Anwalt: Einstweilige Verfügung gegen Retroshare-Nutzer "gewagt"
(Bild: Retroshare)

Anwalt Einstweilige Verfügung gegen Retroshare-Nutzer "gewagt"

Ein IT-Rechtsanwalt hält die Entscheidung des Landgerichts Hamburg gegen einen Retroshare-Nutzer für fragwürdig. Unklar bleibt, wie das Gericht von der mit OpenSSL verschlüsselten Kommunikation des P2P-Filesharingclients erfahren haben will.

Anzeige

Der Fachanwalt für IT-Recht, Thomas Stadler, hat die einstweilige Verfügung (Aktenzeichen 308 O 319/12) wegen Filesharings mit Retroshare kritisiert. Die Begründung des Landgerichts Hamburg sei bemerkenswert, denn sie geht davon aus, dass der Betroffene überhaupt nicht bewusst Filesharing betrieben habe.

Stadler: "Was ihm letztlich vorgeworfen wird, ist die Verletzung einer Prüfpflicht dadurch, dass er das Tool Retroshare eingesetzt hat und damit anderen Teilnehmern des Retroshare-Netzwerks ermöglicht hätte, urheberrechtlich geschützte Werke über seinen Anschluss und Rechner zu tauschen. Diese Rechtsauffassung ist durchaus gewagt, denn sie bedeutet letztlich, dass man als Störer für die Funktionalität einer Software haftet", die der Nutzer vielleicht gar nicht ausreichend verstanden hat.

"Der Antragsgegner hat für die Rechtsverletzung als Störer einzustehen", erklärte das Landgericht.

Retroshare ist ein Instant Messenger und Filesharingclient, die gesamte Kommunikation soll durch OpenSSL verschlüsselt sein und über Peer-to-Peer laufen. Die Peers verbinden sich über eine verteilte Hash-Tabelle und die Authentifizierung der Teilnehmer geschieht durch GnuPG-Schlüssel, die gleichzeitig als Messenger-ID genutzt werden. Ein Retroshare-Netzwerk basiert anders als andere Peer-to-Peer-Netze wie Bittorrent auf dem Friend-to-Friend-Prinzip, das das Netzwerk auf Bekannte beschränken soll.

Stadler: "Offenbar war es auch hier möglich, wie in P2P-Netzwerken einen Netzwerkmitschnitt anzufertigen und die Teilnehmer eines Filesharing-Vorgangs über die IP-Adresse zu ermitteln und zuzuordnen." Aus dem Beschluss geht hervor, dass die Ermittler der Gesellschaft Promedia in dem Fall aktiv waren.

Die Pressestelle des Landgerichts Hamburg betonte im Gespräch mit Golem.de, dass geprüft werde, ob zu dem Verfahren weitere Informationen herausgegeben würden. Dies könne erst geschehen, wenn sicher sei, dass die Gegenseite bereits Kenntnis von der Entscheidung habe. "Einstweilige Verfahren werden zudem regelmäßig nicht vom Gericht begründet. Wenn der Antragsgegner damit nicht einverstanden ist, dann legt er Widerspruch ein." Erst wenn dann darüber entschieden werde, gebe es eine ausführliche Begründung.

Laut dem Entscheid des Landgerichts darf der Betroffene seine Retroshare-Installation nicht mehr für Filesharing eines bestimmten Musiktitels durch Dritte öffnen, andernfalls droht ein Ordnungsgeld in Höhe von maximal 250.000 Euro oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten.

Nachtrag vom 22. November 2012, 16:53 Uhr

Die "vorliegende Entscheidung wurde durch Abschlusserklärung des Antragsgegners rechtskräftig" sagte Mirko Brüß von der Kanzlei Rasch Rechtsanwälte, die die Medienindustrie vertritt, Golem.de.


retroshare... 05. Dez 2012

Dieser Link legt nahe das der User mit den beiden anderen Usern befreundet war...

Rattenaffe 04. Dez 2012

Es gibt Entwarnung von den Retroshare devs: "Relay links do not forward any Anonymous...

retroshare... 01. Dez 2012

Da ich bisher noch keine guten Antworten zu den Relay Funktionen herausbekommen habe...

librcd 23. Nov 2012

meinungsfreiheit? dieses urteil im schnellverfahren verbietet es dem beklagten seine...

librcd 23. Nov 2012

das gibt mir ja fast lust dieses retroshare mal runterzuladen. ich kann mir kaum...

Kommentieren



Anzeige

  1. Softwareentwickler (m/w) .NET/C#
    Seven2one Informationssysteme GmbH, Karlsruhe
  2. Softwareentwickler Finanzwesen für den Third-Level-Support (m/w)
    FRITZ & MACZIOL group, Bentwisch (bei Rostock)
  3. Systemadministrator (m/w) Windows
    KDO Personaldienste, Oldenburg
  4. SEO Manager (m/w)
    redcoon GmbH, Aschaffenburg

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Pangu 1.0.1

    Jailbreak für iOS 8.1

  2. Gratiseinwilligung für Google

    Verlage knicken beim Leistungsschutzrecht ein

  3. John Riccitiello

    Ex-EA-Chef ist neuer Boss von Unity Technologies

  4. Android Wear

    Moto 360 und G Watch erhalten Update

  5. Digitale Dividende II

    Bundesnetzagentur will DVB-T ab April 2015 beenden

  6. Security

    Gefährliche Schwachstellen im UEFI-Bios

  7. Broadcom

    Chips für Router mit G.Fast sind fertig

  8. Canon Filmkamera

    EOS C100 Mark II mit Dual-Pixel-AF und besserem Sucher

  9. Samsung

    Galaxy-Geräte mit Knox für US-Regierung zertifiziert

  10. Sammelkarten

    Hearthstone erst 2015 auf Smartphones



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Data Management: Wie Hauptspeicherdatenbanken arbeiten
Data Management
Wie Hauptspeicherdatenbanken arbeiten

Kazam Tornado 348 ausprobiert: Das dünnste Smartphone der Welt hat ein versichertes Display
Kazam Tornado 348 ausprobiert
Das dünnste Smartphone der Welt hat ein versichertes Display

iMac mit Retina 5K angeschaut: Eine Lupe könnte helfen
iMac mit Retina 5K angeschaut
Eine Lupe könnte helfen
  1. Apple Tonga-XT-Chip mit 3,5 TFLOPs für den iMac Retina
  2. iFixit iMac mit Retina-Display ist schwer zu reparieren
  3. Apple iMac Retina bringt mehr als 14 Megapixel auf das Display

    •  / 
    Zum Artikel