Ambient Assisted Living Der Sessel wird zur Ruderbank

Die Peitsche knallt nicht wie auf der Galeere, aber gerudert wird trotzdem: Wer in dem Fitness-Sessel des Fraunhofer IIS Platz nimmt, kann nicht einfach einen Film genießen. Ist der Sitzende nicht gut genug, wird er zum Training aufgefordert.

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Der alte Witz, man müsse den Samstagnachmittag im Sofa vor dem Fernseher verbringen, weil der Arzt Sport verordnet habe, dürfte mit diesem Sessel ausgedient haben: Er animiert den allzu faulen Sofasurfer, sich zum Geschehen auf dem Bildschirm zu bewegen.

Die Polster des Möbels, das die Bezeichnung Gewos-Sessel (von: Gesund wohnen mit Stil) trägt, sind gespickt mit allerlei Messinstrumenten: Sitzkissen, Rücken- und Armlehne erfassen ständig die Vitaldaten des Sitzenden. Ein in das Möbelstück integriertes Tablet verarbeitet die Daten und funkt sie per Bluetooth und WLAN zum Fernseher. "Der Nutzer sieht hier auf einen Blick, wie sich Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung des Bluts, Blutdruck oder Körpergewicht in einem bestimmten Zeitraum entwickeln", sagt Sven Feilner vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS), wo Gewos entwickelt wurde.

Individueller Trainingsplan

Der Sessel wertet die Vitaldaten aus. Weichen sie von den Normwerten ab, zeigt das System dem Nutzer, wie er gesünder sitzen kann. Aber nicht nur das: Zu dem System gehört auch ein virtueller Gesundheitsassistent, der für jeden Sitzer einen individuellen Trainingsplan erstellt.

Immerhin muss der Fernsehgucker sich, um diesen zu erfüllen, nicht von seiner geliebten Mattscheibe weg bewegen: Der Sessel ist nämlich auch gleich das Trainingsgerät. Vorne klappt eine Stütze für die Füße aus, die Armlehnen werden zum Griff - der ganze Sessel wird zu einer Rudermaschine. Sport vor dem Fernseher - wer das Erlebnis authentisch gestalten will, schaut sich dazu Ben Hur oder Der alte Mann und das Meer an. Wer mehr Ehrgeiz entwickelt, soll auch gegen einen virtuellen Gegner antreten.

Webplattform

Auch dabei sammeln die Sensoren natürlich Daten. Stellt das System fest, dass der Nutzer die Übungen nicht richtig macht, weist es ihn darauf hin. Darüber hinaus gehört zu dem Sessel eine Webplattform, über die beispielsweise Ärzte die Gesundheitsdaten abrufen können.

Entwickelt wurde der Fitness-Sessel vor allem für Senioren, die zu Hause wohnen und sich fit halten wollen. Die Forscher von dem Erlanger Institut wollen ihn auf der Cebit Anfang März in Hannover präsentieren. Ziel des Gewos-Projekts ist, ein System zu schaffen, das einfach zu bedienen ist und von den Senioren akzeptiert wird.

Das zumindest scheint gelungen: Die Fraunhofer-Forscher stellten einen Prototyp 2012 auf einer Konferenz zu Ambient Assisted Living vor. Dort wurde der Sessel von einer Gruppe von 100 Senioren, die 14 verschiedene Assistenzprodukte testeten, auf den ersten Platz gewählt. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir den Sessel in absehbarer Zeit zusammen mit unseren Partnern auf den Markt bringen können", sagt Feilner.


rooowdy 03. Feb 2013

Für das Sonnenlicht gibt es Lampen, die es imitieren. Und für frische Luft einfach das...

sabrehawk 01. Feb 2013

aber der hätte sicher auch das nötige Kleingeld für son Monstrum gehabt. Typische Renter...

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