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Benjamin Mako Hill kämpft gegen Antifeatures.
Benjamin Mako Hill kämpft gegen Antifeatures. (Bild: Hanno Böck)

Antifeatures: Freie Software gegen Bevormundung

Benjamin Mako Hill kämpft gegen Antifeatures.
Benjamin Mako Hill kämpft gegen Antifeatures. (Bild: Hanno Böck)

Linuxtag 2013 Einige Hard- und Softwarehersteller betreiben enormen Aufwand, um Funktionen auf ihren Geräten einzuschränken. MIT-Forscher Benjamin Mako Hill bezeichnet diese als "Antifeatures" - und sieht freie Software als Möglichkeit, sie einzudämmen.

AT88SA100S heißt ein Chip der Firma Atmel, der einzig dazu dient, Batterien von Drittherstellern auf Smartphones und anderen mobilen Geräten zu erkennen und ihre Nutzung einzuschränken. Hersteller Atmel bewirbt ihn damit, dass er mit dem SHA-256-Hashalgorithmus besonders starke Kryptografie nutzt. Laut Benjamin Mako Hill, Ubuntu-Entwickler und Forscher am MIT, sind dieser oder ähnliche Chips heute in fast allen Smartphones zu finden.

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"Kein Nutzer will solche Funktionen in seinem Gerät. Niemand will ein Mobiltelefon kaufen, in dem er nur Originalakkus einsetzen kann," sagt Hill in seiner Keynote-Ansprache auf dem Linuxtag 2013 in Berlin und fährt mit einer ganzen Reihe weiterer Beispiele fort, bei denen Hersteller von Hard- und Software erhebliche Kosten und Arbeitszeit investieren, um die Funktionalität von Geräten und Software einzuschränken.

Hill sieht in der Frage der Antifeatures ein entscheidendes Argument für die Nutzung freier Software. Er kritisiert Teile der Open-Source-Bewegung deutlich. Die Behauptung, dass eine Software durch Beiträge Dritter automatisch besser werde, wenn man den Quellcode veröffentlicht, sei oft falsch. Obwohl Codebeiträge von Dritten möglich seien, würden fast alle freien Softwareprojekte nur von wenigen Entwicklern gestemmt. Die Mehrheit der offenen Projekte werde sogar nur von einem einzigen Entwickler betreut.

Ein Bit für mehr Funktionen

Ein inzwischen fast schon historisches Beispiel für Antifeatures von Herstellern proprietärer Software war Windows NT 4.0, das es in zwei Ausführungen gab: einer Server- und einer Workstation-Version. Sie unterschieden sich nur dadurch, dass die Workstation-Version die Zahl der gleichzeitig möglichen TCP-Verbindungen auf zehn beschränkte. Für die Server-Version verlangte Microsoft mehr als das Doppelte. Als dies bekanntwurde, fand sich schnell eine einfache Möglichkeit, aus der Workstation-Version eine Server-Version zu machen: Man musste lediglich ein Bit in der Registry ändern.

Seitdem habe sich wenig geändert, sagt Hill. Von Windows 7 gibt es zahlreiche Varianten. Darunter ist die Starter Edition, die sich vor allem durch zwei Antifeatures auszeichnet: Man kann das Hintergrundbild nicht ändern und die Zahl gleichzeitig laufender Programme ist auf drei beschränkt. Eine Windows-8-Version lässt sich nur in einer einzigen Sprache nutzen. "Diese eingeschränkte Funktionalität ist nur dafür da, eine Software so schlecht zu machen, dass jeder, der es sich leisten kann, auf eine teurere Version umsteigt", sagt Hill.

Jpeg statt RAW

Das Beispiel der unterschiedlichen Windows-Versionen wird in der Wirtschaft als Marktseparierung bezeichnet. Unterschiedlich zahlungskräftige Kundengruppen sollen unterschiedliche Versionen eines Produkts kaufen. Darunter fallen auch Digitalkameras, die keine RAW-Bilder speichern können.

Bei RAW-Bildern handelt es sich um Rohdaten, die von den Sensoren einer Kamera aufgenommen werden. Daraus werden intern Jpeg-Bilder berechnet. Üblicherweise ist das Abspeichern von RAW-Daten nur bei Digitalkameras im Hochpreissegment möglich. "Aber jedes Mal, wenn wir ein Foto machen, existiert in der Kamera ein RAW-Bild. Es ist sogar komplizierter, ein Bild als Jpeg abzuspeichern als ein reines RAW-Bild."

Zahlreiche Digitalkameras von Canon können durch die freie Software CHDK aufgerüstet werden. CHDK stattet die Kameras mit zahlreichen zusätzlichen Funktionen aus, das Abspeichern von RAW-Bildern war jedoch der ursprüngliche Zweck des Tools. Das Entfernen von solchen Antifeatures sei für freie Softwareprojekte oft das erste Ziel, sagt Hill.

DRM ist eine Antifeature-Industrie

Als drastisches Beispiel von Antifeatures sieht Hill Kopierschutzsysteme. "DRM ist die Mutter aller Antifeatures." Nach Schätzungen der US-Bürgerrechtsorganisation EFF seien tausende Menschen täglich damit beschäftigt, DRM-Systeme zu entwickeln.

"Computer sind perfekte Kopiermaschinen. Eines der schwierigsten Probleme der IT-Technologie in den letzten Jahrzehnten war die Frage, wie man dafür sorgen kann, dass diese perfekten Kopiermaschinen etwas nicht kopieren können", sagt Hill. Aber kein Nutzer hätte je nach diesem Antifeature gefragt. Niemand möchte eine Musikdatei, die sich nicht kopieren lässt, "denn sie bringt dem Nutzer nur Nachteile."

In freier Software sind Antifeatures laut Hill theoretisch auch möglich und kommen durchaus vor. Prominentes Beispiel sind Android-Telefone, die oft etwa mit vorinstallierter Software kommen, die sich nicht entfernen lässt. Wobei auch hier der Teufel im Detail stecke: Android sei zwar freie Software, aber viele Smartphonehersteller unterbänden die Möglichkeit, eine modifizierte Version des Systems zu installieren und untersagten dem Nutzer den Root-Zugriff auf sein Mobiltelefon. Aber langfristig sei es schwierig, Antifeatures in freier Software durchzusetzen, denn es werde sich meistens jemand finden, der unbeliebte Funktionen entfernt und eine modifizierte Version bereitstellt.


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Tmrn 29. Mai 2013

Es braucht nur richtige Vertriebswege. Im Android Play Store gibt es einige GPL Software...

QDOS 28. Mai 2013

Was hat das mit BSD zu tun? BSD ist die Quintessenz der Hacker-Kultur. Getreu dem Motto...

kxpq 27. Mai 2013

Downloadbar != installierbar. Insofern Sie das nicht mit einer Single Language auch...

kxpq 27. Mai 2013

Das ist mal eine ganz klassisch falsche Aussage. Sie sollten bitte erst mal die...

GodsBoss 27. Mai 2013

Dass die von dir als Geschwafel abgetane Kritik weiterhin Gültigkeit hat...



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