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Die Fülle der Linux-Distributionen ist mittlerweile schier unüberschaubar.
Die Fülle der Linux-Distributionen ist mittlerweile schier unüberschaubar. (Bild: David Stanley/Flickr.com/CC-BY 2.0)

Distros auf abseitigen Pfaden

Die mehr oder weniger stark ausgeprägte Ernsthaftigkeit der Entwicklung von Linux-Distributionen schlägt sich oft in ihren teils an die Popkultur angelehnten absurden Namen und dem dazugehörigen Artwork nieder. Ein besonders bekanntes Beispiel ist Rebecca Blacks Liedchen "Friday". Der Song der 13-Jährigen ging viral, das zugehörige Video erhielt die meisten Negativbewertungen aller Zeiten. Friday wurde wahlweise als "schlechtester Song aller Zeiten", "bizarr" oder "unbeholfen" bezeichnet. Das hielt Nerdopolis, einen Fan von Displaymanager Wayland und Rebecca Black zugleich, jedoch nicht davon ab, seiner Wayland-Test-Distribution den Namen Rebecca Black OS zu verpassen.

Die Debian-basierte Zusammenstellung gibt es für 32- und 64-Bit-Systeme, sie startet eine Wayland-Live-Session. Sie bringt neben Wayland-Toolkits und -Anwendungen einige Desktop-Shells und Compositoren auf Wayland-Basis mit, etwa Hawaii, Orbital, Papyros und den Weston Example Desktop. Die Distribution ist also durchaus nützlich.

Bieberismus

Weniger trifft das auf Justin Bieber Linux zu, auch bekannt als Biebian, das dem singenden Teeniestar gewidmet ist. Der namenlose Distributionserfinder erklärt freimütig, dass sein Linux ein Witz sei. Die Idee entstand in einem 4chan-Channel.

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  • Yggdrasil gehörte zu den frühen Linux-Distributionen und ließ sich von einer CD starten. (Bild: Wikipedia, User: Ralfk - CC-BY-SA 3.0)
  • Ein tschechisches Blog erlaubt noch einen nachträglichen Eindruck von Evil Entity, das Enlightenment als Desktopumgebung nutzte, aber inzwischen nicht mehr unter uns weilt.(Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Nicht nur beim Booten verzichtet Devil-Linux auf eine grafische Oberfläche.(Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Ubuntu Satanic Edition (Webseite) zielt vor allem auf Heavy-Metal-Anhänger ab, hat aber leider bereits Rost angesetzt. Dafür ist freie Heavy-Metal-Mucke eingebaut. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Christian Edition setzt auf verschiedene Sorten von Bibelstudien-Software. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Moksha-Radiance ist eines der Themes für den Moksha-Desktop. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Idyll mit Flakgeschützen: Nordkoreas Linux-Macher verstehen volles Rohr was von Romantik. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die rote Fahne von Red Flag Linux flatterte nur eine Dekade lang. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Tiny Core Linux ist modular und braucht in der einfachsten Variante sehr wenig Platz. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Puppy gehört zu den Klassikern unter den Linux-Winzlingen und heißt nach einem Chihuahua. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Webseite von Justin Bieber Linux, das auf einem 4chan-Gag basiert. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Macher von Hannah Montana Linux haben sich beim Theme ziemlich reingehängt. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Macher vom Deepin-Linux haben einen eigenen Desktop entwickelt. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
Die Webseite von Justin Bieber Linux, das auf einem 4chan-Gag basiert. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)


Der alleinige Unterschied der Distribution zu einem gewöhnlichen Puppy sind einige mitgelieferte Justin-Bieber-Wallpaper. Dass die Distribution auf Puppy Linux Lucid 525 basiere, sei Teil des Witzes, erklärt der Macher. Tatsächlich war Justin Bieber im Distributions-Entstehungsjahr 2011 gerade einmal 17 Jahre alt und damit ein "Welpe". Updates für die Distribution gab es nie.

Linux für Sitcom-Charaktere

Biebian war jedoch nicht die erste Distribution, die sich einem Teeniestar widmete. Die Macher von Biebian nannten das lilagetränkte Hannah Montana Linux (HML) als ihr Vorbild. Die Disney-Sitcom Hannah Montana mit Miley Cyrus in der Hauptrolle wurde zwischen 2006 und 2010 gedreht und erfreute sich bei einem meist sehr jungen und überwiegend weiblichen Publikum großer Beliebtheit. Die Figur war bei Mädchen laut einer Umfrage von 2011 beliebter als Barbie, es gab Filme und Videospiele und eben auch die nicht ganz ernst gemeinte Linux-Distribution.

  • Yggdrasil gehörte zu den frühen Linux-Distributionen und ließ sich von einer CD starten. (Bild: Wikipedia, User: Ralfk - CC-BY-SA 3.0)
  • Ein tschechisches Blog erlaubt noch einen nachträglichen Eindruck von Evil Entity, das Enlightenment als Desktopumgebung nutzte, aber inzwischen nicht mehr unter uns weilt.(Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Nicht nur beim Booten verzichtet Devil-Linux auf eine grafische Oberfläche.(Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Ubuntu Satanic Edition (Webseite) zielt vor allem auf Heavy-Metal-Anhänger ab, hat aber leider bereits Rost angesetzt. Dafür ist freie Heavy-Metal-Mucke eingebaut. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Christian Edition setzt auf verschiedene Sorten von Bibelstudien-Software. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Moksha-Radiance ist eines der Themes für den Moksha-Desktop. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Idyll mit Flakgeschützen: Nordkoreas Linux-Macher verstehen volles Rohr was von Romantik. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die rote Fahne von Red Flag Linux flatterte nur eine Dekade lang. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Tiny Core Linux ist modular und braucht in der einfachsten Variante sehr wenig Platz. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Puppy gehört zu den Klassikern unter den Linux-Winzlingen und heißt nach einem Chihuahua. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Webseite von Justin Bieber Linux, das auf einem 4chan-Gag basiert. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Macher von Hannah Montana Linux haben sich beim Theme ziemlich reingehängt. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Macher vom Deepin-Linux haben einen eigenen Desktop entwickelt. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
Die Macher von Hannah Montana Linux haben sich beim Theme ziemlich reingehängt. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)


HML basierte auf Kubuntu und brachte KDE 4.2 mit. Das Themeing ging wesentlich weiter als bei Biebian, es schloss neben Wallpaper auch das Grub-Menü, den Bootsplash und den Anmeldebildschirm ein. Der Installationsassistent begrüßte die entzündeten Augen mit Lila und Neongrün, selbst die Icons waren teilweise angepasst. Ein Youtube-Video zeigt HML in seiner ganzen Pracht.

Kann das weg?

Während sich die bisher genannten Linux-Distributionen mehr oder weniger gut in bestimmte Kategorien sortieren lassen, gibt es noch die einen oder anderen merkwürdigen Kandidaten, die wenig bekannt und teils auch nicht so recht einzuordnen sind.

Die 2004 als Hiweed Linux gestartete Linux-Distribution heißt inzwischen Deepin, aktuell ist die Version 15.2. Es basiert auf Debian Unstable und verwendet mit dem Deepin Desktop Environment einen selbst entwickelten Desktop. Auch sonst haben die Entwickler viele Werkzeuge speziell für die Distribution gebaut und fokussieren sich auf den chinesischen Markt.

  • Yggdrasil gehörte zu den frühen Linux-Distributionen und ließ sich von einer CD starten. (Bild: Wikipedia, User: Ralfk - CC-BY-SA 3.0)
  • Ein tschechisches Blog erlaubt noch einen nachträglichen Eindruck von Evil Entity, das Enlightenment als Desktopumgebung nutzte, aber inzwischen nicht mehr unter uns weilt.(Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Nicht nur beim Booten verzichtet Devil-Linux auf eine grafische Oberfläche.(Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Ubuntu Satanic Edition (Webseite) zielt vor allem auf Heavy-Metal-Anhänger ab, hat aber leider bereits Rost angesetzt. Dafür ist freie Heavy-Metal-Mucke eingebaut. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Christian Edition setzt auf verschiedene Sorten von Bibelstudien-Software. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Moksha-Radiance ist eines der Themes für den Moksha-Desktop. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Idyll mit Flakgeschützen: Nordkoreas Linux-Macher verstehen volles Rohr was von Romantik. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die rote Fahne von Red Flag Linux flatterte nur eine Dekade lang. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Tiny Core Linux ist modular und braucht in der einfachsten Variante sehr wenig Platz. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Puppy gehört zu den Klassikern unter den Linux-Winzlingen und heißt nach einem Chihuahua. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Webseite von Justin Bieber Linux, das auf einem 4chan-Gag basiert. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Macher von Hannah Montana Linux haben sich beim Theme ziemlich reingehängt. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
  • Die Macher vom Deepin-Linux haben einen eigenen Desktop entwickelt. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)
Die Macher vom Deepin-Linux haben einen eigenen Desktop entwickelt. (Bild: Kristian Kißling/Linux Magazin)


Auch Yello Dog Linux war eine Zeit lang recht bekannt, denn es lief auf der Power-PC-Architektur (Power7) und damit nicht nur auf Apple-Rechnern, sondern auch auf der Playstation 3 von Sony. Es eignete sich besonders für den Betrieb auf Clustern. Die letzte bekannte Version 7.0 erschien 2012, ließ sich aber nur in Verbindung mit einem recht kostspieligen IBM Powerlinux 7R2 Server verwenden, den das Unternehmen aktuell für etwa 20.000 US-Dollar anbietet.

Andere Linux-Distributionen versuchten indes, komplett neue Marschrichtungen einzuschlagen, um Dinge zu ändern, die sie für falsch halten. Zu nennen ist hier etwa Gobolinux, das das Dateisystem als Datenbank für den Paketmanager verwendet und die bekannte Filesystem Hierarchy (FSH) über Bord werfen möchte. Die Macher erhoffen sich davon "ein sauberes System". Als Desktop verwendet Gobolinux Enlightenment. Das letzte Release stammt vom Mai 2014, Distrowatch bezeichnet die Distribution aber als weiterhin aktiv.

Auf einer Mission sind auch die Macher der Static Linux Distribution, abgekürzt Stali. Wie schon die Gobolinux-Entwickler ignorieren sie die offizielle Dateisystem-Hierarchie und verzichten auf den Einsatz von Systemd. Zugleich, und das ist wohl der wichtigste Punkt, bieten sie Software aus Performancegründen nur als statisch gelinkte Binärdateien an. Wo es geht, komme die Musl-C-Standardbibliothek zum Einsatz, um die Größen ihrer statisch gelinkten Binärdateien zu reduzieren. Stali soll zudem weniger Arbeitsspeicher belegen, da es auf dynamisches Linken verzichtet. Zugleich folgt das Projekt einer eigenen "Suckless-Philosophie", die auf der Webseite nachzulesen ist.

25 Jahre einfache Bastelei

Bei diesem kurzen Abriss der vergangene 25 Jahren Linux wird vor allem auch mit Blick auf Justin Bieber Linux deutlich, dass jeder Depp ohne großen Aufwand eine eigene Linux-Distribution bauen kann. Im einfachsten Fall werden dafür schlicht die Hintergrundbilder geändert. Kritiker haben das immer wieder moniert, dabei zeigen sich in dieser Bastelkultur durchaus positive Effekte.

So entstanden in einem quasi evolutionären Prozess viele nützliche Programme und innovative Funktionen wie neue Paketverwaltungen, Desktopumgebungen oder Initsysteme. Da kann es schon mal passieren, um im evolutionären Bild zu bleiben, dass ab und an ein Dodo dabei ist. Anzumerken ist außerdem, dass viele der vorhandenen Systeme gar keine breite Masse an Nutzern ansprechen wollen. Sie sind vielmehr dazu optimiert, einen bestimmten Zweck zu erfüllen, ganz im Sinne der Unix-Philosophie: "Do one thing and do it well".

Vor allem aber erstaunt die schiere Masse an Distributionen, die mit Linux als Basis in den vergangenen Jahrzehnten das Licht der Welt erblickt haben. Und immer noch kommen weitere hinzu.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 09/2016 des Linux Magazins, das seit September 2014 wie Golem.de zum Verlag Computec Media gehört.

 Die lieben Kleinen

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quadronom 23. Sep 2016

Und wie soll das gehen? Da gibts doch keinen Registrywert für, wo man beliebige Pfade zu...

kosst.amojan 17. Sep 2016

Hab eine Titan X (nicht die neue Pascal, sondern die normale) . GW2 hat als min...

Spiritogre 14. Sep 2016

Bitte nicht "läuft nicht" mit, der Hersteller bietet keine Treiber für neue Systeme an...

Spiritogre 29. Aug 2016

Gleiche Antwort wie im anderen Thread wo du ähnliches geschrieben hast. Das ist toll für...

Dummer Mensch 27. Aug 2016

Google einfach mal nach UniOS ist relativ lustig ;)

Kommentieren



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