Motion Capture: Der Schauspieler trägt normale Kleidung.
Motion Capture: Der Schauspieler trägt normale Kleidung. (Bild: MPI für Informatik)

Animation Motion-Capture-Verfahren ohne Marker

Saarbrücker Informatiker haben eine Technik für Motion Capture entwickelt, bei der ein Schauspieler im Kostüm aufgenommen werden kann und keinen Spezialanzug mit Markern tragen muss. Die Entwickler sehen auch Anwendungen in anderen Bereichen, etwa der Medizin.

Anzeige

Informatiker des Saarbrücker Max-Planck-Instituts für Informatik haben ein neues Verfahren für Motion Capture entwickelt, das weniger Aufwand erfordert als heute üblich. Es kommt mit weniger Kameras aus, und die Darsteller müssen keine Spezialkleidung tragen.

Motion Capture wird verwendet, um animierte Figuren wie etwa Gollum in den Verfilmungen der Tolkien-Romane zum Leben zu erwecken: Ein Schauspieler agiert, seine Bewegungen werden gefilmt und später auf die animierte Figur übertragen. Der Aufwand ist groß: Der Schauspieler trägt einen eng anliegenden Anzug, der mit Markern versehen ist. Kameras sind um ihn herum aufgebaut. Sie senden Infrarotlicht aus. Das wird von den Markern reflektiert und von den Kameras wieder erfasst.

Hinderliche Marker

Vielen Schauspielern seien die Anzüge unangenehm, sagt der Saarbrücker Informatiker Nils Hasler. Außerdem behinderten die Marker sie beim Spielen. Das von ihm und seinen Kollegen entwickelte Motion-Capture-Verfahren erfordert keinen solchen Anzug, der Schauspieler kann bequeme Kleidung tragen. Auch der technische Aufwand ist geringer: "Wir benötigen dafür im Gegensatz zu den Trickaufnahmen in Hollywood nicht einige Dutzend Kameras, sondern nur ganz wenige", erklärt Hasler. Fünf bis zwölf herkömmliche Videokameras reichten aus.

Eine von der Forschergruppe Graphics, Vision & Video um Christian Theobalt entwickelte Software erstellt zunächst ein 3D-Modell des Darstellers aus einem Bewegungsskelett mit 58 Gelenken. Die Kameras nehmen den Schauspieler auf. Die Bilder werden dann in den Computer übertragen und die Software überlagert die 2D-Bilder der Videokameras und das virtuelle 3D-Modell. "Der Computer berechnet die Bewegungen dann so schnell, dass wir sie ohne Zeitverzögerung direkt auf die zu animierende Figur übertragen können", sagt Hasler.

Verdeckte Akteure

Die bereits patentierte Technik sei inzwischen so gut, dass auch mehrere Schauspieler zusammen agieren könnten, sagt Hasler: "Das System erkennt die Bewegungen auch dann noch, wenn Gegenstände die Menschen verdecken oder der Hintergrund sehr unruhig ist. Das wird in Zukunft auch Trickaufnahmen außerhalb der Studios, etwa in der freien Natur, ermöglichen."

Anfangs habe die Software noch Schwierigkeiten gehabt, Bewegungen zu rekonstruieren, wenn die Darsteller weite Mäntel oder lange Kleidern trugen, berichtet Hasler. Das sei inzwischen gelöst: "Über ein neues Rechenverfahren können wir jetzt auch Oberflächen so genau erfassen, dass man zum Beispiel den Faltenwurf der Kleidung völlig realistisch nachbilden kann. Dies hat bisher weltweit noch kein anderes Computerprogramm geschafft."

Medizin, Sport, Spiele

Die Forscher gehen davon aus, dass ihr Verfahren nicht nur für die Filmindustrie von Nutzen sein kann. Eine mögliche Anwendung sei die Medizin: Ärzte könnten damit beispielsweise den Heilungserfolg nach Operationen an Gelenken bildlich darstellen und genau verfolgen, sagt Hasler. Sportler könnten ihre Bewegungsabläufe analysieren, ohne Marker tragen zu müssen. Bei der Übertragung von Wettkämpfen könnten mit der Technik die Bewegungen der Athleten sichtbar gemacht werden, damit die Zuschauer sie besser verstehen. Schließlich könnte auch die Computerspieleindustrie das Verfahren einsetzen.

Hasler will mit Theobalt und Carsten Stoll ein Unternehmen gründen, um die Software zu vermarkten. Es gebe auch schon Interessenten aus der Filmindustrie und der Sportvermarktung, sagte er.

Die Saarbrücker wollen ihr Verfahren auf der Cebit präsentieren (Halle 9, Stand F 34). Die Computermesse findet vom 5. bis 9. März in Hannover statt.


Neuro-Chef 01. Mär 2013

Bones für Glieder.. ! SCNR :p

Neuro-Chef 01. Mär 2013

Also sowas hier(*klick*). Ich mein: "ohne Zeitverzögerung direkt auf die zu animierende...

WolfgangS 01. Mär 2013

Was ich meinte: vom Grundgedanken keine neue Erfindung. Immerhin redet red Artikel von...

irata 28. Feb 2013

kt

Bufanda 27. Feb 2013

Vielleicht gibt es bereits andere Markerless-Methoden, aber wenn der Herr des Max-Planck...

Kommentieren



Anzeige

  1. Produktmanager SEO (m/w)
    Computec Media GmbH, Fürth
  2. Fachbereichsleiter Bildungsförderung (m/w)
    Datenzentrale Baden-Württemberg, Stuttgart
  3. Feature Owner Life Cycle Management (LCM) (m/w)
    Robert Bosch Car Multimedia GmbH, Hildesheim
  4. Mitarbeiter/-in für den Bereich mobile Endgeräte
    Deutsche Bundesbank, München

 

Detailsuche


Hardware-Angebote
  1. VORBESTELL-AKTION: Microsoft Lumia 640 vorbestellen und 32GB-Speicherkarte gratis dazu erhalten
    (159,00€/179,00€/219,00€ 3G/LTE/XL)
  2. Evga Geforce GTX 960 SuperSC
    mit 20 Euro Cashback nur 194,90€ bezahlen
  3. VORBESTELLBAR: Fire TV Stick
    39,00€ - Release 15.04.

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Volvo Lifepaint

    Reflektorfarbe aus der Dose schützt Radfahrer

  2. Projekt-Hosting

    Tagelanger DDoS-Angriff auf Github

  3. Samsung

    Galaxy S4 bekommt Lollipop

  4. Deutsche Bahn

    WLAN im Nahverkehr in einigen Jahren

  5. Lords of the Fallen

    Partner wirft Deck 13 "mangelhafte Ausführung" vor

  6. Galaxy S6 Edge im Test

    Keine ganz runde Sache

  7. Biohacking

    Nachtsicht wie ein Tiefseefisch

  8. Spielebranche

    Betrugsvorwürfe gegen Zynga

  9. Adaptalux

    Lichtschwanenhälse sollen winzige Fotodetails ausleuchten

  10. Illegale Onlinemärkte

    Mutmaßlicher Betreiber des Sheep Marketplace verhaftet



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Galaxy S6 im Test: Lebe wohl, Kunststoff!
Galaxy S6 im Test
Lebe wohl, Kunststoff!
  1. Galaxy S6 Active Samsungs wasserdichtes Topsmartphone
  2. Galaxy S6 und S6 Edge Samsung meldet 20 Millionen Vorbestellungen
  3. Galaxy S6 und S6 Edge im Hands on Rund, schnell, teuer

Banana Pi M2 angesehen: Noch kein Raspberry-Pi-Killer
Banana Pi M2 angesehen
Noch kein Raspberry-Pi-Killer
  1. Die Woche im Video Galaxy S6 gegen One (M9), selbstbremsende Autos und Bastelei
  2. MIPS Creator CI20 angetestet Die Platine zum Pausemachen
  3. Raspberry Pi 2 ausprobiert Schnell rechnen, langsam speichern

HTC One (M9) im Test: Endlich eine gute Kamera
HTC One (M9) im Test
Endlich eine gute Kamera
  1. Lollipop Erstes HTC-One-Smartphone erhält kein Android 5.1

  1. Re: Jetzt mal ernsthaft Golem!

    Oldschooler | 16:06

  2. Re: Furchtbare Bilder

    KeinfreierName | 16:05

  3. Re: Warum VP9?

    fuzzy | 16:04

  4. Re: Mumpitz

    Muhaha | 16:04

  5. Re: Kaufe 850 Euro Smartphone mit super duper Display

    Lapje | 16:02


  1. 14:50

  2. 13:48

  3. 12:59

  4. 12:48

  5. 12:29

  6. 12:03

  7. 12:00

  8. 11:50


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel