Speicher und andere Komponenten hinzu.

Unterschiedliche Funktionen müssen auf ein Die

Diese technisch sehr verschiedenen Elemente auf einem Die zu vereinen, ist eine Kunst für sich. Dabei gibt es immer neue Ansätze, wie sie beispielsweise Texas Instruments mit seinem Konzept big.LITTLE und Nvidia mit seinem Ninja-Core verfolgen: Verschiedene Kerne mit genau umrissenen Aufgaben sind vor allem beim Stromsparen besser als viele gleichförmige Cores.

Da vor allem bei diesen Systems-on-a-Chip (SoC) die zu erledigenden Aufgaben die Bestandteile der gesamten Schaltung ohnehin schon vorgeben, will ein Forschungsprojekt der NCSU im US-Bundesstaat North Carolina den Designprozess stark beschleunigen. Die Chipentwickler legen zunächst die Architektur der einzelnen Kerne fest, und eine Software erstellt daraus die Schaltung.

In einer Beschreibung des Projekts sprechen die Forscher davon, dass von der Festlegung der Architektur bis zum Produktionsstart nur noch "wenige Monate" vergehen sollen. Dieser Prozess alleine dauert derzeit typischerweise ein Jahr. Dabei ist die Zeit vom sogenannten "tape out", der Übermittlung der Baupläne an eine Chipfabrik, bis zur Serienfertigung noch nicht eingerechnet.

Das Layout eines Chips erledigt Software

Die "synthesizable register-transfer-level design" genannte Methode soll nach Angaben der Wissenschaftler vor allem dafür sorgen, dass die Position der Schaltungsbestandteile auf dem Die automatisch berechnet wird. Bisher geben, wie bei Intels Ringbus bei Sandy Bridge und Ivy Bridge, die Eigenschaften der Architektur - wie hier der Bus - wesentlich die Position der Komponenten auf dem Die vor. Darum sollen sich die Chipdesigner künftig weniger kümmern müssen, meint Eric Rotenberg von der NCSU.

Helfen kann dabei auch, dass moderne Prozessoren ohnehin schon lange vor dem ersten Silizium in Software existieren. Die Eigenschaften einer Architektur werden in Rechenzentren als Emulation getestet. Die Beschreibung der Schaltung lässt sich dabei ständig verändern. Mit dem automatischen Layout des fertigen Chips könnte sich das als nützlich erweisen. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse bei IEEE Micro veröffentlicht.


redwolf 28. Jun 2012

Ja, Ausrottung der Menschheit durch künstliche Viren oder Nanobots ist da realistischer.

ma~ 28. Jun 2012

Ich habe nur auf die Überschrift geklickt um nach einem Kommentar wie diesem zu...

Kommentieren


my article tools / 06. Jul 2012

my article tools



Anzeige

  1. Business Intelligence Experte (m/w)
    Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH, Berlin
  2. IT-Spezialist (m/w) für Anwendungsentwicklung
    Versicherungskammer Bayern, München
  3. Senior Consultant Reporting (m/w)
    b.telligent, München und Zürich
  4. SAP-Prozessexperte für Master Data, EHS & Label Management (m/w)
    BASF Coatings GmbH, Münster

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. MPAA und RIAA

    Film- und Musikindustrie nutzte Megaupload intensiv

  2. F-Secure

    David Hasselhoff spricht auf der Re:publica in Berlin

  3. "Leicht zu verdauen"

    SAP bietet Ratenkauf und kündigt vereinfachte GUI an

  4. Test The Elder Scrolls Online

    Skyrim meets Standard-MMORPG

  5. AMD-Vize Lisa Su

    Geringe Chancen für 20-Nanometer-GPUs von AMD für 2014

  6. Bärbel Höhn

    Smartphone-Hersteller zu Diebstahl-Sperre zwingen

  7. Taxi-App

    Uber will trotz Verbot in weitere deutsche Städte

  8. First-Person-Walker

    Wie viel Gameplay braucht ein Spiel?

  9. Finanzierungsrunde

    Startup Airbnb ist zehn Milliarden US-Dollar wert

  10. Spähaffäre

    Snowden erklärt seine Frage an Putin



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Robotik: Humanoide lassen sich mit dem Gehirn steuern
Robotik
Humanoide lassen sich mit dem Gehirn steuern

Der Roboter Geminoid soll bald nur durch Gedanken bewegt werden. Aber bei den Experimenten im Labor von Hiroshi Ishiguro geht es um mehr: Ishiguro will zeigen, dass Brain-Computer-Interfaces besser funktionieren, wenn das gesteuerte Objekt humanoid ist.

  1. Human Robots Roboter, menschengleich

Radeon R9 295X2 im Test: AMDs Wassermonster für 1.000-Watt-Netzteile
Radeon R9 295X2 im Test
AMDs Wassermonster für 1.000-Watt-Netzteile

Hybridkühlung, 50 Ampere auf der 12-Volt-Schiene - AMDs neue Dual-GPU-Grafikkarte ist ein kompromissloses Monster. In gut ausgestatteten High-End-PCs läuft sie dennoch problemlos und recht leise, und das so schnell, dass auch 4K-Auflösung mit allen Details spielbar wird.

  1. Schenker XMG P724 17-Zoll-Notebook mit Grafikleistung einer GTX 780 Ti
  2. Eurocom M4 13,3-Zoll-Notebook mit 3.200 x 1.800 Pixeln und i7-4940MX
  3. Nvidia Maxwell Geforce GTX 750 und GTX 750 Ti im Februar

Samsung Galaxy Note Pro 12.2 im Test: Groß, schwer, aber praktisch
Samsung Galaxy Note Pro 12.2 im Test
Groß, schwer, aber praktisch

Mit Stiftbedienung, viel Leistung und großem Display ist das Samsung Galaxy Note Pro 12.2 vor allem für den Business-Alltag entwickelt worden. Doch auch für Schüler und Studenten kann das Tablet interessant sein.

  1. Apple vs. Samsung 102 US-Dollar für die Autokorrektur
  2. Smartphones Die seltsame Demo des 30-Sekunden-Ladegeräts
  3. Apple vs. Samsung Apples Furcht vor großen Bildschirmen

    •  / 
    Zum Artikel