Angeblich dünner Displayrahmen: LG schummelt bei seinen neuen IPS-Monitoren
Der Rahmen sieht dünner aus, als er ist. (Bild: LG/Screenshot: Sebastian Schneider)

Angeblich dünner Displayrahmen LG schummelt bei seinen neuen IPS-Monitoren

Nur 1,2 mm breit soll der Rahmen einer neuen Displayserie von LG sein. Im Marketingmaterial ist er kaum zu sehen. Erste Käufer des Monitors fühlen sich nun betrogen, denn der Displayrahmen ist effektiv zehnmal so dick. LG bietet nun enttäuschten Kunden einen Gutschein oder auch die Rückgabe des Monitors an.

Anzeige

LGs IPS237 und IPS277 sind zwei IPS-Monitore der IPS-7-Serie, für die LG mehr verspricht, als tatsächlich geliefert wird. Die 23- und 27-Zoll-Monitore sollen einen Displayrahmen haben, der nur 1,2 mm dünn ist. Zudem zeigt LG Bilder des Monitors, die diesen enorm dünnen Rahmen zeigen sollen.

Auf der Verpackung sieht der Nutzer noch einen Monitor, der das Bild nahezu von Kante zu Kante zeigt. Auch ausgeschaltet sieht der Monitor aus, als hätte er fast keinen Rahmen um das Bild. Erst nach dem Einschalten zeigt sich die enttäuschende Realität.

  • An Händler wurde von LG unter anderem dieses Marketingmaterial verteilt. (Screenshot: Sebastian Schneider/Techcentury)
  • Die Verpackung der IPS-7-Serie (Foto: Sebastian Schneider/Techcentury)
  • Der Rahmen um das Panel ist deutlich sichtbar. (Foto: Sebastian Schneider/Techcentury)
  • Statt 1,2 mm ist der Rahmen über 10 mm dick. (Foto: Sebastian Schneider/Techcentury)
  • LGs Marketingmaterial suggeriert anderes. (Bild: LG Niederlande)
  • Der Rahmen ist kaum wahrzunehmen. (Bild: LG Niederlande)
An Händler wurde von LG unter anderem dieses Marketingmaterial verteilt. (Screenshot: Sebastian Schneider/Techcentury)

In einem Video zeigt Sebastian Schneider, der auch den Youtube-Alias Techcentury nutzt, wie LGs Monitor in der Realität aussieht. Er hat den Monitor vor wenigen Tagen bei Cyberport gekauft und gleich wieder zurückgegeben.

Schneider nennt LGs Methode einen "Marketing Scam" und erklärt Golem.de: "Das stark beworbene Alleinstellungsmerkmal dieses Monitors ist der 1,2 mm dünne Rahmen. Beim Auspacken jedoch muss der Kunde feststellen, dass dieser Rahmen fast zehnmal so breit ist und somit den Aufpreis zu anderen vergleichbaren Monitoren nicht rechtfertigt. Für mich ist das eine aktive Täuschung; ich fühle mich von LG über den Tisch gezogen." Das dürfte für jeden gelten, der die große Packung im Laden gesehen hat und anschließend den Monitor auspackt. Laut Schneider ist der Rahmen um das Bild in der Realität etwas über 1 cm dick.

Nun könnte es sein, dass sich LG einfach bei den Einheiten vertan hat. Doch dagegen spricht, dass Marketingbilder und sogar Videos von LG ein Bild des Monitors zeigen, das fast ohne Rand dargestellt wird. So hat LG ein Marketingvideo veröffentlicht, das einen praktisch nicht sichtbaren Rahmen um das Display vorgaukelt.

Cyberport hat laut Schneider den Monitor erst einmal aus dem Programm genommen, nachdem er am 3. August 2012 den Shop kontaktiert hatte. Mittlerweile ist er aber wieder gelistet. Allerdings mit offenbar überarbeiteter Beschreibung. Cyberport spricht von einem "1,2 mm schmalen Gehäuserahmen im ausgeschalteten Zustand" und verweist darauf, dass sich der Rahmen durch das Einschalten auf 11,4 mm vergrößert. Diese Informationen hat Cyberport vermutlich nicht aus offiziellem Marketingmaterial von LG. Ein uns vorliegendes deutsches Datenblatt nennt diese Daten jedenfalls nicht.

Nach LGs Berechnungsmethode wäre übrigens Apples Thunderbolt-Display rahmenlos. Die Frontscheibe klebt nämlich auf dem Gehäuserand. Der Rahmen ist dennoch 2,7 cm dick. LGs 1,1 cm dicker Rahmen ist zudem nichts Besonderes: Ein mehrere Jahre alter Eizo S1721 hat bereits eine Rahmendicke von nur 1,3 cm.

Monitore mit schmalen Rahmen sind besonders gut für Multimonitor-Aufstellungen geeignet. 1,2 mm wären ideal für den Einsatz von zwei oder mehr Monitoren dieses Typs. LGs Display gehört zu den höherwertigen Modellen mit IPS-Panel und ist damit weitgehend blickwinkelstabil. Die 23-Zoll-Variante kostet etwa 200 Euro. Für 27 Zoll muss der Interessent etwa 300 Euro ausgeben. Die Auflösung liegt bei jeweils 1.920 x 1.080 Pixeln mit einem matten (Update) Display und einer Helligkeitsangabe von 250 cd/qm.

Wir haben LG um eine Stellungnahme gebeten. Frank Sander, Senior Marketing Manager und Head of Marketing ISP bei LG Electronics Deutschland, teilt uns folgendes mit: "Bei den neuen Monitoren der IPS7-Serie gibt es in Marketingmaterialien sowie auf Webseiten von Partnern und Onlineshops einige Bilder und Angaben, die einen falschen Eindruck der Produkte vermitteln. Wir sprechen bei den Monitoren von einem Design mit einem sehr dünnen Rahmen, da die äußere Begrenzung des Displays durch den Kunststoff- oder Metallrahmen im Fall der IPS7-Serie tatsächlich nur rund einen Millimeter breit ist. Allerdings folgt dann ein weiterer, knapp 10 Millimeter breiter, schwarzer Innenrahmen, in dem das Monitorbild ebenfalls nicht sichtbar ist. Die Darstellung auf den veröffentlichten Bildern vermittelt fälschlicherweise den Eindruck, dass der Rahmen in Summe nur einen Millimeter breit sei. Diesen Irrtum bedauern wir. Sämtliche übrigen Angaben einschließlich der Bildschirmgröße sind korrekt dargestellt, das sichtbare Bild entspricht demnach auch den angegebenen Spezifikationen."

Der Schaden ist natürlich längst angerichtet. Immerhin ist der IPS277L beim Preisvergleichsportal Geizhals (Stand 8. August 2012. 14:48 Uhr) in den Hardware-Top-10 auf Platz 2. Das Interesse ist nicht zuletzt wegen des suggerierten dünnen Rahmens groß. LG gelobt aber Besserung und will sogar den Schaden wieder gut machen: "Wir haben sofort damit begonnen, diese missverständliche Darstellung zu berichtigen und die Bilder auszutauschen. Bis jetzt sind in Deutschland nur wenige Geräte im Handel. Kunden, die bereits einen IPS7-Monitor erworben haben und mit dem Design unzufrieden sind, bieten wir als Entschädigung einen Gutschein unseres Partners Cyberport über 20 Euro an. Selbstverständlich können sie das Gerät alternativ auch gegen Erstattung des Kaufbetrags umtauschen, wir hoffen jedoch, dass die übrigen Features und die hervorragende Bildqualität der IPS7-Serie unsere Kunden ungeachtet dieses Irrtums überzeugen."

Nachtrag vom 8. August 2012, 16:17 Uhr

In einer ursprünglichen Fassung des Artikels haben wir das Bewerben von MHL kritisiert. Offenbar können die beiden LG-Monitore Smartphones per HDMI-zu-MHL-Adapter aufladen, was mit einem einfachen Adapter nicht möglich wäre. Die entsprechende Passage wurde entfernt.


sticks_el 10. Jan 2013

Ich hätte zwei gekauft, aber habe gerade entdeckt das das Ding gar keine VESA...

MArc. 15. Okt 2012

Doch. Ich.

Raumzeitkrümmer 11. Aug 2012

Ein Glück, dass da niemand haltlos aus dem Rahmen gefallen ist...

Raumzeitkrümmer 11. Aug 2012

...wegen dem seine Intelligenz ;-)

Anonymer Nutzer 10. Aug 2012

ich glaube eher dass es hier mal wieder unterschiedliche Standarts eine Rolle spielen und...

Kommentieren



Anzeige

  1. Senior Ingenieur (m/w) Software-Integration
    e.solutions GmbH, Ulm
  2. (Junior) Consultant (m/w) Big Data / Business Intelligence / Data Warehouse
    saracus consulting GmbH, Münster und Baden-Dättwil (Schweiz)
  3. Projektmanager (m/w) für Projekte im Bereich Store Solutions
    GK SOFTWARE AG, Schöneck / Vogtland, Berlin, St. Ingbert / Saarland
  4. Senior Consultant (m/w) Webportale / Softwarearchitektur
    USU AG, München (Home-Office möglich)

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Air Food One

    Post liefert online bestelltes Lufthansa-Essen nach Hause

  2. Threshold

    Microsoft China scherzt über Startmenü in Windows 9

  3. Lieferdrohnen

    Nasa entwickelt Leitsystem für Flugroboter

  4. Radeon R9 285

    Die schnellste Grafikkarte mit nur zwei 6-Pol-Anschlüssen

  5. Bitcoin

    Charles Shrem will sich schuldig bekennen

  6. Mozilla

    Firefox 32 verbessert Werkzeuge und Leistung

  7. Shiro Games

    Evoland 2 soll Hommage an Rollenspiel-Genre werden

  8. Gegen Vectoring

    Tele Columbus erhöht auf 150 MBit/s

  9. Libdrm

    Mesa bekommt erste Android-Unterstützung

  10. Die Sims 4

    Erster Patch macht Zäune zu Zäunen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Test Infamous First Light: Neonbunter Actionspaß
Test Infamous First Light
Neonbunter Actionspaß
  1. Infamous Erweiterung First Light leuchtet Ende August 2014

Test Bioshock für iOS: Unterwasserstadt für die Hosentasche
Test Bioshock für iOS
Unterwasserstadt für die Hosentasche
  1. Unter Wasser Bioshock auf iOS-Geräten

Überschall-U-Boot: Von Schanghai nach San Francisco in 100 Minuten
Überschall-U-Boot
Von Schanghai nach San Francisco in 100 Minuten

    •  / 
    Zum Artikel